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Japan Radio Company Ltd., Tokyo

Testbericht NRD-515 - © kurier

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überarbeitet am 25.7.2010

NRD - 515, ein Allbandempfänger der Spitzenklasse
Bericht von Horst Marx

Doppelsuper, ZF 70,455 MHz, 455 kHz

Digitalanzeige auf 100 Hz genau, 100 kHz - 30 MHz.

AM, CW, USB/LSB

Empfindlichkeit 100 kHz - 1,6 MHz AM<6uV, SSB<2uV,
1,6 - 30 MHz AM<2uV, SSB <0,5 uV

Selektivität -6/-60 dB
AM 4,5/10 kHz, SSB 2,2/4,5 kHz, CW(opt) 0,5/3 kHz

S-Meter, RF-Gain, AGCx2, PBT

24/96 Memories optional

Im Anschluß an das IV. ADDX-Camp hatte ich eine Woche lang Gelegenheit, einmal den NRD 515 der Japan Radio Co. einem kurzen Test zu unterziehen. Hier sind meine Eindrücke:

Beschreibung:
Bei dem Gerät handelt es sich um einen Doppelsuper mit einer ersten Zwischenfrequenz von 70,455 kHz und einer zweiten Zwischenfrequenz von 455 kHz, wie sie bei den meisten Superhets üblich ist.
Eine Besonderheit des Empfängers ist der PLL-VFO, der digital programmiert wird. Der Abstimmknopf steuert ein Lichtschrankensystem, das den VFO in jeweils 100 Hz-Schritten verstellt.
Der große Vorteil dieses Abstimmsystems ist, daß keine Eichfehler auftreten können. Da für die Abstimmung keine mechanisch bewegten Teile benötigt werden, dürfte auch die Zuverlässigkeit sehr hoch sein.

Beim Auspacken des Gerätes fällt gleich das hohe Gewicht von 7,5 kg auf. Es resultiert aus dem sehr soliden Aufbau der hinsichtlich Stabilität keine Wünsche offen läßt. Bei diesem Gewicht ist das Gerät auch nicht mehr als "Portable" geeignet, folgerichtig wurde auch auf einen Gleichspannungsanschluß verzichtet.
Erfreulich ist der Anblick des Gerätes. Die dunkelgraue Frontplatte wirkt gut gegliedert, die grosse sechsstellige Digitalanzeige und das S-Meter sind sehr gut abzulesen.

Betriebserfahrungen
Bei den ersten Empfangsversuchen war ich überrascht von der einfachen Bedienbarkeit des Empfängers. Einschalten, Frequenz mittels MHz-Schalter und Hauptabstimmknopf einstellen, und der Sender ist da. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Abstimmung in 100 Hz - Schritten. Besonders bei SSB bzw. CW- Betrieb sind die dadurch erzeugten Tonleitern lästig. Ausserdem wies das Gerät noch einen Fehler auf: Beim Abstimmen war alle 100 Hz ein Knacks zu vernehmen. Von anderen NRD-Besitzern erfuhr ich, daß dies nicht bei allen Geräten der Fall ist. Ich nehme an, daß sich bei dem Testgerät ein Fehler eingeschlichen hat.
Um auch zwischen den 100 Hz-Schritten abstimmen zu können, muß man den zuschaltbaren Feinabstimmknopf benützen, mit dem sich die Frequenz um + 2 kHz kontinuierlich verstellen lässt wobei aber die Digitalanzeige nicht beeinflußt wird. Will man schnell mal verschiedene Frequenzen testen, ist der Up/Down-Schalter für die schnelle Frequenzverstellung sehr nützlich, da der Hauptabstimmknopf bei einer Umdrehung nur 10 kHz überstreicht.
Unglücklich gelöst ist die doppelte Verwendung des BFO-Reglers. Er dient auf Mittelwelle gleichzeitig zur Abstimmung des Preselektors, d h ein Betrieb in CW-Stellung mit Passband-Tuning ist auf Mittelwelle fast unmöglich, da ja mit jeder Abstimmung des Preselectors auch der BFO verstimmt wird. Merkwürdig ist auch, daß der Preselector erst bei 600 kHz einsetzt und bei 1600 kHz seine Wirkung verliert.
Im Vergleich zu mehreren Empfängern der Mittelklasse zeigt der NRD - 515 sogleich deren Grenzen auf. Seine Empfindlichkeit ist um Klassen besser. Bei schwachen Signalen, die mit dem NRD noch einwandfrei aufzunehmen waren, brachten andere Geräte nur noch Rauschen. Dies macht sich besonders im Tropenband bemerkbar. Auf Kurzwelle, wo die Senderleistungen in der Regel um etliches höher liegen, legt sich dies nicht so gut ausnützen.
Eine Ausnahme bildet die Mittelwelle. Hier ließ die Empfindlichkeit des Testgerätes zu wünschen übrig. Im Vergleich zu meinem FRG-7, der auf Mittelwelle bekanntlich keine grosse Leuchte ist, konnte ich beim NRD 515 kaum eine bessere Empfindlichkeit feststellen. Auch konnte er sich nicht mit meiner Rahmenantenne anfreunden. Es ließ sich einfach keine vernünftige Abstimmung erzielen. Die Großsignalfestigkeit war auch an langen Antennen sehr gut. Der NRD 515 verkraftet 200 m Draht mühelos.
Ein weiteres grosses Plus dieses Empfängers ist seine Trennschärfe Das Testgerät war nur mit dem 2,4 kHz-Filter bestückt, das sich für den DX-Betrieb als ideal erwies. Unter extremen Bedingungen liessen sich damit noch Stationen heraustrennen, die normalerweise restlos untergehen. Für den normalen AM-Betrieb auf relativ freien Kanälen erwies sich das Filter jedoch als zu schmal. Bei exakter Abstimmung wurde die Modulation so dumpf, dass echte Verständnisschwierigkeiten auftraten. Abhilfe schafft hier bestimmt das 6 kHz-Filter, das aber leider im Testgerät nicht vorhanden war.
Hand in Hand mit der Trennscharfe ist das "Passband-Tuning", im deutschen Handbuch irreführend mit "Veränderliche Bandbreiteneinstellung" übersetzt, zu erwähnen. Mit dieser Einrichtung, die es gestattet, den Durchlaßbereich des ZF-Filters gegenüber der Zwischenfrequenz zu verschieben, lassen sich Störer, die nur auf einem der Seitenbänder des Nutzsignals arbeiten, sehr gut ausblenden. Leider funktioniert das Passbandtuning nicht in der Betriebsart AM, d.h., man muß immer erst auf CW oder SSB gehen, wenn man das "Passband- Tuning" nutzen will.
Für den SSB-Empfang ist das 2,4 kHz- Filter schlichtweg ideal. Es trennt die Amateurfunkstationen optimal. An die -Abstimmung muß man sich erst gewöhnen, aber wenn man erst einmal heraus hat, wie mit Haupt- und Feinabstimmknopf umzugehen ist, zeigt der NRD 515 einen guten SSB-Empfang. Der Ton könnte etwas klarer sein, ist aber durchaus ausreichend. Sehr nützlich für SSB-Empfang ist die schaltbare AGC (Verstärkungsregelung). Sie lässt sich von schnell auf langsam umschalten und auch ganz ausschalten. Mit dem Regler "RF-Gain" lässt sich die Verstärkung dann von Hand regeln. Zusätzlich ist noch eine Vordämpfung von 10 und 20 dB zuschaltbar, die aber meiner Meinung nach nicht viel bringt.
Als höchst Überflüssig erweist sich der Ein/Ausschalter für den Noiseblanker. Von einer Störaustastung ist absolut nicht zu bemerken.
Zu loben ist noch das gute S-Meter, das durchweg sehr realistische Werte anzeigt, die auch sehr gut ablesbar sind.

Da der NRD 515 über keinen eingebauten Lautsprecher verfügt, muß man sich Gedanken über einen externen Lautsprecher machen. Der von lRC als Zubehör angebotene NVA 515 ist nicht zu empfehlen. Er klingt ziemlich dumpf und der Wirkungsgrad ist nicht besonders. Ich benutze für meine Kurzwellenempfänger einen 4 Ohm-Lautsprecher aus einem alten Röhrenradio, den ich in ein Holzgehäuse eingebaut habe. Er klingt wesentlich besser und hat einen höheren Wirkungsgrad.

Gesamtbeurteilung:
Der NRD 515 ist für DXer, die ständig auf der Jagd nach neuen Stationen und Ländern sind, ein wirklich ausgezeichnetes Gerät, für das keine großen technischen Kenntnisse erforderlich sind.
Für einen Kurzwellenhörer, der sich im Großen und Ganzen darauf beschrankt, Auslandsdienste auf Kurzwelle zu hören, lohnt sich der finanzielle Aufwand von ca. 3500,- DM keinesfalls.
Ich würde mich freuen, von anderen NRD-Besitzern Stellungnahmen und evtl. Berichtigungen zu diesem Bericht zu erhalten, auf die ich selbstverständlich eingehen werde

© Horst Marx