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Racal Engineering Ltd.,
GB - Bracknell

RA - 1217: Testbericht © Claus Galow, wwh 9 / 1996

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überarbeitet am 19.9.2010

Doppelsuper, ZF 47,21 MHz, 455 kHz

Digitalanzeige, mechanisch, 1 kHz

AM, SSB, FM

980 kHz - 30 MHz

Selektivität -6 dB
13 / 6 / 3 / 1 / 0,2 kHz

Sensitivität
0,5 uV SSB

RF-Gain, ATT 4-stufig

Seit längerer Zeit auf der Suche nach einem Zweitempfänger stiess ich in der aktuellen Angebotsliste der Firma Helmut Singer auf den RACAL RA-1217. Nach Studium des angeforderten Datenblattes wollte ich es nun genau wissen und bestellte das Gerät zum Preis von DM 995 in überholtem, voll betriebsbereitem Zustand. Der Empfänger wurde damals ausserdem noch ungeprüft für DM 495 sowie teilausgeschlachtet als Ersatzteilträger für DM 199 angeboten. Den Erwerb eines ungeprüften Exemplares würde ich jedoch nur einem sehr erfahrenen Radiobastler mit entsprechender Werkstattausrüstung (unter anderem HF-Meßplatz) empfehlen. Die Bedienungsanleitung (in Englisch - was sonst) ist im Preis enthalten; eine Kopie des Service Manuals wird gegen einen Aufpreis von DM 35 mitgeliefert. Dieses sollte man auf jeden Fall mitbestellen, egal in welchem Zustand man den Empfänger erwirbt und auch unabhängig davon, ob man selbst in der Lage ist, Reparaturen qualifiziert durchzuführen.

Allgemeines
Der Empfänger wurde von dem britischen Hersteller RACAL vor rund dreissig Jahren als volltransistorisierter Nachfolger der Empfängerserie RA-17 entwickelt. Zunächst kam er in einem Tischgehäuse unter der Bezeichnung RA-217 auf den Markt und wurde dann als 19-Zoll-Version mit identischer Technik zum RA-1217 weiterentwickelt. Ferner gab es für die USA noch das Modell RA-6217 im gleichen Format, jedoch mit einer anderes eingefärbten Frontplatte und anderen Knöpfen für die Frequenzabstimmung. Ausserdem kann je nach ursprünglichem Anwenderwunsch die Filterbestückung variieren. Von der Version 6217 ist ein Testbericht von Nils Schiffhauer in seinem Buch "Oldie-Kurzwellenempfänger" erschienen.

Das 19-Zoll-Gehäuse hat die Abmessungen (BxHxT) 482 x 89 x 420 mm und wiegt laut Herstellerangaben 14,2 kg. Dies scheint jedoch nur der Mindestwert zu sein, denn mein Exemplar ist deutlich schwerer (geschätzt 18 bis 19 Kilo; mangels passender Waage keine genauere Angabe möglich). Zu der Tiefe des Gerätes muß man für die Netzzuleitung, welche mit einem speziellen Steckverbinder ausgerüstet ist, noch einmal ca. 10 cm Raum im Shack einkalkulieren. Für die Abwärme hingegen ist kein zusätzliches Volumen erforderlich, da das Gerät sowieso keine Lüftungsschlitze besitzt, sondern rundherum geschlossen ist. Es erwärmt sich auch während stundenlangem Betrieb nicht, was auf eine großzügige Dimensionierung des Netzteiles schließen läßt, wie dies bei kommerzieller Technik üblich ist bzw. üblich war. Das Gewicht des Empfängers erfordert auch eine stabile Montage, z.B. mit Haltebügeln aus Stahlband.

Technik
Im RA-1217 wird durch Verwendung des sogenannten Wadley-Loop ein durchgehender Empfangsbereich von 1 bis 30 MHz erreicht, welcher auf einer mechanisch-digitalen Anzeige dargestellt wird. Die Ablesegenauigkeit beträgt ca. 200 Hertz Das System des Wadley-Loop (erfunden von Dr. T.L. Wadley) beruht darauf, von einem stabilen Mutter-Oszillator einzelne, jeweils 1 MHz breite Frequenzbereiche abzuleiten, welche dann mit einem VFO linear abgestimmt werden können. Auf diese Weise ist die Ablesegenauigkeit (und damit die Chance, einen Sender korrekt einzustellen) in den hohen Frequenzbereichen genau so gut wie z.B. im Tropenband. Ein Eichmarkengeber erzeugt auf Wunsch alle 100 kHz ein Signal, anhand dessen die Skala geeicht werden kann.

Eingeschaltet wird das Gerät mit einem in der linken Hälfte der Frontplatte gelegenen Drehschalter mit 7 Stellungen (Aus / Manuelle HF-Verstärkung / AGC kurz / AGC mittel / AGC lang / kalibrieren). Das Einstellen einer Frequenz ist ausgesprochen einfach und sollte einigen Konstrukteuren moderner Empfänger zu denken geben. Mit dem links der Anzeige gelegenen Knopf wird der Frequenzbereich angewählt und dann mit dem rechten Knopf das Band "durchgekurbelt". Erreicht man das untere Bandende, so erscheint in der Frequenzanzeige ein Minuszeichen und man kann noch ca. 25 kHz weiter kurbeln. Das Minus signalisiert, daß die eingestellte Frequenz 1 MHz unter der angezeigten liegt. Sinngemäß erscheint am oberen Bandende ein Pluszeichen und die empfangene Frequenz liegt 1 MHz über der angezeigten. Einen kleinen Wermutstropfen hält die Sache jedoch bereit: Hat man z.B. das 60-m-Band nach oben hin nach Sendern abgesucht und ist man nun bei 5025 kHz (angezeigt: 04 + 025) angekommen, blockiert die Abstimmung. Um nun noch die letzten 35 kHz des Bandes abzusuchen muß man zunächst die KHz-Abstimmung auf den Anrang zurückstellen. Dazu sind etwa 20 Umdrehungen nötig, denn bei einer Umdrehung wird die Frequenz um genau 50 kHz geändert. Dann dreht man den MHz-Knopf um eine Stellung weiter auf 5 MHz. Erst dann kann mit der Senderjagd weitergemacht werden. Das Einstellen von Frequenzen im 5-kHz-Raster wird durch 10 Teilstriche auf dem kHz-Knopf genial vereinfacht, denn hiermit kann ohne Beobachtung der Frequenzanzeige jeder Kanal im internationalen Raster der Rundfunkbänder blitzschnell präzise abgestimmt werden. Dies funktioniert ebenso einfach, als wenn man einem neuen Empfänger das Raster 5 kHz einprogrammiert.

Hört man trotz korrekt eingestellter Frequenz nichts oder zumindest nicht viel, dann ist eventuell der Abschwächer eingeschaltet oder man hat vergessen, den eingebauten Preselektor abzustimmen. Dieser ist in den Bereichen 1 -2 / 2-4 / 4-8 / 8 - 16 / 16 - 30 MHz schaltbar und wird dann mit einem auf er gleichen Achse sitzenden Drehregler abgestimmt.

Unterhalb von Einschalter und Preselektor ist die Kopfhörerbuchse eingebaut (Klinke 6,35 mm), ohne die man dem Empfänger keinen Ton entlocken wird. Er besitzt nämlich keinen Lautsprecher, und mit dem Anschluß eines externen Lautsprechers ist das so eine Sache ... Dieser ist zwar vorhanden, aber er ist mit anderen Ausgängen (wie z.B. 16 V Gleichspannung für Zusatzgeräte) in einer 12-poligen Buchse zusammengefasst, für die ich keinen Stecker habe. Dieser muß separat bestellt werden, wenn er überhaupt noch erhältlich ist. Diese Buchse kann jedoch relativ problemlos gegen eine andere 12-polige ausgetauscht werden, wenn man die Werte aus dem Service Manual beachtet. Wer dies jedoch nur wegen des Lautsprecheranschlusses tun möchte, kann sich die Arbeit sparen, denn der NF-Verstärker im RA-1217 gibt leider nur 10 Milliwatt an 600 Ohm Impedanz ab. Lediglich die erste Serie bis Seriennummer 826 war mit einem 1 Watt Verstärker ausgerüstet, welcher bei den später produzierten Geräten nur auf besonderen Kundenwunsch eingebaut wurde. Wer unbedingt einen Lautsprecherausgang mit höherer Leistung benötigt, wie z.B. zum Betrieb eines NF-Filters, kann eines der bekannten Kleinverstärkermodule direkt an der Kopfhörerbuchse (10 Milliwatt / 600 Ohm) anschließen (Impedanz beachten, eventuell Vorwiderstand verwenden). Dies sind eben gewisse Abstriche, welche man an einem kommerziell (militärisch) genutzten Equipment machen muß. Der erstklassige Empfang - soviel vorneweg - entschädigt aber dafür.

Der RA-1217 arbeitet in den Betriebsarten AM, LSB, USB sowie CW. Beim Umschalten von LSB/USB tritt ein Frequenzversatz auf, so daß bei ECSS-Empfang nach der Wahl des ungestörteren Seitenbandes nachgestimmt werden muß.
Als Standardbandbreiten hat das Gerät drei Filter eingebaut mit 8, 3 und 0,2 kHz. Zusätzlich können zwei weitere Filter bestückt werden, wobei Bandbreiten von 13 - 6,5 1,2 - 0,5 zur Verfügung stehen. Bei meinem Exemplar ist neben den Standardfiltern noch das 1,2-kHz-Filter vorhanden, welches aufgrund nicht allzu steiler Flanken auch noch für Sprache eingesetzt werden kann und sich als starke Waffe gegen QRM jeglicher Art bewährt hat.
Neben dem Trennschärferegler sitzt der auf einer Achse kombinierte Regler für Lautstärke und manuelle HF-Verstärkung. Darüber ist noch der BFO-Regler montiert. In der Mitte, über der Frequenzanzeige, sitzt das S-Meter, welches mittels eines Schalters auch die NF-Leistung anzeigen kann. Links von diesem genauen Instrument gibt es noch einen Drehschalter für einen externen VFO, rechts daneben einen Clarifier zur Feinabstimmung, z.B. von SSB-Stationen.

Praxis
In der Praxis konnte sowohl die Bedienung als auch die reine Empfangsleistung wirklich überzeugen. Nach einigen Trockenübungen bei ausgeschaltetem Gerät war das Bedienkonzept des Empfängers klar und als gelungen entlarvt. Daher wurde zunächst der 25m-Langdraht, welcher mittlerweile via Balun und Koaxkabel ins Shack abgeleitet wird, mittels eines BNC-Steckers an den RA-1217 angeschlossen. Als Kopfhörer verwendete ich den Yaesu YH-77, welcher guten Tragekomfort mit einer ausgezeichneten Übertragungsqualität verbindet. Vergleichsgerät war der Yaesu FRG-100 an derselben Antenne, mittels Weiche auf beide Empfänger geführt.
Den Test begann ich auf 21800 kHz am frühen Nachmittag, wo Radio Ukraine International mit einem Programm in Russisch nur ein ausgesprochen dünnes Signal produzierte. Hier gab es gleich die erst Überraschung, denn der Yaesu, welchen ich wegen der Gesamtheit seiner Leistungen überaus schätze, war dem RACAL in Sachen Verständlichkeit deutlich unterlegen, da der Sender bei ihm in stärkeres Rauschen (bei vergleichbarer Bandbreite) eingebettet war. Dies zeigt auch die hohe Empfindlichkeit des RA-1217 selbst in den oberen Bereichen, welche gerade bei alten Empfängern oft rapide abnimmt.
Nächster Kandidat war Radio Kairo auf 17770 kHz mit arabischer Musik. Hier zogen beide Empfänger bei starkem Signal nahezu gleich und der RACAL wartete mit einer rauscharmen, unverzerrten Wiedergabe auf, welche ich einem frühen volltransistorisierten Gerät nicht zugetraut hätte. Wenn ich nicht gewußt hätte, daß der RA-1217 ein Produkt der Halbleitertechnologie ist, so hätte ich sicherlich auf ein Röhrengerät getippt. Da die damaligen Transistoren technologisch mit den modernen wohl nicht mithalten können, muß dies zum großen Teil an dem wohl durchdachten Aufbau der Schaltung liegen. Zur guten Wiedergabe tragen sicherlich auch die Quarzfilter bei, welche - an heute üblichen Werten gemessen - keinen überragenden Formfaktor haben. Dieser ist jedoch nur in seltenen Fällen ein wirklicher Nachteil, denn meistens sorgt gerade die schlechte Flankensteilheit noch für eine gute Verständlichkeit.
Die eigentliche Trennschärfe ist ausgesprochen gut und kann mit modernen Geräten mithalten. In den internationalen Rundfunkbändern ist man mit dem 3-Khz-Filter bestens bedient. Nachbarkanalstörungen sind kaum wahrnehmbar und das demodulierte Signal klingt keinesfalls dumpf. Wenn mindestens 10 kHz ober- und unterhalb des Nutzsignals keine Station sendet, kann man mit dem 8-kHz-Filter arbeiten und so den NF-Frequenzgang noch etwas erweitern. Öfter benötige ich jedoch das 1,2-kHz-Filter, welches gerade in den Tropenbändern (ECSS-Betrieb) und beim Amateurfunkempfang eine hervorragende Trennschärfe mit noch brauchbarer Verständlichkeit kombiniert. Mit einem steilflankigen Filter dieser Bandbreite wäre - zumindest ohne IF-Shift oder Passbandtuning - keine Sprachwiedergabe möglich. Der Formfaktor von ca. vier jedoch sorgt für eine NF, die zwar keine Bässe mehr enthält, aber das erstklassig gereinigte Signal auch schwacher Sender gut verständlich zu Ohr bringt. Im 90-m-Band konnte ich einige knifflige Stationen gerade mit diesem Filter gut aufnehmen, und es waren viele Details verständlich. Ein schönes Beispiel hierfür war der Empfang von ZBC Harare auf 3306 kHz gegen 20 Uhr UTC. Das Signal kam selbst in den Spitzen kaum über S = 2 hinaus und wurde von einem kräftigen CW-Sender beeinträchtigt. Mit dem Yaesu war unter Verwendung des messerscharfen 2-kHz-Quarzfilters (Modifikation!) Harare im ungestörteren Seitenband zwar hörbar, jedoch litt die Sprachverständlichkeit etwas unter der hervorragenden Flankensteilheit. Erst nach dem Einstellen eines Trägerversatzes von einigen 100 Hertz ließ sich der Afrikaner berichtsreif aufnehmen. Mit dem 1,2-kHz-Filter des RA-1217 war ebenfalls im ungestörteren Seitenband die CW-Station fast unhörbar und die Verständlichkeit war der des Yaesu mindestens ebenbürtig. Diese Situation ließ sich gleich zum Test des 200-Hertz-CW-Filters heranziehen. Also schnell den BFO des RACAL auf Stellung "=", das CW-Filter geschaltet und mit dem Regler BFO-Tune auf bestes Signal abgestimmt. Der Erfolg war beeindruckend. Das Morsesignal kam sauber getrennt von jeglichem "Schmutz" aus dem Kopfhörer. Nun noch die Zeitkonstante der AGC auf langsam gestellt oder - noch besser - auf Handregelung gegangen und das Signal ist bestens bearbeitet, um z.B. von einem Dekoder entschlüsselt zu werden. Da sich der Empfänger in Puncto Empfindlichkeit sowie Trennschärfe also durchaus mit neueren Geräten messen lassen kann, bleibt noch ein Blick auf das Großsignalverhalten. An ein frühes Transistorgerät sollte man hier von vornherein keinen allzu hohen Maßstab anlegen. An leistungsfähigen Antennen sind selbst unter Verwendung des eingebauten Preselektors in den Abendstunden zahlreiche Geisterstationen hörbar.
Diese konzentrieren sich jedoch hauptsächlich auf die Bereiche zwischen starken Rundfunkbändern Hier muß der Abschwächer oft auf minus 30 dB (!!) gestellt werden, um Ruhe auf der Frequenz zu bekommen. Auch ein normales Anpaßgerät, wie z.B. das FRT-7700, hilft hier nur wenig, so daß ein hochwertiger externer Preselektor ratsam erscheint. Wer ein solches Gerät nicht besitzt und die Hobbykasse bereits durch den Erwerb des RACAL geplündert hat, kann mit gutem Erfolg auch die umschaltbare Loopantenne, welche ich in wwh 4/95 vorgestellt habe, verwenden (auch in Verbindung mit einem Langdraht). Diese arbeitet mit dem RA-1217 erstaunlich gut zusammen, was mich selbst, ehrlich gesagt, etwas gewundert hat. Normalerweise erwartet ja ein professioneller Empfänger auch einen ebensolche Antenne. Hier spielt wohl die hohe Empfindlichkeit des RACAL die entscheidende Rolle. Unter Benutzung dieser Antenne sind auch die Großsignalprobleme in nahezu allen Fällen verschwunden.

Fazit
Sowohl die ausführliche Erprobung als auch die normale Empfangspraxis ergeben ein recht klares Bild vom RACAL RA-1217. Es handelt sich um einen einfach zu bedienenden Empfänger mit ausgesprochen guten HF-Leistungen (abgesehen von der Großsignalfestigkeit), welche nicht nur den reinen Programmhörer mehr als zufrieden stellen dürften, sondern auch den fortgeschrittenen Dxer. Dieser erhält mit den Filtern mit drei und 1,2 kHz starke "Medizin" gegen die meisten Störungen, und wenn er das Gerät in Verbindung mit einem externen Preselektor und vielleicht mit einem NF-Filter (Notch) betreibt, so ergibt das eine Station, gegen die viele moderne Empfänger alt aussehen. Der von diesem Händler geforderte Preis ist der Leistung des Gerätes auf jeden Fall angemessen, ein neuwertiges Gerät mit vergleichbaren HF-Eigenschaften wäre deutlich teurer. Nicht außer Acht lassen darf man natürlich die Tatsache, daß der Empfänger doch recht viel Platz im Hobbyraum erfordert und über keine Möglichkeiten verfügt, Frequenzen direkt einzugeben oder zu speichern. Wer darüber hinweg sieht, ist mit dem RA-1217 erstklassig bedient, nostalgische Gefühle gibt es gratis dazu.

weitere Lektüre:
d: RA-1217 in www.radiomuseum.org

© Claus Galow, wwh 9 / 1996