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Testbericht Yacht Boy 206 - © ADDX kurier 5 / 1992

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überarbeitet am 24.7.2010

Die Kleinen von Grundig
Yacht Boy 206 & Ocean Boy 330

Kleine und kompakte Geräte sind heutzutage der Renner, weil sie leicht mitzunehmen sind und dadurch zu einem guten Reisebegleiter werden. Die meisten dieser Geräte werden in Ostasien produziert, so auch die beiden Kleinen von Grundig. Sowohl der Ocean Boy 330 als auch der Yacht Boy 206 sind auch unter anderem Namen bekannt. Der erstere wird sogar vom Evangeliumsrundfunk als ERF-Radio vertrieben.

Bei beiden Geräten, die um die 100 DM kosten, muß man empfangsmäßig natürlich einige Abstriche machen. Weder kann man verlangen, daß sie extrem empfindlich sind, noch kann man erwarten, daß die Trennschärfe DX-Bedingungen genügt. Für’s Radiohören taugen jedoch auch solche Empfänger. Gehen wir nun in die Einzelheiten und beschreiben zunächst das billigere Gerät.

Ocean Boy 330
Der Ocean Boy 330, der 19 x 11 x 4,5 Zentimeter mißt, ist ein recht leistungsfähiger kleiner Empfänger, Er hat Lang-, Mittel-, Kurz- und Ultrakurzwelle. Die Abstimmung des Empfängers erfolgt mittels "up-" und "down-"Tasten. Die Abstimmschritte sind bei UKW 50 kHz, bei Mittelwelle 9 kHz, bei Langwelle 1 kHz und bei Kurzwelle 5 kHz.
Die Langwelle überstreicht den Bereich von 153-281 kHz, die Mittelwelle reicht von 531-1602 kHz, die Kurzwelle von 5,9-15,5 MHz (49- bis 19-m) und die Ultrakurzwelle von 87,5-108 MHz. Die Empfindlichkeit im Lang- und Mittelwellenbereich ist gut. So konnte z.B. auf Langwelle Atlantic 252 in guter Qualität empfangen werden. Auf Mittelwelle konnte ich hier in Remscheid Bayern-5 auf 801, Lückow-Dannenberg auf 630 und Prag auf 639 kHz in guter Qualität empfangen, was von einer für diese Preislage aussergewöhnlichen Empfindlichkeit zeugt. Auch der UKW-Empfang konnte überzeugen.
Der Kurzwellenempfang ist nur für die stärkeren Sender akzeptabel. So konnten RIAS Berlin, die Deutsche Welle, Radio Luxemburg und andere recht gut empfangen werden, während z.B. Radio Riga auf 5935 kHz nur dann hereinkam, wenn das Gerät in Fensternähe oder an einem sehr hohen Ort aufgestellt wurde.

Das Display zeigt Uhrzeit und Weckzeit an, den Wellenbereich (FM, MW, LW & SW), die Frequenz (bei UKW und Kurzwelle in Megahertz, bei Mittelwelle und Langwelle in Kilohertz), sowie den Senderspeicher (Ch) und die Speicherplatznummer.

Fazit: Der Ocean Boy 330 ist für solche Hörer geeignet, die auf Reisen Nachrichten der großen Rundfunkstationen hören möchten. Man kann die Empfindlichkeit im Kurzwellenbereich noch dadurch verbessern, daß man den Preselector, der vom Technischen Klubdienst der ADDX vertrieben wird, vorschaltet. Die Wellenbereichs- und Abschwächungsschalter, die sich an der rechten Schmalseite des Empfängers befinden, sind ziemlich schwergängig. Ein Gleichstrom 6 Volt-Netzteil kann angeschlossen werden, wird aber nicht mitgeliefert. Ein Außenantennenanschluß ist nicht vorhanden.

Yacht Boy 206
Der Yacht Boy 206 ist wie der Ocean Boy 330 ein Einfachsuper Die Abstimmung erfolgt durch einen Drehknopf. Das Gerät ist mit folgenden Bereichen ausgestattet: Langwelle 148-283 kHz, Mittelwelle 526-1606 kHz und Ultrakurzwelle 87,5-108 MHz. Die Empfindlichkeit ist auf diesen Bereichen sehr gut. Bei UKW führt sie aber dazu, daß in diesem Frequenzspektrum Geistersender auftreten. Dadurch wird der Empfang anderer Sender beeinträchtigt. Diese im Empfänger erzeugten Mischprodukte wirken sich oberhalb von 105 MHz verheerend aus.

Die Kurzwelle ist in zwölf Bereiche unterteilt. Dies sind:

  • SW 1: 2,30-2,50 MHz (120 m)
  • SW 2: 3,20-3,40 MHz (90 m)
  • SW 3: 3,90-4,00 MHz (75 m)
  • SW 4: 4,75-5,06 MHz (60 m)
  • SW 5: 5,90-6,20 MHz (49 m)
  • SW 6: 7,10-7,50 MHz (41 m)
  • SW 7: 9,50-9,90 MHz (31 m)
  • SW 8: 11,60-12,05 MHz (25 m)
  • SW 9: 13,60-13,80 MHz (22 m)
  • SW 10: 15,10-15,60 MHz (19 m)
  • SW 11: 17,50-17,90 MHz (16 m)
  • SW 12: 21,40 21,85 MHz (13 m)

Sender, die sich ausserhalb dieser Rundfunkbereiche befinden, können nicht gehört werden. So ist es z.B. unmöglich die BBC auf 9410 kHz oder IRIB Teheran auf 9022 kHz mit diesem Gerät zu empfangen. Die Empfindlichkeit des Yacht Boy 206 ist zwar besser als beim Ocean Boy 330, aber damit sind auch die Spiegelfrequenzen umso stärker. Die Trennschärfe ist auch beim Yacht Boy 206 nicht überwältigend.
Das Gerät hat eine Uhr. Uhrzeit und Weckzeit werden über ein kleines Display angezeigt. Ein Netzteil (4,5 Volt) wird nicht mitgeliefert, kann aber angeschlossen werden. Sonst wird das Gerät mit 1,5 V-Mignon-Zellen betrieben. Eine Kopfhörerbuchse (3,5 mm Klinke) ist vorhanden.

Fazit: Der Yacht Boy 206 ist ein Billig-Empfänger, der zwar über 12 Kurzwellenbereiche verfügt, deren Empfang ist aber wegen starker Spiegelfrequenzen und nicht sonderlich guter Trennschärfe für den Hörer kaum brauchbar. Die auftretenden Spiegelfrequenzen können zum Teil mit dem Preselector des Technischen Klubdienstes der ADDX eingedämmt werden.

Der Yacht Boy 206 wie auch der Ocean Boy 330 befinden sich am unteren Preisspektrum und können dem Hörer empfohlen werden, der keine großen Ansprüche stellt. Damit zeigt sich wieder einmal, daß Kurzwellenhören nicht unbedingt kostenintensiv sein muß.

© Jürgen Bast, kurier 5 / 1992