the Hallicrafters Co., Chicago

S - 27 / Ultra High Frequency Receiver

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überarbeitet am 31.12.2010

Der Ultra High Frequency Receiver Hallicrafters S-27 ist einer der frühen Allwellenempfänger, welche den damals noch als Ultra High Frequency bezeichneten Frequenzbereich bis ins 2 m Band abdeckt, heute spricht man in diesem Bereich noch von VHF.
Die Geräte wurden in der Regel zu Überwachungszwecken eingesetzt, ab dem Zeitpunkt der Entwicklung um 1940 dauerte es noch etliche Jahre, bis in den USA der UKW-Rundfunk zunächst im 6m Band um 50 MHz und später im 3m Band bis 100 MHz den Betrieb aufnahm, auch der Flugfunk, der heute im Bereich von 118 - 137 MHz arbeitet, wurde erst in den Nachkriegsjahren in den VHF-Bereich verlegt.

Einfachsuper, ZF 5250 kHz

Analoganzeige, Bandspreizskala

AM, CW mit BFO, FM

RF Gain

Der S - 27 ist ein röhrenbestückter Allwellenempfänger, der den VHF-Bereich abdeckt. Das um 1940 entwickelte Gerät deckt den Bereich von 27 - 145 MHz in drei Bändern ab, die B-Version S - 27B den Bereich von 36 - 165 MHz.

Das Gerät wird in der U.S.-Version mit den in den USA üblichen 115 V Wechselspannung betrieben, alternativ war Batteriebetriehb mit einem Zerhacker möglich. Auf keinen Fall sollte der S - 27 unbedacht ans in Europa übliche 230 V - Netz angeschlossen werden, ein Teil der für den Export nach Europa vorgesehenen Empfänger wurde als Option mit einem umschaltbaren Universaltransformer (S - 27U) zum Betrieb mit Spannungen zwischen 110 - 250 Volt ausgestattet, im Zweifelsfall sollte der S-27 mit einem Regeltrenntransformer hochgefahren und die Röhrenheizspannung bei 115 V überprüft werden.

Der Empfänger besitzt ein Metallgehäuse mit einem aufklappbaren Deckel, der wie bei Hallicrafters Geräten üblich Einblick auf die Röhren und Zugang zum Röhrenwechsel gibt, er misst 48,3 x 23 x 25,6 cm und ist ca. 20 kg schwer.

Auf der linken Seite der Frontplatte findet sich die Frequenzskala, welche hinter einer Blende rotiert, die nur einen sektorförmigen Ausschnitt freigibt, rechts davon findet sich die mechanisch gekoppelte Feintriebskala mit dem darunter plazierten Abstimmkopf - dieser für ältere Hallicrafters - Geräte typisch als "Steering wheel knob" ausgeführt.
Der Bandschalter für die Bänder 1 - 3 (27,8 - 47 / 46 - 82 / 82 - 143 MHz) ist links unmittelbar unter der Frequenzskala lokalisiert, darunter der Regler für die Hochfrequenzverstärkung RF GAIN, der Schalter für die automatische HF-Verstärkungsregelung A.V.C und der Regler für die Antennenanpassung. Der Bandbreitenschalter für SHARP und BROAD ist mit dem Netzschalter gekoppelt (bei Hallicrafters finden sich immer wieder originelle Kombinationen für den Netzschalter) und gleich daneben der Lautstärkeregler AF GAIN.
Rechts unter dem bräunlich-orange hintergrundbeleuchteten S-Meter findet sich der Tonblendenschalter (LOW / NORMAL / HIGH FIDelity / BASS BOOST), und darunter der AM / FM - Umschalter, der BFO-Schalter und der Regler für die Tonhöhe des BFO.
Unter dem Sende- /Empfangsumschalter, mit dem das Gerät bei Zusammenwirken mit einem Sender stummgeschaltet werden kann, findet sich der Kopfhöreranschluss, hinten kann ein hochohmiger Lautsprecher oder ein Lautsprecher mit einem entsprechenden Ausgangsübertrager für die Impedanz von 5000 Ohm angeschlossen werden, kein heute üblicher 8 Ohm - Lautsprecher!

Die Bedienung des Empfängers muss für AM und FM-Empfang separat betrachtet werden: Bandbreitenschalter wird das Gerät eingeschaltet, im AM-Betrieb kann je nach Interferenzsituation das breite oder schmale ZF-Filter gewählt werden. Der RF-Gain muss voll aufgedreht sein, die A.V.C auf ON, die Lautstärke wird so gewählt, dass auf einem unbelegten Kanal ein leises Rauschen hörbar wird. Üblicherweise ist im AM-Betrieb der BFO ausgeschaltet. Im Bereich 1 kann nun auf Senderjagd beispielweise im 10m - Amateurfunkband gegangen werden, zum SSB-Empfang wird der BFO aktiviert und die Tonhöhe mittels PITCH CONTROL reguliert. Im Bereich 3, um 127 MHz sind beispielsweise amplitudenmodulierte Flugwettermeldungen zu beobachten.
In der Betriebsart FM muss das breite ZF-Filter gewählt werden, es wird eine Deemphasis mit einer Zeitkonstante von 100 usec. aktiviert, das S-Meter wird in diesem Fall auf Tuning Meter - Betrieb umgeschaltet und zeigt in der Mittelstellung optimale Abstimung auf den Träger an. Zum FM-Empfang ist ebenfalls der RF GAIN auf Maximum zu drehen, A.V.C. ist inaktiv, ebenfalls der Noise Limiter A.N.L., der BFO muss ausgeschaltet sein. Evtl. muss die Antennenabstimmung auf Signalmaximum eingestellt werden. In der FM-Betriebsart können die lokalen UKW-Rundfunksender im Bereich 88 - 108 MHz gehört werden, die analogen Fernsehtonaussendungen im VHF-Bereich I sind verstummt, im 2m-Amateurfunkband um 144 MHz kann allenfalls lokaler Amateurfunk beobachtet werden.

Das von der Antenne herkommende Signal wird in einer Vorstufe (V1, Eichelröhre 956) verstärkt und wird in der Mischstufe (V2, 954) mit dem Oszillatorsignal (V3, 955) auf die ZF von 5,15 MHz umgesetzt. Nach einer ZF-Verstärkerstufe (V4, 6AC7/1852) gelangt das Signal im AM-Betrieb auf eine zweite / dritte ZF-Verstärkerstufe (V6, 6AB7/1853 und V7, 6SK7) und dann auf die AM-Demodulatordiode (V8, 6H6). Im FM-Betrieb durchläuft das verstärkte Signal den Limiter (V9, 6AC7/1852) und gelangt dann auf den Diskriminator (V10, 6H6) zur Demodulation.
Eine 6C8 arbeitet in der NF-Vorstufe und zwei 6V6 in push pull-Schaltung in der NF-Endstufe. Im BFO wird eine 6J5 eingesetzt.
In der Spannungsversorgung arbeitet eine Zweiweggleichrichterröhre 5Z3 und ein Glimmstabilisator VR-150/0D3.
Blockschema S-27

Der S-27 ist ein sehr frühes Beispiel eines VHF-tauglichen Empfängers, er wurde vor allem militärisch zur Funküberwachung eingesetzt und war mit dem Hallicrafters S-36 weitgehend austauschbar.
Heute ist erstaunt das Sammlergerät, dass damit, wenn auch mit Abstrichen bzgl. Selektivität und Empfindlichkeit UKW-Rundfunk gehört werden kann - UKW-Heimradios kamen in Europa erst 15 Jahre später auf den Markt.

weitere Lektüre:
e: Model S-27 Ultra High Frequency Receiver, Inistructions for Operation, Alignment and Servicing, BAMA (Boat Anchor Manual Archive)

© Martin Boesch 18.2.2012