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Kenwood / Trio - Kenwood Communications, Tokyo

Testbericht R-600 - © kurier 14 / 1983

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überarbeitet am 26.7.2010

Im Test: R - 600 Das Bedienungswunder

Der R-2000, der im KURIER Heft 7 / 83 getestet wurde, ist das Spitzenprodukt der japanischen Firma Kenwood auf unserem Markt. Der R 600 rangiert als Einsteigermodell am unteren Ende der Preisskala (knapp unter DM 800,--) und ist vom Konzept her eine vereinfachte Version des R-1000 Das Testgerät wurde uns freundlicherweise von der Firma Dräger Communication, Stuttgart fur einige Wochen zur Verfügung gestellt.

Getestet von Bernd Ehlers

Dreifachsuper, 40.455, 10.455 und 455 kHz

Digitalanzeige auf 1 kHz genau, 150 kHz - 30 MHz

AM, CW, USB/ LSB

Empfindlichkeit SSB < 0.5 uV

Selektivität -6 dB
6/ 2,7 kHz

S-Meter, Noise Blanker, ATT

Gerätebeschreibung
Äusserlich stellt der R-600 eine Kreuzung zwischen R-1000 und R-2000 dar. Die Abmessungen entsprachen denen des ersteren, und die Frontplattengestaltung ähnelt dem letzteren. Auf eine Beschreibung der Bedienungselemente könnte man fast verzichten, jeder Knopf, jeder Schalter und jeder Taster sitzt genau dort, wo man ihn erwartet. Wirklich erstklassig und durchdacht (manchmal klappt es eben mit der Ergonomie, aber leider zu selten).
Wenn dann auch noch die viersprachige Bedienungsanleitung so makellos wäre, wäre es zu schön um wahr zu sein. Sie ist zwar im allgemeinen recht klar und übersichtlich aufgebaut, will aber z.B. den Lesern weismachen, daß die - nicht vorhandene - Digitaluhr weiterläuft, wenn der Netzschalter ausgeschaltet ist. Nur die Englischsprachigen werden nicht so geleimt.
Die Frequenzwahl geschieht in 1 MHz breiten Bereichen durch einen Drehschalter (0 - 25 MHz) und den Hauptabstimmknopf, der etwas Spiel hat, welches jedoch auch bei SSB-Betrieb kaum stört. Die Überlappung der Bereiche beträgt + 45 und - 40 kHz. Der niedrigste Bereich überstreicht jedoch die Frequenzen von 140 - 1072 kHz. Die höchste einstellbare Frequenz liegt mit 26045 zwar knapp unter den zulässigen 26100 kHz, aber nach WRTH sendet zur Zeit nur Brüssel auf 26050 kHz in dieser Lücke. Die Frequenzanzeige leuchtet gelbgrün und zeigt auf 1 kHz genau an. Sie ist ebenso wie das gut lesbare S-Meter auf eine feste Helligkeit eingestellt. Dies ist in der Praxis jedoch kein Nachteil, da die Ablesung in der Regel akzeptabel ist. Die Betriebsart wird mit einem Drehschalter gewählt - AM breit und schmal, USB und LSB/CW, bei SSB-Betrieb wird automatisch auf die schmale Bandbreite geschaltet.
Lautstärke und Tonhöhe lassen sich mit Drehknöpfen auf die gewünschten Werte einstellen. Ein Netzschalter ist natürlich auch vorhanden, ebenso ein Abschwächer um ca. 20 dB und ein (bei mir wieder praktisch unwirksamer) Störaustaster. An der Vorderseite befinden sich dann nur noch Anschlüsse für Kopfhörer und Recorder.
Die Geräterückseite ist genauso übersichtlich: Antennenklemmanschlüsse (50 Ohm und 500 Ohm) und ein Koaxanschluß, sowie Klemmen für Erde und Stummtastung (nur für Betrieb in Verbindung mit einem Sender von Interesse) und eine Buchse für einen externen Lautsprecher.
Der R 600 ist als Stationsempfänger konzipiert und verfügt über keine eingebauten Antennen. Er lässt sich jedoch auch an einer 12V-Batterie betreiben, wenn der beigelegte Umrüstsatz montiert wird (warum wird so etwas nicht gleich serienmässig eingebaut? Kraftlos darf die Batterie natürlich nicht sein, 1 A ist ja kein Pappenstiel. Über den obligatorischen Tragegriff und die um 8 mm verstellbaren Vorderfüsse muß man wohl kein Wort verlieren, doch runden sie das Gesamtbild ab.

Das Blockschaltbild weist keine Besonderheiten auf. Der R-600 ist als Dreifachsuper mit den Zwischenfrequenzen von 40.455, 10.455 und 455 kHz aufgebaut. Das Antennensignal gelangt direkt, bzw. bei den 50 Ohm - Anschlüssen über einen Anpasstrafo, zu einer Schutzsicherung und den schaltbaren (mittels Kleinrelais!) Abschwächer zu den automatisch umschaltenden Eingangsbandfiltern. Ob die Schutzsicherung, die nach der Bedienungsanleitung Blitzschäden vermeiden soll, einen Sinn hat, ist wohl mehr als fraglich. Doch wer an die Wirkung eines Amulettes gegen Erdstrahlen und den bösen Blick glaubt, kann ja mal versuchen, ob die Sicherung des Vertrauens würdig ist und den R-600 vor Blitzschäden schützt. Im Anhang siegt jedoch die Vernunft und Kenwood nimmt die vorher gemachte Aussage zurück. Also immer alles bis zum Ende lesen!
Wie bei Kenwood üblich, wird der gesamte Frequenzbereich in 6 Teilbereiche aufgeteilt, d.h. es werden 6 entsprechende Bandfilter benutzt. Der 1. Oszillator schwingt oberhalb der Empfangsfrequenz.
Die Empfindlichkeit fällt bei hohen Frequenzen kaum ab und kann auch im Vergleich mit teueren Geräten bestehen. So ist mein ICF-6800 W zwar meist überlegen, aber in der Regel sind die Unterschiede nur gering.
Deshalb hatte ich in den Tropenbändern, wegen der guten schmalen Bandbreite des R-600, mehr erwartet. Aber leider wird oft der erhoffte Empfang ohne Abschwächer durch Überladungen und QRM unmöglich gemacht, oder bei eingeschaltetem Abschwächer ist das Signal nicht mehr hörbar. Es hilft also dann nur eine Manipulation am Antenneneingang.

b) SSB Empfang
Ähnlich wie der R-2000 besticht auch der R-600 durch eine sehr klare Wiedergabe von SSB-Signalen. Während das ZF-Filter noch besser angepasst ist, und die Stabilität normalen Ansprüchen genügt, kann allenfalls das Spiel der Hauptabstimmung manchmal den Spaß am Empfang ein bisschen trüben.

Abschlussbewertung
Für einen Preis von deutlich unter DM 1.000,-- hinterlässt der Kenwood R-600 einen sehr erfreulichen Eindruck. Neben der sehr guten Bedienbarkeit weiss er durch ausgeglichene Empfangsleistungen in allen Bereichen und Betriebsarten zu gefallen. Er braucht sich dabei hinter merklich teureren (Geräten nicht zu verstecken. Gespart wurde lediglich an Dingen, die mit den Empfangsleistungen nichts zu tun haben (Uhr, Speicher). Der R-600 stellt somit für alle DXer einen sehr guten Gegenwert dar.

Messergebnisse Kenwood R - 600
Empfindlichkeit in uV, 30 % Modulation 1 kHz bei 10 dB S+N/N

Frequenz AM breit AM schmal
0,25 MHz 14 12
1 MHz 10 8
4 MHz 2,8 2,4
10 MHz 4,5 3
25 MHz 6 4

Spiegelfrequenzsicherheit
Frequenz
0,25 MHz: 64 dB
1 MHz: 66 dB
4 MHz: 66 dB
10 MHz: 51 dB
25 MHz: 57 dB

S-Metereichung bei 4 MHz AM schmal

S 1 7 uV S 7 30 uV
S 2 8 uV S 8 55 uV
S 3 9uV S 9 140 uV
S 4 11 uV S 9 + 20dB 15mV
S 5 15 uV S 9 + 40 dB nicht erreichbar
S 6 20 uV  

Eigenpfeifstellen auf allen vollen MHz sowie einige weitere, alle ohne S-Meter-Ausschlag

Bandbreite in kHz

  AM breit AM schmal
- 6 dB 8,9 2,7
- 20 dB 10,1 3,6
- 40dB 12,6 4,5
- 60 dB 15,7 6,1

Stabilität 820 Hz 2 Stunden nach Einschalten
Frequenzzählerfehler max. 250 Hz
Skalenfehler entfällt

Frequenzbereiche 140 - 26045 kHz
Stromverbrauch 16 VA bei 220 V
Abmessungen, einschließlich vorstehender Teile 304 x 122 x 239 B x H x T in mm
Gesamtvolumen 8,9 l
Gewicht 4,5 kg

Bewertung des Kenwood R-600
Empfindlichkeit: MW/LW befriedigend, KW befriedigend
Spiegelfrequenzsicherheit: MW/LW gut, KW befriedigend
S-Meter: mangelhaft
Bandbreiten: AM breit gut, AM schmal gut
Frequenzstabilität: befriedigend
Frequenzzähler: gut, Analogskala entfällt
Großsignalverhalten: befriedigend
Anpassung von Antennen: gut
Abschwächer: mangelhaft
Preselektor: entfällt
Eigenpfeifstellen: befriedigend
SSB-Betrieb: gut
Bedienbarkeit: sehr gut
UKW-Teil: entfällt
Tonqualität: ausreichend
Verarbeitung: gut
Servicefreundlichkeit: gut
Serviceunterlagen: befriedigend
Eignung als Reiseempfänger: ausreichend, wenn Stromversorgung gesichert
Batteriekosten: entfällt

© kurier 14 / 83

weitere Lektüre:
e: Trio - Kenwood R-600, Larry Magne, WRTH 1983