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Testbericht Satellit 700 - © ADDX kurier

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überarbeitet am 24.7.2010

Der Satellit 700 von Grundig ersetzt die Vorläufermodelle Satellit 500 und Satellit 650. Er wurde erstmals auf der Berliner Funkausstellung 1991 der Öffentlichkeit vorgestellt und ist seit Januar 1992 im Handel. Nach der Funkausstellung verteilte Grundig Vorseriengeräte an DX-Vereinigungen und Fachjournalisten mit der Bitte, die Geräte zu prüfen und Mängel an Grundig zu melden, damit diese noch vor Anlauf der Serienproduktion beseitigt werden konnten. Jürgen Bast, Uwe Bräutigam und Charly Hardt testeten das der ADDX zur Verfügung gestellte Exemplar und fanden auch eine Reihe von Fehlern. Die wichtigsten waren:
- unzählige Pfeifstellen in den AM-Bereichen
- mehrere eigenerzeugte Träger
- schlechtes Großsignalverhalten
- RDS funktionierte nur bei wenigen Ortssendern

Für den jetzigen Erfahrungsbericht stand nun ein Seriengerät zur Verfügung. Was hat Grundig nun in der Serie verbessert? Pfeifstellen sind kaum noch zu finden. Die eigenerzeugten Träger wurden zwar nicht ganz beseitigt, aber deutlich abgeschwächt. Davon sind die Frequenzen 1573 und 6275 kHz sowie UKW 95,3 99,625 und 103,975 MHz betroffen. Das RDS-Teil wurde erheblich verbessert. Leider hat sich am schlechten Großsignalverhalten kaum etwas geändert. Es wäre schön, wenn andere Firmen ihre neuen Geräte ebenfalls von erfahrenen Kurzwellenhörern schon vor dem Start der Serienproduktion testen liessen.

Unterschiede zum S-500
Äußerlich unterscheidet sich der Neue kaum vom Satellit 500. Abmessungen und Gewicht sind identisch. Der S-700 ist an der grauen Frontplatte zu erkennen. An der linken Seite sind nur noch drei Drehregler vorhanden. Der Verriegelungsschalter (Lock) ist als Schiebeschalter ausgeführt, der bei Batteriebetrieb auch zur kurzzeitigen Beleuchtung des Displays dient. Der Line-Ausgang ist jetzt stereotauglich (2 x Cinch). Es lassen sich zwei externe Lautsprecher anschließen (1 x 3,5 mm Stereo-Klinkenbuchse für Masse/rechter/linker Kanal). An der rechten Geräteseite befindet sich unterhalb des Tuning-Knopfes ein kleines Rädchen für die SSB-Feineinstellung (Clarify). Die Schiebeschalter für Antenne (INT/EXT) und Empfindlichkeit (DX/LOC) sind jetzt viel größer als beim Satellit 500. Sie ragen weiter aus dem Gehäuse heraus. Das Display wurde neu gestaltet, um die Vielzahl von Funktionen darstellen zu können. Damit sind die äusserlichen Unterschiede auch schon beschrieben. Allerdings bietet der Satellit 700 im Vergleich zum 500er eine Reihe an zusätzlichen "inneren Werten".

- RDS (Radio Data System) - Anzeige des Sendernamens, der Alternativfrequenzen sowie der RDS-Fehlerrate
- 64 Senderspeicher (8stelliger Sendername programmierbar) mit je 8 Alternativfrequenzen (= 512 Frequenzen)
- ab Werk programmierte Sender können verändert werden
- Steckplätze für drei weitere Speichermodule (EEPROMs) - Gesamtspeicherkapazität: 2048 Frequenzen
- Kopieren von EEPROMs möglich
- Synchrondetektor mit schaltbarem Seitenband wie beim Sony ICF 2001D
- Feineinstellung für SSB (Clarify)
- Mittelwellenraster (9/10 kHz) über MENUE umschaltbar
- Rasterabstufung mit der Taste SEARCH SELECT innerhalb der Rundfunkbänder (LW/MW: 9/10 kHz; KW: 5 kHz)

Eine Einschränkung gegenüber dem Satellit 500 gibt es im Mittelwellenbereich: 528 - 1611 kHz (Satellit 500: 513-1611 kHz). Der Satellit 700 bietet nicht nur mehr sinnvolle Ausstattung als sein Vorgänger, sondern ist ihm auch beim Empfang überlegen. Er ist auf allen Bändern wesentlich ruhiger, d.h. er rauscht weniger. Abstimmgeräusche sind zwar noch vorhanden, wie bei fast jedem Digitalempfänger, aber sie bleiben in erträglichem Rahmen. Die Empfindlichkeit ist besonders auf den oberen Kurzwellenbändern höher. Obwohl die gleichen Filter wie beim Satellit 500 eingebaut sind, trennt er durch die schaltbaren Seitenbänder im SYNC-Betrieb etwas besser. Eigenstörungen durch die Digitalelektronik treten nicht mehr in dem Maße auf wie beim S-500, wo z.B. ein grosser Teil der Langwelle durch Störungen unbrauchbar wurde. SSB-Sendungen sind beim S-700 besser verständlich. Die Tasten haben einen gut definierten Druckpunkt. Der einzige Punkt, bei dem der S-700 seinen Vorgänger nicht übertrifft, ist beim Großsignalverhalten.

Vergleich mit dem S-650
Da der Satellit 700 auch den S-650 ablöst, hier noch ein kurzer Vergleich. Der S-650 bietet einen noch rauschärmeren Empfang als der S-700. Voll ausspielen kann er diesen Vorteil aber nur abends auf den oberen Bändern, wo er schwache und ungestörte Signale noch verständlich macht, die beim S-700 schon im Rauschen untergehen. In den unteren, stärker belegten Bändern kommt es mehr auf gute Trennschärfe bei noch guter Sprachverständlichkeit an. Hier ist der Satellit 700 wegen der besseren Filter und der Möglichkeit, die Seitenbänder beim SYNC-Betrieb einzeln schalten zu können, dem S650 zumindest ebenbürtig, in vielen Fällen auch überlegen. Allerdings läßt sich mit dem kleinen Lautsprecher und der geringeren NF-Leistung des S-700 ein grosser Raum nicht so gut beschallen wie mit dem S-650.

Vergleich mit dem Sony ICF 2001 D
Seit Jahren gilt der ICF 2001D von Sony als das am besten für DX geeignete Kleingerät. An diesem Ruf konnte auch der Satellit 500 nicht kratzen. Um die Frage zu klären, ob nun der S-700 die Empfangsleistung des 2001D erreicht, werden beide Geräte nun in einigen Punkten gegenübergestellt.

Grundsätzlich fällt auf, daß der Sony auf allen Bändern ein deutlich höheres Eigenrauschen aufweist. Das NF-Teil des S-700 ist - wie man von Grundig erwarten konnte - um Klassen besser als das des 2001D. Auffallend war, daß der Satellit 700 erstaunlich immun gegen Fernsehstörungen ist. Auf Frequenzen, auf denen beim Sony durch das Brummen des Zeilentrafos des Fernsehers so gut wie nichts zu hören war, reagierte der S-700 häufig nur mit einem erhöhten Grundrauschen. Der Sender war dann zwar verrauscht, aber noch verständlich zu empfangen.

Synchrondetektor
Der Synchrondetektor soll - laut Bedienungsanleitung - dann eingesetzt werden, wenn das schmale Filter nicht ausreicht, zwei nebeneinanderliegende Sender zu trennen. Leider funktioniert das in der Praxis nur eingeschränkt. Bei schwachen Sendern rastet der Synchrondetektor nicht ein. Das gleiche gilt, wenn auf beiden Nachbarkanälen wesentlich stärkere Stationen senden. Der Synchrondetektor des Sony ICF 2001D hat in solchen Situationen keinerlei Probleme.
Das unerwünschte Seitenband wird im SYNC-Betrieb beim Satellit 700 nur wenig gedämpft. So war abends Radio Mali auf 4835 kHz mit Utility-Störungen auf dem oberen Seitenband zu hören. Der S-700 reduzierte diese Störungen bei SYNC LSB nur geringfügig, auf dem ICF 2001D war Mali jedoch fast störungsfrei zu hören.
Bei Stationen mit starkem Fading bringt der Synchrondetektor eine deutliche Empfangsverbesserung. Verzerrungen werden stark reduziert, die Sprachverständlichkeit nimmt zu. Im SYNC-Betrieb nimmt das Rauschen hörbar zu. Es empfiehlt sich deshalb, beim abendlichen Empfang von schwachen ungestörten Stationen auf den oberen Bändern, ohne Synchrondetektor zu hören.

Lang- & Mittelwelle
Um die Empfindlichkeit in diesem Bereich beurteilen zu können, eignet sich der Empfang schwacher Funkbaken ganz besonders. So war die Bake auf 950 kHz abends auf dem S-700 nur zu erahnen, während sie zur gleichen Zeit auf dem 2001D klar und deutlich hörbar war. In Punkto Empfindlichkeit scheint der 2001D dem Satellit hier überlegen zu sein. Die Richtwirkung der Ferritantenne des Grundig ist jedoch hervorragend. Tagsüber konnte der Sony seine höhere Empfindlichkeit jedoch nicht in besseren Empfang umsetzen, da der Satellit zwar z.T. verrauschte Signale empfing, wegen seines guten NF-Teils aber noch eine gute Sprachverständlichkeit lieferte. Das breite Filter des Satellit trennt in fast allen Fällen im 9-kHz-Raster einwandfrei. Nur auf den Nachbarkanälen der Ortssender ist ein Übersprechen zu hören.

Kurzwelle (AM)
Die Empfindlichkeit des Satellit 700 ist besonders auf den höheren Kurzwellenbändern sehr gut. Da sich auch das Eigenrauschen in Grenzen hält, liefert der S-700 meist ein besseres Signal-/Rauschverhältnis als der Sony. Bei ungestörten Sendern kann auch auf Kurzwelle oft das breite Filter benutzt werden. Die schmale Filtereinstellung ist ein sehr guter Kompromiß zwischen Trennschärfe und Klang. Sie trennt, außer in Extremsituationen, Sender im 5-kHz-Raster gut. Die Sprachverständlichkeit kann bei Einsatz des schmalen Filters ebenfalls als gut beurteilt werden. Beim Empfang von stärkeren Stationen in den unteren Bändern ist der 2001D wegen seines besseren Synchrondetektors dem S-700 überlegen.
In den Abendstunden treten beim S-700 mit der eingebauten Teleskopantenne Grosssignalprobleme auf, was dazu führt, daß große Teile der oberen Kurzwelle (z.B. das 13m-Band) für Stunden unbrauchbar werden. Bei Einsatz des Preselektors ADDX-PRE-1 lassen sich die Großsignaleffekte zwar mildern, aber nicht ganz verhindern. Wird der S-700 mit einer externen Antenne betrieben, verbessert sich das Grossignalverhalten ebenfalls stark.

Kurzwelle (SSB)
Der Empfang von SSB-Sendungen profitiert ganz besonders von der hohen Empfindlichkeit des Satellit. So ist tagsüber selbst bei Batteriebetrieb noch der Empfang vieler Amateur-Stationen im 10-m Band möglich. Die Wiedergabe ist dank Feineinstellung (Clarify) für ein Koffergerät hervorragend. Leider ist es sehr mühsam, über die Amateurfunkbänder zu "kurbeln". Laut Bedienungsanleitung arbeitet die Rasterabstimmung in SSB mit 1-kHz-Schritten. Wird aber die Taste SEARCH SELECT gedrückt, dann schaltet das Gerät auf AM und 5-kHz-Raster um. Also bleibt nichts anderes übrig, als das ganze Band in 100-Hz-Schritten mit der Handabstimmung durchzustimmen. Das Rädchen für die Feinabstimmung ist ausserdem zu klein geraten. Es wäre sinnvoll, wenn Grundig diese Funktion auf den großen Knopf der manuellen Verstärkerregelung gelegt hätte. Um eine verzerrungsfreie Wiedergabe zu erreichen, muß die Verstärkung bei SSB-Betrieb von Hand eingestellt werden (MGC). Aufgrund der fehlerhaften Feineinstellung ist der 2001D bei der Wiedergabe von SSB-Sendungen dem S-700 leicht überlegen.

UKW-Empfang
Dieses Kapitel geht, wie nicht anders zu erwarten war, ganz klar an den Satellit 700. Hohe Empfindlichkeit, gute Trennschärfe sowie eine weitgehende Immunität gegen Eurosignal-Durchschläge zeichnen das UKW-Empfangsteil aus. Bei 87,6 MHz stört das Eurosignal kaum noch, ab 88 MHz aufwärts ist keine Beeinträchtigung mehr festzustellen.
Beim Satellit 700 ist - erstmals bei einem Koffergerät - ein RDS-Decoder eingebaut. Der Sendername wird zusätzlich zur Frequenz auf dem achtstelligen Display angezeigt. Auf Knopfdruck lassen sich die (vom Sender ausgestrahlten) Alternativfrequenzen testen. Bietet eine dieser Frequenzen besseren Empfang, dann schaltet das Gerät auf diese Frequenz um.
Analog zum Videotext beim Fernsehen, stellt auch der fehlerfreie RDS-Empfang beim UKW hohe Ansprüche an die Qualität des Signals. So ist eine bestimmte Mindestfeldstärke notwendig und das Signal muß absolut sauber (ohne Störungen und Reflexionen) sein. Beim Empfang mit Teleskopantenne im Haus ist es grundsätzlich schwierig, diese beiden Voraussetzungen zu erfüllen. Umso erstaunlicher ist deshalb, daß der Satellit 700 bei sehr vielen, auch nur mit mittlerer Feldstärke einfallenden Stationen nach kurzer Zeit den Stationsnamen anzeigt. Sehr hilfreich ist dabei die RDS-Fehlerratenanzeige, mit der sich Standort des Gerätes und Stellung der Teleskopantenne auf besten RDS-Empfang optimieren lassen.

Klang
Schlechter Klang konnte bisher keinem Satelliten nachgesagt werden. Beim S-500 hatte Grundig offenbar versucht, die Bass-Stärke der großen Satelliten auch auf dem wesentlich kleineren Lautsprecher zu erhalten. In der Praxis mußte bei Lautsprecherbetrieb dann aber der Bass fast ganz rausgeregelt werden, um Rückkopplungen zu vermeiden. Das NF-Teil des S-700 wurde jetzt wesentlich "heller" abgestimmt, ohne gleich so höhenlastig zu klingen wie viele japanische Geräte. Rückkopplungen konnten auch bei voll aufgedrehtem Bass nicht mehr festgestellt werden.
Mit einem guten Kopfhörer hat das NF-Teil fast HiFi-Qualitäten. Der Klang ist ausgewogen, räumlich und sehr natürlich. Gleichzeitig wird auf den AM-Bereichen eine gute Sprachverständlichkeit erreicht. Das NF-Teil des 2001D ist auf optimale Sprachverständlichkeit und weniger auf guten Klang ausgelegt.

Fazit
Für den erfahrenen Dxer, der auch noch die schwächsten Stationen empfangen will, bleibt der Sony bei Koffergeräten nach wie vor erste Wahl. Für den anspruchsvollen Programmhörer, der ein Gerät mit gutem Empfang und gutem Klang sucht, ist der Satellit 700 jedoch eine gute Wahl. Der einzig schwerwiegende Fehler dieses Empfängers ist sein relativ schlechtes Großsignalverhalten beim Betrieb an der eingebauten Teleskopantenne. Hier sollte Grundig dringend nachbessern. Wird der Empfänger jedoch mit Außenantenne und/oder Anpassung mittels eines Preselektors betrieben, dann fällt dieses Manko nicht mehr so sehr ins Gewicht. Zu loben ist auch die Bedienungsanleitung des Satellit 700. Sie ist sehr detailliert, ohne den erfahrenen Kurzwellenhörer mit Selbstverständlichkeiten zu langweilen. Viele Abbildungen und Beispiele gestalten diese Broschüre sehr übersichtlich. Der Preis des Satellit 700 in Höhe von ca. DM 900.- ist gerechtfertigt. Die Speicherplatzverwaltung mittels EEPROMs ist gut und läßt wohl keine Wünsche offen. Pro Frequenz werden hier zusätzlich auch die Filterstellung und die Mode-Einstellung abgespeichert.

Zum Schluß noch vielen Dank an Uwe Bräutigam, Eberhard Körner, Peter Kruse und Frank Röntgen, die ihre Empfänger zu Vergleichszwecken für diesen Test zur Verfügung stellten.

© Joachim Salisch & Jürgen Bast, kurier 6 / 92

 

Das Beste aus Ihrem Satellit 700

Die Bedienungsanleitung des Grundig Satellit 700 ist sehr übersichtlich gehalten, trotz der zahlreichen Funktionen des Gerätes. Auf einige Besonderheiten, so auch auf vielfältige RDS-Zusatzfunktionen, wird aber nicht eingegangen. Mehr darüber in diesem Bericht.

Aber zuerst einmal zur Kurzwelle: Einige der allerersten Empfänger zeigen genau ab 20480 kHz, besonders in den Abendstunden, zahlreiche Geisterstationen. Hier kann man einfach und preiswert Abhilfe schaffen: Kaufen Sie eine Koax-Buchse - keinen Stecker, der ist geräteseitig eingebaut! - und klemmen oder löten an den Antennenleiter in der Mitte etwa 20 cm isolierten Draht an. Die Abschirmung, die normalerweise geerdet wird, bleibt frei. An das andere Drahtende schließen Sie eine Krokodilklemme an, die die Verbindung zur Teleskopantenne herstellt. Während Sie in den hohen Bändern empfangen wollen, verbinden Sie somit einfach den eingebauten Antennenanschluß mit der Teleskopantenne, die wie bisher benutzt wird der Antennenwahlschalter bleibt auch auf eingebaute Antenne stehen. Die Geisterstationen verschwinden fast vollständig, ohne die Empfindlichkeit des Gerätes stärker zu beeinträchtigen.
Der "Lock"-Schalter an der linken Gehäuseseite verriegelt die Tastenfunktionen gegen unbeabsichtigtes Verstellen - nur das Ausschalten des Satelliten ist noch möglich. Man hüte sich allerdings, den "Lock"-Schalter bei eingeschaltetem Alarm einzusetzen. Das Gerät schaltet sich dann zur Weckzeit nicht ein! Wer sich also morgens wecken lassen möchte und über Nacht den Satelliten mit der "Lock"-Taste verriegelt, hat sich damit also selbst ein Bein gestellt. Das Radio-Data-System - kurz RDS - ist eine leistungsfähige Ergänzung beim UKW-Empfang. In Deutschland strahlen alle ARD-Sender sowie viele Privatstationen ein unhörbares RDS-Signal aus, das von vielen Autoradios, und auch auf dem Satellit 700, ausgewertet werden kann. Beim Grundig wird einige Sekunden, nachdem man eine RDS-Station eingestellt hat, der Programmname angezeigt, und auf Knopfdruck werden alle Frequenzen eingestellt, auf denen die genannte Station weitere Sender betreibt. Ist irgendwo der Empfang besser als auf der Ausgangsfrequenz, stoppt der Suchlauf. Erfreulich ist, daß RDS europaweit standardisiert ist, also keine deutsche Spielerei im Alleingang darstellt. Auf Reisen, wenn die Frequenzverteilung vollkommen unbekannt ist, hat man somit viele Vorteile.

Um einen Sender durch Schwenken der Teleskopantenne optimal einstellen zu können, hat Grundig dem Satellit 700 noch eine Prüffunktion spendiert: Drückt man die Bandbreitentaste im UKW-Betrieb, verwandelt sich die Tuning-Anzeige in eine Qualitätsanzeige für RDS-Empfang: Je mehr Balken leuchten, desto besser der Empfang. Schade nur, daß man dafür beide Hände braucht: Eine zum Drücken der Taste, die andere zum Schwenken der Teleskopantenne. Das können Sie ändern mit einigen Zusatzfunktionen, die die Bedienungsanleitung verschweigt!
Stellen Sie einen RDS-Sender ein und drücken Sie anschliessend etwa 3 Sekunden die "Synch"-Taste. In der Anzeige verschwindet der Stationsname, stattdessen erscheint eine 6stellige Buchstaben- und Ziffern Kombination. Dazu später. Neu ist, daß die Tuning - Anzeige ständig (!) als RDS-Qualitätsanzeige funktioniert. Während Sie sich in diesem speziellen RDS-Modus befinden, können Sie immer abstimmen, Speicher abfragen und belegen usw. Aus dem RDS-Modus kommen Sie durch nochmaliges, 3 Sekunden langes Drücken der "Synch"-Taste oder Ausschalten des Gerätes. Es gibt jedoch noch mehr zu entdecken; Sicherlich haben Sie sich schon gefragt, warum der Satellit 700 beim Durchstimmen der Alternativfrequenzen so schnell "merkt", daß ein anderer Sender mit RDS nicht der Gesuchte ist. Das dauert meist keine Sekunde, während das Anzeigen des Sendernamens im Display schon mal 10 Sekunden in Anspruch nehmen kann. Der Grund: Die Rundfunksender strahlen zwei Kennungen aus. Einmal die Senderbezeichnung, wie sie in der Anzeige erscheint, und die sogenannte Programm-Identifikation, kurz "PI". Die "PI" lesen Sie im besonderen RDS-Modus in den ersten vier Stellen der Anzeige sie wird europaweit für jedes Programm nur einmal vergeben. Der Deutschlandfunk hat zum Beispiel D210 als "PI", WDR-1 hat D391, WDR-2 D392, WDR-4 D394, WDR-5 Düsseldorf D695, WDR-5 Essen D795, SWF-1 D6A1, SWF-3 D3A3, Radio RPR-2 D3A9, NOS Radio-4 8204 und BRTN Radio-2 6302. Sie merken schon: Deutsche Sender beginnen mir "D", niederländische mit "8" und belgische mit "6". Die letzte der vier Ziffern bezeichnet meist das Programm, beim überregionalen Deutschlandfunk findet sich hier eine Null. Die zwei Ziffern rechts in der Anzeige sind Verkehrsfunkhinweise. Obwohl der Satellit 700 mit Verkehrsmeldungen, im Gegensatz zum Autoradio, nichts am Hut hat, erfahren Sie hiermit folgendes: "00" bedeutet, daß der eingestellte Sender keine Verkehrsmeldungen bringt. " 10" - er sendet welche, aber nicht zur Zeit, "11" - gerade im Moment läuft eine Verkehrsdurchsage. Den Wechsel von "10" zu "11" und umgekehrt kann man sehr schön nach den Nachrichten beobachten, wenn der berühmte "Piepton" gesendet wird. Ein Druck auf die Bandbreitentaste beschert Ihnen zwei jeweils zweistellige Zahlen in der Anzeige. Hierbei wird wieder die (Qualität des Empfangs vom Grundig ausgewertet. Die linke Zahl gibt alle 2 Sekunden an, wieviel Prozent der RDS-Daten nicht (!) empfangen werden konnten - je höher diese Zahl ist, desto schlechter ist also der Empfang. Weiterhin gibt die Tuning-Anzeige folgendes bekannt: Je weniger Balken erscheinen, desto schlechter der Empfang. Die rechte der zwei Zahlen speichert einfach den bisher schlechtesten gemessenen Wert. Spielen Sie ruhig und schwenken Sie die Antenne. Ein Verdrehen der Frequenz führt zu einem ganz neuen RDS-Einlese-Vorgang. Tun Sie das! Sie sehen, wie aus erst acht Strichen langsam der Sendername zusammengebastelt wird. Der enorme Vorteil: Bei extrem schlechten RDS-Signalen bekamen Sie bisher meist garnichts in der Anzeige zu sehen. Im besonderen RDS-Modus nach Betätigung der USB-Taste sehen Sie zumindest Bruchstücke des Sendernamens, die oft auch schon weiterhelfen. Außerdem werden bei nicht-RDS-Sendern die von Ihnen im Memo-File abgespeicherten Namen angezeigt, sodaß sich Ihr Radio ganz herkömmlich verhält - bis auf die dauernde RDS-Qualitätsanzeige im S-Meter. Ein weiterer Druck auf die USB-Taste erlaubt Ihnen das Auswerten der Daten, die auf kaum einem RDS-Radio angezeigt werden. Sie sehen "PTY" für Programm-Typ. Die zweistellige Ziffer sagt aus, ob Sie eine Pop-Musik-, Klassik-, Nachrichten- oder Sportsendung hören - und vieles mehr. Bei Klassik erscheint hier zum Beispiel die "14". In Deutschland lesen hier die meisten leider nur "00", denn ARD-Anstalten strahlen eine solche Nennung noch nicht aus. Radio RPR in Rheinland-Pfalz will damit noch dieses Jahr starten, bei einigen niederländischen Programmen läuft die Aussendung schon. Damit ist der Grundig Satellit 700 also für die Zukunft gerüstet. Das "M" ganz rechts in der Anzeige gehört zur Musik/Sprache-Erkennung. Bei dieser Funktion lesen Sie während Musiksendungen das "M", bei Sprache ein "S" - bei "S" sollte sich die Lautstärke der besseren Verständlichkeit wegen automatisch anheben. Diese Funktion ist, wie "Programm-Typ", in Deutschland noch nicht in Betrieb.

Zum Schluß noch die "LSB"-Taste: Mit ihr können Sie die Alternativfrequenzen einzeln abfragen, ohne den Schnelldurchlauf wie bei der "FM/RDS-AF"-Taste. Kurze Bestätigung bedeutet eine Frequenz aufwärts, lange Bestätigung abwärts. Bleibt noch der Hinweis: Durch den besonderen RDS-Modus werden keine abgespeicherten Daten in den Memo-Files geändert, das Umschalten in den AM-Bereich ist problemlos möglich.

Und noch etwas: Wenn man die Zifferntasten 1-6 nacheinander bei ausgeschaltetem Gerät drückt und danach die ON/OFF-Taste, beginnt die Grundig-Werbeaufschrift. Nach Ausschalten des Gerätes und Wiederholung der genannten Eingabe stoppt diese Anzeige und die Frequenzanzeige ist wieder aktiv. Und nun: Viel Spaß beim Ausprobieren.

weitere Lektüre:
d: Grundig Satellit 700 - Hochleistungsempfänger konzipiert in Franken, weltweit hören 3 / 1992

© Oliver Sascha Kaiser, kurier 10 / 1992
weitere Informationen zum Grundig Satellit 700 unter http://www.oliver-s-kaiser.de