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Japan Radio Company Ltd., Tokyo

Testbericht NRD-505 - © Dieter Schäfer

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überarbeitet am 25.7.2010

Vergleichstest NRD 505 und AOR 7030
beim DX-Camp Im Norden

Seit März 1997 bin ich stolzer Besitzer eines AOR AR7030 Weltempfängers. Zuvor hatte ich viel Literatur über diesen Referenz/Wunder-Empfänger verschlungen und da nur Positives zu berichten war, fiel mir die Kaufentscheidung auch nicht allzu schwer. Aber wie gut ist dieses kleine unscheinbare Gerät, das vom Aussehen her nun wahrlich nichts mit einem "richtigen" stationären Kurzwellenradio gemeinsam hat, nun wirklich? Ich nahm mir also vor, auf unserem vor der Tür stehenden DX-Camp im Norden diese Frage mit einem ausführlichen Test zu beantworten. Testen heißt vergleichen und zum Vergleich sollte mein schon fast 20 Jahre alter NRD 505 herhalten.

Da der NRD 505 nicht allzu bekannt sein dürfte, hier eine kurzer Steckbrief: Der NRD 505 ist der erste, von der japanischen Firma JRC hergestellte Kurzwellenempfänger für den Amateurmarkt. Danach folgten die mehr bekannten Typen wie NRD 515, 525, 535 und 345... Es ist das einzige Gerät in dieser Typenreihe mit analoger Frequenzaufbereitung (VFO) jedoch schon mit digitaler Frequenzanzeige. Die Ablesegenauigkeit beträgt 100 Hz. Der Empfänger ist als Doppelsuper ausgelegt mit einer 1. ZF von 75 MHz, die zweite ZF schwingt auf 455 kHz. Die Selektion auf der ersten ZF wird von einem sechspoligen Quarzfilter vorgenommen - die Firma Pühler verwendete später dieses Filter auch für die modifizierten NRD 525 Empfänger, während auf der 2. ZF zwischen drei Filtern gewählt werden konnte: 4,5 kHz Keramikfilter, 2,2 kHz mechanisches Filter und 500 Hz mechanisches Filter. Als Option, damals eine Sensation, wurde eine Zusatzplatine mit 4 (vier) Frequenzspeichern angeboten. Der so aufgerüstete Empfänger kostete 1979 knapp 6.000 DM, wobei der Aufbau (mechanisches Gehäuse, Steckplatinen) und auch die Empfangsleistung noch sehr stark an kommerziell produzierte Empfänger angelehnt war. Doch nun zum Test bzw, zum Vergleich.

Empfangsbedingungen
Als Antenne kam eine 85 Meter Delta Loop zum Einsatz, die frei in einer Höhe zwischen 10 und 15 Metern aufgehängt war, Die Empfängerzuleitung erfolgte über einen 1:4 Balun und ein 50 Ohm Koax-Kabel. Über einen verlustfreien R/S-Antennenverteiler wurden beide Empfänger an diesen Loop angeschlossen. Zur besseren Vergleichsmöglichkeit wurde mit nur einem Kopfhörer gearbeitet, der über einen Drehschalter auf den jeweiligen Empfänger umzuschalten war.

Start mit Schwierigkeiten
Bei Hagel, aber strahlendem Sonnenschein, schaltete ich die Gerätschaften ein. Durch die großen Fenster des Schullandheimes wurde der ganze Raum in gleißendes Licht getaucht. Bei der ersten Funktionsprobe stellte sich heraus, daß der AOR AR7030 nicht mehr auf die Bedienelemente reagierte. Trotz aller Versuche mit Reset und Aus/Einschalten war keine Bedienung mehr möglich. Der Grund war eine Beeinflussung des IR Sensors auf der Rückseite des Gerätes durch das Sonnenlicht. Dieser zweite Sensor - der erste sitzt an der Frontseite sorgt für eine größere Beweglichkeit mit dem Keypad. Erst durch Abkleben des Sensors mit schwarzem Klebeband war die einwandfreie Funktion des AOR 7030 wieder gewährleistet.

Test
4790 kHz, AIR Itanagar um 17.30 UTC: Der Empfang war durch starke Fading-Einbrüche stark beeinträchtigt. In Stellung AM hatte der NRD 505 beim Ausregeln klar die Nase vom. Kurze kräftige Signaleinbrüche quittierte der AOR AR7030 mit starken Verzerrungen. Aufgrund des geringeren Rauschanteil insgesamt war jedoch die Verständlichkeit mit dem AOR besser.

3255 kHz, Meyerton Relay in Südafrika in englisch: Durch ein sehr starkes RTTY-Signal auf dieser Frequenz war der Empfang nur in der Betriebsart USB möglich. Im Mode Synch fand der AOR 7030 keinen eindeutigen Träger züm Einrasten. Der NRD 505 zeigte auch hier ein insgesamt ruhigeres Empfangsverhalten, bei einem wieder höheren Rauschanteil. Sein 2.2-kHz-Filter, ein echtes mechanisches Filter, trennte hingegen wesentlich sauberer, als das 2,1-kHz keramische Filter des AOR AR7030. Durch den gefühlvollen Einsatz des Passband Tunings beim AOR konnte das RTTY-Signal jedoch soweit eliminiert werden, daß das Gerät auch hier aufgrund des geringeren Rauschanteils in puncto Verständlichkeit hauchdünn diese Nase vorne hatte.

3320 kHz, SABC Meyerton, Südafrika in Afrikaans: Störungsfreier Empfang war bei beiden Geräten nur im Mode LSB möglich. Auch hier war beim AOR der Sync-Mode dem ECSS-Mode unterlegen. Die Verständlichkeit war bei beiden Geräten gleich gut.

5100 kHz, R. Liberia International, Liberia: Die Frequenz war relativ störungsfrei. Der Empfang gelang bei beiden Geräten in der Betriebsart AM, Nun konnte endlich der Synch-Detektor des AR7030 zum Einsatz kommen. Im Vergleich zwischen dem Synch-Mode beim AOR und dem ECSS-Mode heim NRD 505 lag jedoch diesmal der NRD 505 vom. Ausschlaggebend war die ruhigere und weichere Wiedergabe.

4925 kHz, R. Difusora Taubaté, Brasilien, um 0.30 Uhr UTC: Der laut TBL nur 1 kW starke Sender konnte auf beiden Geräten mit einem Signalpegel von nur S3 gelesen werden. Während beim NRD 505 hier der Empfang am besten im LSB Mode gelang (ECSS), kam beim AOR der Synch-Modc zum Einsatz. Diesmal lag wiederum der AOR ganz knapp vorne. Aufgrund des schwachen Signals klang der Brasilianer im Synch-Mode etwas kräftiger als im ECSS-Mode des NRD 505.

4919 kHz, R. Quito, Ecuador, um 6.00 Uhr UTC: Nach Sendeschluß einer russischen Station auf 4920 war der Empfang klar und ungestört. Im ECSS-Mode war der Empfang auf beiden Geräten gleich gut. In Stellung AM, bei einer Bandbreite von ca. 4 kHz, ergaben sich wieder klare Vorteile beim NRD 505. Der Empfang war wesent[ich ruhiger und neigte nicht zu den kurzzeitig verzerrten Einbrüchen, wie sie beim AR7030 zu beobachten waren. Erst in Stellung Synch mit der Auswahl des optimalen Seitenbandes durch das PBT konnte sich der AOR 7030 hier wieder in den Vordergrund spielen.

3210 kHz, WWCR Nashville, USA, um 5.15 Uhr UTC: Die euphorische Predigt aus Nashvill kam klar und deutlich an. Nur der sogenannte Woodpecker zerhackte förmlich das Signal. Bei beiden Empfängern wurde auf manuelle AGC-Regelung umgeschaltet und die HF soweit reduziert, bis das Signal mit 0=3 lesbar aufgenommen werden konnte. Auch hierbei bestätigten sich die zuvor gemachten Ergebnisse: In Mode AM ist der NRD 505 klar überlegen und im Synch-Mode zieht der AOR AR7030 vorbei.

3290 kHz, GBC Georgetown, Guyana, um 5.37 Uhr UTC: Die englische Popmusik aus Guyana kam an diesen Morgen zwar schwach, aber klar und deutlich an. Bei beiden Empfängern glückte, dank gleich guter Empfindlichkeit in diesem Frequenzbereich, der Empfang in allen Betriebsarten. Auch hier fiel wieder das erhöhte Seitenbandrauschen beim NRD 505 im ECSSMode auf.

14240 kHz: In Stellung USB produziert der AOR AR7030 einen eigenen Pfeifton.

Empfindlichkeitsvergleich
Etwa ab 12 MHz läßt die Empfindlichkeit des AOR AR7030 gegenüber dem NRD 505 nach. Erst durch das Zuschalten des Vorverstärkers zog der AOR wieder gleich. Ab 20 MHz nimmt jedoch die Empfindlichkeit des NRD 505 ab, so daß hier der AOR 7030 mit eingeschaltetem Vorverstärker davonzieht.

Großsignalverhalten
Die 85 Meter Loop-Antenne erzeugt auf MW und in den unteren Rundfunkbändern sehr starke Signale, in den Dämmerungs- und Nacht-Stunden produzieren die meisten Sender ein Signal von S 9+50 und mehr. Somit unterscheiden sich an einer derartigen Antenne sehr schnell und eindeutig gute und weniger gute KW-Empfänger. Der AOR AR7030 verkraftet diese Antenne mühelos und nur durch das selbständige Zuschalten eines Abschwächers bei vielen Stationen wird man sich der hohen Signalstärken bewußt.

Auch der NRD 505 hat hier keine Probleme, wobei jedoch ehrlicherweise hinzugefügt werden muß, daß diese hohe Großsignalfestigkeit erst durch eine von mir vor zwei Jahren durchgeführte Modifikation - Tausch der Schaltdioden der Bandfilterumschaltung gegen PIN-Dioden - ermöglicht wurde. (Materialwert ca. DM 16,-)

Fazit<br> Auf den Punkt gebracht, der AOR 7030 ist der Gewinner dieses Tests. Durch seine Features wie PBT (Passband-Tuning), Synch-Mode und Vorverstärker bot er bei den meisten Empfangsversuchen das bessere Ergebnis. Besonders beeindruckt hat mich dabei der sehr geringe Rauschpegel dieses Gerätes, und das trotz seiner digitalen Frequenzaufbereitung und rechnergesteuerten Funktion. Als nachteilig empfinde ich die schlechte Wiedergabe im AM-Mode, besonders bei starkem Fading. Wenn ansonsten die Unterschiede zwischen den beiden Geräten nur sehr gering waren, in diesem Punkt schneidet der NRD 505 erheblich besser ab.

Der NRD 505 überzeugt nach wir vor durch seine ruhige und weichere Wiedergabe, gerade bei kritischen Empfangsversuchen. Durch seine nahezu unendlich feine Schrittweite bei der Frequenzeinstellung (VFO) in Verbindung mit einer spielfreien Getriebemechanik und durch seine große Frequenzstabilität, ist er im ECSS-Mode jedem digitalen Empfänger überlegen, Bei keinem mir bekannten Kurzwellenempfänger rnit PLL-Schaltung gelingt die Wiedergabe z.B. einer Musiksendung in AM bei der ECSS-Demodulation so klar wie beim NRD 505. Er wird auch weiterhin den gebotenen Platz in meinem Shack behalten.

© Dieter Schäfer

weitere Lektüre:
d: der "1.Preiswerte" von der Japan Radio Company: JRC NRD-505, Nils Schiffhauer, Oldie-KW-Empfänger