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Grundig, Fürth

Testbericht Satellit 500
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überarbeitet am 24.7.2010

Grundig Satellit 500

Ein kleiner Satellit überholt die japanische Konkurrenz
Grundig Satellit 500

Doppelsuper,

Digitalanzeige, 100 Hz

UKW, LW, MW, KW - 26,1 (30 intl.) MHz

AM, AM-Sync., SSB, FM-UKW

Empfindlichkeit

Selektivität (-6 dB)

S-Meter, AGC, Quarzuhr, Keypad, 42 Speicher + ROM-Tabelle

Seit Mitte Januar ist er im Handel, der neue Grundig Weltempfänger in der Portabel-Klasse. Der Hersteller überschreibt seine Werbung mit den vielversprechenden Worten: Paradies frei Haus! Grund genug unsere Leserinnen und Leser umgehend über dieses optisch bereits beeindruckende Gerät zu informieren.
Da die Entwicklungszeit mit all ihren Gerüchten in DXer-Kreisen viele Monate in Anspruch nahm und die Konkurrenz wie Sony, Panasonic etc. teilweise mit hervorragenden Gerätequalitäten aufwarteten, war die Erwartungshaltung entsprechend hoch. Zudem ist der 500er ein Jubiläumsgerät, da es die Satellitenreihe im 25 Jahr gibt.

Ausstattungsmerkmale
Weltenbummler wie auch Wellenjäger werden auf den angebotenen Frequenzbereichen KW, MW und LW bedient. Der UKW-Bereich präsentiert sich mit der gerade auch für Urlauber angenehmen Möglichkeit des Stereoempfangs über Kopfhörer oder separaten Lautsprecher. Trennschärfe und Empfindlichkeit - für einen Satellit eigentlich selbstverständlich - werden auch die Gruppe der FM-DXer interessieren und begeistern.

Zurück zum Weltempfang: Auf Knopfdruck stehen 82 Speicherplätze zur Verfügung. 42 davon können frei nach Wunsch belegt werden und bieten überdies Platz für bis zur vier Zeichen (Buchstaben oder Ziffern, zum Beispiel SWF 3 oder Guam) unter der Frequenzangabe. Dabei können im Gegensatz zu vielen anderen Geräten beliebige Frequenzbereiche hintereinander angespeichert werden.

Damit kommen wir zur Übersichtlichkeit des Anzeige-Displays, die ihresgleichen sucht. Neben den Angaben für Uhrzeit (ständig präsent!), Wellenbereich und Frequenz (bei KW auf 100 Hz genau) findet sich eine neuartige Tuninganzeige, die auf digitaler Basis den jeweiligen S-Wert angibt. Für gespeicherte Sender findet der Benutzer zudem noch die im bereits erwähnten Vier-Letter-Code eingegebene Stationsidentifikation und die Angabe des Kurzwellen-Meterbandes. Trotz des vielfältigen Informationsangebots bleibt aber die Übersichtlichkeit.

Weitere 40 Speicher sind vom Werk aus vorprogrammiert. In ihnen finden sich die wichtigsten internationalen Rundfunkstationen mit Namen und 156 fest programmierten Frequenzen. Hier findet der Satellit-Besitzer hauptsächlich die Stationen, die tatsächlich in Mitteleuropa hörbar sind und dabei nahezu alle, die ein deutschsprachiges Programm senden.
Der Zugriff zu dieser völlig neuen und für den Programmhörer sehr sinnvollen Speicherart geschieht durch das Eintippen einer "0" und dem in der (sehr detailliert und verständlich geschriebenen) Anleitung zu diesem Gerät angegebenen zusätzlichen Stationskenner. Im Display erscheint dann prompt in Klarschrift das werkseitig vorgegebene Senderkürzel.

Neben dieser bislang einmaligen Zugriffsmöglichkeit auf Hörfunksender ist der Satellit 500 aber noch mit vielen weiteren Raffinessen ausgestattet. hervorzuheben ist eine in dieser Geräteklasse bislang nur beim Sony ICF 2001 D zu findende Synchrondemodulation, die neben der üblichen Dioden-Demodulation bei durch Fading getrübten Empfang eine ausgezeichnete Schwundregelung bietet. Im praktischen Betrieb bewies diese Art der Signalaufbereitung - neben der hierfür immer anfälligen Mittelwelle - im Kurzwellenbereich hervorragende Ergebnisse bei schwachen Sendern, deren Empfang auf anderen Geräten durch Verzerrungen beeinträchtigt ist. Zur weiteren Störungsreduzierung steht ein umschaltbares Bandbreitenfilter mit zwei Murata-Keramik-Filtern zur Verfügung. In der breiten Stellung wird 6,5 kHz Bandbreite geboten, in der schmalen 4,5. Die Filter sind so angeordnet, daß bei Verwendung des schmalen Filters das ankommende Signal zunächst das breite durchläuft. Der unüberhörbare Nutzen ist eine scharfe Abgrenzung gegen Nachbarsender durch hohe Flankensteilheit. Bei schwachen Sendern erweist sich die günstig unter dem Senderdrehknopf angebrachte manuelle Verstärkungsregelung als sehr vorteilhaft. Doch nicht nur sie sondern auch eine neuartige eingebaute Aktivantenne kitzelt selbst schwächste Signale dort noch heraus, wo andere Geräte nur rauschen.

Nicht minder positiv ist die in dieser Geräteklasse einmalige, automatisch mitlaufende Vorselektion. Ein solcher permanent betriebener Preselektor, der die Bereichsfilterwirkung des Satelliten richtig auskosten läßt, ohne bei jeder Station erst einmal umfangreiche "Einpegelungen" vornehmen zu müssen. Eine solche mitlaufende Vorselektion ist zwar bereits von den großen Satelliten 600/650 sowie dem NRD 525 her bekannt, doch ist ein derartiges Qualilätsmerkmal in dieser Geräteklasse einzigartig.

Weitere, wohl überlegte Ausstattungsmerkmale sind zum Beispiel die angenehme Anzeigen- und Tastaturbeleuchtung (Nacht-Design), welche beim ersten Tastendruck aufleuchtet und für einige Sekunden das Bedienfeld in dunklen DX-Stunden erhellt.
Über dieses Bedienfeld lassen sich neben den Wellenbereichen AM und FM die Speicher, die Bandbreiten, der Synchrondemodulator, oberes und unteres Seitenband, zwei Zeilen mit Schaltmöglichkeit (also auch Weckfunktion) und Sendersuchlauf sowie direkte numerische Frequenzeingabe hervorrufen. Am linken Rand befinden sich zwei Rädchen mit der bereits erwähnten Senderabstimmung und der manuellen stufenlosen Verstärkungsregelung. Am rechten Rand befindet sich neben dem Grundig-typischen Großlautsprecher, der für einwandfreien und klaren Hörgenuß sorgt, ein getrennter Drehregler für Höhen und Bässe sowie die Lautstärke. An der linken Schmalseite finden sich Anschlüsse für einen Kopfhörer, einen externen Lautsprecher, ein Aufnahmegerät (line out) und externe Stromversorgung. Das Gerät kann neben der 220 Volt Stromzufuhr auch über eine Autobatterie mit 12 Volt gespeist werden, ist somit flexibel im Einsatz und besitzt noch eine Akkumöglichkeit. Statt des bisher Satelliten-typischen Block-Akkus können hier statt vier Monozellen, Akkus gleicher Größe eingesetzt werden und erhöhen so die Freude am Mobilbetrieb. Eingesetzte Akkus können im Gerät ihren festen Platz finden, da für sie eine automatische Ladeeinrichtung eingebaut wurde.

Auf der rechten Schmalseite findet man abschließend eine heute gar nicht mehr selbstverständliche Antenneneingangsbuchse. Die interne Antenne kann mit einem darunter liegenden Schalter getrennt werden. Zuletzt bietet auf dieser Seite ein zuschaltbares Dämpfungsglied eine nützliche Ergänzung bei zu starken Signalen.

Praktische Versuche
Zuerst interessierte natürlich die Kurzwelle. Die Empfindlichkeit wurde sowohl im Tropenband als auch bei 6 und 15 MHz intensiv mit dem zur Verfügung stehenden Vergleichsempfänger Panasonic RF-B 60 verglichen. In allen Bereichen zeigte der Grundig ein ebenbürtiges Bild bei Betrieb mit eingebauter Antenne. Stellenweise war er in den höheren Bändern sogar besser. Der Amateurfunkbereich mit unterem und oberem Seitenband konnte wegen mangelnder Ausstattung des Panasonic zwar nicht verglichen werden, bot dem Afu-Interessierten aber keinerlei Einstellungsprobleme aufgrund der guten Trennschärfe. Diese gute Trennschärfe präsentierte auf den Rundfunkbändern einwandfreie Luxembourg/Bayern - Trennung und erntete im abendlich überfüllten 49 m Band einen großen Achtungserfolg, da Budapest auf 6110 kHz und Radio Prag auf 6055 kHz erheblich deutlicher als beim Vergleichsgerät von ihren starken Nachbarsendern zu trennen waren. Ebenfalls konnte völlig saubere Trennung im nächtlichen Tropenband erreicht werden.

Bei Zuschaltung einer externen 10 m Langdrahtantenne wurden die Signale noch stärker, doch auch bei Power-Stationen gab es keine Übersteuerungen und somit auch keinen Grund das Dämpfungsglied einzuschalten. Angenehm überraschte auch die Langwelle, da viele Stationen schon tagsüber besser ankamen als bei RF-B 60. Verzerrungen bei französischen Stationen - aufgrund deren Abschattung in Richtung Deutschland - glich der Synchrondemodulator hervorragend aus.

Die Mittelwelle, in den 80er Jahren bei Grundig eher ein Stiefkind, wird bei diesem Satellit wieder interessanter. Nicht nur wegen des Synchrondemodulators, der sich hier in den Nachtstunden voll beweisen kann, sondern auch wegen einer guten Empfindlichkeit während der hellen Tagesstunden. Das Klangbild ist in diesem Wellenbereich fast auf dem Stand von Röhrengeräten aus den 50er Jahren.

Auf UKW treffen wir die Grundig-typische Empfindlichkeit und Trennschärfe anderer Satelliten wieder, die der Panasonic nicht bieten kann. Bei der engen Belegung der Frequenzen durch Regional- und Lokalsender ist der 500er ein guter Unterhalter in DX-freier Zeit, gefällt dem UKW-DXer aber gleichzeitig, da er starke Stationen, die direkt nebeneinander liegen, fast ohne Zirpen einzeln präsentiert. Zudem macht der Stereoempfang über einen zweiten Lautsprecher oder Kopfhörer den Hörgenuß perfekt.

Bei sovielen Worten des Lobes wird mancher den Kauf des Gerätes erwägen, doch sind hierfür noch Größe und Gewicht ein Entscheidungsgrund. Der Preis für soviel Leistung: Unter DM 800,-.

Mit diesem Jubiläums-Satellit ist Grundig ein wirklich großer Wurf gelungen. In der Kompaktklasse muß die Konkurrenz sich nun einiges einfallen lassen.

© Uwe Bräutigam, kurier 4 / 89

weitere Lektüre:
d: Grundig Satellit 500 - eine Fürther Entwicklung mit Pfiff, © wwh 3 / 1989

© Martin Bösch 15.5.2001