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Testbericht Satellit 700 - © weltweit hören 3 / 1992

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überarbeitet am 24.7.2010

Grundig Satellit 700 - Hochleistungsempfänger, konzipiert in Franken

Grundig Satellit 700

Doppelsuper, ZF 54,5 MHz, 450 kHz

Digitalanzeige, UKW, LW, MW, KW - 30 MHz

AM, AM-Sync, SSB, FM-UKW

Empfindlichkeit AM <2 uV, SSB <1 uV

Selektivität (-6 dB) 3,8 / 6,8 kHz

S-Meter, AGC, fine tuning, 96 fixe + 512 bis 2048 frei programmierbare Speicher, Quartzuhr

Nun ist er endlich da, der Grundig Satellit 700. Gründlich erprobt in einer ordentlichen Vorserie sind die Geräte nach den Händlerpräsentationen Mitte Januar in den Handel gekommen. Auch wenn bereits ordentliche Stückzahlen von der Montage in Portugal geliefert wurden: Der Satellit 700 braucht kaum Werbung, denn in der Regel liegen schon viele Bestellungen bei den Händlern, die Geräte fließen somit fast direkt zum Endkunden.
Wir haben unser Gerät, selbstverständlich eines aus der Hauptserie (siehe "Betaversion, Vorserie & Co."), einem ausführlichen Hörtest unterzogen, wobei wir zum Vergleich einen S500, einen Sony ICF-SW55 und teils auch einen Sony ICF 2001 D mit heranzogen. Leider war ein Sony ICF-SW77 noch nicht verfügbar, sodaß wir diesen Vergleich noch vertagen mußten. Als Antennen benutzten wir einerseits die eingebauten Teleskopantennen, andererseits auch eine selektive Aktivantenne adx 30 bzw. 35 (Außenmontage am Haus).
Schon mit der Verpackung sehen wir: Äußerlich hat sich kaum etwas geändert. Auch sonst ist im Beipack grundsätzlich alles gleich geblieben. Ein Netzteil ist selbstverständlich dabei. Die Gebrauchsanleitung ist noch besser als bei S 500 ausgefallen, lobenswert ist auch die Kurzanleitung.
Die Fürther und Nürnberger Entwickler und Tüftler haben das elektronische Innere des Satellit 700 neu entwickelt. Schon bei der Einführung des S 500 hatte sich gezeigt, daß ein enger Kontakt zu den späteren Anwendergruppen nur positiv sein kann. Anregungen und Erfahrungen aus diesem Kreis sind darum auch merklich in das neue Konzept eingeflossen. Dank der rasanten Entwicklung im Bereich der elektronischen Bauteile, die zudem für sinkende Preise sorgte, konnten einige zusätzliche Funktionen integriert werden.

Der Satellit 700 überstreicht als echter Weltempfänger den gesamten Frequenzbereich von 150 kHz (Langwelle) über die Mittelwelle, die Tropenbänder und das Kurzwellenband bis 30 MHz. Den UKW-Bereich wollen wir natürlich nicht vergessen. Die 1. Zwischenfrequenz des Doppelsupers liegt bei 51,5 MHz, die 2. Zwischenfrequenz (ZF) bei 450 kHz. Hochwertige Keramikfilter sind selbstverständlich, die Bandbreiten liegen bei ca. 6,8 kHz (breit) und 3,8 kHz (schmal). Die eingebaute Teleskopantenne ist wie beim Vorgänger als Aktivantenne konzipiert, die das eingehende Signal zur automatisch mitlaufenden Vorselektion weiterleitet. Somit werden Störungen außerhalb des engeren Empfangsbereichs nachhaltig ausgeschlossen. Eine Handabstimmung der mitlaufenden Vorselektion ist auch möglich, in der Regel ist die Voreinstellung aber optimal.
Einer der Kritikpunkte des S 500 war der unzureichende Synchrondetektor. Jetzt können auch die Seitenbänder ausgewählt werden, ein echter ECSS-Betrieb für Problemfalle mit frequenzmäßig naheliegenden Störungen und Beeinträchtigungen ist nun möglich. Die S SB -Einstellmöglichkeiten wurden ebenfalls verbessert. Ein zusätzliches Rändelrad, beim Vergleich mit dem S 500 deutlich zu erkennen, erlaubt nun die Feinabstimmung zwischen den 100 Hz Schritten des PLL-Synthesizers mit einem Spektrum von rund 120 Hz. Mechanisch ist die Sache auf der Mitte eingerastet, sodaß man ohne Mühe zur ursprünglichen Frequenz zurück kommt.

Die Außenmaße des S 700 stimmen zwar im wesentlich mit denen seines Vorgängers über ein, bei genauerem Hinschauen ergeben sich doch Unterschiede in den Funktionen. Die Tastenfelder wurden neu gestaltet, der Andruck ist weicher und angenehmer geworden. Das Display wurde ebenfalls weiterentwickelt. Display ist eigentlich nicht das richtige Wort, eher nennt man die Anzeige "LC Data Monitor", was nach einiger Beschäftigung mit dem Gerät und seinen Funktionsmöglichkeiten berechtigt erscheint. Der Namen des Senders kann, vorausgesetzt er ist gespeichert, deutlich angezeigt werden. In eingeschaltetem Zustand ist neben der Frequenz auch die Bandbreite ersichtlich.

Auf die Uhrenfunktionen wollen wir hier nicht näher eingehen, wichtig erschien uns aber die eingebaute Schaltuhr mit Schaltausgang und zwei Zeiten, z.B. zur Steuerung eines Aufnahmegerätes. Viele Dxer haben nicht mehr die Muße, Nächte durchwachen zu können, um bestimmte Stationen und Programme zu hören, der Arbeitsalltag verbietet das schlicht und einfach.

Nachdem beim S 500 die ROM-Tabelle fest und unbeweglich war, ist sie mit dem S 700 beweglich und transportierbar geworden. Ab Werk sind bereits zwölf Stationen mit jeweils bis zu acht Frequenzen vorprogrammiert, einige Stationen sind sogar mit zweimal acht gleich 16 Frequenzen vertreten. Auch für unbedarfte "Newcomer" wird nun das Hören von Kurzwellenstationen leicht zugängig. Sortierkriterium ist stets die Station, sodaß auch doppelt belegte Frequenzen vorkommen können.
Eigenhändig kann man aber auch speichern. Der Begriff des MEMOFILE wurde geprägt: Eine Datenbank auf einem einzelnen Baustein, die maximal 64 Stationen (=Adressen) enthält, denen maximal acht Frequenzen aus dem gesamten Empfangsspektrum des Empfängers zugeordet werden können. Zur sinnvollen Nutzung dieser Datenbanken auf elektronischen Bausteinen sind gleich drei einzeln anzusteuernde Steckplätze unter einer Abdeckleiste unterhalb des Tastenfeldes vorhanden. Die EEPROMs (nicht ganz korrekt als EPROMs in einer anderen Fachzeitschrift bezeichnet) mit rund 20 DM das Stück relativ preiswert im Fachhandel zu bekommen. Sie können einige tausend Mal beschrieben und wieder gelöscht werden, lassen sich 1:1 kopieren und sind vor allem klein, und damit einfach zu transportieren. Innerhalb des Satellit 700 lassen sich diese Bausteine auch selbst kopieren. Um bei der Vielfalt an Speichermöglichkeiten nicht die Übersicht zu verlieren, gibt es einige Prüf- und Servicefunktionen, die man sich nach Studium des Anleitung leicht erschließen kann.
Fertig programmierte EEPROMs, z.B. mit bestimmten Hörfahrplänen, spezieller Frequenzauswahl (Afu, Funkdienste usw.) werden von Grundig selbst nicht angeboten, diesen Service will man erfahrenen Fachleuten überlassen. Die EEPROMs lassen sich zwar im Gerät selbst programmieren, einfacher geht dies aber mit einer speziellen Software via PC, die auch uns zwischenzeitlich von Grundig zur Verfügung gestellt wurde.
Die AGDX wird demnächst Hörfahrpläne auf EEPROMs für die Mitglieder der AGDX-Klubs zur Verfügung stellen, in Abstimmung mit anderen Klubs. Die Abgabe erfolgt gegen eine Schutzgebühr. Details in einer der nächsten wwh-Ausgaben.

Kommen wir zu einer weiteren neuen Funktion beim Satellit 700. Für den UKW-Bereich ist ein RDS-Decoder eingebaut, der S 700 damit als erstes Koffergerät RDS-fähig. Hier kommen nun die Leistungen und Erfahrungen des RDS-Team Franken zum Tragen. RDS bedeutet ja nichts anderes, als daß neben dem eigentlichen Nutzsignal (Musik, Sprache) noch digital eine Notiz mit übertragen wird, aus der bestimmte Informationen zu entnehmen sind. Einerseits können das der Sendername sein, andererseits aber auch Hinweise auf Alternativfrequenzen. Dies wird dann interessant, wenn der Empfänger außerhalb des eigentlichen Empfangsbereichs des vorgewählten UKW-Senders kommt und der Empfänger eine bessere Alternativfrequenz ausfindig machen kann. Voraussetzung ist allerdings, daß der Sender auch ein RDS-Signal ausstrahlt. RDS ist zur Zeit nur auf UKW gebräuchlich, Testreihen auf AM haben aber die grundsätzliche Einsatzmöglichkeit auch auf diesen Frequenzen erbracht, womit schon auf weitere Entwicklungsmöglichkeiten bei Empfängern wie Sendern hingewiesen sei.
Für Händler noch ein kleiner Gag, der in den Geräteunterlagen nicht dokumentiert ist: Mit einigen Tastendrücken läßt sich das Display in eine Laufschrift verwandeln: GRUNDIG WORLD RECEIVER SATELLIT 700... wird dann angezeigt.

Kommen wir aber nun zur praktischen Hörerprobung. Sinnvollerweise haben wir das Gerät zunächst mit seinem direkten Vorgänger verglichen, dann mit den anderen oben aufgeführten Geräten. Insgesamt ist hier zu vermerken, daß der S 700 merklich rauschärmer und auch hörbar empfindlicher als sein Vorgänger ist. Auf eine Darstellung von langen Meßreihen über die Empfangbarkeit von verschiedenen Stationen auf den verschiedenen Geräten mit unterschiedlichen Antennen wollen wir an dieser Stelle verzichten.
Auf Mittelwelle ist das Signal besser als beim S 500, besser auch als beim Sony ICF 2001D und beim SW-55.
In den Tropenbändern macht sich die gut mitlaufende Vorselektion deutlich und positiv bemerkbar, da hiermit starke Störsignale außen vor bleiben. Der Vergleich mit dem Sony ICF 2001 D zeigt nur unmerkliche Unterschiede, liegt aber über den Werten des S 500 und des Sony ICF SW 55. Um den 26. / 27.1. waren in den Tropenbändern einige Stationen aus Afrika am frühen Abend zu empfangen, sodaß hier ausführlich verglichen werden konnte.

In den eigentlichen Kurzwellenbändern lag der S 700 immer vor dem S 500, in den unteren Bändern war zwischen dem S 700 und dem 2001D kaum ein Unterschied auszumachen. Wir haben u.a. am frühen Abend das Pazifik- Volmet-Netz auf 13282 kHz verfolgt, was nicht immer von Erfolg gekrönt ist. Aus dem eng belegten 49 m Band fischten wir Radio Education auf 6185 kHz, machten den obligatorischen 6085 / 6090 Hörvergleich, um nur einige Testpunkte zu nennen. In den hohen Bändern nimmt das an sich gute Großsignalverhalten etwas ab, was ja technisch gesehen auch mit der relativ hohen Empfindlichkeit zusammenhängt und optimal nur bei den sehr teuren kommerziellen Empfängern gelöst werden kann.
Der Synchrondetektor ist nun beim S 700 auf die einzelnen Seitenbänder schaltbar. Mit dieser Funktion lassen sich Störungen auf einem Seitenband erfolgreich ausblenden. Nur bei den sehr schwachen Stationen war der ICF 2001 D etwas besser.

Fazit
Der Satellit 700 ist ein wirklicher Weltempfänger mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Die technische Konzeption ist ausgereift, die Verarbeitung einwandfrei. Die Empfindlichkeit ist selbst mit der eingebauten Teleskopantenne recht hoch, sodaß nur in Extremfällen eine externe Antenne empfohlen werden kann. Schwierigkeiten bei der Benutzung einer externen selektiven Aktivantenne gab es nicht. Das Großsignalverhalten ist ebenfalls sehr gut, auch wenn es in den oberen Bereichen etwas abfällt. Wünschenswert wäre vielleicht noch eine zusätzliche engere Filterbandbreite für CW usw., aber wer die speziellen Betriebsarten bzw. Funkdienste sehr schätzt, wird sowieso einen um einiges teureren Empfänger einsetzen.
Mit dem neu konzipierten MEMOFlLE zeigt man neue Möglichkeiten der Erleichterung des Rundfunkempfangs auf? insbesondere für unerfahrenere Hörer. Fachzeitschriften und Nachschlagewerke werden dadurch aber keinesfalls überflüssig, da die Sendezeiten usw. nicht gespeichert sind, sondern nur die Station und eine Auswahl an Frequenzen. Wie der EEPROM-Service (kommerziell wie auch über die Klubs) funktionieren, kann erst die Praxis erweisen. Insgesamt ist der Bedienungskomfort sehr hoch, sodaß nicht nur geräteerfahrene Dxer und Vielhörer diesen Empfänger schätzen werden.

Technische Einzelheiten:
Frequenzbereiche: AM 150 kHz - 30 MHz, FM 87,5 - 108 MHz

Zwischenfrequenzen: 1. ZF 54,5 MHz (UKW 10,7 MHz)
2. ZF 450 kHz

Bandbreiten: 6,8 kHz (breit) bei - 6 dB / 3,8 kHz (schmal) bei - 6 db

Antennen: Ferritstab für LW / MW, Teleskopantenne für KW / UKW
Anschlüsse für: Kopfhörer 3,5 mm, Line-Out, Schaltausgang, Lautsprecher 8 Ohm
Aussenantenne 50 Ohm, 75 Ohm für UKW

Stromversorgung: 4 x 1,5 V Mignonzellen bzw. Akkus, Laden intern möglich
Netzteil NR 90
Leistungsaufnahme: 0,8 VA

Besonderheiten: transportierbare ROM -Tabelle, EEPROMS (Option), Synchrondetektor mit schaltbaren Seitenbändern,
RDS für UKW

Gewicht: 1,8 kg ohne Batterien, Abmessungen (B x H x T) 305 x 178 x 66 mm

Empfindlichkeit:SSB 10 db S/S+N

  schmal breit
2 MHz 2,1 2,1 uV
5 MHz 1,2 1,3 uV
10 MHz 1,6 1,5 uV
20 MHz 0,7 0,7 uV
30 MHz 0,5 0,5 uV

Spiegelfrequenzunterdrückung:

2 MHz 60,3 dB
10 MHz 62,3 dB
30 MHz 66 dB

weitere Lektüre:
d: Artikel zu Grundig Satellit 700, kurier 6 und 10 / 92

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