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Philips D-2999

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überarbeitet am 18.9.2010

Oldtimer: Der Philips D-2999

Doppelsuper, 1. ZF 55 MHz, 2. ZF 468 kHz

Digitalanzeige auf 1 kHz genau

AM, SSB (BFO), FM (UKW)

Abschwächer

Keypad, 16 Speicher

1986 kam der Philips D-2999 als direkter Konkurrent des Grundig Satellit 600 auf den Markt, ohne jedoch für Furore zu sorgen. Optisch wirkte das Gerät hochaktuell, wurden doch die Bedienelemente auf der Schmalseite des Koffergerätes angebracht. Ein Designthema, welches seit dem Drake SW-8 unter der Bezeichnung "Portatop" eine Neuheit suggerieren soll.
Daß man dabei die Firma Philips mit ihren Kurzwellenempfängern übergeht, ist durchaus nicht neu. Das Mauerblümchendasein des D-2999 fand (bzw. findet) seinen Niederschlag auch im Preis bei gebrauchten Geräten. Verkäufer können selbst jüngere Geräte kaum zum halben Neupreis losschlagen. Zeitweise traf man in den letzten Jahren eine breite Auswahl an gebrauchten D-2999, die aber überwiegend nicht von DXern, sondern vielmehr von normalen Rundfunkhörern gekauft worden waren.
In der Fachpresse wurde der Philips D-2999, vielleicht ein wenig unter dem überaus schlechten Eindruck, den die Vorgängermodelle hinterlassen hatten, schnell abqualifiziert. Jedem Marktkenner fällt sofort ins Auge, daß die Konzeption des D-2999 genau auf den Satellit 600 abzielte. So verfügt der D-2999 über einen kleinen, nach vorne abstrahlenden und über einen weiteren großen Lautsprecher mit einem Durchmesser von 14 cm an der Geräteoberseite. Das Zwei-Wege-System im Verbund mit einer NF-Ausgangsleistung von üppigen 5 Watt galt als die niederländische Antwort auf den deutschen Klangriesen Grundig Satellit 600, der mit 15 Watt Sinusleistung alles bisher dagewesene in den Schatten stellte. So mußte sich der D-2999 dem Vergleich mit dem damaligen Grundig-Flaggschiff stellen - und stets verlieren. "Das Klassenziel nicht erreicht", so - oder so ähnlich - könnte man die Beurteilung des D-2999 in der Fachpresse zusammenfassen.
Von der Softwareseite aus betrachtet ist der Philips (zu Zeiten seines Ladenverkaufs) auf dem aktuellen Stand der Dinge. Bei der numerischen Frequenzeingabe müssen keine vorlaufenden Nullen eingegeben werden, nach Eingabe einer "6" landet der VFO auf 6000 kHz, und über die obere Schalterleiste könne die Rundfunkbänder direkt angewählt werden. 16 Speicherkanäle, aus heutiger Sicht nicht viel, aber zur Ablage der bevorzugten Standardfrequenzen ausreichend, sind in den vier Speicherbänken A bis D untergebracht. Ein großer verstellbarer Griffbügel dient zum geneigten Aufstellen des Gerätes und sorgt für eine gute ergonomische Bedienung des Empfängers.
Zweifellos ein schönes Radio, doch interessanter als das Äußere sind die Empfangsleistungen. Beginnen wir auf der Lang- und Mittelwelle einige Eindrücke zu sammeln. Erwartungsgemäß brachte der Philips mit seiner großen Ferritantenne etwas bessere Feldstärken als der zum Vergleich herangezogene Sony ICF-2001D. Das breite ZF-Filter kann häufig eingesetzt werden und läßt erste Kostproben der Klangfülle zu. Auf den Tropenbändern ist mit der Teleskopantenne nicht viel zu hören. Zwar kann eine ganze Reihe regelmäßig hörbarer Stationen ausgemacht werden, aber kaum eine berichtsreif verstanden werden. Das ansonsten hochwirksame Klangregelwerk am Philips bringt hier auch keine Verbesserung. Am Sony hingegen ist eine deutlich bessere Sprachverständlichkeit zu registrieren, ein qualitativer Unterschied, der sich auf allen Frequenzbereichen bestätigen sollte. Bereits bei mittleren Feldstärken reißt die Sprachverständlichkeit ab, während der Sony selbst aus schwachen Signalen, die beim Philips kaum auszumachen sind, eine erstaunlich gute Verständlichkeit herausdestilliert. Teils geht der Geräuschteppich beim Tropenband-Empfang auf das Konto von unerwünschten Mischprodukten, ist zum anderen Teil aber auch auf interne Störgeräusche zurückzuführen, die von der Mikropozessorsteuerung des Empfängers ausgehen könnten. Ein Indiz für letztere Vermutung geben auch zahlreich anzutreffende Eigenpfeifstellen, die Probleme mit der internen Abschirmung signalisieren.
Im 49-m-Band kann dem schmalen Filter eine ausreichende Trennschärfe bescheinigt werden. Auch in vielen weiteren Situationen wirkte das 2,8-kHz-Filter seiner Aufgabe durchaus gewachsen. Ein Nachteil grundsätzlicher Natur verbucht der D-2999 mit seinen groben Abstimmschritten von 1 kHz. Zwar reicht diese Schrittweite für 90 % der Situationen im Rundfunkbereich aus, ein Ausweichmanöver vor einem benachbarten Störer wird dadurch aber doch erschwert: Während man sich dem Frequenznachbarn oberhalb der eigenen Empfangsfrequenz wie gewünscht entfernt, sitzt man unvermittelt dem Frequenznachbarn unterhalb auf dem Schloß.
Was im Rundfunkbereich ab und zu einmal störend ins Gewicht fällt, ist im Amateurfunkbereich ein dauerhaftes Ärgernis. Auch bei erfolgreicher Einstellung des Signals stellt sich keine rechte Freude ein, denn auch hier ist die Sprachverständlichkeit sehr bescheiden.
Ein weiterer häufig genannter Kritikpunkt, nämlich die mangelhafte Stabilität des BFO, ist bei meinem Exemplar nicht zu bestätigen. Selbst der ECSS-Empfang, also der Empfang eines AM-Signals in der Betriebsstellung SSB, bereitete keinerlei Probleme.
Die eigentliche Überraschung bei meinen Vergleichen zwischen dem Sony ICF-2001D und dem Philips D-2999 deutete sich ab 11 MHz an und wurde ab 15 MHz offensichtlich. Schon im 19-m-Band brachte der Philips deutlich stärkere Signale und konnte seinen Mangel an Sprachverständlichkeit allmählich ausgleichen. Ab 20 MHz verhalf dieser Vorsprung dem Philips sogar zu einer besseren Empfangsqualität.
Auf UKW konnte sich der D-2999 erneut positiv in Szene setzen, wobei der Sony in dieser Disziplin bekannterweise wirklich nicht glänzen kann. Aber weder in der Klangqualität noch in der Trennschärfe erreicht der Philips den seinerzeit anvisierten Konkurrenten Grundig Satellit 600. Überhaupt fällt die Gesamtbeurteilung der Klangeigenschaften für den Philips D-2999 eher enttäuschend aus. Zwar kann er andere gebrauchte Kurzwellenempfänger prinzipiell hinter sich lassen, doch rechtfertigt der erzielte Sound nicht den hohen konstruktiven Aufwand, der mit dem 2-Wege-System betrieben wurde.
Doch im Philips D-2999 stecken einige gute Ideen, bei denen die technische Umsetzung weitgehend stimmt und die damals nicht selbstverständlich waren. Da ist zum Beispiel die Buchse zum Anschluß an eine externe 12 Volt Spannungsquelle, oder die gut zugängliche Kopfhörerbuchse auf der Vorderseite, die große Klinkenstecker aufnimmt und am Stereokopfhörer beide Kanäle durchschaltet. An der Rückseite lassen sich Außenantenne für UKW und Lang-, Mittel- und Kurzwelle anschließen. Schick und praktisch ist die Anzeige, in welchem Rundfunkband man sich gerade herumtreibt. An der großen Schalterleiste hat nicht nur jedes Band seine eigene Taste, sondern auch die dazugehörige Leuchtdiode. Wenn man sich so über die Frequenzen kurbelt, bekommt man seine Position im Frequenzspektrum über diese LEDs angezeigt.

Als Fazit kann man festhalten, daß der Philips D-2999 als empfehlenswertes Angebot für alle Rundfunkhörer gelten kann, falls man ihn sehr günstig und in einem einwandfreien Zustand erstehen kann. Der ernsthafte DXer sollte sich aber besser nach anderen Geräten, auch gebrauchten, umsehen.

© Mario Gongolsky

Mehr als DM 300 sollte man für das Gerät nicht anlegen, zumal Neugeräte mit teils besseren Leistungen etwa in diesem Preissegment zu erhalten sind. Anders sieht es für Rundfunkgerätesammler aus - aber für diese gelten ja sowieso oft andere Kriterien.

weitere Lektüre:
d: Weltempfänger Duo von Philips, kurier 20 / 86

© tte wwh 3 / 1998