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Realistic DX / Tandy Corporation,
Fort Worth, FL

Realistic DX-190: Testbericht © Rainer Lichte / addx

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Empfänger - Manuals

überarbeitet am 21.7.2010

Dreifachsuper, 55 MHz, 2,5 MHz, 455 kHz

Digitalanzeige, 1 kHz

AM, USB/LSB, CW

10 kHz - 30 MHz

Selektivität -6 dB/ -60 dB
5,2 / 16,3 kHz

Sensitivität
AM 3,4 - 2,1 uV, SSB 1,5 - 0,7 uV

RF-Gain, Preselektor

Die amerikanische Elektronik-Warenhauskette Radio-Shack mit dem Markenzeichen"Realistic" ist mit über 7000 Filialen in aller Welt ein Gigant auf dem Elektronikmarkt. Das Angebot reicht vom einzelnen Widerstand bis zum kompletten, voll ausgebauten Microcomputer. Dazwischen finden sich Hi-Fi-Anlagen, Gebrauchselektronik, CB-Funk und Empfänger für jegliche Wellenbereiche. Das neueste Modell ist der hier getestete DX-300, ein Allbereichs-Empfänger nach dem Wadley-Prinzip. Der Empfangsbereich liegt mit 10 kHz - 30 MHz am unteren Ende fast konkurrenzlos niedrig. Gefälliges Aussehen, digitale Frequenzanzeige und gute Ausstattung bei relativ günstigem Preis runden das Bild eines in die derzeitige Marktsituation passenden Empfängers ab.

Das Gerät
Ein großer Teil der Bedienungselemente konzentriert sich auf der linken Seite der optisch dreigeteilten Frontplatte. Links oben ist die sparsam markierte Skala für den getrennt abzustimmenden Preselektor. Der Knopf darunter nimmt diese Abstimmung vor, während der Knebelschalter unten links die Bereiche - sechs insgesamt - umschaltet. Nicht abgestimmt werden kann der Bereich 1, von 10 bis 150 kHz. Eine rote LED unter der jeweiligen Skala zeigt den geschalteten Bereich an. Rechts neben der Preselektoranzeige liegt das beleuchtbare S-Meter, eingeteilt in S-Worte bis S9+20 dB. Darunter befindet sich der Feinabstimmknopf, Bereich +/- 1.2 kHz bei 180 Grad Drehung.
Die drei Schalter darunter haben folgende Funktionen:
1. Antennensignalabschwächer mit den Positionen - 20 dB, 0 dB und - 40dB,
2. Skalenbeleuchtung, Neutralstellung, Batterietest,
3. NF-Tonfilter mit den Positionen schmal, mittel und breit.
Beherrschendes Element der Frontplatte ist das mittlere Feld mit der roten LED-Frequenzanzeige (Auflösung 1 kHz) und dem konzentrischen Abstimmungsknopf. Der innere Rastknopfring schaltet die MHz-Bereiche 0 - 29; der äußere, vorne liegende Drehknopf nimmt die Abstimmung innerhalb dieser 1 -MHz-Bereiche vor. Dabei entspricht eine Umdrehung 67.5 kHz Frequenzänderung. Ein exzentrisch gelagerter Drehstift ermöglicht schnelles "Durchkurbeln" des Bereiches. Im rechten Feld dominiert ein großer Lautsprecher, darunter drei weitere Knebelschalter.
Von links:
1. HF-Verstärkungseinsteller
2. NF-Verstärkungseinsteller
3. Betriebsartenschalter mit den Stellungen LSB/CW, USB/CW, Bereitschaft(NFaus), AM, AM plus Störbegrenzer.
Eine Buchse (Klinke) für niederohmige Kopfhörer komplettiert die Bedienungelemente der Vorderseite. Auf der Rückseite des DX-300 befinden sich zwei Antennenanschlüsse: eine SO-239 Coax-Buchse für 50-75 Ohm Antennenimpedanz und zwei Schraubklemmen für hochohmige Langdrahtantennen bzw. Erde. Der Antennenabschwächer wirkt nur auf den Coax-Eingang. Für einen externen Lautsprecher und ein aufnehmendes Tonbandgerät liegen Ausgänge in Form von RCA-Cinch- Buchsen vor. Eine Schraubklemme "Mute" schaltet - wenn mit Masse verbunden - den Empfänger stumm. Eine Buchse für japanische Miniaturstecker ermöglicht mittels externer Taste die Verwendung des Empfängers als Morseübungsgerät.
Das Batteriefach für sechs Babyzellen ist über eine kleine Klappe zugänglich. Externer 12-Volt- Anschluß ist ebenfalls möglich. Damit kann das Gerät vielseitig in Betrieb genommen werden. Netzanschluß ist ebenfalls vorhanden, und zwar für 110/ 220 Volt. Ein eingelassener Tragegriff an der rechten Seite und eine Stabantenne (140 cm) vervollständigen die Ausstattung. Das Gerät steht auf möbelfreundlichen Hartgummifüßen mit leichter Erhöhung der Vorderseite. Das Gehäuse ist sauber verarbeitet. Die Bedienungsanleitung - viersprachig - geht auf Antennen- und Empfangspraxis hinreichend ein, liefert jedoch nur sparsamste technische Daten und eine sehr magere Andeutung der Schaltungseinzelheiten. Ein Schaltbild wird beigefügt.

Die Schaltung
Das Wadley-Prinzip wurde hinreichend ausführlich beschrieben; hier wird deshalb nicht näher darauf eingegangen. Praktisch handelt es sich um einen Dreifach- Überlagerungsempfänger. Als Zwischenfrequenzen werden benutzt:
1. ZF 54.5 - 55.5 MHz
2. ZF 2 - 3 MHz
3. ZF 455 kHz
Im Zuge der 455 kHz-Verstärkung liegt das in dieser Schaltung selektionsbestimmende sechspolige Keramikfilter. Der Frequenzzähler benutzt eine moderne hochintegrierte IC- Schaltung. Der Rest der schaltungstechnischen Auslegung entspricht dem in dieser Preisklasse üblichen Standard und bietet keine erwähnenswerten Höhepunkte, mit Ausnahme des ersten Mischers, der sehr gute MOSFETs verwendet, um Übersteuerungen zu vermeiden. Das Fehlen eines echten Produktdetektors für SSB wurde als schwerwiegender Mangel bemerkt.

Betriebsergebnisse
Die schlechten Empfindlichkeitswerte in Verbindung mit den noch schlechteren Werten für Selektion ließen im Empfangstest keine Höhepunkte erwarten. Die Stabantenne ist falsch angepaßt. Empirisch wurde eine Länge von 172 cm als günstiger ermittelt. Der AM-Empfang ist gerade noch brauchbar, mit Ausnahme der MW- und LW-Bereiche. Hier ist in den Abendstunden kein störungsfreier Empfang mehr möglich. Dieses Problem kann auch eine Rahmenantenne nicht korrigieren. In den KW-Bereichen ist - je nach Bandbelegung - guter AM- Empfang möglich, der durch Anschluß einer Dipolantenne noch verbessert werden kann. Der Abschwächer ist hier ein brauchbares Hilfsmittel, um starke Stationen im Regelbereich der AGC zu halten. Abstimmung und Feinabstimmung lassen sich gut handhaben. Zusammen mit sachgerechter Bedienung des HF-Einstellers und der Preselector- Abstimmung ist teilweise echtes DXen möglich. Der NF- Bandbreitenschalter kann nur das Klangbild ändern, nicht jedoch störende Sender ausblenden. SSB-Empfang ist nur bedingt möglich und die Tonqualität (dünn) ist zu keiner Zeit befriedigend. Gut ist die Frequenzstabilität, jedoch war aufgrund des Fehlens eines echten Produktdetektors und ungünstiger Ablage des Seitenbandes (SSB-Trägerversatz) das Einstellen von Seitenbandstationen sehr mühsam.
Das S-Meter - sonst recht brauchbar ausgelegt - stellt bei SSB und CW den Betrieb ein, eine sinnlose Schaltungsauslegung. Als recht praktisch wurde die Aufteilung der Bedienungselemente empfunden; auch die Anzeige des gewählten Preselector- Bereiches durch LED konnte gefallen. Der Bereich 0.01 - 0.15 MHz ist mit dem Preselector nicht abstimmbar, aber hier sollte ohnehin mit angepaßten Langdrahtantennen gearbeitet werden. Technisch wäre eine selektive Abstimmung für diesen Bereich auch schwierig zu realisieren. Schalter und Knöpfe arbeiten leichtgängig und vermitteln ein positives Gefühl.
Obwohl dieses Gerät wegen der Abmessungen kein Kofferradio ist, ist die Möglichkeit des Batterie- oder Akkubetriebs eine begrüßenswerte Alternative. Der innere Aufbau ist typische Großserienfertigung: ziemlich lieblos eingesetzte Bauteile, viele Drahtverbindungen und ein recht unübersichtlicher Aufbau.
Die gravierenden Mängel des DX-300 lassen zuerst auf einen Fertigungsausreißer schließen. Eine Anfrage bei zwei Besitzern dieses RX bestätigen jedoch die in diesem Test gesammelten Erkenntnisse.

Kritik und Wertung
Für den europäischen Markt und den hier vorherrschenden Hörgewohnheiten ist dieses Gerät kaum geeignet. Der relativ günstige Preis kann die Mittelmäßigkeit dieses Empfängers etwas mildern. In dieser Preisklasse sind nicht viele Geräte im Angebot. Zu bemängeln sind vor allem die sehr schlechte Selektion und das Fehlen einer wirksamen Bandbreitenschaltung. Für DXer mag zwar SSB nur gelegentlich interessant sein (wer hört nicht schon mal gerne bei den Profis rein); wenn diese Betriebsart aber bei einem Gerät vorgesehen ist, so sollte auch brauchbarer Empfang möglich sein. Die nur durchschnittliche Empfindlichkeit wird dem DX-300 nicht angelastet, obgleich Yaesu-Geräte gezeigt haben, was mit dem Wadley-Prinzip erreicht werden kann. Der Schalter wide/ norrnal/ narrow suggeriert eine - nicht vorhandene - Bandbreitenschaltung: eine unnötige Augenwischerei, auch wenn der Schalter mit Audio (NF) beschriftet ist.
Mag das Gerät auf dem US-Markt wohl recht erfolgreich sein, so wird es in Europa und insbesondere in Deutschland auf dem ohnehin hart umkämpften Markt einen schweren Stand haben. Try again, Tandy.

Realistic DX-300: Technische Daten und Meßwerte
Hersteller Tandy Corporation
Vertrieb Radio Shack
Gerätetyp Stationsempfänger mit Netz-, Batterie- und Akkubetrieb
Schaltungstyp Wadley dreifach Super mit Quarzsteuerung
Frequenzbereich 0.01 bis 30 MHz
Frequenzanzeige digital, 5-stellige rote LED, 1 kHz Auflösung
Absolute Frequenzgenauigkeit +/-181 Hz
Frequenzstabilität +/- 430 Hz/12 Stunden
Betriebsarten USB, LSB, CW, AM
Antennen Stabantenne 145 cm, Coax SO-239, Klemmen für Drahtantenne und Erde
Besonderheiten abstimmbarer Preselector, Stummschaltung, Antennenabschwächer, mit externer Taste: Morseübungsgerät

HF-Teil
Empfindlichkeit: in uV an 50 Ohm bzw. 1 KOhm bei BC
0,1 MHz - 1.5 MHz für 26 dB S+ N/N
2 MHz - 30 MHz für 6dB S+N/N
Modulation AM, 400 Hz, 30 Prozent

Frequenz (MHz) AM breit SSB / CW
0.1 65 -
0.5 48 -
1 21 -
2 16 -
5 3,4 1,5
7 3,1 1,5
10 3,0 1,2
15 3,0 1,2
20 3,0 1,2
25 2,6 0,9
30 2,1 0,7

Trennschärfe (kHz) 7 MHz + 1 MHz

  -6 dB -60 dB
breit 5.2 16.3

Spiegelfrequenzsicherheit bei keiner ZF und keiner Betriebsfrequenz schlechter als 56 dB, mit Ausnahme von 3.730 MHz: - 32 dB
HF-Regelung +/- 15 dB, mit Abschwächer 21 dB / 37 dB
AGC ja, aber stets von HF-Regelung- Potentiometer abhängig
NF-Teil
Leistung 0.8 W Sinus bei 10% Klirrfaktor
Frequenzbereiche breit: 80 - 7750 Hz; Mitte, 80 - 6250 Hz; schmal: 80 - 5300 Hz;+/- 3 dB bei 2/3 Leistung
Störbegrenzer: gute Wirkung gegen Prasselstörungen
Lautsprecher ca. 12 cm Durchmesser
Leistungsaufnahme 14 Watt bei Netzbetrieb; 9 Watt bei Batterie-/Akkubetrieb
Stromversorgung Netz: 110/220 Volt
Batterie: 6 x Babyzelle; Akku: externer Anschluß vorhanden
Malse 36 x 14 x 26 BHT in cm
Gewicht 6.25 kg mit Batterien
Bestückung 1 LS-IC, 3 IC, 37 Transistoren
Preis ca. DM 700.-
FTZ-Nummer keine

© Kurzwellenempfänger, Qual der Wahl, Rainer Lichte