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Lowe Electronics Ltd., Matlock, U.K.

Testbericht HF-150 - © weltweit hören

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überarbeitet am 27.8.2010

Lange erwartet: Lowe HF 250 Europa

Doppelsuper, 45 MHz, 455 kHz

Digitalanzeige auf 1 kHz genau, 30 kHz - 30 MHz

AM, CW, USB / LSB, FM opt.

Empfindlichkeit SSB < 0.5 uV

Selektivität -6 dB
10 / 7 / 4 / 2,2 kHz

S-Meter, ATT, CW, NF-Filter

30 Speicher

Nun gibt es die ersten Seriengeräte des neuen Engländers. Grundsätzlich bietet der HF 250 ja ein anständiges Stück Radio für sein Geld. Er empfängt zwischen 30 kHz und 30 MHz, die Empfangsfrequenz wird auf dem sechsstelligen Display auf 100 Hz digital angezeigt. Der Lowe arbeitet als Doppelsuper, die erste ZF liegt auf 44,9 /45 MHz, die zweite ZF wird auf 455 kHz gemischt.
Als Vorselektion werden Bandpässe für folgende Bereiche geschaltet: 500 kHz - 1,7 MHz, 1,7 - 4,2 MHz, 4,2 - 11 MHz, 11 - 19 MHz und 19 - 30 MHz. Unter 500 kHz ist ein Tiefpaßfilter im Einsatz. Als Empfangsbetriebsarten bietet der HF 250E neben AM, LSB, USB, CW und FM Schmalband mittels Synchrondetektor die Anwahl der einzelnen Seitenbänder USB / LSB oder DSB, also Empfang beider Seitenbänder unter Verwendung dieses Synchrondetektors. Weiters steht natürlich AMS, also AM-Empfang mittels Synch-Mode zur Verfügung. Verbesserte ZF-Filter mit den Bandbreiten 7 - 4,5 und der neuen Bandbreite von 3,5 kHz für AM-Empfang bietet der HF 250 E ebenso, wie die mitgelieferte Fernbedienung, die das schon fast klassische Keypad der 150/225 - Serie ersetzt. Ein externes 12V-Netzgerät wird ebenfalls mitgeliefert.
Am Gehäuse erkennt man den neuen Receiver nur an der Beschriftung, ansonsten keine Änderungen - ebenso wie in der Bedienung. Der Lautsprecher bietet einen sehr guten Klang, die Design-Lösung zur gleichzeitigen Verwendung als Tragegriff scheint etwas weit hergeholt. An der Rückseite findet man - ebenfalls identisch mit dem normalen 250 - Anschlüsse für Antennen aller Art. Es lassen sich Drahtantennen ebenso verwenden wie eine Teleskopantenne oder eine abgestimmt 50-Ohm-Antenne. Neben dem 3,5-mm-Lautsprecherausgang findet man eine "Line-out"-Buchse und unverständlicherweise auf der Rückseite(!) die Regelung des FM-Squelch. Zur Steuerung des Lowe mittels Computer findet man am Empfänger eine RS 232 Schnittstelle, ein einfachstes DOS Programm ist im Lieferumfang enthalten. Diese Schnittstelle erlaubt Datentransfer bis 4800 Baud, eine sehr schnelle Geschwindigkeit, die z.B. der so fortschrittliche AOR 7030 nicht bietet.
Wenn man sich die Bedienung des Empfängers näher betrachtet, kommt der so erfolgreiche Vorgänger HF 225 E nicht schlechter weg. Die Wahl der Betriebsart mittels Druckknopf in der auch bei anderen Empfängern nicht unbedingt beliebten Art des karusselartigen Weiterschaltens, erscheint kein wirklicher Fortschritt zu sein. Auch wenn Lowe dies beim HF 150 - aufgrund seiner Kleinheit - erfolgreich gestaltet hat: Hier war der 225 mit seinem Drehknopf wesentlich schneller zu bedienen. Gleiches gilt für die Synch- Funktionen, die ebenfalls nur in Reihenfolge geschaltet werden können. Der robuste Hauptabstimmknopf arbeitet mit sehr guten Abstimmschritten.
So werden in CW, SSB und den SynchAM Betriebsarten mit einer Umdrehung nur 1,8 kHz bewältigt, was einer Abstimmrate von 8 Hz entspricht. Im normalen AM-Betrieb erreicht man 11 kHz pro Umdrehung, entsprechend 50-Hz-Schritten. Negativ fiel hier der nicht erkennbare Schritt auf eine schnelle Schrittweite auf, bei etwas schnellerer Abstimmung findet man sich unvermutet 100 kHz weiter. Hier sollte diese Steuerung vom Hersteller verbessert werden. Dafür arbeiten die beiden anderen Drehregler Ein/Aus - Lautstärke und der Tonregler sehr gut. Die Lautstärke läßt sich über einen großen Spielraum auch im relativ leisen Bereich genau regeln. Bei Kopfhörerbetrieb, dessen Anschluß glücklicherweise mit einer 6,3-mm-Klinkenbuchse bewerkstelligt wird, ein grobes Plus. Die Tonregelung umfaßt nicht wie bei manch anderen Hersteller getrennte Höhen/Tiefen Regler, arbeitet aber mit einer sehr großen Wirkungsbreite und erzielt so fast gleichwertige, sehr gute Ergebnisse. Weniger überzeugen konnte das über diesen Reglern liegende S-Meter. Zu klein und schlecht einsehbar - besonders bei Ansicht von schräg oben - erinnert es mehr an Produkte der frühen achtziger Jahre. Dafür ist die Genauigkeit dieses Feldstärkemessers sehr gut, im direkten, einfachen Vergleich ohne Messinstrumente liegen die Signalstärken identisch mit denen des High End Profis ICOM R 9000. Und mit diesen Empfänger wird sich der HF 250 E nun auch in der DX-Praxis messen, wo bei vielen Hörern ja sofort die Diskussion über bessere oder schlechtere Bedienung aufhört und nur mehr die wahren Signale zählen.
In den internationalen Kurzwellenbändern arbeitet der Lowe einwandfrei, die zusätzliche Filtermöglichkeit durch das 3,5-kHz-Filter kommt hier oft auch bei gestörten Signalen zum Einsatz. So sind abends die Nordamerikaner mit ihren religiösen Programmen im oberen Bereich des 15 MHz Rundfunkbandes bei Verwendung einer guten Aktivantenne (RF Systems DX-OnePro) in einwandfreier Qualität hörbar, der R 9000 kann es nicht besser. Selbst abends sind mit dieser Aktivantenne am Lowe im kritischen 40-m-Amateurfunkband und im anschließenden 41-m-Rundfunkband keinerlei selbsterzeugte Störungen zu hören. Mittels 2,2-kHz-Filter und der verschiedenen Betriebsarten des Sychrondetektors konnte ich so nach 00.30 UTC auf 7185 die exotischen Signale des Kurzwellensenders aus Myanmar gut vom Englischdienst der Voice of Russia 5 kHz tiefer trennen. Besonders die Seitenbandumschaltung im Synch-Mode macht sich hier bezahlt, beim ICOM konnte dasselbe Signal nur wesentlich gestörter empfangen werden. Ähnliche Vorteile konnte ich beim Empfang von Radio Satelite aus Santa Cruz, Peru auf 6725 kHz aufspüren. Im 60-m-Tropenband empfängt der Lowe HF 250 E ohne Tadel, hier macht sich aber die fehlende Möglichkeit der Signalbehandlung durch ein Notchfilter, bzw. durch eine Paßband-Tuning Funktion öfters bemerkbar. Hier könnte durch ein im Bereich 1,5 - 1,8 kHz liegendes zusätzliches Filter für den ambitionierten Tropenband - DXer sicher viel gewonnen werden. Bei extrem schwachen Signalen überzeugte der wesentlich teurere Profi R 9000 durch seine exzellente Empfindlichkeit, nicht nur in den Tropenbändern. So konnte ich die Testsendung der "HAARP ionospheric research facility" aus Gakona, Alaska auf der Frequenz 6990 kHz am 9. März gegen 04.45 UTC mit dem HF 250 E nur erahnen. Hier zeigte sich in der Betriebsart CW daß ein NF Filter für diese Betriebsart hier wirklich nichts mehr zu suchen hat. Es wurde sichtlich am falschen Platz gespart. Am Vergleichsempfänger konnte man die langsamen CW-Signale, wenn auch extrem schwach, "lesen". Ganz nebenbei erfreue ich mich durch diesen Gerätetest schon einer QSL-Bestätigung via EMail dieses seltenen Signals aus Alaska!
Eine weitere, für viele Empfänger nicht leichte Hürde, ist der Empfang im Mittelwellen-Bereich, werden doch bei vielen Empfängern zumeist aus Gründen des Großsignalverhaltens die Signale unter 1,6 MHz abgeschwächt, um lokalen MW Sendern keine Störmöglichkeiten zu geben. Hier überzeugt der Lowe voll. Die Verständlichkeit ist auch bei schwächeren Sendern direkt neben den Megawatt-Giganten sehr gut. Das 4,5-kHz-Filter war hier mein Favorit, und so manches Signal aus der Krisenregion Albanien konnte mit dem 7-kHz-Filter hier in Salzburg fast in Ortssenderqualität gehört werden. Empfangsversuche nach 0100 UTC auf der Suche nach DX-Stationen aus Nordamerika wurden schnell von Erfolg gekrönt. Die öfter hörbaren Stationen aus WNRB Boston 1510 und WTOP Washington 1500 waren an der nicht vorzugsweise dafür ausgelegten RF Systems DX-One-pro Aktivantenne besser aufzunehmen als am vergleichsweise benutzen 30-m-Langdraht. Auf der weiteren Suche konnte auf 1440 WKLV aus Blackstone, Virginia mit eindeutig identifizierbarem Stationsjingle gehört werden, wiederum mittels Synch Empfang. Bei der schwankenden relativ kleinen Signalstärke leistet sich dieser Synchrondetektor manche Schwäche und rastet zu oft aus. Daß hierbei sich auch die Helligkeit der gesamten Gerätebeleuchtung gleichzeitig - wenn auch wenig - mit dem Ein- bzw. Ausrasten des Detektors ändert, wäre wohl von den Lowe Technikern mit wenigen Handgriffen schnell zu ändern. Oder ist hier das mitgelieferte 400-mA-Netzgerät bei den vom Hersteller angegebenen Stromverbrauch von 400 - 500 mA etwas überfordert?
Manche Details wurden in diesen kurzen Test nicht erwähnt, da sie mit der "normalen" Ausführung des LOWE HF 250 ja identisch sind. Zusammenfassend fällt das Urteil eher den mit viel Spannung erwarteten neuen Lowe gemischt aus: Aus der Sicht der echten DX-Puristen eine Kampfmaschine, die bei sorgfältigster Bedienung erstklassige Empfangsergebnisse in der Betriebsart AM bietet und wie der direkte Vorgänger HF 225 Europa von vielen stark unterschätzt wird bzw. wurde. Nicht übersehen kann man aber, daß dieses technische Konzept des HF 250 E sich auch von seinem Vorgänger nicht unterscheidet. Hier wird es für Lowe noch viel zu tun geben, um einen ausgezeichneten Ruf weiter zu rechtfertigen, den sich dieser europäische Hersteller z.B. mit Produkten wie der Linie des HF/PR/SP 150 erworben hat.

© Christoph Ratzer, OE2CRM

Herzlichen Dank an Herrn Doeven, Lowe Europe, für die Bereitstellung des Testgerätes. Weitere Informationen über den HF 250 Europa in Deutschland über SSB electronic, in Österreich informiert Point electronics, Wien.

Technische Daten Lowe HF 250 Europa
Frequenzbereich: 30 kHz - 30 MHz
Betriebsarten: AM, SynchAM, SSB, CW, FM
Abstimmschritte 8Hz - AMS, SSB, CW (1,8 kHz pro Umdrehung)
50Hz - AM ( 11 kHz pro Umdrehung)
125Hz - FM

Filter Bandbreiten: 2,2 - 3,5 - 4.5 - 7 und 12 kHz
Selektivität: (-6/-60 dB)
2,2 kHz Filter: 2,3/3,4 Shapefaktor: 1:1,5
3,5 kHz Filter: 3,5/4,8 Shapefaktor: 1:1,7
4,5 kHz Filter: 5,8/9,7 Shapefaktor: 1:1,5
7,0 kHz Filter: 7,0/12,9 Shapefaktor; 1:2
IP 3. Ordnung: +16 dBm (20 kHz Signalabstand)
Dynamikbereich: 90dB (2,2 kHz Filter)

Antenneneingänge: 50 Ohm via S0-239 Buchse
600 Ohm via Klemmanschluß
NF Ausgangsleistung: 1,6 W an 8 Ohm
Spannung: 12 V DC, 400 - 500 mA, Netzteil wird mitgeliefert
Abmessungen: 280 x 105 x 205 mm, Gewicht: 2,7 kg
Marktpreise: 2000 bis ca. 2150 DM, 15000 bis ca. 18000 öS

d: Solid as a Rock - Der Komunikationsempfänger Lowe HF - 250, Harald Kuhl, Radio hören 5 / 1996
d: Erste Produktvorstellung: Lowe HF 250 KW - Stationsempfänger, Christoph Ratzer, wwh 6 / 1995
e: Lowe HF - 250, Radio Netherlands Receiver Shopping List