the Hallicrafters Co., Chicago

S - 40 B

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überarbeitet am 24.7.2010

the hallicrafters co. - der Schriftzug auf der rechten oberen Ecke einer mattschwarzen Frontplatte war eindeutig erkennbar, das zugehörige Gerät vor anderen technischen Altertümern in einem Regal fast verborgen. Einige Erklärungen waren notwendig, bis der Vorbesitzer von meinem Interesse an diesem Gerät überzeugt war: "das ist etwas spezielles, ich muss es ein wenig verstecken, dass nicht jeder an den Knöpfen herumspielt..." Zum Vorschein kam ein Hallicrafters S - 40 B Allwellenempfänger, der zwischenzeitlich den Weg auf meinen Schreibtisch gefunden hat.

S - 40
1946
Einfachsuper, 550 kHz - 43 MHz; ZF 455 kHz, 120V
9 Röhren (6SG7, 6SA7, 6SK7x2, 6F6G, 6H6, 6J5GT, 6SQ7, 80)
S - 40 U gleiches Gerät, Universaltrafo 110, 130, 150, 220, 250 V
S - 40A / AU
1949
gleiches Gerät, grüne Sender-/Bandspreizskala, optionaler Universaltrafo für verschiedene Netzspannungen
S - 40 B / BU
1950
Einfachsuper, 550 kHz - 43 MHz; ZF 455 kHz, 120V,
8Röhren (6SG7, 6SA7, 6SK7x2, 6H6, 6SL7, 6FG6, 5Y3GT),
Skalenfenster und Lautsprechergrill im Gehäuse integriert
S - 52, 1948 gleiche Spezifikationen & Gehäuse wie S - 40 A, AC/DC-Betrieb
S - 77 / S - 77A, 1950 gleiche Spezifikationen & Gehäuse wie S - 40 B, AC/DC-Betrieb

 

Einfachsuper, ZF 455 kHz

Analoganzeige

AM, CW mit BFO

RF-Gain, Bandspreizung, Noise limiter, Tonblende

Beim S - 40 B handelt es sich um einen Einfachsuper mit einer Zwischenfrequenz von 455 kHz. In vier Bändern werden die Bereiche 550 - 1600 kHz, 1,7 - 5,4 Mhz, 5,3 - 16 Mhz und 15 - 44 Mhz abgedeckt. Entsprechend dem damaligen Stand der Technik verfügt das Gerät nicht über einen linearen Frequenzgang, das heisst, im Bereiche der tiefen Freqenzen, so im MW-Bereich, werden auf 2 mm 10 Khz überstrichen, im 19 m - Band sind es schon 100 kHz.

Auf der linken Seite der Frontplatte dominiert die Halbrundskala, neben den vier Bandbereichen findet sich eine fünfte Linearskala mit einer 100er-Skala, mit einer selbst zu erstellenden Log-Tabelle lässt sich die Wiederkehrgenauigkeit verbessern, resp. eine einmal gehörte Station mit einer bekannten Frequenz wiederfinden. Rechts neben der Hauptskala findet sich eine von 0 - 100 geeichte Bandspreizskala, die das Scanning in einem dicht belegten Frequenzband erlaubt.
Unter der Halbrundskala liegt der Bandbereichsschalter.In fast klassischer Anordnung liegt links davon der RF-Gain, mit Sensitivity bezeichnet. Zur rechten der Lautstärkeregler. Unten in der Mitte der Frontplatte liegen drei Schalter für AVC , BFO und den Störbegrenzer.
Auf der rechten Seite der Frontplatte unterhalb des Lautsprechers finden sich zwei Drehregler. Der Netzschalter ist mit der Tonblende kombiniert, Hallicrafters hat hier einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen, ist der Hauptschalter doch üblicherweise mit dem Lautstärkeregler kombiniert. Gleich daneben liegt mit Pitch control bezeichnet der Regler für den BFO, der den Empfang von CW-Signalen ermöglicht. Der Empfänger verfügt über eine AVC, eine automatische Lautstärkeregelung, die starke Schwankungen bei Fading vermindern hilft. Ein Noise Limiter vermag Prasselstörungen bei athmosphärischen Störungen oder durch ungenügend entstörte Automotoren zu vermindern. Ganz rechts findet sich die Kopfhörerbuchse und ein Standby - Receive - Umschalter, in der Standby-Stellung bleibt das Gerät bei beheizten Röhren beispielsweise im Transceive-Betrieb sofort empfangsbereit.
Eindrücklich wie selten lässt sich nach einfachem Aufklappen des Gerätedeckels das Innenleben bewundern: Die runde Frequenzskala ist direkt auf der Achse des Abstimmdrehkondensators montiert. Neben sämtlichen Röhren ist die Typenbezeichnung ins Chassis eingestanzt. Neben dem vollständig abgeschirmten Netztransformer ist der Elko zur Glättung der gleichgerichteten Spannung montiert. Alle weiteren Bauteile und die Verdrahtung liegen auf der Unterseite des Chassisblechs, so das Gerät von oben betrachtet sehr "aufgeräumt" wirkt.

Das Kurzwellenhören gestaltet sich mit einem 45 Jahre alten S - 40 anders, als mit den heutigen Doppelsupern mit direkter Frequenzeingabe: sehr hilfreich sind gute Kenntnisse in der Belegung in den gebräuchlichsten Kurzwellenbändern, eine Empfangsfrequenz kann im 49m-Band zwar noch auf 25 kHz genau geschätzt werden, im 19m-Band liegt die Schätzgenauigkeit unter 100 kHz. Ist eine Frequenz aufgrund der Stationsansage bekannt, können mit dem Feintrieb problemlos die nächsten Kanäle in 5 Khz Abständen aufgesucht werden. Stationen auf bekannten Ausserbandfrequenzen können mit der verfügbaren Skala recht gut aufgefunden werden, beim Schreiben des Berichtes kamen beispielsweise R. Korea auf 6480 kHz oder IRIB Teheran auf 9022 kHz problemlos herein. Zum anderen machen sich Kenntnisse in den Pausenzeichen der internationalen Stationen wie sie vor der halben oder vollen Stunde zu hören sind bezahlt: Das "Luegid vo Bärg und Tal" vom Schweizer Radio International ist hier eine geschätzte Abstimmhilfe.

Beim Schaltungskonzept eines Einfachsupers ohne schmalbandige Filter sind an Empfindlichkeit wie auch Trennschärfe gegenüber modernen Empfängern Abstriche zu machen, beim Hören selbst bewahrheitete sich aber einmal mehr, dass auch mit einfachem Empfangsgerät und Geduld wohl 90 % der mit einem Spitzenempfänger hörbaren Sender ebenfalls aufnehmbar sind: die internationalen Rundfunkstationen konnten problemlos berichtsreif gehört werden. Dafür wird man vom Hallicrafters- Empfänger mit einem vollen Röhrenklang belohnt, jegliches PLL-Synthesizerrauschen entfällt. Die Faszination der Wellenjagd mit einem Oldtimerempfänger liegt nicht zuletzt darin, beim Durchstöbern der Bänder unvermutet auf neue Frequenzen zu stossen, beispielweise auf Radio Vatikan in englisch um 21.00 UTC auf 4005 kHz...

© Martin Boesch