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Grundig, Fürth

Testbericht Yacht Boy 100 / 120 - © Rainer Lichte / ADDX

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überarbeitet am 24.7.2010

Einfachsuper,

Analoganzeige

AM, FM - UKW

Empfindlichkeit 6 MHz
AM 10 uV

Schaltuhr

Der KW-Interessierte findet bei Grundig in der neuen Serie der kleinformatigen Geräte gleich eine Auswahl interessanter Kleinempfänger: Yacht-Boy 120 und 100 sowie PrimaBoy 100. Nun ist der 1980er Yacht-Boy nicht zu vergleichen rnit den ehrwürdigen und großvolumigen Vorfahren gleichen Namens aus den 60er Jahren. Vom Format her ist der Neue sicherlich ein echter Reiseempfänger. Die Ausstattung enthält zeitgemäß eine digitale Schaltuhr des LCD-Typs. Neben sechs Kurzwellenbereichen sowie MW und LW ist auch ein UKW-Bereich vorgesehen. Konsequente Beschränkung auf die Rundfunkbänder ergibt bei den sechs KW-Bereichen eine enorme Spreizung; die gesamte Skalenlänge von jeweils 6 cm beinhaltet nur ca. 500-600 kHz pro Bereich.

Das Gerät
Der als Testgerät ausgewählte Yacht-Boy 120 präsentiert sich in einem mattschwarzen Hartkunststoffgehäuse; eine silberfarbene Ausführung ist auch lieferbar. Alle Beschriftungen und Skalen sind in gut lesbarem Weiß aufgebracht. Die Werbung stellt dieses Gerät als Taschenempfänger vor. Bei Maßen von 23 x 4 x 14 (BHT in cm) ist damit sicherlich eine Aktentasche gemeint. Das Volumen ist jedoch in der Tat recht gering und gestattet problemloses Mitnehmen auf Reisen. Des Formates wegen dürfte das Gerät vorzugsweise flach auf dem Tisch liegend betrieben werden. Prinzipiell ist auch stehender Betrieb möglich; die Gewichtsverteilung ist doch derart ungünstig, daß kleine Erschütterungen der Unterlage das Gerät umkippen lassen. Die Einstellorgane sind bei liegendem Betrieb viel besser zu bedienen. Sämtliche Schalter und Einsteller für das Radio befinden sich auf der Vorderseite, mit Ausnahme des oben rechts seitlich angebrachten Drehknopfes für die Sendereinstellung. Dieser Knopf ist geriffelt und groß genug, um auch eine feinfühlige Abstimmung zu ermöglichen. Fast die gesamte linke Hälfte des Gerätes nimmt der Lautsprecher ein. Darüber liegt das Anzeige- und Bedienfeld für die LCD-Digitaluhr. Es können angezeigt werden: Zeit im 24-Stunden-Format, vierstellig, oder Minuten und laufende Sekunden (dann fehlen die Stunden in der Anzeige). Weiterhin kann die programmierte Weckzeit dargestellt werden. Das Wecken erfolgt entweder mit Musik vom vorher eingestellten Sender oder mit einem Piepton. Beide Weckfunktionen sind nach dem Wecken sofort mittels Tipptaste rückstellbar. Ansonsten läuft das Radio eine Stunde weiter; der Alarmton gibt schon nach vier Minuten seine Bemühungen auf. Sämtliche Uhrenfunktionen sind neben bzw. über dem LCD-Anzeigefeld konzentriert.
In der Mitte des Gerätes finden sich von oben nach unten: der Lautstarkeeinsteller (Schieberegler mit Skala), die Tonblende und der Wahlschalter für die sechs KW-Bereiche (49, 41, 31, 25, 19 und 16m-Band) mit großem Überlauf nach beiden Seiten.
Die Tonblende zeigt wenig Wirkung und ist schlecht zu handhaben. Das kleine silberne Kunststoffteil ragt nicht aber die Gerätefront und besitzt nur eine grobe Riffelung. Bedient werden soll dieses Knöpfchen mit einer Fingerkuppe: draufdrücken und drehen. Leichter gesagt als getan: normal-lange Fingernägel, feuchte oder fettige Hände usw. machen eine Einstellung mühsam. Dabei funktioniert das Verfahren ganz ausgezeichnet, wenn die Oberfläche des Knopfes richtig beschaffen ist (siehe Minox-Kleinstkamera).
Vier Drucktasten am rechten Gehäuserand wählen den Wellenbereich und schalten auch das Gerät ein. Der kleine viereckige Knopf rechts daneben löst die gewählte Bereichstaste mechanisch aus und schaltet das Gerät damit ab.
Die große, gut lesbare Skala mit deutlichem rotem Skalenanzeiger ist auf den KW-Bereichen nur in 100 kHz-Schritte geteilt; die Rundfunkbänder sind mit einer weißen Linie hervorgehoben. Auf UKW, LW und MW sind die Markierungen nicht besser. Eine in 50 Schritte geteilte Linearskala am rechten Rand hilft auch nicht weiter: es fehlt ein kleiner Markierungsreiter, um eine einmal gefundene Station wiederfinden zu können. Rechts oben in der Ecke befindet sich eine rote 1.5 mm LED, die bei optimaler Abstimmung aufleuchtet. Das Gerät besitzt Anschlüsse für ein Netzteil (mitgeliefert) und einen Ohrhörer. Eine Trageschlaufe ist links seitlich fest angebracht. Das Batteriefach auf der Rückseite ist gut zugänglich und nimmt fünf AA-Zellen auf. Die Uhr benötigt eine eigene Batterie, die mitgeliefert und problemlos eingesetzt wird. Die 70 cm lange Stabantenne hat ein Dreh-/Knickgelenk.
Zum Lieferumfang gehören neben dem Netzteil eine knappe Bedienungsanleitung, eine DX-Einführung (!), eine Frequenztabelle für deutschsprachige Sendungen des In- und Auslandes sowie ein Schaltplan.

Betriebsergebnisse
Der Yacht-Boy wurde auf Reisen unter verschiedensten Bedingungen erprobt. Die Empfangsleistung des Gerätes: MW 39 Stationen sauber, KW jeweils 8 bis 16 Stationen sauber, FM 9 Stationen sauber, LW 6 Stationen sauber.
Wie bei allen Geräten dieser Art, läßt die Trennschärfe stark zu wünschen übrig; an ernsthaftes DXen ist damit nicht zu denken. Um Nachrichten der wichtigsten KW-Stationen des In- und Auslandes zu hören langt es. Mit den sechs Bändern ist das Spektrum ja hinreichend abgedeckt. Der gesamte KW-Bereich zeigt gute Empfindlichkeit; mit besserer Trennschärfe und einstellbarer HF-Regelung wäre gelegentliches DXen durchaus möglich. Mittel- und Langwellenbereiche entsprechen nicht den Erwartungen, die aufgrund der guten KW-Ergebnisse aufkommen.
Enttäuscht hat der UKW-Bereich. Hier war der Yacht-Boy sehr unempfindlich und brachte wenig Sender. Ein Konstruktionsfehler in der Befestigung der Stabantenne verschlimmerte die Situation auf UKW noch. Die Antenne ist derart lose in das Gehäuse eingesetzt, daß sie in schräger Stellung nicht stehenbleibt. Wegen des unempfindlichen UKW -Teils ist aber eine genaue Ausrichtung der Stabantenne wichtig. Kippt die Antenne um, ist der Sender weg. Ein Detail nur, aber diese Antenne kostet Nerven...
Ein nützliches Extra ist die Schaltuhr, die problemlos und pünktlich mit angenehmer Musik weckt. Die Ausgangsleistung ist mehr als ausreichend, der Klang angenehm. Die LED leuchtet wirklich nur bei gut eingestelltem Sender auf und arbeitet auch auf KW zufriedenstellend.

Wertung und Kritik
Die schwache Empfangsleistung auf UKW legte den Verdacht nahe, daß es sich um den allgemein bekannten "Ausreißer" handelte, zumal die Schaltungsauslegung nicht auf eine Sparversion schließen läßt. Ein vom Fachhandel ausgeliehenes Gerät zeigte jedoch nur unwesentlich bessere Leistungen; die Exemplarstreuungen scheinen nicht groß zu sein. Die lockere Antennenbefestigung akzentuiert das Problem noch: die Antenne läßt sich nicht in der besten Stellung festsetzen.
Voll befriedigen konnte dagegen der KW-Bereich. Die enorme Spreizung macht eine Feineinstellung mit dem großen Drehknopf möglich. Mittel- und Langwellenbereich sind guter Durchschnitt; bemerkenswert und brauchbar ist die ausgezeichnete Richtwirkung der Ferritantenne.
Sehr vermißt wurde ein - wenn auch kleines - S-Meter. Das recht harte Kunststoffgehäuse hat keine gummierten oder anderweitig entschärften Auflagepunkte; auf glatten Möbeln rutscht das Gerät leicht weg und hinterläßt dabei Kratzer. Die Bedienung der Klangblende muß verbessert werden. Sonst ist die Bedienbarkeit recht gut: Senderstellknopf und Skalenzeiger sind in ihrem Untersetzungsverhältnis praxisgerecht ausgelegt. Eine feinere Teilung auf den sonst problemlos lesbaren Skalen würde den Gebrauchswert deutlich erhöhen. Die Wiedergabequalität optimal eingestellter Sender überrascht angenehm - in Anbetracht des vergleichsweise winzigen Lautsprechers wurde hier eine Menge erreicht. Insgesamt ist die Gerätekonzeption lobenswert; eine Verbesserung ist jedoch beim UKW-Teil nötig.
Das Gerät könnte mit einigen Detailverbesserungen ein echter Renner werden: UKW-Teil empfindlicher, Bandbreite AM schaltbar (schmal), HF-Abschwächer oder Regler, S-Meter, bessere Skalierung, Skalen und Uhr beleuchtbar, Gummifüsse auf der Rückseite, Schutztasche, bessere Stabantennenkonstruktion. Das dürfte dann auch ruhig etwas kosten. Der Markt für ein Gerät dieser Art ist da.
Trotzdem konnte dieser Yacht-Boy - bis auf die UKWEmpfangsleistung - befriedigen. Die Schaltung zeigt, daß hier die Elektronik eines ausgewachsenen Kofferradios auf kleinem Raum verpackt wurde. Das Preis-/ Leistungsverhältnis des Yacht Boy 120 kann durchaus als "gut" bezeichnet werden. Digitale Schaltuhr und Netzteil machen den 120 zum preisgünstigen Gerät für den vielseitigen Einsatz im Urlaub oder als Zweitgerät.
Die bemängelte Empfindlichkeit des UKW-Teils liegt laut Mitteilung des Herstellers in der Serie bei ca. 3 uV, ein durchaus akzeptabler Wert. Der im Empfangsteil fast gleiche, aber ohne Digitaluhr und Netzteil gelieferte Yacht Boy 100 ist mit ca. DM 180.- derzeit konkurrenzlos preiswert.

Grundig Yacht-Boy 120: Technische Daten und Meßwerte
Gerät Nr. 16993
Hersteller Grundig
Vertrieb Fachhandel
Geratetyp kleines Kofferradio
Schaltungstyp Superheterodyne
Frequenzbereiche

KW1 5.9 - 6.4 MHz KW2 7.0- 7.4 MHz KW3 9.4 - 10.1 MHz
KW4 11.6 - 12.3 MHz KW5 15.0 - 15.8 MHz KW6 17.6 - 18.4 MHz

MW, LW, UKW
Frequenzanzeige Analogskala
Abesegenauigkeit 50 kHz auf KW
Frequenzstabilität bei dT von 10°C 1.5 kHz innerhalb 1 Stunde +2 kHz
Besonderheiten LCD-Schaltuhr
HF-Teil
Empfindlichkeit: in uV an 50 Ohm bzw. 1 KOhm bei BC
0.1 MHz - 1.5 MHz für 26dB S+N/N
2 MHz - 30 MHz für 6 dB S+ N/N
AM, 400 Hz, Modulation 30%

Frequenz (MHz) 0.5 1 1.5 4 6 7 10 15
AM (uV) 40 35 35 - - 10 11 8

Trennschärfe (kHz) (7 MHz +/- 1 MHz)
-6 dB / -60 dB: 5.5 / 21
Spiegelfrequenzsicherheit besser als 45 dB
Antennen Teleskop 70 cm, Ferritantenne
Sonstiges UKW - Empfindlichkeit 8 uV / 26 dB
NF-Teil
Leistung 600 Milliwatt, 10% THD
Tonblende +/-6dB
Lautsprecher 8 cm 0, 4 Ohm
Anschlüsse Ohrhörer Stromversorgung AA-Zellen, 5 Stück; Steckernetzteil über Schaltbuchse Leistungsaufnahme ca. 0.2 Watt
Maße 23 x 4 x 14 BHT in cm
Gewicht ca. 800 Gramm mit Batterien
Bestückung 17 Transistoren, 1 FET, 1 IC plus 1 IC für Uhr
FTZ-Nummer U-101
Preis ca. DM 260.-

© Rainer Lichte, Kurzwellenempfänger - Qual der Wahl, addx