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Grundig, Fürth

Testbericht Satellit 3400 - © Rainer Lichte, ADDX

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überarbeitet am 24.7.2010

Grundig Satellit 3400

Doppelsuper, ZF 2 MHz, 460 kHz

Digitalanzeige, UKW, LW, MW, KW1 (1,6-3,55), KW2 (3,25-5,25), K3-10 mit schaltbarer Spreizung vom 49,41,31,25,19,16,13 & 11m- Rundfunkband

AM, SBB mit BFO, FM-UKW

Empfindlichkeit AM ca. 1,5 uV

Selektivität (-6/-60 dB) 2,5 / 4,8 und 7,2 / 13,6 kHz

S-Meter, Antennentrimmer, AGC, Noise Limiter, FM-AFC, 6 FM- Festsendertasten, Quartzuhr

Die Satellit-Serie von Grundig gibt es seit gut zwölf Jahren. Im Laufe dieser Zeit wurde der Satellit immer größer und auch komfortabler in der Ausstattung. Beim Satellit 3400 Professional (letzteres wohl wegen der schwarzen Farbe?) führte diese Entwicklung zu einem recht unhandlichen Kastenformat. Als Koffergerät ist dieser Empfänger nicht mehr zu bezeichnen. Die Aufteilung von FM/MW/KW in getrennte, unabhängige HF-Einheiten scheint auf den ersten Blick - betrachtet man die rechte Gehäuseseite - von der 2000er Serie zu stammen. Beim Studium der Schaltpläne fällt jedoch auf, daß hier modernste Halbleitertypen (BF 900, BF441, BC558C usw.) sowie Quarz- und Keramikfilter Verwendung finden. Weiterhin wurde eine digitale Frequenzanzeige in das Gerätekonzept integriert. Endlich hat auch der SSB-Teil Platz im Gehäuse gefunden. Dazu bietet dieser Satellit jeden wünschenswerten Bedienungskomfort, einschließlich einer sechsstelligen Digitaluhr.

Das Gerät
Die Vielzahl der Bedienungselemente auf der Frontplatte beeindruckt. An Regelmöglichkeiten und Schaltern sind - von links nach rechts - auf der unteren Leiste vorhanden: Kopfhöreranschluß, Lautstärke, Bässe, Höhen, Aus, Beleuchtung, Hochtonlautsprecher, Zähler, BFO, Störbegrenzer, HF-Verstärkung, Seitenbandwahl und Feinabstimmung. In der mittleren Leiste sind von oben nach unten zu finden: UKW-AFC, Signal/Batterie, Antennentrimmer, Dreifach-Bandbreite, KW 3 - 1 0-Spreizung. Die drei großen Felder in der Mitte des Gehäuses beinhalten die visuellen Anzeigen: Signalstärke, Zeit, Frequenz.
Die Abstimmknöpfe sind ganz rechts, und der Umschalter für den Trommeltuner befindet sich an der rechten unteren Gehäuseschmalseite. Mit den Drucktasten auf dem oberen linken Geräterand lassen sich sechs UKW-Sender abrufen, die Frequenzen sind voreinstellbar. Fernerhin werden mit weiteren Tasten die Wellenbereiche gewählt, die Außenantennen zugeschaltet und auf eine externe NF-Signalquelle umgeschaltet.
Auf der Rückseite des Gerätes befinden sich Antennenanschlüsse in alter DIN-Norm (kleiner Vierkantstecker), als Klemmtaste und als Autoantennenbuchse, dieses ist der einzige koaxiale Antennenanschluß. Weiterhin sind Anschlüsse für Netz und Batterie vorhanden sowie eine DINBuchse (5-polig) für NF. Ebenfalls auf der Rückseite - oben links - befinden sich die Einsteller für die sechs UKWStationen. Für das Netzkabei ist ein Fach auf der Rückseite vorgesehen. Bei Batteriebetrieb sind sechs Monozellen notwendig, das Batteriefach befindet sich auf der Unterseite des Gerätes.
Im Boden sind Gewindebuchsen (4 mm) eingelassen, um ein sicheres Aufstellen auf einem Boot zu ermöglichen. Ein stabilerTragebügel erleichtertden Transport. Die unförmigen Bügel rechts und links sind - gottseidank - abschraubbar.

Besonderheiten der Ausstattung
Dem Tester gefiel vor allem die große - 12.5 mm - fünfstellige Digitalanzeige. Natürlich verbraucht eine derart lichtstarke LED-Anzeige viel Strom, wir nehmen dies aber gerne in Kauf. Auch das Signaistärkeinstrument ist sehr gut lesbar. Die LCD-Uhr ist beleuchtet. Die jeweils gewählten Frequenzbereichsskalen werden illuminiert, eine eindeutige Zuordnung ist damit gegeben.
Die bei den Satellit-Geräten stets bemängelte Skalenteilung (zuwenig Marken auf KW 3 - 10) ist zwar auch hier vorhanden, die digitale Frequenzanzeige läßt dies jedoch verschmerzen. Die Bandspreizung auf KW 3 - 10 erfaßt ca. 20% des gewählten Bandes, und zwar stets den Bereich mit den Amateur- bzw. Rundfunkbändern. Der Antennentrimmer erlaubt ein Anpassen von Außenantennen bei KW 3 bis 10.
Die Feinabstimmung arbeitet hervorragend präzise und ist leichtgängig, die Plazierung der Regler ist insgesamt sehr durchdacht. Die saubere und stabile Verarbeitung des Gerätes konnte innen und außen,überzeugen. Die Servicemöglichkeiten sind gut.
Dem Gerät liegen eine Bedienungsanleitung, Sendertabellen und eine DX-Einführung bei, Serviceunterlagen müssen angefordert werden.

Besonderheiten in der Technik
Die konsequente Aufteilung der HF-Tuner ist nachahmenswert. Sie erlaubt eine Optimierung für den jeweiligen Frequenzbereich. Herausragendes Merkmal dieses Satelliten ist die dreistufige Bandbreitenumschaltung: sie arbeitet auf allen AM-Bereichen, auch bei SSB-Betrieb. Die Stellung breit erlaubt einen ausgezeichneten Klangeindruck bei ungestörten Signalen auf MW, da eine NF-mäßige Begrenzung -bei mittel und schmal wirksam - aufgehoben wird. Die Stellung schmal ermöglicht es aus einem sonst undurchdringlichen Gemisch von Sendern das gewünschte Signal herauszuholen, dies natürlich auf Kosten des Klangeindrucks. Auf KW ist diese Selektion jedoch der Schlüssel zum Erfolg bei der Jagd nach seltenen Stationen.
Auf den KW-Bereichen 3-10 - hier arbeitet der Satellit als Doppelsuper - ergibt sich durch Quarzfilter, Dreifachabstimmung und Wahl der 1. ZF von 2 MHz eine ungewöhnlich hohe Spiegelfrequenzsicherheit.
Die Anzeige des Foldstärkeinstrumentes läßt sich wegen der streng logarithmischen Auslegung der Anzeigeverstärker ein gutes Abschätzen der Feldstärke zu, die nötigen Tabellen sind vorhanden! Eben wegen dieser Auslegung aber werden schwache Sender kaum angezeigt. Bei automatischer HF-Regelung ist das Instrument nicht an den Anschlag zu bringen. Der Regelbereich bei Handregelung ist sehr groß.
Der Tunerteil für L, M, K1, K2 besitzt eine kapazitiv abgestimmte Vorstufe, der Zwischenkreis wird induktiv (Pi-Filter) abgestimmt.
Die Anschaltung der Außenantenne erfolgt optimal über Spulenkopplung bei LW/MW und C-Kopplung bei K1, K2. Die AVC wirkt auf drei Stufen und ist zugunsten einer Handregelung abschaltbar.
Bei KW 3-10 wird eine kapazitive Dreifachabstimmung vorgenommen. Da die einzelnen Bereiche auf dem Trommeltuner angewählt werden, der Drehkondensator aber fester Bestandteil der Schaltung ist, werden mit dem jeweiligen Tunersegment die zur Frequenzwahl nötigen L/C Komponenten zugeschaltet. Dies erlaubt getrennten Bandabgleich.
Als 1. ZF wurde 2 MHz gewählt, ein optimaler Wert. Am Ausgang des 1. Mischers sorgt ein steilflankiges Doppel- Quarzfilter für die enorm gute Spiegelfrequenzfestigkeit. Die zweite ZF von 460 KHz wird mit dem 2. Mischer in herkömmlicher Schaltung erzeugt, der Oszillatur ist jedoch sehr stabil.
Die Bandbreitenschaltung befindet sich im Verstärkerzug der 2. ZF. Hier wird entweder kapazitiv (breit) oder mittels Keramikfilter (schmal) gekoppelt. Die AM-Detekturspannung steuert den Anzeigeverstärker für die Signalspannung. Die Aufbereitung des SSB-Signals erfolgt mittels eines umschaltbaren (LSB/ USB) 460 kHz - 3 kHz Oszillators; auf diesen wirkt auch die Feinabstimmung von - 820 Hz. Die Rückmischung geschieht über eine aktive Mischstufe.
Der schaltungstechnisch recht aufwendige Störbegrenzer (3 Transistoren, 4 Dioden und ca. 20 weitere Bauelemente) ist wirkungsvoll und kann den Störpegel um bis zu 10 dB reduzieren.
Der Satellit 3400 besitzt eines der besten NF-Teile, die wir bislang einem Empfänger dieser Art gesehen haben. Insbesondere der Störabstand - 80 dB - ist bemerkenswert.

Der Frequenzzähler
Die als Frequenzkriterium benutzte Oszillatorfrequenz wird über jeweils eigene Trennstufen rückwirkungsfrei ausgekoppelt. Die ZF-Oszillatorfrequenzen werden heruntergeteilt und an den Zähler-IC (SN 75 498) gegeben. Nach Abzug des durch die jeweilige ZF bedingten Frequenzversatzes wird die Empfangsfrequenz zur Anzeige gebracht. Als Referenz dient dem Zähler ein 5.12 MHz-Quarz. Bei UKW ist die Anzeigegenauigkeit 10 kHz, in allen AM-Bereichen 1 kHz. Da die Referenzfrequenz ebenfalls heruntergeteilt wird (320 kHz), ergeben sich, wie bei allen digitalen Schaltungen, Störmöglichkeiten bei Vielfachen der Takt- oder Referenzfrequenz. Hier liegen diese Störstellen bei Vielfachen von 320 kHz sowie bei 87.5 MHz, 103 MHz, 6 MHz und 14 MHz. Der Zählerbaustein ist jedoch effektiv abgeschirmt, und im Zweifelsfall läßt sich der Zähler abschalten. Das Handbuch weist auf diese Schwachstelle mit lobenswerter Offenheit hin.

Sonstiges
Das Gerät besitzt ein eingebautes Netzteil für 1 10/220 Volt. Bei Accubetrieb wird dieser über eine eingebaute Ladeautomatik geladen. Für extreme Versorgungsspannungen von 10 - 16 V ist eine Stabilisierung vorhanden. Wie bei allen Koffergeräten ist der Batterieverbrauch stark von der geforderten NF-Leistung abhängig. Die Frequenzanzeige ist eine zusätzliche hohe Belastung.
Die eingebaute LCID Quarzuhr zeigt sechsstellig die Uhrzeit und, nach Umschalten, für etwa 15 Sekunden den Wochentag alphanumerisch sowie das Datum. Die Uhr ist herausnehmbar und besitzt daher eine eigene Spannungsquelle.
Der Satellit 3400 Professional hat die FTZ-Nummer U 101 und ist unter der Nummer C 46 060 als Funkempfänger mit begrenztem Anwendungsbereich auf deutschen Schiffen zugelassen.

Betriebs- und Hörtest
Das Testgerät wurde mehrere Wochen lang zusammen mit anderen Empfängern dieser Preisklasse betrieben. Das enorme Volumen des Satelliten erschreckt den Tester jedesmal. Wie auch die Meßergebnisse zeigen, braucht der 3400 keinen Vergleich in dieser Preisklasse zu fürchten. Besonders lobenswert sind die Bandbreitenumschaltung und der NF- Teil. Die große Digitalanzeige wurde bereits erwähnt. Mit der Feinabstimmung wird die Einstellung von SSB-Stationen fast problemlos.
Der Bedienungskomfort des Gerätes ist groß; mit den vorgesehenen Einstellmöglichkeiten kann der Hörer fast allen Empfangssituationen gerecht werden. Außenantennen arbeiteten auf den KW-Bereichen über Collinsfilter sehr gut. Die Impedanz ist jedoch nicht normgerecht. Wegen der wirklich guten Senderselektionen bei "schmal" wurde der MW-Teil als gut eingestuft. Die nicht überragende Empfindlichkeit des KW 3 - 10 Tuners wurde durch die exzellente Selektion kompensiert. Auch der rauschfreie NF-Verstärker konnte gefallen. Die Qualität des NF-Teils machte sich bei MW schon angenehm bemerkbar, bei UKW-Empfang war es ein Genuß hinzuhören.

Wertung und Kritik
Stark zu kritisieren ist das erforderliche Drehrnornent zur Betätigung des Trommeltuners. Bei Stationsjagd auf KW ist es durchaus möglich, daß 30 bis 50mal am Abend das Band gewechselt wird. Allein dieser Faktor wäre Grund genug, sich für ein bedienungsfreundlicheres Gerät zu entscheiden. Geschmacksache ? Die Abstimmknöpfe sind zu klein, bei den AM-Bereichen wäre eine noch höhere Untersetzung angebracht. Beides ist nachrüstbar (Mentor-Knopfautomat).
Das Abstimminstrument rührt sich bei schwachen Sendern kaum von Null weg, dazu muß erst auf Handregelung geschaltet werden. Eine höhere Anfangsempfindlichkeit der Anzeige wäre besser und würde auch der vorgeschlagenen Norm entsprechen. (IARU).
Der Satellit 3400 schmückt sich mit dem Beinamen «Professional». Wo bleibt denn dann die 52 Ohm- Buchse für einen PL-259-Stecker -die gängige HF-Verbindung bei uns "Professionals"? Im Auto wurde dieser Satellit nicht getestet, es war kein LKW verfügbar. Was soll die Autoantennenbuchse? Alle Antennenanschlüsse sind mittel- bis hochohmig.
Die praktisch verwertbaren Empfangsleistungen auf der Mittelwelle sind nicht so gut wie es die Werte für Empfindlichkeit vermuten lassen. Die schwachen Stationen sind oft von einem schwirrenden Störgeräusch begleitet, welches nicht vom Zähler kommt. Beide Vergleichsgeräte dieser Preisklasse zeigten einen besseren Empfang schwacher Stationen.
Gut dagegen ist die Empfindlichkeit der KW 1/2-Bereiche. Wie schon die Daten des KW 3-10-Tuners vermuten lassen, handelt es sich nicht um den technisch bestmöglichen Stand. Die Bandspreizung, verbunden mit der Bandbreiten- Schaltung, kann diesen Faktor jedoch kompensieren.
Zu bemängeln ist bei Batteriebetrieb ein Springen der Oszillatorfrequenz des BFO, wenn der Zähler geschaltet wird. Die Frequenz- bzw. Skalenauflösung in den für Amateure wichtigen 80m- und 10 m-Bändern ist schlecht.
Den 3400 als Koffergerät zu vermarkten, ist falsch, er gehört in die Klasse der Stationsempfänger, schon wegen des Volumens. Die Empfangsqualitäten sind der Preisklasse angemessen, wenn auch die publizierten Daten manchmal nicht ganz erreicht wurden. Wir haben uns bemüht, nach DIN 45300 zu messen.

Sicherlich ist der 3400 der beste Satellit, den es je gab. Wegen des doch veraltenden Konzepts des Trommeltuners wird es wohl auch der letzte Satellit nach diesem Prinzip sein. Rundherum ein Gerät mit wenig Fehl und etwas Tadel.

Technische Daten: Satellit 3400 Professional
Hersteller Grundig AG
Vertrieb Fachhandel
Gerätetyp tragbarer Stationsempfänger
Schaltungstyp Doppelsuper (KW3 - 10)
Frequenzbereiche

KW 1: 1.60- 3.55 MHz KW 2: 3.25 - 5.25 MHz KW 3: 5.00 - 6.65 MHz
KW 4: 6.60 - 8.40 MHz KW 5: 8.20 - 10,60 MHz KW 6: 10.50- 13.20 MHz
KW 7: 12.90 - 16.40 MHz KW 8: 15.80 - 19.80 MHz KW 9: 18.30 - 23.50 MHz
KW10: 23.40 - 30.05 MHz sowie LW, MW, UKW

Frequenzanzeige: digitale LED-Anzeige, Analogskala für jeden Bereich
Ablesegenauigkeit +/- 1 kHz mit Digitalanzeige
Absolute Genauigkeit +/- 320 Hz
Frequenzstabilität innerhalb 1 Stunde +/- 50 Hz
Besonderheiten sehr gute Wiederkehrgenauigkeit des Trommeltuners, durch die Bandspreizung wird innerhalb KW 3-10 jeweils ein Rundfunkband gespreizt

HF-Teil
Empfindlichkeit: in uV an 50 Ohm bzw. 1 KOhm bei BC
0.1 MHz - 1.5 MHz für 26 dB S+ N/N
2 MHz - 30 MHz für 6 dB S+N/N
Modulation AM, 400 Hz, 30 Prozent

Frequenz (MHz) AM schmal AM breit
0.2 23 30
0.6 7 10
1 7 1
1.5 8 11
2 1.5 2.5
5 1.6 1.9
7 1.2 2.1
10 1.4 1.8
15 1.5 1.8
20 1.6 2.8
25 1.0 1.5
Die SSB-Empfindlichkeiten sind geringfügig besser

Trennschärfe (kHz): 7 MHz +/- 1 MHz

© Rainer Lichte, Kurzwellenempfänger - die Qual der Wahl, addx