Home

Grundig, Fürth

Yacht Boy 500

Grundig Logo
Reiseempfänger
Portable Empfänger
Stations-Empfänger
Oldie - Empfänger
"Boatanchors"
Militärisches Gerät
 
Grundig
 
Yacht Boy 120
Yacht Boy 206
Yacht Boy 220
Yacht Boy 400 (1.Version)
Yacht Boy 400
Yacht Boy 500
Yacht Boy 700
 
Empfängerliste
Empfänger - Manuals

überarbeitet am 24.7.2010

Mit seiner Weltempfängern aus der legendären "Satellit"-Reihe sprach Grundig neben Leuten, die im entfernten Ausland lebend Kontakt mit der Heimat halten wollten, vor allem Kurzwellenhörer an, die am Schreibtisch zum Wellenbummel durch aller Herren Länder aufbrechen wollten, zum Mitführen auf Reisen waren die voluminösen Doppelsuperempfänger oftmals zu sperrig.
Als Reiseempfänger bot Grundig mit den Geräten der "Yacht Boy" - Reihe eine Alternative, die Einfachsuperempfänger mit einzeln geschalteten Kurzwellenbändern und Linearskalen standen zahlreichen anderen kleinen Weltempfängern Pate.
Als letztes der in Portugal gefertigten Geräte bot der Yacht Boy eine Digitalanzeige mit alphanumerischer Senderbezeichnung und als Besonderheit einen RDS-fähigen UKW-Tuner.

Grundig Yacht Boy 500

Einfachsuper

Digitalanzeige,

UKW, LW, MW, KW 1,6 - 30 MHz

AM, SSB (BFO), FM (UKW)

Empfindlichkeit

50 Speicher, 90 Frequenzen in der ROM-Tabelle gesoeichert,
stereotauglicher UKW-Tuner mit RDS

Digitaluhr, Timer

Der Grundig Yacht Boy fällt durch sein eigentümliches, entfernt an ein Handsprechfunkgerät erinnerndes Format sofort auf. Das 110 x 185 x 40 mm messende hochkant stehende anthrazitgraue Kunststoffgehäuse verleiht dem 560 g schweren Gerät mit dergeringen Tiefe nur eine schlechte Standfestigkeit. Die Plastikklappe zum Schrägstellen des Geräts hält schwere Stösse, beispielsweise durch ein auf den schräggestellten Empfänger fallendes Buch, nicht aus, ein Metallbügel hätte hier wohl bessere Dienste geleistet.
Aufgrund des eigenwilligen Designs und der in der oberen Hälfte lokalisierten zahlreichen Drucktasten, benutze ich zur Bedienung stets beide Hände: mit der einen festhalten, mit der anderen die Knöpfe drücken, sonst kippt der Yacht Boy hintüber. Die Bedienung der an der oberen Schmalseite an sich günstig angelegten Drucktasten zur Skalenbeleuchtung und zum Stummschalten des Wecktons würde ich im dunklen Hotelzimmer unterlassen, zu leicht kippt das Gerätchen vom Nachttisch. Dass die Teleskopantenne an der rechten Geräteschmalseite unten angebracht ist und ebenfalls nach hinten schwenkt, bedeutet eine erhebliche Gefährdung, die Antenne bei einem Fallenlassen des Gerätes anzubrechen, eine im Empfänger versenkbare Antenne wäre weniger exponiert und hätte gewiss mehr unfallfreie Tage vor sich.
Zum Aufstellen kommt das vom Sony 7600D her bewährte Holzbrettchen, es gab auch Konstruktionen aus Plexiglas, wieder zu Ehren - sonst droht der Umsturz schon bei einem Wackeln des Campingtischchens oder einem heftigen Windstoss.

Im obersten Viertel der Frontplatte findet sich oben das per Knopf schwach hintergrundbeleuchtete LCD-Display, neben Empfangsfrequenz, der Signalfeldstärke in drei Stufen wird auch die Uhrzeit dauernd angezeigt. Nach Druck auf die FM Taste werden bei einem ausreichend starken Sender die RDS-Daten resp. die Senderkennung eingeblendet.
Unter dem Display findet sich der Ziffernblock, die Taste "5" ist für sehbehinderte Hörer mit einer Erhöhung markiert, die 0-Taste liegt nicht vie beim Telephon üblich in der Mitte sondern unten links... In einer zweiten vertikalen Reihe neben den Zifferntasten finden sich die Drucktasten für FM / AM / TUNE-up und TUNE-down. Der Lautstärkeregler - als Schiebepoti unterhalb des Zifferntastenblocks ausgeführt - kann ebenfalls nur bedient werden, wenn das Gerät mit der zweiten Hand festgehalten und vor dem Umkippen bewahrt wird.
Knapp die untere Hälfte der Frontplatte wird vom Lautsprechergrill eingenommen, die Tonqualität kann zwischen Musik & Sprache umgeschaltet werden, mit Aktivierung der Funktion BOOST wird die NF-Ausgangsleistung verdoppelt, empfohlen nur im Betrieb mit externem Netzteil.
In der schmalen Leiste rechts neben Display und Lautsprecher finden sich übereinander die restlichen Bedienelemente. Zuoberst der Hauptschalter, in Position Lock geschoben wird das versehentliche Einschalten durch Druck auf die Taste im Reisegepäck verhindert. Darunter Tasten für zahlreiche Sonderfunktionen, von der Zeitzonen- zur mono/stereo-Umschaltung, von der Seitenbandwahl in SSB bis zur den Speichertasten.
An der linken Schmalseite die Buchsen für das center-positive 9V-Netzteil, die Kopfhörer- und Line out-Ausgänge, hinter einem Schiebedeckel auf der Geräterückseite, unter dem recht fragilen Aufstellbügel, liegt das Batteriefach für die sechs UM-3 / AA Mignonzellen.

Die wichtigsten Bedienschritte sind selbsterklärend, mit einem Druck auf die OFF/ON- Taste wird der Empfänger aktiviert, zumindest wenn der Schalter nicht mehr in LOCK- Position steht.
Die AM-Betriebsarten werden durch Druck auf die Taste AM aktiviert, eine Frequenz kann direkt mit den Tasten auf dem Neunerblock eingegeben werden, ein zweiter Druck auf die Taste AM aktiviert den Empfänger auf der gewünschten Frequenz. Mit den UP-/DOWN-Tasten kann dann weiter nach Stationen gesucht werden. Ein längerer Tastendruck auf die 0/ROM-Taste aktiviert die ROM-Tabelle mit den im Gerät vorprogrammierten Stammfrequenzen der wichtigsten europäischen Kurzwellendienste. Leider ist davon nur noch Minderheit aktiv und ein Grossteil der Frequenzen ist über die Jahre veraltet.
Zum Einseitenbandempfang wird die Taste LSB/USB gedrückt, ein erneuter Druck schaltet von LSB auf USB und ein letzter wieder auf AM-Empfang um. Mit der Rändel- Schraube FINE TUNING wird im SSB-Modus auf verständliche Sprache resp. "zero beat" aubgestimmt.
Um die weitergehenden (Speicher-)Funktionen nutzen zu können, ist ein Blick in die Bedienungsanleitung notwendig.
Ein Druck auf die FM-Taste aktiviert den UKW-Empfang, die Frequenzeingabe funktioniert ebenfalls direkt mit dem Zifferntastenblock. Sendet der UKW-Sender ein RDS-Signal zur Stationsidentifikation aus, wird diese anstelle der Frequenz angezeigt. Ein nochmaliger Druck auf die Taste FM/RDS AF lässt den Yacht Boy 500 auf eine im RDS-Signal verschlüsselte Alternativfrequenz mit dem gleichen Programm springen. Der RDS-Decoder arbeitet nur bei UKW-Signalen mit ausreichender Signalstärke, erscheint nicht sehr empfindlich, ist aber bei Auslandsreisen ein geniales Mittel, sich um UKW-Band rasch zurechtzufinden und hilft dem UKW-Freund in Kürze einen Bandscan des lokalen UKW-Bereichs zu erstellen. So einfach haben wir nie die entsprechende Lokalstation mit dem lokalen Wetterbericht gleich am ersten Aufenthaltstag an einem neuen Urlaubsort identifizieren können.

Seitens der Empfindlichkeit vermochte mich der Yacht Boy 500 nicht recht zu überzeugen, die Empfindlichkeit reicht zum Empfang der europäischen Stationen gut aus, schwächere Sender in Tropenbandbereichen oder Piratenstationen neigen dazu, im hohen Eigenrauschen des Empfängers unterzugehen. Die Trennschärfe ist ebenfalls nicht über alle Zweifel erhaben, zum Glück verfügt der Yacht Boy 500 über Abstimmschritte von 1 kHz und die Möglichkeit der Interpolation dazwischen mit dem fine tuning- Regler, so kann einem Nachbarkanalstörer ausgewichen werden, zahlreiche billige Reiseradios aus Fernost mit den 5 Khz-Schritten geraten hier ins Hintertreffen.
Zusammenfassend gesagt leistet der Grundig Yacht Boy als Reiseradio zum Empfang der regionalen Kurzwellendienste und auch der stärkeren UKW-Sender gute Dienste und erlaubt dank der RDS-Funktion eine prompte Identifikation der stärkeren UKW-Sender. Ich habe ihn deshalb im Urlaub gern im Handgepäck, nachdem die internationalen Kurzwellendienste zusehends eingeschränkt resp. teils aufgegeben werden, wird das lokale UKW-Band plötzlich zu einer wichtigen Informationsquelle, die Zeit ins Internetcafé zu gehen, um Radio zuhören oder swissinfo abzurufen, ist mir in den Ferien doch zu schade. Als DX-Empfänger ist der Yacht Boy 500 weder auf der Kurzwelle noch im UKW-Bereich tauglich, als Zweitgerät ein zuverlässiger Begleiter.

weitere Lektüre:
d: Testbericht Grundig Yachtboy 500, weltweit hören 12/1993

© Martin Bösch 25.9.2004