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Testbericht Century 21
© weltweit hören 10 / 1986

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Century 21
 
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überarbeitet am 22.7.2010

Century 21 - Kurztest

Doppelsuper,

Analoganzeige, linear, 5 kHz

AM, SSB (BFO)

0,5 - 30 MHz

Selektivität -6 dB
5,5 kHz

Sensitivität
SSB < 0,3 uV, AM < 1 uV

RF-Gain, Preselektor, S-Meter

Seit einigen Monaten wird - auch in wwh - unter der obigen Bezeichnung ein Allwellen-Communications-Empfänger zum Preis von 398 DM angeboten. Obwohl ein Auslaufmodell, scheint es uns sinnvoll, näher auf dieses Gerät einzugehen.

Mechanisches. . .
Das Gerät hat die Abmessungen (BxHxT) von 33 x 14 x 23 cm. Es macht äußerlich einen guten Eindruck und scheint auch in Kleinigkeiten gut durchdacht. So werden zu den angeschraubten Gummifüßen zwei auf diese aufsteckbare Zusatzfüße mitgeliefert. Steckt man diese auf die beiden Vorderfüße auf, so bekommt das Gerät eine für den Bediener optimale Schräglage. Auch zwei Chinch-Stecker und ein 6,3 mm Klinkenstecker liegen schon bei für denjenigen, der einen separaten Lautsprecher oder ein Tonbandgerät anschließen will.

Die Fotos zeigen einen Blick in das Innere des Gerätes. Der Aufbau erfolgte "einschichtig" auf einem Metallrahmen. Dieser ist aus einzelnen Teilen sauber zusammengeschraubt und trägt oben, ebenfalls aufgeschraubt, zwei Druckplatinen für die Elektronik sowie ein längliches Metallblech für das Netzteil. Überhaupt ist das Gerät völlig auseinandernehmbar, da alle Teile durch Schrauben zusammengehalten sind, für die jeweils Gewinde eingeschnitten sind.

Die Servicefreundlichkeit wird noch erhöht dadurch, daß für alle Bauelemente durchwegs überall erhältliche Standardbauteile verwendet sind. So sind z.B. die Potentiometer und Drehschalter ganz handelsübliche Teile, welche über Leitungen unterschiedlicher Farben an die einzelnen Punkte der Platinen angeschlossen sind. Das Gerät läßt sich dabei in jeder Lage stabil auf den Tisch hinstellen, sowohl auf die beiden Seiten als auch "auf den Kopf".

Das werden auch alle diejenigen zu schätzen wissen, die mal eine Zusatzplatine oder dergl. einbauen wollen, z.B. einen Synchrondemodulator oder ein NF-Filter. Das ist gerade bei diesem Gerät leicht möglich, denn Platz hierfür ist reichlich vorhanden, z.B. auf dem Netzteilblech (hinter dem Dreifachdrehko) oder auf fast der gesamten Innenfläche der abschraubbaren (!) Rückwand. Aber auch über der Hauptplatine ist in der Höhe 5,5 cm Platz: Also ideal für Experimente aller Art. Zur Servicefreundlichkeit wäre noch zu erwähnen, daß auf den Platinen alle Bauteilenummern aufgedruckt sind und ein Schaltbild mitgeliefert wird. Als Ursprungsland ist auf dem Gerät vermerkt "Japan".

Elektronisches . . .
Das Gerät arbeitet nach einem altbekannten und von den Herren Barlow und Wadley in den 50er Jahren erfundenen Prinzip. Bei diesem wird die Hauptabstimmung (mit dem Dreifachdrehko) auf allen Bändern in immer dem gleichen, 1 MHz breiten Bereich vorgenommen. Dieser läuft hier von 2 bis 3 MHz. Eine sehr hohe Frequenzstabilität wird für alle Bereiche kurz wie folgt erreicht: Von einem einzigen ( ! ) Mutterquarz wird eine stabile 1 MHz-Schwingung abgeleitet. Von dieser werden Oberwellen erzeugt, so daß alle volle MHz in einem Bereich von 3 bis 33 MHz eine stabile Frequenz erhalten wird. Mit zwei abstimmbaren Schwingkreisen (Doppeldrehko) wird dann je nach gewünschtem Frequenzband, z.B. 5...6 MHz, eine bestimmte dieser stabilen Oberwellen herausgesiebt, daher auch die Bezeichnung "elektronische Bandabstimmung". Mit dieser herausgesiebten Oberwelle wird in einer Mischstufe der gewünschte Empfangsbereich aus dem Eingangs - Frequenzgemisch so aufbereitet, daß er mit der weiter oben genannten, 1 MHz breiten Hauptabstimmung bestrichen werden kann. Deren Skala kann dann ein für allemal in 000 bis 1000 beschriftet werden. So viel über das in seiner Realisierung natürlich wesentlich komplexere Empfangsprinzip .

Dieses Empfangsprinzip war vor der Schaffung der PLL-Schaltungen das einzige, welches mit relativ geringem Aufwand und mit diskreten aktiven Bauteilen (z. B. auch Röhren) hohe Frequenzstabilität einerseits und hohe Ablesegenauigkeit an einer Linearskala andererseits vereinigte. Daher wurde es bereits 1959 in dem englischen kommerziellen Empfänger Racal RA 17 angewendet (Neupreis seinerzeit DM 6435). 1973 dann in dem populären XCR 30 aus Schwarzafrika (Neupreis DM 850), weiter, 1977, von Drake (!) im SSR-1 (Neupreis DM 772). Das muß man wissen, um das Gerät richtig einordnen zu können. Gegenüber dem XCR-30 und dem SSR-1 hat der Century-21 den wesentlichen Vorteil, einen stufenlos einstellbaren Abschwächer "RF-gain" von maximal 30 dB aufzuweisen. Das ist eine simple Antennenankopplung an den Eingangskreis durch ein einfaches Potentiometer. Ein solcher Abschwächer ist bei solch einfachen Geräten praktisch unentbehrlich. Im Übrigen ist das Gerät auch elektronisch sehr servicefreundlich aufgebaut, denn außer dem NF-Verstärker und der 1 MHz-Aufbereitung (mit dem Quarz) ist das Gerät ausschließlich mit Einzeltransistoren bestückt, zumeist auch noch vom gleichen Typ. Ganz im Sinne einer "sanften Radiotechnik".

Betriebserfahrungen. . .
Das Gerät ist leicht zu bedienen, wenn man sich ein wenig an die bei Geräten dieser Schaltungsart vorhandenen Gegebenheiten gewöhnt hat. Die - englische - Bedienungsanleitung ist hier recht ausführlich, so daß nachfolgend nur kurz auf das Wesentliche und Prägnante eingegangen zu werden braucht. Zuerst wird mit dem elektronischen Bandwähler "MHz-Tune" das gewünschte, 1 MHz breite Empfangsband eingestellt, z.B. 6 MHz; ablesbar an der inneren Kreisskala. Dann stellt man mit dem Drehknopf "Band" denjenigen Preselektor-Abstimmbereich ein, in dem die besagte 6 MHz liegen, also "5-12". Dann kann man mit dem großen rechten Drehknopf die gesuchte 100er Frequenz einstellen, z.B. 115 für RÖI auf 6,115 MHz. Mit dem "Pre-Selektor" stimmt man dabei den Eingangskreis nach, am Einfachsten mit der linken Hand und nach Gehör. Die Antennenankopplung "RF-Gain" läßt man dabei am Besten auf "5" stehen. Man hat dann Möglichkeiten nach oben und unten. An all das gewöhnt man sich recht schnell.

Beim Testgerät stimmte der eingestellte MHz-Wert nicht ganz mit der Mitte der u-förmigen Marke der inneren Kreisskala überein, vielmehr lag der jeweilige Optimalpunkt im rechten Drittel der betreffenden u-Marke. Da dies bei allen MHz-Werten gleichermaßen der Fall ist, gewöhnt man sich schnell daran, zumal die Einstellung elektronisch nicht kritisch ist. Die äußere Frequenzskala "000-1000" für die kHz hat alle 10 kHz einen Skalenstrich. Sollte dieser nicht genau mit der tatsächlich empfangenen Frequenz übereinstimmen, so kann man dies ganz einfach mit dem (bei AM nicht benötigten) "clarify" ausgleichen. Dieser mußte beim Testgerät ganz nach rechts gedreht werden (Abweichung ca. 2... 3 kHz). Das gilt auch wieder für alle Striche dieser Skala. Diese Abweichungen sollten dem Gerät aber keinesfalls negativ angekreidet werden. Mechanische Justierarbeiten sind bei der Gerätefertigung sehr aufwendig, und bei dem Gerät um DM 400 sollte man da keine zu großen Forderungen stellen. Elektronikfreaks können diese Abweichungen auch auf der Platine selbst korrigieren mit der Spule L 21 ("clarify" auf Null).

Eine Raffinesse beim "Century-21" ist, daß alle volle MHz auf der äußeren Kreisskala, also bei "000" und " 1000", (Antenne und Erde herausgezogen) das quarzstabile 1 MHz-Signal als schwaches Rauschen zu hören und am S-Meter zu sehen ist. Damit kann man die ganze Skalenmimik sehr bequem überprüfen. Ein weiteres Feature: Zwischen der MHz-Kreisskala und der äußeren Skala ist ein Spiegelstreifen angeordnet, ähnlich wie bei guten Analog-Vielfachmeßgeräten. Damit kann man diese Skalen auch ohne Parallaxe-Fehler ablesen!

Die Empfindlichkeit ist sehr gut; man muß nur für eine gute "Erde" sorgen. Also Wasserleitungen oder Zentralheizung. Hat man dies getan, so wird man von der Empfangsleistung mit der Teleskopantenne auf der Geräterückseite überrascht sein. Bei Betrieb mit dieser Antenne ist der Eingangsabschwächer "RF-Gain" außer Funktion. (Für Techniker: Die Teleskopantenne ist über 20 pF direkt an den Hochpunkt des Eingangskreises angeschlossen). Bei Betrieb mit der Teleskopantenne sollte "RF-Gain" auf "5" oder höher stehen. Sonst würde das Abschwächer-Poti den Eingangskreis ein wenig bedämpfen. Die Bandbreite wird bei Umschaltung von AM auf SSB selbsttätig mit umgeschaltet. Von Vorteil ist dabei, daß bei SSB der Hilfsträger fest abgestimmt ist und von vornherein im richtigen Abstand zum Seitenband liegt. Ein wesentlicher Vorteil gegenüber Geräten, die "auch" SSB empfangen können und bei denen der Hilfsträgeroszillator (BFO) verstellt wird! Beim Century-21 hingegen ist der "clarify" eine echte Abstimmungs-Feineinstellung. Die Einstellung von SSB-Sendern ist daher auch recht unproblematisch.

Die Bandbreiten von 3 kHz bei SSB und 5,5 kHz bei AM (-6 dB) erscheinen optimal, auch wenn Angaben über die Flankensteilheit der Filter ("shape-factor") fehlen und nicht gemacht werden können. Eine gemeinsame Bandbreite für KW und MW ist immer ein Kompromiß zwischen dem (Sender) Kanalabstand auf MW von 9...10 kHz und demjenigen auf KW von 5 kHz (Wobei man oft auch den Eindruck hat, daß manche KW-Sender höher als auf die zulässigen 2,5 kHz modulieren). Das bekannte 5 kHz-lnterferenzpfeifen zwischen manchen KW-Sendern ist jedenfalls nur selten zu hören. Für Techniker: Die Trennschärfe wird erzielt durch zwei Keramikfilter mit je zwei Schwingern, welche durch Kapazitäten gekoppelt sind. Durch Abänderung dieser Kapazitäten, was leicht möglich ist, kann man die Trennschärfe leicht beeinflussen. Bei Verzicht auf SSB könnte man mit dem freiwerdenden Umschalter drei unterschiedliche Trennschärfen einstellbar machen . . .

Der NF-Teil ist linear ausgelegt, beschneidet also die Höhen der von den Demodulatoren kommenden Tonfrequenz nicht zusätzlich. Das ist zu begrüßen, denn die Höhen können immer mit gelingem Aufwand beschnitten werden. Manchmal wird daher eine Tonblende vermißt. Aber das ist kein echtes Problem: An der Tonbandbuchse "Record" auf der Geräterückseite steht die Tonfrequenz in sehr leicht beeinflußbarer Form zur Verfügung. Kurz: Man nehme einen Cinch-Stecker und löte einen Keramikkondensator von 47 oder 68 nF an die Anschlüsse. Steckt man dann den so beschalteten Cinch-Stecker in die Buchse "record", so hat man auf einfachste Weise eine Höhenbedämpfung. Man könnte auch oben in die Geräterückwand - von vorn leicht erreichbar - einen oder zwei Kippschalter mit passenden Kapazitäten einbauen... Oder gleich einen "Audio-Prozessor", wie er von Conrad-Hirschau als Platinenbausatz für DM 49,50 unter der Bestellnummer 19 62 82 zu haben ist und in der Conrad-Hauszeitschrift ElectronicActuell Magazin Nr. 11/86 beschrieben wurde..., Platz dafür ist genug vorhanden.

Zusammengefaßt . . .
Der Century-21 ist ein Allwellenempfänger mit einem guten Preis/Leistungsverhältnis. Er ist empfehlenswert, besonders für fachkundige Bastler.

Technische Daten:
Frequenzbereich: 0,5 - 30 MHz in 30 Bereichen mit je 1 MHz und einer Ablesegenauigkeit von 10 kHz
Betriebsarten: CW, USB, AM

Empfängerempfindlichkeit: mindestens 10 dB S + N / N unter folgenden Bedingungen:
SSB: 0,5 - 2 MHz 1,0 uV; 2 - 30 MHz 0,3 uV
AM: 0,5 - 2 MHz 3,0 uV; 2 - 30 MHz 1,0 uV

Einstellgenauigkeit: genauer als 5 kHz
Trennschärfe: AM - 6 dB ca. 5,5 kHz
Spiegelfrequenzsicherheit: mehr als 50 dB

Antennen: Teleskopantenne eingebaut, 75 Ohm - Antennenanschluss
Lautsprecher: 8 Ohm Lautsprecher eingebaut
Grösse: 32,5 x 23 x 14 cm BHT
Gewicht: ca. 5 kg

weitere Lektüre:
d: Modifikationen am Century - 21, Günther Schellhorn, wwh 11 / 87

© Günther Schellhorn, wwh 10 / 1986