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Kenwood / Trio - Kenwood Communications, Long Beach

Testbericht R-5000 - © kurier 17 / 1987

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überarbeitet am 26.7.2010

Praxisbericht zum R - 5000
"Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt"

von Jürgen Bast und Martin Wolter
Dreifachsuper

Digitalanzeige auf 10 Hz genau, 100 kHz - 30 MHz

AM, CW, USB / LSB, FM

Empfindlichkeit SSB < 0.25 uV

Selektivität -6 dB
6 / 2 kHz

S-Meter, Noise Blanker, IF Shift, AGCx2, ATTx3, Notchfilter

100 Speicher,Uhr/ Timer

Seit langem schon erwartete man von Kenwood wieder einmal einen Spitzenempfänger. Nach dem R - 600, R - 1000 und schließlich dem R - 2000 stellte Kenwood den neuen R - 5000 vor, der in seiner Leistung deutlich über dem R - 2000 liegt und somit auf die Käufer eines R - 71 oder NRD - 525 zielt, Wir beziehen uns im Bericht auf diese beiden Empfänger, direkt vergleichen werden wir den R - 5000 aber vor allen Dingen mit dem R - 71, weil uns dieser privat zur Verfügung stand. Den R - 5000 stellte uns die deutsche Niederlassung von Kenwood zur Verfügung und zwar das Grundgerät ohne besondere Optionen. Wir möchten mit diesem Bericht dazu beitragen, eine praxisnahe und objektive Bewertung des Empfängers zu geben.

Beschreibung: Der R - 5000 ist ein Stationsempfänger, wenngleich er durch seine Abmessungen 28 x 11 x 30 cm und sein Gewicht von 5,6 kg kompakter und leichter ist als seine Konkurrenten. Insgesamt macht er einen stabilen und gut verarbeiteten Eindruck. Lediglich die Front wirkt durch das dünne Plastik etwas unsolide und nicht gerade vertrauenerweckend. Es ist fraglich, ob die Beschriftung auf den Kunststofftasten bei intensiver Benutzung erhalten bleibt und sich nicht ablöst. Das Innere des Gerätes ist in konventioneller Weise aufgebaut; es sind keine Steckplatinen vorhanden, der Aufbau ist übersichtlich und servicefreundlich. Spätestens beim Einbau von Zusätzen wird man dies zu schätzen wissen. Damit kommen wir zur Schaltungstechnik. Der R - 5000 ist in den Betriebsarten AM, SSB und RTTY als Doppelsuper mit einer ersten Zwischenfrequenz von 58 MHz und einer zweiten ZF von 8,8 MHz ausgelegt. Bei FM (UKW) kommt eine dritte von 455 kHz hinzu. Der Frequenzbereich erstreckt sich von 150 kHz bis 26,1 MHz. Der als Option erhältliche VHF-Konverter erfasst das 2-m-Amateurfunkband von 144 bis 146 MHz.
Im Eingangsteil des R - 5000 gelangt das HF-Signal über ein in drei Stufen von jeweils 10 dB schaltbares Dämpfungsglied und ein Tiefpaßfilter mit einer Grenzfrequenz von 30 MHz auf Bandpaßfilter für die Frequenzen über 1,6 MHz. Unterhalb 1,8 MHz sind Tiefpaßfilter zur Bereichsbegrenzung eingesetzt. Durch eine nach den neuesten Erkenntnissen der HF-Aufbereitung konzipierten Schaltungstechnik wird ein gutes Grossignalverhalten gewährleistet. In die erste ZF sind zwei relativ breite Filter geschaltet, die der Weitabselektion dienen. Erst auf der zweiten ZF erfolgt die schmalbandige Selektion. Dieses Konzept ist bei einem Empfänger für alle Betriebsarten in dieser Preisklasse leider unumgänglich, da für FM eine grössere ZF-Bandbreite von mindestens 15 kHz erforderlich ist. Die bessere Lösung mit parallel liegenden, aber getrennten ZF-Zügen für SSB. CW und AM sowie für FM ist aus Preisgründen wohl derzeit noch nicht zu verwirklichen. Erwähnenswert ist jedoch die besondere Schaltung der eingesetzten Filter. Diese sind hintereinander, nicht parallel geschaltet. Dadurch wird eine gute Dämpfung beispielsweise von Nachbarkanalstörungen erreicht, da sich die Weitabselektion bei dieser Form von Kaskadenschaltungen wesentlich verbessert. Zur weiteren Selektionsverbesserung bietet Kenwood für die zweite ZF noch vier nachrüstbare "Kristallgitterfilter" an. Wer sich auf AM und SSB-Empfang beschränkt, kann ein 1,8 kHz-Filter nachrüsten. Weiterhin gibt es für CW und RTTY 500 und 270 Hz-Filter als Zusatz. Da jedoch nur zwei Einbauplätze vorgesehen sind, darf man sich von diesen vier Filtern nur zwei einbauen, es sei denn, man würde die Filter von Aussen umschaltbar machen. Dies kann aber nur in einer Fachwerkstatt erfolgen. Ebenfalls in der zweiten ZF ist der Störaustaster angeordnet. Er ist zweistufig zum einen für normale Störungen wie etwa Zündfunken und zum anderen für Störungen durch das Überhorizontradar schaltbar. Das Notchfilter liegt im NF-Zug, nicht wie beim R - 71 im ZF-Zug. Somit ist es sowohl in AM als auch in FM wirksam, läßt sich aber etwas schwerer auf den Störer einstellen. Das Ausnotchen ist hier nicht mit einem Rückgang der S-Meter-Anzeige verbunden, somit muß man bei der Anwesenheit mehrerer Störer sehr genau und feinfühlig einstellen. Die Rauschsperre ist für alle Betriebsarten wirksam. Noch einige technische Möglichkeiten des R 5000 in Stichworten: Digitale Frequenzanzeige mit 10 Hz Genauigkeit, Empfangsmöglichkeiten in den Betriebsarten AM, FM, USB, LSB, CW und RTTY und AMTOR mit externem Decoder. 100 Speicherplätze für Frequenz und Betriebsart. Uhr für zwei Zeitzonen. Timer mit Start- und Stop-Funktion für einen angeschlossenen Recorder. Schaltungsmöglichkeit zwischen zwei Antennen. Anschlüsse für hoch- und niederohmige Antennen. Zwei digitale VFO’s. Up-down-Taste mit 1 MHz Schrittweite zum schnellen Aufsuchen bestimmter Bandsegmente. Direkte Frequenzeingabe über Tastatur (jedoch keine Normtastatur). Zudem sind acht der zehn Tipptasten mit Doppelfunktionen für Modulations- und Antennenwahlschalter belegt. Daher benötigt der R - 5000 bei der Direkteingabe der Frequenz etwas mehr Tipparbeit als die Vergleichsmodelle. Interface-Unit IF 232C - IC 10 für Computersteuerung. Es gibt momentan aber noch keine Auskünfte über Soft- und erforderliche Hardware. Betrieb an 13,8 Volt mit Zusatzoption DGK 2 möglich. Die Spannungseinstellung erfolgt an der Rückseite des Gerätes, was bei häufigem Standortwechsel den Betrieb sehr erleichtert. Beim R - 71 muß der Trafoanschluß umgelötet werden. Zahlreiche Suchlaufeigenschaften, z.B. nur über bestimmte Frequenzbereiche oder die im Speicher vorprogrammierten Frequenzen, ebenfalls betriebsartenabhängiger Suchlauf. Anschluß für Zusatzlautsprecher.

Bedienung:Zur Erleichterung und der Übersichtlichkeit wegen möchten wir das, was wir als Vorzüge und Nachteile empfunden haben, tabellarisch auflisten.

Vorzüge:
- Die Anordnung der Bedienungselemente ist gut durchdacht. Nichts ist überflüssig.
- Für sehbehinderte Hörer ist es vorteilhaft, daß sich der Empfänger bei Tastendruck mit einem Piep- oder Morseton meldet, so zum Beispiel bei einem Wechsel auf USB mit einem U, bei einem Wechsel auf LSB mit einem L etc.
- Das Service-Manual ist sehr übersichtlich, wenn auch englischsprachig.
- 100 Speicherplätze
- Beim Betriebsartenwechsel findet kein Frequenzversatz wie etwa beim R 71 statt.
- Die Leichtgängigkeit des Abstimmknopfes ist durch ein Rändelrädchen einstellbar, das hinter dem Knopf sitzt. Diese Art von Einstellung ist wesentlich besser, als wenn man mit einem Schraubenzieher Einstellungen unter dem Gerät vornehmen muß.
- Der Filterwahlschalter ist als Drehknopf ausgelegt.
- In der Stellung "Auto" wird das zur Betriebsart am besten passende Filter geschaltet. Dies wurde nicht getestet, da nur zwei Filter eingebaut waren.
- Der Notchfilter ist auch in AM wirksam.
- Eine Sprachausgabe für Blinde und Sehbehinderte Hörer ist als Option lieferbar. Leider war sie beim Testgerät nicht eingebaut.

Nachteile:
- Der IF-Shift (Paßbandtuning) ist für die Betriebsart AM nicht einsetzbar.
- Das Tastenfeld verlangt Neuorientierung. Hier vor allen Dingen die Eingabetasten, die Doppelfunktionen haben. Bevor man eine Frequenz eingibt, muß man zunächst immer die "Enter"-Ta ste drücken. Zweitens ist beim R - 5000 die Eingabetastatur nicht wie bei anderen Geräten normgerecht, sondern ist in Fünferreihen (zwei Reihen zu je fünf Tasten) angeordnet. Das verlangt Umdenken. Auch bei der Eingabe muß man aufpassen und mindestens fünf Zahlen eintippen. Das heißt, wenn man unter 10 MHz ist, muß man vor der eigentlichen Frequenz eine Null eingeben und unter 1000 kHz muss man dann zwei Nullen vorsetzen, bei spielsweise 990 kHz = 00990. Kurzeingaben sind möglich, so gibt man etwa 6000 kHz mit 06 plus "Enter" ein und hat dann den ORF auf 6000 kHz.
- Die AGC ist nicht abschaltbar.
- Die Tasten sind etwas zu klein und liegen zu dicht beieinander. Sehbehinderten dürfte dies Schwierigkeiten bereiten
- Man sollte beim Einbau in eine Schrankwand vorsichtig sein, da sich das Gerät stark erwärmen kann.
Nach Auskunft unseres technischen Klubdienstes ist es möglich, die AGC abschaltbar und das Paßbandtuning auch für AM nutzbar zu machen.

Empfangsverhalten: Der R - 5000 wurde in Bonn und Remscheid an verschiedenen Antennen geprüft (u.a. ara 30 und diverse Langdrähte). Hier nun die Ergebnisse:
Sensitivität: Grundsätzlich ist zu sagen, daß man mit den Empfängern höherer Preisklasse alle Stationen empfangen kann:
Der R - 5000 ist nicht so empfindlich wie der R 71, dem ist aber durch eine bessere Antenne abzuhelfen.
Trennschärfe: Schon mit den eingebauten Filtern war eine gute Trennschärfe zu verzeichnen. Interferenzen von Nachbarkanälen konnten ausgeblendet werden.
Großsignalverhalten: Ich stellte in Remscheid em gutes Großsignalverhalten fest, während Martin in Bonn durch Botschaftsfunk und andere kommerzielle Funkdienste sehr starke Außerbandstörungen hatte. Was mir auffiel, war, daß ich schon viele Signale empfangen konnte, obwohl ich mit dem Antennenstecker noch weit vom Gerät weg war. Beim ICOM sind Signale erst zu empfangen, wenn ich die Antenne mit der entsprechenden Buchse verbinde. Dies deutet auf eine schlechte Abschirmung des R - 5000 hin. Eigenpfeifstellen gab es kaum. Angenehm fiel auch die hohe Frequenzstabilität durch den eingebauten Thermostat auf. So war bei ECSS - Empfang unabhängig vom gewählten Seitenband Schwebungsnull sofort gefunden. Unangenehm ist, daß für Mittelwelle ein Dämpfungsglied eingebaut ist, was das Gerät für MW-DX ungeeignet macht. Der SSB-Empfang ist klar, deutlich und sauber. Das konnte besonders bei schwachen Signalen im 15- und 10-Meter-Band beobachtet werden. Beim R - 5000 ist der Squelch ohne Relaisklicken ausgelegt, das ist ein Fortschritt gegenüber dem R 71. Der Klang des Lautsprechers ist für diese Art Kurzwellenempfänger sehr gut und verständlich. Das S-Meter ist gut abzulesen, zeigt jedoch unterhalb von S 7 etwas zu wenig an. Der Störbegrenzer arbeitet zufriedenstellend.

Zieht man nun ein Fazit, so kommt man zu folgendem Ergebnis: Der R - 5000 kostet mit Zusatzfiltern und Zusatzlautsprechern etwa DM 2500.-, der Icom IC-R 71 kostet modifiziert ungefähr DM 2950.- und der NRD - 525 (den es im Augenblick nur in der Grundversion gibt) 3400 .- DM. Wenn man nun in Betracht zieht, daß der R - 5000 ein bischen unempfindlicher ist als seine Konkurrenten und vielleicht auch im Großsignalverhalten etwas schlechter (was durch eine gut abgestimmte Antennenanlage wieder wettgemacht werden kann), so muß man sagen, daß das Preis- Leistungsverhältnis bei diesem Gerät stimmt. Sieht man von den kleinen Negativa ab, die auch teilweise nachträglich behoben werden können, zeigt sich, daß Kenwood ein Gerät anbietet, welches sich einen guten Platz bei den Dxern erobern wird. Es kommt eben immer darauf an, was man von seinem Empfänger erwartet. Den idealen Empfänger wird es nie geben. Letztendlich liegt die Entscheidung bei den Kunden. Diese Erfahrungsberichte können versuchen, einige markante Eigenschaften der Empfänger herauszustellen. Vollständig können sie nie sein.

© kurier 17 / 1987