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Barlow's Television Co., P.O.Box 23, New Germany, Natal, Rep. of South Africa
Barlow Wadley XCR - 30 Professional, © Rainer Lichte / addx

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Barlow Wadley
XCR - 30
 
Empfängerliste

überarbeitet am 22.7.2010

Doppelsuper, ZF 45 MHz, 455 kHz

Analoganzeige 5 kHz

500 kHz - 30 MHz

AM, USB / LSB, (UKW-FM optional)

Empfindlichkeit

Selektivität -6/-60 dB
AM 6 / 17 kHz, SSB 3 / 13 kHz

Preselektor, S-Meter

Mit diesem Gerät fing es an, das DXen mit einem wirklich tragbaren Allbandempfänger. Vor etwa zehn Jahren tauchte der Urtyp des XCR-30 erstmals auf und hat seither ungezählte Liebhaber gefunden. Dieses immer noch aus Südafrika importierte Gerät verbirgt hinter der bieder wirkenden Front ein leistungsfähiges Empfangsteil mit bisher unerreichter Einfachheit der Bedienung. Der XCR-30 empfängt AM, SSB und CW-Signale im Frequenzbereich von 0,5 bis 30 MHz. Als Koffergerät konzipiert und für problemlosen Batteriebetrieb ausgelegt, wurde der "Barlow" sehr bald zum beliebten Gerät für Weltenbummler. Robuste Konstruktion und geringe Größe machen echten Portabel-Betrieb möglich.
Das Geheimnis der verblüffenden Leistung des unscheinbar aussehenden Koffergerätes liegt in der von Dr. T. L. Wadley Mitte der fünfziger Jahre entwickelten Schaltungsvariante, auch als Wadley- Loop bekannt. Diese Schaltungsart liegt auch den bekannten kommerziellen RACAL- Empfängern zugrunde. Effektiv arbeiten die Geräte als Zweifach- Superhet, wobei für die 1. ZF aufwärts gemischt wird. Diese Konstruktionsart wurde später - nach Ablauf der Patentrechte - in vielen bekannten KW-Empfängern verwendet.

Das Verfahren ist sehr flexibel und erlaubt z.B. die Verwendung moderner PLL-Schaltungen und Balance- Modulationen in IC-Technik. Im XCR-30 wird jedoch mit einem Minimum an ganz normalen Bauteilen gearbeitet, daher ist die Servicefreundlichkeit in dieser Hinsicht bemerkenswert.
Getestet wurde ein Gebrauchsgerät, leihweise zur Verfügung gestellt. Dabei handelte es sich um eine Professional-Version mit dreistufiger Bandbreitenschaltung.

Die Platine Die Skala, einfach genial

Das Gerät
Ein stabiles, mit schwarzem Kunstleder bezogenes Metallblech-Gehäuse enthält das Innenleben des Empfängers. Das Batteriefach für sechs Monozellen ist auf der Innenseite der abklappbaren Rückwand befestigt. Die Gerätefront besteht aus massivem Aluminium-Druckguß. Der fest montierte Tragegriff auf der Oberseite erlaubt sicheren Transport. Eine einfache, aber zweckmäßige Halterung für Stationslogs und Frequenztabellen wird mittels einer Federmechanik unter dem Tragegriff aufgeklappt. Hier läßt sich bei Bedarf auch noch ein UKW-Tuner aufsetzen. Die Anschlüsse für externe Antenne und Erde befinden sich auf den gegenüberliegenden Enden der Geräteoberseite. Dabei handelt es sich um hierzulande gänzlich unübliche 3 mm-Buchsen. Das Gewicht von 4.3 kg überrascht zunächst, denn mit Abmessungen von 30 x 19 x 10 (BHT in cm) ist der XCR-30 wahrlich ein echtes Kofferradio.
Eine recht kurze (80 cm) Stabantenne ist auf der linken Oberseite versenkt eingebaut. Sämtliche Bedienungselemente befinden sich auf der klar gegliederten Vorderseite. Die für die einfache Handhabung des XCR-30 entscheidenden Frequenzeinsteller liegen rechts und links in den oberen Ecken der Frontplatte. Dabei handelt es sich um geriffelte, kegelförmig abgeschrägte Einstellscheiben, die direkt mit den jeweiligen Abstimmkondensatoren und den dazugehörenden Skalen verbunden sind. Mit dem linken Einsteller werden die MHz-Segmente von 0 bis 30 vorgewählt, mit dem rechten Einsteller die kHz-Zahl innerhalb eines 1 MHz- Bandes.
Die sauber in grün markierten Trommelskalen befinden sich hintereinem kleinen Acrylglas- Fenster in der Mitte oben. Die effektive Skalenlänge im kHz-Bereich beträgt 24 cm für 1 MHz- Abstimmbereich. Die Sogmente der MHz-Einstellung sind etwa 1 cm breit, die Einstellpunkte sind nicht gerastet. Auf der kHz-Skala gibt es alle 10 kHz eine Strichmarkierung, zusätzlich Ziffern in Abständen von 50 kHz. Die Ablesegenauigkeit kann daher 5 kHz betragen.
Der Drehknopf oben links ist mit "antenna trim" bezeichnet, er dient der Vorselektion und der Antennenanpassung. Die dazugehörende Skala ist - dem Frequenzbereich entsprechend - von 0,5 bis 30 markiert. Unter diesem Knopf sitzt der mit dem Ein/Aus- Schalter kombinierte Lautstärkesteller. Der Drehknopf rechts oben dient der Feinabstimmung, die Frequenzvariation beträgt ca. 1.8 kHz. Besonders bei SSB- Empfang läßt sich hiermit gut arbeiten. Letzter der vier symmetrisch angeordneten Knöpfe ist der Betriebsartenschalter. Damit können AM, LSB und USB gewählt werden. Die USB-Stellung dient ferner der Nacheichung innerhalb eines 1 MHz-Bandes. Zu diesem Zweck wird die kHz-Skala genau auf 000 gebracht und mit einem winzigen Knöpfchen unterhalb des ebenso winzigen Anzeigeinstrumentes auf Schwebungsnull eingestellt.
Unter dem Betriebsartenschalter sitzt bei der Professional- Ausführung der Bandbreitenschalter. Es gibt drei Stellungen: 6, 3 und 1.5 kHz Bandbreite bei jeweils -6 dB. Die Bandbreiten sind nicht markiert. Hinter dem großen Grill in der Mitte ist der 8.6 cm große Lautsprecher montiert. Die gesamte Schaltung befindet sich auf einer großen, vertikal im Gerät montierten Platine. Das Gehäuse läßt sich gut zerlegen, auch von der Zugänglichkeit her ist der Service ohne Problem. Die Art der Schaltung (z.B. Luftspulen) und das verwendete Schaltungsprinzip machen Fehlersuche und -behebung zur Arbeit für den erfahrenen Fachmann.
An der linken Seite des Gehäuses sind Buchsen für Kopfhörer und externes Netzteil (9 Volt DC) eingelassen. Die Verarbeitungsqualität ist ordentlich, aber in keiner Weise dem Neupreis des Gerätes entsprechend.

Betriebsergebnisse
Die Bedienung des XCR-30 hat ihre Tücken - oder Feinheiten, je nach Geschmack. Es ist dringend erforderlich, sich mit der Handhabung vertraut zu machen. Bedienungsfehler oder auch nur Unachtsamkeiten verschlechtern die Empfangsleistung um ganze Größenordnungen. Zunächst sollte die - deutsche - Bedienungsanleitung sehr sorgfältig studiert werden. Danach wird am Gerät geübt. Hat man erst einmal das Zusammenspiel von Antennenabstimmung (sehr scharfer Peak), MHz-Raster (Maximum am S-Meter), kHz-Abstimmung und Bandbreitenschaltung verstanden, so sind die Empfangsleistungen beeindruckend. Selbst im MW-Bereich läßt sich mit der Stabantenne arbeiten. Um hier allerdings DXen zu können, bedarf es einer externen Antenne, die sich bei der Originalversion leider nicht so einfach zur Wirkung bringen läßt. Die dazu notwendige Modifikation wird im Anhang erwähnt. Auf jeden Fall läßt sich auch im MW- Bereich eine sehr gute Empfindlichkeit erreichen. Die wirksame Bandbreitenschaltung benutzt Keramikfilter älteren Typs, die Weitabselektion ist nicht überragend. Die Filtersteilheit ist dagegen gut. Mit neueren Murata-Filtern der CFJ-Serie könnte allerdings bedeutend mehr erreicht werden. Das 1.5 kHz-Filter hat unüblich hohe Verluste, die sonst exzellente Empfindlichkeit läßt sich mit diesem Filter bzw. dieser Schaltkombination nicht verwerten.
Das Signalstärkeinstrument hat nur fünf einfache Strichmarkierungen, es ist viel zu klein um deutlich lesbar zu sein. Die Bezeichnung S-Meter ist eine starke Obertreibung für diesen Winzling.
Zu hören ist mit dem XCR-30 ab 2 MHz ohne größeren Antennenaufwand fast alles, Langdrahtantennen sind mit Vorsicht zu benutzen. Es ist keinesfalls damit getan, einfach 15 m Draht anzuklemmen. Der Barlow benötigt einen Preselector mit Abschwächer zwischen Antenne und Gerät.
Aber auch mit der eingebauten Stabantenne ist der XCR-30 empfangsmäßig ein Riese. Der etwas wackelige Knopf für die so wichtige Vorabstimmung erschwert das Finden des sehr scharfen Resonanzpunktes, die dazugehörende Skala ist wegen ihrer logarithmischen Teilung schlecht abzuschätzen.
Die tatsächliche Frequenzeinstellgenauigkeit beträgt nach einiger Übung 5 kHz, eher etwas besser, da ja zwischen den Teilungen linear interpoliert werden kann. Das Schaltungsprinzip kompensiert Frequenzdrift durch subtraktive und additive Mischung, die Stabilität ist daher für ein Koffergerät ganz ausgezeichnet.
Die Ausrüstung des Gerätes ist spartanisch, es wird auf Skalenbeleuchtung, Verstärkungseinstellung und ein wirklich brauchbares S-Meter verzichtet. Dafür ist dies eben ein tragbarer Kofferempfänger. NF-Leistung und -qualität sind bescheiden, der Klirrfaktor geht ab mittlerer Lautstärke schnell in die Höhe. Dafür ist die NF bei SSB-Empfang überraschend sauber.
Neuere Kofferempfänger mit Digitalanzeige haben zwar eine bessere Ablesegenauigkeit (wenn der Referenzoszillator stimmt), sind aber in den seltensten Fällen so schnell abzustimmen wie der XCR-30. Die KW-Empfangsleistung dieses unscheinbaren Gerätes wird derzeit von keinem Koffergerät deutlich übertroffen. Allenfalls der DR-29 von Panasonic kann da konkurrenzfähig bleiben.

Wertung und Kritik
Neben den wirklich lobenswerten Empfangsleistungen sollen die Unzulänglichkeiten dieses Oldtimers nicht vergessen werden. Die Bedienung erfordert beträchtliches Geschick und muß immer sehr sorgfältig geschehen. Das Verhalten des XCR-30 an Lanydrahtantennen ist problematisch. Die Gesamtqualität entspricht nicht dem Neupreis von ca. DM 800.00.
Unbrauchbares S-Meter, wackelnde Knöpfe, fehlende Skalenbeleuchtung, schlecht angepaßter Kopfhörerausgang, bescheidene NF-Gualität, praxisfremde Antennenanschlüsse und relativ hoher Preis machen dieses Gerät zu einem - wenn auch bemerkenswerten - Außenseiter.
Derzeit gibt es mindestens ein halbes Dutzend vergleichbarer Kofferempfänger, die fast ebensogute Empfangsleistungen liefern, inklusive fast aller der eben erwähnten Ausstattungsdetails. Dabei ist die Bedienung dieser neueren Geräte zwar nicht so genial einfach wie die des Barlow, dafür aber bedeutend sicherer.
Das ungewöhnliche Schaltungsprinzip macht den Service problematisch; nicht jede Reparaturwerkstatt kann diesem Gerät wieder auf die Sprünge helfen. Als Gebrauchsgerät ist der XCR-30 manchmal recht preisgünstig zu haben. Insbesondere für Nostalgie- Fans ist dieser Empfänger fast unwiderstehlich. Wie das Testgerät (Seriennummer 3584) beweist, kann auch nach Jahren noch gute DX-Leistung erwartet werden.

Zusammenfassung
Die durchweg guten Empfangsleistungen des XCR-30 können nicht darüber hinweg täuschen, daß dieses Gerätekonzept mittlerweile überholt ist. Neuere Geräte bringen entsprechende Leistungen bei unproblematischer Bedienung, genauerer Ablesung und besserem Preis/ Leistungsverhältnis. Als Gebrauchsgerät ist der XCR-30 trotzdem zu empfehlen, dann aber in der Ausführung "Professional" mit der Dreifach- Bandbreitenschaltung. Der Preis sollte dann um DM 450.00 liegen.
Eine gewisse Faszination kann dem Gerät nicht abgesprochen werden. Daher dürfte so mancher XCR-30 beim Besitzer bleiben und in stiller Abendstunde neueren PLL/ Digital/ Allband/ IC-Empfängern zeigen, was schon um 1970 möglich war.

Nachbemerkung
Die Unzulänglichkeiten in der Ausstattung wurden bereits 1974 in einem ausführlichen Artikel in weltweit hören behandelt. Modifikation für die Antenneneingangsschaltung, Koax- Antennenanschluß, Antennenanpassung im MW-Bereich, Skalenbeleuchtung und NF-Ein-/Ausgang wurden dort beschrieben.

Barlow Wadley XCR-30: Technische Daten und Messwerte
Hersteller Barlow's Television Co., P.0. Box 23, Natal, Rep. of South Africa
Vertrieb Fachhandel
Gerätetyp Koffergerät
Schaltungstyp Wadley Doppelsuper
Frequenzbereiche 0,5 - 30 MHz, UKW-Teil als Zusatzgerät
Frequenzanzeige analog, Rundskalen (Trommel)
Ablesegenauigkeit +/- 5 kHz
Absolute Genauigkeit +/- 1 kHz, nachstellbar
Frequenzstabilität bei dT von 10°C +/-2 kHz
innerhalb 1 Stunde +/- 1.6 kHz
Besonderheiten tragbarer echter DX-Empfänger, Preselektor, unschlagbar einfache Analogabstimmung. Massives Gehäuse. ProVersion: Dreifach- Bandbreitenumschaltung. SSB/CWBetrieb.
HF-Teil
Empfindlichkeit

in uV an 50 Ohm bzw. 1 KOhm bei BC
0.1 MHz - 1.5 MHz für 26 dB S+ N/N
2 MHz - 30 MHz für 6dB S+N/N
Modulation AM, 400 Hz, 30 Prozent

Frequenz (MHz) AM breit AM schmal SSB
0.5 38 59 -
1 34 51 -
1.5 34 51 -
2 1.7 1.9 0.9
5 1.4 1.5 0.9
7 1.7 1.9 0.9
10 1.9 2.7 1.1
15 2.1 2.0 1.5
20 2.0 2.1 1.4
25 1.8 1.7 1.1
30 1.4 1.8 0.9

Trennschärfe (kHz): 7 MHz +/- 1 MHz

  -6 dB -60 dB
breit 6.2 18.6
schmal 3.5 10.4
SSB 2.1 5.8

Spiegelfrequenzsicherheit 59 dB
Zf-Festigkeit -
AGC-Regelbereich mehr als 60 dB
Abstimminstrument S1 = 1 uVolt, Mitte = 60 uVolt, Ende = 400 uVolt
Antennen Stabantenne 80 cm
Antennenanschluß Antenne/Erde, Buchsen 3 mm
Sonstiges: Ablesegenauigkeit/ Eichung einstellbar, sehr wirksame Antennenanpassung, UKW-Tuner nachrüstbar

NF-Teil
Leistung, Sinus 0.4 Watt, 10% TH D
Frequenzgang 84 - 6'100 Hz, +/- 3 dB
Tonblende -
Störbegrenzer ja, eingebaut
Lautsprecher 8.6 cm Durchmesser
Anschlüsse Ohrhörer, externes Netzteil

Stromversorgung Netzteil 9 Volt
Batterie sechs Monozellen
Leistungsaufnahme ca. 2.1 Watt maximal
Maße 30 x 19 x 10 BHT in cm
Gewicht 4.3 kg
Bestückung 18 Transistoren, 11 Dioden
Zubehör Betriebsanleitung, Schaltbild
FTZ-Nummer -
Preis ca. DM 700, ca. DM 800,- Pro- Version

© R. Lichte, Kurzwellenempfänger, die Qual der Wahl