Home

Barlow's Television Co., P.O.Box 23, New Germany, Natal, Rep. of South Africa
Barlow Wadley XCR - 30

Logo
Reiseempfänger
Portable Empfänger
Stations-Empfänger
Oldie - Empfänger
"Boatanchors"
Militärisches Gerät
 
Barlow Wadley
Blaupunkt
Braun
Grundig
ITT
japan.Empfänger
Panasonic
Pan Intl.
Philips
Nordmende
russ.Empfänger
Sangean
Sanyo
Siemens
Sony
Zenith
 
Barlow Wadley
XCR - 30
 
Empfängerliste

überarbeitet am 22.7.2010

Um 1970 erweckte ein Kofferempfängern unter den Kurzwellenhörern viel Aufsehen. Basierend auf der Wadley Loop - Schaltung, die erstmals beim kommerziellen englischen Empfänger Racal RA - 17 L zum Einsatz kam, hatte Dr. T. L. Wadley einen Reiseempfänger konzipiert, der vom südafrikanischen Mischkonzern Barlow's Television Co. hergestellt wurde und auch nach Europa importiert wurde. Dieser Kofferempfänger hatte unter anderem die Grundig Satellit Empfänger, den Zenith Transoceanic, den Panasonic RF - 2200 und den Sony Earth Orbiter CRF 5080 / 6090 zu Konkurrenten. Aufgrund des Schaltungskonzeptes ermöglichte der Barlow Wadley XCR-30 stabilen Empfang auch im ECSS- Betrieb (Empfang schwacher AM-Stationen im Einseitenbandmodus mit Zumischung des internen Trägers) und verfügte auf der linearen Analogskala über eine Ablesegenauigkeit von 5 kHz mit grosser Wiederkehrgenauigkeit.

Doppelsuper, ZF 45 MHz, 455 kHz

Analoganzeige 5 kHz

500 kHz - 30 MHz

AM, USB / LSB, (UKW-FM optional)

Empfindlichkeit

Selektivität -6/-60 dB
AM 6 / 17 kHz, SSB 3 / 13 kHz

Preselektor, S-Meter

Service Manual Servie Manual mit Schemata: Service Manual and Schematics

Der 29,5 x 18,5 (23,5 mit Traggriff) x 10 grosse und 4,3 kg schwere Kofferempfänger verfügt zur Vermeidung von Interferenzen im Bereich von 45 - 75 MHz aufgrund des Mischverfahrens über ein stabiles Metallgehäuse mit schwarzem Kunstlederüberzug an den Schmalseiten. An der Oberseite findet sich ein Traggriff, darunter kann eine Kurzwellen- Bandtabelle ausgeklappt werden. Die Geräterückseite kann abgeschraubt werden, im Innern findet sich Platz für sechs UM1- Monozellen.
Die Frontplatte wird dominiert von der zweiteiligen Frequenzskala. Das linke Zahlenrad zeigt die Megahertz - Stelle ab und mit dem MHz- Einstellrad oben links auf der Frontplatte eingestellt. Auf dem rechten Zahlenrad finden sich die kHz- Stellen, Schritte zu 50 kHz sind mit hellgrünen Ziffern bezeichnet, dazwischen liegende 10 kHz- Striche erlauben eine Frequenzablesung auf 5 kHz genau. Die kHz-Abstimmung geschieht mit dem Frequenzeinstellrad rechts oben auf der Frontplatte, das ebenfalls als hochkant stehendes geriffeltes leicht konisch abgeschrägtes Rad ausgeführt ist und feinfühlig bedient werden muss. Rechts neben der Frequenzskala bewegt sich ein einem kleinen Fensterchen der Zeiger des mit einer 1 - 5 -Teilung versehenen recht empfindlichen S-Meters. Mit dem kleinem Knöpfchen unterhalb des S-Meters wird die Skaleneichung durch Nachziehen des Oszillators durchgeführt.
De weiteren finden sich auf der Frontplatte vier grosse griffige Drehknöpfe. Unten links der mit dem Einschalter kombinierte Lautstärkeregler. Der darüberliegende Knopf stimmt den Preselektor ab, er ist mit rudimentären Markierungen von 0,5 - 30 MHz versehen, die Preselektorbereiche werden mit Mikroschaltern beim Drehen des Knopfes umgeschaltet. Die rechtsseitigen Drehknöpfe dienen zur Bedienung der Feinabstimmung (Clarify, eingesetzt vor allem im SSB-Empfang) und zur Betriebsartenumschaltung USB / AM / LSB. In der Pro-Version findet sich unter dem Betriebartenschalter noch der Bandbreitenschalter für die 6, 3 und 1,5 kHz - Filter.
Die als unübliche 3mm- Buchsen ausgeführten Antennen- und Erdungsanschlüsse finden sich an der Geräteoberseite, an der linken Schmalseite die Buchsen für Kopfhörer (3,5 mm Klinkenbuchse) und ein externes 9 Volt- Netzteil. Der 9 cm durchmessende Lautsprecher strahlt in der Mitte der Frontplatte nach vorne ab, die Ausgangsleistung ist mit 0,4 Watt ausreichend bemessen. Dem im weiteren aus Preisgründen recht spartanisch ausgestatteten Radio fehlen Extras wie Skalenbeleuchtung, Tonblende und Möglichkeiten der Signalnachbearbeitung, die zum erfolgreichen Empfang nicht unbedingt notwendig sind.

Der Signalweg ist wie bei allen Empfängern die auf der Wadley- Loop - Schaltung basieren, etwas kompliziert. Das Signal gelangt von der Antenne über den Preselektor mit den Bereichen 0,5 - 2 / 2 - 8 und 8 - 30 MHz und einer Verstärkerstufe auf den ersten Ringmischer, wo die mit dem MHz- Rad abgestimmte Oszillatorfrequenz von 45,5 - 74,5 MHz zugemischt wird und sich somit die hochliegende erste Zwischenfrequenz von 45,2 MHz ergibt. Im nächsten Mischer wird die Oszillatorfrequenz von 42,5 MHz subtrahiert, es ergibt sich die Differenz von 2 - 3 MHz. Nach Umsetzung auf die übliche zweite ZF von 455 kHz gelangt das Signal über die Filterbank (in der Pro -Version wurde hier verschiedenen Filter eingesetzt, in der Originalversion die Durchlassbreite des ZF-Filters für AM-Empfang elektronisch erweitert) und auf den Dioden- resp. Produktdetektor für AM- und SSB- Empfang. Die ausgeklügelte aber mit wenigen Bauteilen realisierbare Schaltung ergab bei guter Empfindlichkeit und Spiegelfrequenzsicherheit eine damals sehr hohe Ablese. und Wiederkehrgenauigkeit von unter 5 kHz auf der Analog- Frequenzskala.

Die Bedienung ist aufgrund der Schaltung nicht ganz narrensicher aber innert Minuten rasch erlernt. Nach dem Einschalten wird mit dem MHz- Einstellrad die MHz - Stelle gewählt und auf S-Meter- Maximum gepeakt. Wenn der kHz-Regler in Nullstellung ist, kann der Empfänger mit dem Betriebsartenschalter auf USB / t- Stellung geschaltet und mit dem kleinen Drehregler unterhalb des S-Meters auf Zero- Beat (das heisst bis zum Verschwinden des Pfeiftons) kalibriert werden. Nun wird wieder auf AM zurückgeschaltet und mit dem rechten Regler die kHz- Stelle der Empfangsfrequenz eingestellt. Mit dem ANTENNA TRIM bezeichneten Preselektorregler wird nun im richtigen Bereich in der Nähe der entsprechenden Frequenzmarke auf maximalen S-Meter- Ausschlag abgestimmt und die Station wird hörbar. Bei starken AM-Störungen oder zum SSB- / ECSS- Empfang kann die Frequenz mit dem oberhalb des Betriebsartenschalters gelegenen CLARIFY- Drehregler noch feineingestellt werden, die Frequenzanzeige bleibt davon unbeeinflusst. Hierbei ist etwas Vorsicht geboten, bei weit neben der Mittelstellung stehendem CLARIFY- Regler kann die empfangene Frequenz um 5 bis zu 10 kHz von der abgelesenen Frequenz abweichen.

Der Barlow Wadley bietet als Kofferempfänger mit recht guter Stabilität dem Kurzwellenhörer auch heute noch einiges und ist DX-tauglich. Die etwas ungenaue Frequenzanzeige und gewöhnungsbedürftige Bedienung wird dadurch wettgemacht, dass jegliche durch PLL- Schaltungen intern generierte Störsignale fehlen. Der Batterieverbrauch ist bei dem analogen Schaltungskonzept minimal und nicht mit dem früher Weltempfänger mit digitaler Frequenzanzeige zu vergleichen.
Anscheinend was die Fertigung und Endkontrolle bei Barlow starken Tagesschwankungen unterworfen, der erste Transistor auf Entladung und die einzige Platine auf kalte Lötstellen und Haarrisse anfällig, so dass ein Gebrauchtgerät vor dem Erwerb getestet werden soll.

Nicht allzu häufig ist die Variante mit dem FM - Zusatz zu finden: der schmale FM-Tuner verfügt über eine eigene querverlaufende Skala und Abstimmknopf und macht aus dem XCR-30 ein richtiges Ferienradio...

Mein XCR-30 soll nicht den reise-erprobten Sony 2001 D ersetzen, verdient aber dank der faszinierenden Schaltung und dem unauffälligen Äusseren und immer wieder erstaunlichen Empfangsleistungen als Oldie einen Ehrenplatz auf meinem Schreibtisch.

weitere Lektüre:
d: Der einzige "Afrikaner": Barlow Wadley XCR-30, Nils Schiffhauer, Oldie- Kurzwellenempfänger
d: Barlow Wadley XCR-30, R. Lichte, Kurzwellenempfänger, die Qual der Wahl
d: Barlow Wadley XCR-30 at www.radiomuseum.org

© Martin Bösch 20.7.2007