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Japan Radio Company Ltd., Tokyo

Testbericht NRD - 345 © ADDX, kurier 13 / 97

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überarbeitet am 25.7.2010

Vergleichstest NRD 345 und Drake R8E

JRC bietet neben dem Spitzenempfänger NRD 535DG nun erstmals ein Gerät in mittlerer Preisklasse an. Als direkte Konkurrenten kommen der Lowe HF 250 Europa, der AOR AR 7030, der Icom IC R72 und der Drake R8 in Frage. Eins der ersten lieferbaren Geräte stellte der Technische Klubdienst für einen Vergleichstest zur Verfügung.

Erscheinungsbild
Das Metallgehäuse mit Kunststoffbedienfront misst 25 x 23,8 x 11,5 cm (B x T x H) und ist durch die geschwungene Kante oberhalb des Hauptabstimmknopfes schnell als JRC-Familienmitglied zu erkennen. Oberhalb dieser Kante befinden sich von links nach rechts der Power-Schalter mit zusätzlicher Position für Timerbetrieb, das grün hinterleuchtete S-Meter, die mit etwas kräftigerem grün beleuchtete LC-Anzeige für Frequenz, Filterstellung, Speicherplatznummer, VFO A oder B, 20 dB Abschwächung, AGC fast oder slow sowie die Anzeige für die gewählte Betriebsart. In der rechten oberen Ecke der Frontseite ist die 10erTastatur zur direkten Eingabe von Frequenz, Speicherplatz und Meterband angebracht. Mit dabei sind auch die Tasten "CLR" (Löschen von Eingaben und Speicherplätzen), "MHz" und "kHz" (Frequenzbestätigung und Veränderung der Abstimmschrittweite zwischen 10 Hz und I MHz), "ENTER" (Bestätigung von Timer- und Uhrzeit-Eingaben) und "mtr" (Bestätigung von Meterband-Eingaben).

Auf der unteren Hälfte folgen die Aufruftasten "CLOCK" und "TIMER" (Anzeige alternativ zur Frequenz), eine 6,3 mm Klinkenbuchse für einen Kopfhörer, ein Regler für den Noise-Blanker gegen Funkstörimpulse, die Tasten "SCAN" und "PASS" (vielfältige Speicherscan-Funktionen), dann, links vom VFO-Knopf, die Tasten "DOWN" (Frequenzänderung im vorher selbst festgelegten Raster und Änderung der Betriebsart), "MEMO" (Speicherbetrieb), "MW" (Speicherung von Frequenz samt Filterstellung, AGC, Abschwächer und Betriebsart), "FILTER" (Wahl zwischen "Wide", .,Narrow" und "Aux" [falls eingebaut]).

Rechts von dem VFO-Knopf befinden sich die Tasten "UP" (wie bei "down"), .,VFO" (Wahl zwischen VFO A und B), "MODE" (Betriebsartenwahl) und "LOCK" (Sperrung des VFO-Knopfes). Weiter rechts sind noch die Tasten "ATT" (20 dB Abschwächung) und "AGC" (Wahl zwischen "slow" und "fast"). Darunter gibt es noch zu guter Letzt den Lautstärkeregler und die Tonblende.

Die Rückseite des Empfängers beherbergt zwei Antennenanschlüsse mit Umschalter (für Koax und Langdrähte), das Fach für die 1 A-Sicherung, die Buchsen für den Anschluß einer 12V-Spannungsversorgung, einen externen Lautsprecher, einen Aufnahme- und einen Fax-Ausgang sowie eine RS-232-Schnittstelle. Auf der Gehäuseoberseite ist ein kleiner Lautsprecher angebracht. Der Empfänger läßt sich mit einem unter dem Boden eingebauten Bügel in eine angenehm zu bedienende Schräglage bringen. Der VFO-Knopf ist recht groß und sehr leichtgängig, hat jedoch keinen elektronischen Schwungradeffekt. Zur schnellen und bequemen Bedienung der beiden VFOs fehlt leider eine "A = B"-Funktion, mit der sich die kompletten Inhalte bei Bedarf gleichsetzen lassen. Die Bedienelemente sind insgesamt sehr übersichtlich angeordnet und es kann zu keinen Verwechslungen kommen, da es bis auf die "kHz-" und "MHz-"Tasten keine Funktionsdoppelbelegung gibt.

Empfangspraxis
Die beiden serienmässigen Filter "Wide" und "Narrow" sind mit 4/10 kHz bzw. 2/6 kHz (-6 / -60 dB) nicht sonderlich steilflankig ausgefallen. Das 6-kHz-Filter des Drake R8E trennt besser als das "Wide"-Filter des NRD 345; gleiches gilt für das 2,3 kHz Filter im Vergleich mit dem "Narrow"-Filter des NRD 345. Der Drake R8E ist also mit seinen serienmässigen Filtern (6 / 2,3 / 1,8 / 0,5 kHz) nicht nur auswahlmäßig, sondern auch qualitätsmäßig überlegen. Dies zeigte sich hauptsächlich bei Versuchen im 49-m Band und im 40-m Amateurfunkband. Die Betriebsart "SAM", also Synchron-AM brachte gegenüber "AM" nicht die erwartete Empfangsverbesserung; sie ist vergleichbar mit dem Synchrondemodulator des Grundig Satellit 500, bei dem beide Seitenbänder gleichzeitig ausgewertet werden, im Gegensatz zum Synchrondetektor, bei dem die Seitenbänder gewählt werden können und ein hörbares Einrasten stattfindet.

Besonders auffällig ist, daß der NRD 345 die Signale vor sehr ruhigem Hintergrund aufbaut; auch sehr schwache Signale kommen klar verständlich herein. Leider produziert der NF Verstärker bei schwach aufgedrehtem Lautstärkeregler ein störendes Eigenrauschen. Die getesteten Frequenzen im Einzelnen: 252 kHz (Atlantic 252): etwas weniger empfindlich und störanfälliger als beim R8E; 1611 kHz (R. Vatikan): etwas weniger empfindlich, Störanfälligkeit gleich; 3365 kHz (Ghana), 4770 kHz (Nigeria), 6280 kHz (Libanon), 7550 kHz (Korea)' 120V5 kHz (Tunis), 15185 kHz ( R. Africa) und 17750 kHz (WYFR): Hier ist die Empfindlichkeit des NRD 345 merklich besser als beim Drake R8E. die Störanfälligkeit ist gleich. Im 80-m Amateurfunkband ist der NRD 345 deutlich empfindlicher als der R8E, wohingegen sich das Bild im 40-m und 20-m Band genau umkehrt. Auch ist noch wichtig zu erwähnen, daß der NRD 345 ab dem 22-m Band aufwärts zu Kreuzmodulationen neigt, was beim Drake R8E überhaupt nicht auftritt. Wünschenswert. aber auch bei anderen Geräten dieser Preisklasse nicht unbedingt zu finden, wären noch ein Notchfilter, ein Passband-Tuning und eine manuelle ZF-Regelung ("RFGain"), die der R8E hier nicht vermissen läßt.

Fazit
Der NRD 345 ist ein empfehlenswerter, übersichtlich gestalteter und gut zu bedienender Empfänger für Rundfunkhörer, die nur gelegentlich einen Ausflug in die SSB-Bereiche machen wollen. Ein optionales. steilflankigeres Zusatzfilter sollte man besser gleich mitbestellen. Für einen gebrauchten R8, der dann schon komplett ausgestattet ist, muß man sogar etwas weniger tief in die Tasche greifen. Das Gerät kostet beim Technischen Klubdienst DM 1749.- incl. 220V 12V-Netzteil. Als Optionen sind erhältlich: Filterplatine für 3 mögliche Filter (ca. DM 30.-). Als 3. Filter stehen zur Auswahl: O,5 kHz, 1,0 kHz, 1,8 kHz und 2,4 kHz. Der Preis beträgt hier rund DM 380.- pro Filter.

© Jürgen Bast, Thomas Domin; kurier 13-14 / 1997