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Autophon AG, CH - Solothurn

Kurzwellenempfänger Autophon E - 627: der letzte Röhren - KW - Empfänger aus Schweizer Produktion

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überarbeitet am 22.7.2010

Einfachsuper, ZF 455 kHz

Analoganzeige

AM, SSB (BFO)

1,5 - 32 MHz

Empfindlichkeit

Selektivität -6 dB
ca. 4 / 6 kHz

Abschwächer, AGC, Crystal Filter
Bedienungsanleitung

Als Nachfolger des Nachkriegsgerätes E-44 entwickelte Autophon den E-627, der mit 444 Stück meistgebaute militärische Kurzwellenempfänger, der auch der letzte reine Allwellenempfänger aus Schweizer Produktion blieb. Mein Gerät wurde nachträglich durch Einbau eines Frequenzzählers modifiziert worden. Empfangsmässig leistet das Gerät Überdurchschnittliches.

Das Gerät verfügt über ein graues Metallgehäuse, bei aufgesetzem Frontdeckel sind sämtliche Bedienungselemente abgedeckt und somit vor Beschädigung geschützt, beim Betrieb kann der Deckel mit Schnappverschlüssen an der Geräterückwand angebracht werden. Die Frontplatte misst 44 cm, das Gerät 51 cm in der Breite, von Tragegriffen um jeweils 3cm überragt, mit den Gerätefüssen 27 cm in der Höhe, die Tiefe beträgt 26 cm. Das Gewicht von 19.8 kg entspricht in etwa dem, das von dem Röhrenempfänger aufgrund der Abmessungen erwartet wird, das Gerät ist zumindest durch eine Person trag-bar. Auch an der Frontplatte finden sich zu beiden Seiten zwei Tragegriffe, welche die Bedienungselemente etwas überragen und somit einen zusätzlichen Schutz verleihen.

Die Frontplatte gliedert sich zur Linken in drei Bereiche: oben Antenneneingänge und der Steckplatz für den Quarz - Fixfrequenzbetrieb, in der Mitte die Trommelskala und Bandschalter / Abstimmknopf und unten die Regler zur Beeinflussung der HF & NF - Signalverarbeitung. Die rechte Seite der Frontplatte dominiert der durch ein Drahtgitter geschützte Gerätelautsprecher und darunter Spannungswahlschalter, Netzschalter und die Eingangsbuchse für die Netzspannung. Abgedeckt und nicht beschaltet daneben ein Platz für einen separaten Speisespannungseingang.

Der Antenneneingang ist als SO 239 - Buchse ausgeführt, darunter liegt die Erdbuchse. Eine Umschaltung zwischen verschiedenen Antenneneingängen ist nicht vorgesehen, die Buchse ist allerdings problemlos auf der Frontplatte zugänglich. Links davon finden sich zwei BNC - Buchsen für Antenneneingang und erste Zwischenfrequenz, beide mit an Metallkettchen unverlierbar fixierten Deckeln versehen. Weiter zur rechten liegt ein rundes Drehspulinstrument, als S-Meter gibt es die Signalstärke an, wobei zu beachten ist, dass die Skala von 0 - 10 reicht und der Vollausschlag links liegt. Das Instrument lässt sich zur Bestimmung der Anodenspannung und zur Anzeige der Oszillatorspannung von V3 umschalten, dadurch ist im Fixfrequenzbetrieb eine Abstimmung des Geräts ohne empfangenes Trägersignal möglich.

Darunter liegt die Trommelskala, und unter dieser zur linken der grosse und griffige Bandbereichsschalter, rechts der Abstimmknopf. Ein erheblicher technischer Abstrich am E 627 ist der nicht lineare Frequenzgang. Die Wellenbereiche 1,5 - 2,5 MHz, 2,5 - 4,1 MHz, 4,1 - 7 MHz, 7 - 11,5 MHz, 11,5 - 19,2 MHz und 19,2 - 32 MHz lassen sich wählen. Der wuchtige Trommeltuner wird direkt durch die Bereichsschalterachse betätigt und ist längs im Gerät angeordnet, mittels Seilzügen erfolgt die Übertragung auf die Walze mit den verschiedenen Frequenzskalen. Die konventionelle Technik mit dem nicht linearen Frequenzgang bedingt, dass die Ablesegenauigkeit in den tieferen Frequenzbereichen wesentlich besser als auf den hohen Frequenzen ist. Auf der gesamten Skalenlänge wird im ersten Wellenbereich ein Spektrum von einem Megahertz überstrichen, was eine Ablesegenauigkeit von 5 kHz ergibt. Dagegen werden auf dem höchsten Wellenbereich Segmente von 1 MHz auf jeweils 10 mm überstrichen, die Frequenz lässt sich hier bestenfalls um 50 kHz schätzen. Gute Dienste leistet da der nachträglich eingebaute Frequenzzähler. Er hat mir zunächst den Gesamteindruck dadurch getrübt, dass der Empfänger sich nicht mehr im Originalzustand befindet, im praktischen Einsatz wurde dies durch die zuverlässige Frequenzangabe schon längst aufgewogen, umschätzbar, wenn eine Station nach einem Frequenzwechsel auf einer neuen Frequenz hörbar ist und diese nicht erst interpoliert oder geraten werden muss. Auch hier macht sich bemerkbar, dass die Abstimmung auf 1 Khz in höheren Frequenzbereichen Fingerspitzengefühl benötigt. Um zum nächsten Band kurbeln zu können, verfügt der Abstimmungsknopf über eine Griffmulde. Eine lineare Log-Skala und eine 1 : 100 Teilung am Drehknopf ermöglichten zusammen mit einer jeweils vom Operateur zu erstellenden Frequenztabelle eine ausreichende Wiederkehrgenauigkeit auch schon vor der Frequenzzähler - Ära. Die Frequenzdrift ist gering, wenn das Gerät über 30 Min. seine Betriebstemperatur gehalten hat. Eine mechanische Blockierung des Abstimmknopfes um ein unbeabsichtigtes Verstimmen im Betrieb zu verhindern, findet sich an mehreren Profiempfängern, die im vergleichbaren Zeitraum gebaut wurden, einzigartig die stufenlos regelbare Intensität der Skalenbeleuchtung.

In der untersten Reihe finden sich die Regler für den Signalweg: an einem Schalter "Anti-Fading" lässt sich die AGC einschalten, gleich daneben der Regler für den RF-Gain, mit "Empfindlichkeit" bezeichnet. Rechts davon der Drehschalter für den "Telegraphie - Überlagerer", den BFO, der den CW - und mit Abstrichen auch SSB - Empfang erlaubt. Weiter daneben der Bandbreitenschalter. Neben den Stellungen "Breit" (+/- 3,5 kHz) und "Schmal" (+/- 2 Khz) lässt sich mit der Stellung "Filter" ein schmales +/- 100 Hz Telegraphiefilter schalten. Nur in dieser Stellung ist der Regler "Kristallfilter" wirksam. Dessen Funktion ist am ehesten mit dem Phasing-Filter des Colins R-388 vergleichbar, es besitzt eine eindrückliche Notchfunktion um ein benachbartes CW-Signal oder einen störenden Träger auszublenden. Wenn auch nicht ganz so gut ist bei leichter Verstimmung das schmalbandige Filter in Kombination mit dem "Kristallfilter" auch beim AM-Empfang nutzbar, um beispielsweise im Tropenband missliebiges Utility-QRM loszuwerden. Ganz rechts liegt der Lautstärkeregler, darüber ist ein Empfang / Standby - Schalter angebracht, zusammen mit einem zugehörigen Sender war Transceive-Betrieb vorgesehen. Noch ein kleines Extra rundet den Rundgang auf der Frontplatte des E - 627 ab: von den Kopfhörerbananenbuchsen schaltet ein Paar bei Benutzung automatisch den Gerätelautsprecher aus. Unterhalb des Lautsprechers ist im Originalzustand die Stationsuhr eingebaut; da einige der Uhren neue Besitzer fanden, kommen viele der Empfänger ohne die (mit leicht radioaktiven Leuchtziffern versehene) Uhr auf den Markt, lediglich drei Löcher weisen dann noch darauf hin, dass die Uhr einen neuen Besitzer gefunden hat.

Empfangsmässig weist der 14 Röhren - Doppelsuper erstaunliche Empfangsleistungen auf, bezüglich Sensibilität und Trennschärfe liegt er im Bereiche der Drake R - 4 B/C und stellt meinen Sony SW - 55 oder den Grundig Satellit 3400 deutlich in den Schatten. Bei schwachen Stationen ist die Sprachverständlichkeit im Vergleich mit dem NRD 525 aufgrund des fehlenden Synthesizergeräusches vor allem bei schwächeren Stationen im Tropenband oder auf den höheren Bändern erfreulich gut. In den späten Abendstunden kamen WYFR und andere US-amerikanische religiöse Stationen berichtsreif herein, bei den ersten Empfangsversuchen waren mittags an einer kurzen Drahtantenne AIR in e auf 15050, R. Jordan, Amman, in e auf 15170, in arab auf 15355 und R. Australia in e auf 15530 alle mit O = 4 problemlos aufzunehmen. Abends waren auf 60 Meter das Signal sämtlicher Osteuropäer und Afrikaner die mit dem NRD 525 zu hören waren, auch mit dem E - 627 aufzunehmen. Der SSB - Empfang ist entsprechend dem Stand der Technik in den sechziger Jahren mittels BFO möglich, beispielsweise RAF Volmet auf 4722 problemlos aufzunehmen, allerdings wenig komfortabel.

Der fünfzigjährige Exot aus Schweizer Produktion ist - vor allem mit einem zusätzlich eingebautem oder auch externem Frequenzzähler (ZF 455 kHz) - als alternativer Stationsempfänger brauchbar, die Trennschärfe, Grossignalfestigkeit und Möglichkeiten der Signalnachbearbeitung erlauben erfreuliche Empfangserlebnisse.

weitere Lektüre:
d: das Fernmeldematerial der Schweizer Armee, 7. Folge, R. J. Ritter
d: www.radiomuseum.org

© Martin Bösch 26.5.2001