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Nordmende, Bremen

Nordmende Globetrotter 808

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Globetrotter 808
 
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Empfänger - Manuals

überarbeitet am 16.9.2010

Doppelsuper, 1.ZF 1,2 MHz, 2.ZF 2,46 MHz; UKW-ZF 10,7 MHz

Analoganzeige ca. +/- 20 kHz,

AM, SSB (BFO), CW

LW, MW, KW 1.6 - 19 MHz, 11 BC-und Afu- Kurzwellenbänder gespreizt

Selektivität -6 dB/ -60 dB
AM 6.0 / 15 und 7.0 / 18 kHz

Sensitivität
AM ca. 4 - 5 uV

RF-Gain, S-Meter, Antennentrimmer

Beim Globetrotter 808 handelt es sich um einen SSB-tauglichen Kofferempfänger aus deutscher Fertigung der über einen Trommeltuner den Empfang von 11 Kurzwellen- Rundfunkbändern mit Bandspreizung erlaubt, allerdings noch mit rein analoger Frequenzablesung.

Das 4,4 kg schwere Koffergerät misst 40 x 24 x 11 cm (bxhxt) und ist etwas kleiner als beispielsweise der Grundig Satellit 2100 ausgefallen, mit diesem Gerät muss es sich am ehesten messen. Neben den schwarz - alufarbenen Frontplattenelementen setzen die roten Zeiger und vor allem die hellblauen Skalenmarkierungen ungewohnte Farbakzente in den Shack. Ähnlich wie bei den älteren Grundig Satellit-Empfängern findet sich auf der Oberseite der kräftige Tragegriff, das Drucktastenaggregat und die Teleskopantenne, rechts der Schalter des Trommeltuners. Auch ohne Bedienungsanleitung fand ich mich auf Anhieb fast "blind" mit dem Globetrotter 808 zurecht.

Die grosse Frequenzskala ist über Eck ausgeführt und nimmt das obere Drittel der Frontplatte und die Hälfte der Oberseite des Gerätes ein. An der Frontplatte finden sich die Längsskalen des LW, MW und 160 - 75m - Bereichs, die UKW-Skala mit Angabe der Frequenz in MHz wie auch der alten deutschen UKW-Kanalzahlen. Darunter in einem kleinen Fenster die Skala des mit einem Drehschalter an der rechten Geräteseite ausgewählten gespreizten Kurzwellenbandes, Frequenzmarken alle 25 kHz erlauben in diesen gespreizten Kurzwellenbändern das Aufsuchen einer bestimmten Frequenz.
Unter der Frequenzskala die wichtigsten Bedienungselemente: der Lautstärkeregler ist mit dem Einschalter kombiniert, daneben finden sich - wie bei Kurzwellenempfängern aus deutscher Produktion typisch - die separaten Höhen- und Bass-Klangregler, ähnlich den Grundig Satelliten verfügt auch der Globetrotter 808 über separate Bass- und Hochtonlautsprecher und hat einen entsprechend vollen Klang.
Im mittleren Feld die Schalter für Radio/TB (der Empfänger kann so auch als NF-Verstärker geschaltet werden), die Squelchfunktion und AFC für UKW, und das nicht geeichte S-Meter, welches auch über Batterie- resp. Akkuladezustand Auskunft gibt. Rechts davon der Bandbreitenschalter "wide - narrow", der Schalter für automatische oder Handregelung der HF-Verstärkung, in Stellung MGC (manual gain control) ist der glaich daneben liegende MGC-Regler aktiv. Rechts davon liegt der BFO-Regler, der BFO wird durch einen Zieh- Schalter aktiviert und erlaubt den Empfang von Amateuren in SSB.
Rechts neben der Frequenzskala die Abstimmknöpfe, jeweils als Doppelknöpfe ausgeführt. Am oberen Knopf betätigt der Aussenring die UKW- der Innenring die Abstimmung in den LW/MW und ungespreizten KW-Bereichen. Der Aussenring des unteren Knopfes dienst zur Abstimmung auf den gespreizten mit dem Trommeltuner gewählten Kurzwellenbereichen, der Innenring den Antennentrimmer, der bei Anschluss einer externen Drahtantenne aktiv wird.

An der Geräteoberseite liegen hinten Drucktaster für die Skalenbeleuchtung und die Batterietestfunktion, welche beide nur bei Batterie- oder Akkubetrieb benötigt werden. Dann folgt das Drucktastenaggregat für alle Wellenbereiche und zum Schalten der Aussen- resp. Langwellenferritantenne. Die Teleskopantenne ist ähnlich wie beim Grundig Satellit zweiteilig ausgeführt. Aus der dicken kürzeren Antenne zum UKW-Empfang können beim Kurzwellenempfang noch die dünneren weiteren Elemente ausgezogen werden.
An der Oberseite der Frequenzskala sind auf Längsskalen der LW-, MW-Bereich und die ungespreizten Kurzwellenbereiche 1 (Seefunkbereich, 160 - 75m) SW2 (60 m - 31m) und SW 3 (25m - 16 m) abzulesen. Der Skalenzeiger in diesen Bereichen ist ausgesprochen breit, zwar gut sichtbar, nimmt aber auf den höheren Frequenzen die Hälfte des ganzen Rundfunkbandes ein, so dass die Frequenzablesung zum Rätselraten wird.

An der linken Geräteseite finden sich die Buchsen für Kopfhörer, Lautsprecher und Tonband, alle in DIN-Norm ausgeführt, an der rechten Geräteseite die Antennenbuchsen. An der Geräterückseite unten der Netzspannungswähler 110 / 220 V, das Batteriefach zur Aufnahme von 6 UM1-Monozellen (es fällt auf, dass der Empfänger zusätzlich über eine 12 V-Buchse verfügt und so mit vielen unterschiedlichen Spannungen betrieben werden kann) und ein Fach zum Verstauen des Netzkabels. Ein kleiner Trimmer an der Geräterückseite dienst zur Einstellung des FM-Squelchs, der Rauschsperre.

Die Bedienung des Globetrotter 808 ist einfach: Zum Empfang der deutschen Welle auf 6075 kHz wird das Gerät am Lautstärkeregler eingeschaltet und die Antenne "ausgefahren". Der TB-Schalter muss auf Radio stehen, die Kippschalter auf der Frontplatte alle nach unten resp. auf AM-breit und AGC. Die Drucktaste BANDS aktiviert den Trommeltuner mit den gespreizten Kurzwellenbereichen, mit dem Drehschalter an der rechten Geräteseite wird das 49m-Band gewählt und nach der starken deutschspachigen Station in der Nähe der entsprechenden 25-kHz Marke gesucht. Da die Frequenzanzeige doch recht ungenau ist, muss die Sendung einige Zeit bis zur Stationsidentifikation verfolgt werden.

Die Empfindlichkeit erscheint mir auf den gespreizten Bändern zum Empfang der internationalen Auslandsdienste recht gut, die Trennschärfe in Stellung AM-schmal zumindest ausreichend zum AM-Empfang. Zum Einseitenbandempfang muss der BFO durch Ziehen aktiviert werden, mit dem Kippschalter auf MGC (Handregelung der HF-Verstärkung) gegangen werden und der RF-Gain / die HF-Verstärkung mit dem MGC-Regler vorsichtig von Hand eingestellt werden, die Stabilität reicht aus, um eine Sendung im SSB-Betrieb verfolgen zu können, auch stärkere Afu-Signale sind so zu hören.
Problematisch ist der Einsatz des Empfängers ausserhalb der gespreiten Kurzwellenbänder. Vor allem der Tropenbandempfang im 90- oder 60m-Band wird mit der groben Skala kaum gelingen, von einer Frequenzablesung kann hier kaum mehr die Rede sein, mit der breiten Abstimmarke lässt sich höchsten schätzen, ob man im oberen oder unteren Bandabschnitt hört. Aufgrund der Grenzen der Bandspreizung sind auch sonst ungestört zu empfangende Stationen in den erweiterten Abschnitten der Rundfunkbänder oder knapp unter- und oberhalb der ITU-Bandgrenzen nicht zufriedenstellend einstellbar. So kommt die BBC auf der ungestörten 12.095 nur herein, wenn man weiss, dass sie am oberen Ende des 25m Band sendet, man den in diesem Bereichen recht schwergängigen Abstimmknopf feinfühlig bedient (die Schwergängigkeit verhindert dafür das unabsichtliche Verstimmen) und dann geduldig zuhört, bis sich die Station identifiziert. Ein Clarifier resp. eine Feinabstimmung wäre in diesen Bereichen hilfreich zur optimalen Abstimmung einer einmal gefundenen Staion.

Die technische Verarbeitung erscheint mir bei dem in Deutschland gefertigten Gerät gut. Insbesondere schalten bei meinem Gerät Drucktasten und Trommeltuner- Kontakte noch gut (ohne Rütteln- und übermässiges Knacken), die ausgesprochen kritischen Kontakte der ZF-Bandbreitenumschaltung sind durch die eingesetzen Kippschalter offenbar elektrisch unproblematischer als die bei den Grundig-Geräten der Satellit 2000er- und 3000er-Reihe oder auch den älteren Geräten von Panasonic. Bei diesen muss am Bandbreitenschalter bei älteren Geräten oft der optimale Kontaktpunkt feinfühlig und unter Beobachten des S-Meterausschlags gesucht werden, kein Problem bei meinem Globetrotter 808.
Dank des klaren Bedienkonzepts kommen bei Einsteigern auch weniger die Enttäuschungen vor, dass der Empfänger "wohl kaputt ist"; bei einem falsch eingestellten Wadley-Loop-Empfänger, falsch eingestelltem Preselektor, o.ä. kann es bei Geräten anderer Hersteller einem Einsteiger gelegentlich vorkommen, dass einfach nichts aus dem Lautsprecher kommen will.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Nordmende Globetrotter 808 für Stationen innerhalb der Rundfunkbänder dank des guten Tons ein schöner Zuhörempfänger ist und auch den Einstieg ins KurzwellenDX erlaubt.
Sicher gibt's weniger Enttäuschungen als mit einem für 25 Euro erworbenen Billigempfänger, der pro Band neben Spiegelfrequenzen nur ein bis zwei Stationen in akzeptabler Qualität hörbar macht.

weitere Lektüre:
d: Nordmende Globetrotter, Rainer Lichte, Kurzwellenempfänger, Qual der Wahl

© Martin Bösch