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Grundig, Fürth

Testbericht Yacht Boy 500 - © weltweit hören

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überarbeitet am 24.7.2010

Grundig, traditioneller Hersteller von Weltempfängern seit rund dreissig Jahren, präsentierte zur Funkausstellung ein weiteres Produkt dieser Gerätekategorie: den Yachtboy 500. Das Design fällt etwas aus dem Rahmen und orientiert sich mehr an der Form eines Handsprechfunkgerätes, und wer mehr in Computern denkt, fühlt sich an einen brandneuen PDA (Personal Digital Assistant) erinnert, eine neue Klasse von Notebooks. Eine mikroprozessorgesteuerte, menügeführte Bedienung, umfangreiche Speichermöglichkeiten und last not least die Annehmlichkeiten des Radio Data Systems (RDS) machen ihn zu einem herausragenden Gerät seiner Klasse.

Das Empfangsteil für die Bereiche UKW (über Kopfhörer in Stereo), Kurz-, Mittel- und Langwelle arbeitet nach dem PLL-Frequenzsynthesizer-Prinzip. Die Kurzwelle umfaßt lückenlos den Bereich von 1,6 bis 30 MHz, wobei die Bänder von 90 bis 10 m direkt angewählt werden können. Zu den Spezialitäten des im Doppelsuper-Prinzip aufgebauten KW-Teils zählt auch der Einseitenband- Empfang, bei dem die Sprachverständlichkeit durch einen Clarify-Regler optimiert werden kann. Leider ist SSB nur mittels BFO zu empfangen, so daß keine Seitenbandwahl möglich ist.

In einer ROM-Tabelle sind neun internationale Kurzwellenstationen mit insgesamt 90 Alternativfrequenzen abrufbereit gespeichert. Der Hauptspeicher des Yacht-Boy 500 ist mit bis zu 40 Stationen, beliebig gemischt aus allen Empfangsbereichen, frei belegbar. Die jeweils gewählten Betriebszustände für die einzelnen Stationen (Mono/Stereo, Seitenband) werden ebenfalls abgespeichert. Zur Senderwahl dienen der automatische Suchlauf, die manuelle Einstellung oder die direkte Frequenzeingabe.

Besonderen Komfort im UKW-Bereich bietet die Ausstattung für RDS. Dieses Feature ist in keinem Gerät dieser Klasse weltweit vorhanden. Bei schwachen Sendern spricht RDS aber oft recht langsam an.

Der Verstärkerteil spiegelt die langjährige, wesentliche Grundig-Philosophie wider: Guter Klang ist ein Muß. Durch die relativ hohe Ausgangsleistung von maximal 3 Watt (Musikleistung bei Netzbetrieb) bei zugeschaltetem Sound-Booster sowie einen 77 mm Rundlautsprecher wird ein volles, ausgewogenes Klangbild erreicht. Natürlich sind auch einige Uhrenfunktionen integriert. Ein Schaltausgang durfte ebenfalls nicht fehlen, mit dem man mit einen Kassettenrecorder zeitgesteuert aufzeichnen kann.

Anschlußmöglichkeiten bestehen für Stereo-Kopfhörer, Line out zur Verbindung mit Verstärkern oder Aufzeichnungsgeräten sowie das externe Netzteil NR 90-1, das im Lieferumfang enthalten ist. Wenig erspriesslich: Der Netzstecker passt auch in andere Buchsen der Leiste. Laut Grundig ist das zwar abgesichert, aber man sollte sich da noch einige Gedanken machen.

Das dunkelgraue Kunststoffgehäuse hat Abmessungen von ca. 113 x 186 x 41 mm, das Gewicht des Gerätes beträgt rund 560 g. Zum Lieferumfang gehört auch eine Schutztasche aus flexiblem Kunststoffmaterial und, wie bei Grundig üblich, eine gut dokumentierte Betriebsanleitung. Der Verkaufspreis soll unter DM 500 liegen.

Für unsere blinden Dxer: Die Bedienknöpfe sind klar geordnet und stehen nicht zu eng, teils eckige Knöpfe, teils runde, die Fünf auf der Zahlentastatur ist zudem fühlbar gekennzeichnet, so daß das Gerät auch von Sehbehinderten und Blinden mit etwas Übung zu handhaben ist.

Mit unserem ersten Testgerät waren wir nicht zufrieden. Darum haben wir das zweite intensiver im Praxistest gehabt, zuvor aber noch einmal im Werk Fürth gründlich überprüfen lassen. Während der praktischen Erprobung sind uns leider viele Geisterfrequenzen unangenehm aufgefallen, am unangenehmsten sind einige innerhalb der Rundfunkbänder. Das 60-m-Band ist aus diesem Grund großteils unbrauchbar, der Bereich wirkt übersteuert. Auf Mittelwelle ist ein hoher Grundrauschpegel vorhanden, auf LW ebenfalls, aber in geringerem Maße. Der Test RTL (6090 kHz) gegen BR (6085 kHz) verlief ebenfalls nicht überzeugend, erst nach Abstimmung des BR auf 6084 kHz war der Empfang weitestgehend ungestört.

Wir vermuten die Ursache in den Filtern. Wir können nur spekulieren (aufgrund anderweitiger Erfahrenswerte), daß die ursprünglich konzipierten Filter zu teuer geworden sind, so daß man hier (am falschen Platze) gespart hat. Erinnerungen an Fehlleistungen der Grundig-Mutter Philips in diesem Bereich kommen hier fast automatisch hoch, Einflussnahme von dieser Seite ist nicht ausgeschlossen Der Suchlauf ist eine gute Einrichtung, leider funktioniert er nur innerhalb der Bänder, ausserhalb springt er auf den nächsten Randanfang bzw. das nächste Bandende.

Daß die Antenne rechts am Gerät angebracht ist, freut vielleicht einen Linkshänder. Ein Rechtshänder empfindet das bei der Eingabe als recht hinderlich.

Das Gerät kann zuhause nur dann gut bedient werden, wenn die Aufliegeklappe hinten abgeklappt ist und das Gerät leicht schräg steht. Allerdings sollte man die Tasten nicht zu kräftig bedienen, die Klappe könnte sonst aus der Fassung geraten. Besser wäre hier ein Metallbügel gewesen, vielleicht nicht optimal zum Outfit passend, aber stabil.

Fazit
Der Yachtboy ist ein völlig neu konzipiertes Gerät, in dem auch die Erfahrungswerte des Satellit 700 stecken. Nicht ganz nachvollziehbar ist aber, warum diese Konzeption nicht voll durchgezogen wurde und man auf halber Strecke stecken geblieben ist. Wer z.B. an den Filtern spart, spart am falschen Platz. Das Gerät kann daher auch nur knapp mit befriedigend gewertet werden, trotz RDS und gutem Design. Wer sich dieses Gerät kauft, sollte keine großen Erwartungen bezüglich DX hegen, ist aber (bei Netzbetrieb) mit einem guten UKW-Empfänger versorgt. Wir wünschen, daß die Entwickler schleunigst ein Nachfolgegerät erarbeiten und serienfertig machen.
© tte, weltweit hören 12 / 1993