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Realistic DX / Tandy Corporation,
Fort Worth, FL

Realistic DX-394: Testbericht © kurier 15 / 1998

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überarbeitet am 21.7.2010

"Schönling mit (zu) weitem Herzen": Radio Shack DX 394

Doppelsuper, 1. ZF 45 MHz, 2. ZF 455 kHz

Digitalanzeige, 100 Hz

AM, USB, LSB, CW

UKW, MW, KW - 30 MHz

Selektivität -6 dB/ -60 dB

Sensitivität

Abschwächer

Keypad, 160 Speicher, Uhr, Timer

Beim DX 394 handelt es sich um einen kleinen, klar konstruierten Stationsempfänger, der als Doppelsuper geschaltet ist. (1. ZF 45 MHz, 2. ZF 455 kHz), Ein bißchen wirkt das Gerät wie eine Miniausgabe des NRD 535, schön, um nicht zu sagen: Hübsch! Das große Display leuchtet bei Netzbetrieb in einem angenehmen Grünton, und selbst wenn der Empfänger "in den Schlaf geschickt wird" (Standby), bleibt eine gedämpfte Restbeleuchtung.
Hinten rechts in der Gehäuseoberfläche findet der stolze DX-394-Besitzer ein etwa 6mm großes Loch, in das eine dünne, ca. 50 cm lange Teleskopantenne hineingeschraubt werden kann, die für den Empfang stärkerer Sender ausreicht. Der Empfang wird merklich besser, wenn die Schraubklemme an der Rückwand eine Erdung erhält. Apropos Geräterückwand: Die ist mit erstaunlich vielen Anschlußmöglichkeiten ausgestattet: 50 Ohm Antennenanschluß, ein weiterer Anschluß für hochohmige Antennen, ein Schalter für ein 20db Dämpfungsglied, eine 13,8 V Buchse für den Betrieb des Gerätes an einem Akku (z.B. Autobatterie), eine NF-Ausgangsbuchse für einen Casettenrecorder oder Verstärker. Ein 230V Netzteil ist fest eingebaut. Für den transportablen Einsatz, der ja Teil des Kozeptes ist, wäre hier eine Netzbuchse die praktischere Lösung gewesen.
Sämtliche Betriebsarten (AM, SSB/LSB, SSB/USB/CWI, CW) sind über einen kleinen Drehschalter links unten an der Bedienungsfront abrufbar (Mode). Das S-Meter ist als elektronische Nachbildung ausgeführt. Es wirkt interessant, hat aber - wie bei vielen anderen Weltempfängern dieser Preisklasse - nur eingeschränkten Gebrauchswert. Die Feinabstimmung läßt kontinuierliche Schrittchen von 100 Hz über den gesamten AM-Bereich zu und zählt zu den begrüßenswerten Features dieses Empfängers. 1-kHz-, 5-kHz, sowie 9-/10-kHz- Schritte sind schaltbar. Insgesamt können 160 Speicherplätze genutzt werden.

Empfangspraxis
Ich schalte den DX 394 ein und tippe erst einmal die DW-Frequenz 6075 kHz in die Tastatur. Jeder Tastendruck wird mit einem deutlichen Piepton quittiert, etwas gewöhnungsbedürftig, aber die Frequenz wird zuverlässig per Druck auf die "Enter"-Taste übernommen. Daraufhin höre ich die Deutsche Welle, die Tonqualität ist absolut überdurchschnittlich, die Sprache transparent und gut verständlich. Daß der Bayrische Rundfunk auf 6085 kHz leise mitzuhören ist, macht eins der wenigen Defizite dieses Empfängers deutlich: Die leider nicht allzu gute Trennschärfe in der Betriebsart AM! Warum auf die eingebauten engeren Filter (SSB, CW) in"AM" nicht zugegriffen werden kann, bleibt das Geheimnis der Konstrukteure.
Ich gehe in die Betriebsart SSB und prüfe einige Frequenzen an der Teleskopantenne durch, empfange bei 13264 kHz ein etwas verrauschtes, aber verständliches Gebrabbel übers Flugwetter. Dann gehe ich dem DX 394 etwas mehr "Auslauf", 10m Antennendraht in 6 Metern Höhe isoliert aufgehängt bringen spürbar (aber nicht überwältigend) mehr Signalstärke in den Receiver. Als Vergleichsgerät wähle ich meinen Siemens RK 770, den die Stiftung Warentest zu recht mit "Sehr gut", bewertet hat, weil er in den meisten Fällen problemlos mit teureren Geräten, wie dem Grundig Satellit 700 und dem Sony SW 77 mithalten kann. Die schlecht angepaßte Teleskopantenne läßt sich mit einem kleinen passiven Preselector (z.B. ADDX-PRE- 1) auf gute Wirkung trimmen.

Lang- und Mittelwelle machen einen recht guten Eindruck. Die Tonqualität beim DX 394 ist hervorragend, die Trennschärfe ausreichend. Der Südwestfunk auf 1017 kHz kommt in einer ungewöhnlichen Klarheit an den Lautsprecher, der Siemens wirkt dagegen mufflig und dumpf. Weitere MW- und LW-Frequenzen bestätigen dieses Resultat.
Ab in die Tropenbänder! Am späteren Abend bringt der Siemens Togo auf 5047 kHz klar und verständlich, während der Radio Shack Mühe hat, das Signal aus dem hörbaren stärkeren "Hintergrundgeräuschpool" herauszuheben. Sobald sich Störungen von "links" und "rechts" in Grenzen halten, trumpft der DX 394 auch bei sehr schwachen Stationen spürbar auf. In Sachen Verständlichkeit und Tonqualität liegt das Gerät dann uneinholbar vor dem Siemens.
Pyongyang auf 9325 kHz kommt am Abend auf dem Siemens "flatterhafter" als beim DX 394, die AGC hat etwas Mühe das rasche Fading glattzubügeln, die Verständlichkeit ist diesmal jedoch recht ordentlich. Beim Radio Shack ist das Signal stabiler, Utility-Störungen beeinträchtigen die Verständlichkeit erheblich. Die Parallelfrequenz 13790 kHz kommt auf dem DX 394 überzeugender, trotz eines relativ starken Rauschanteils. Der Siemens klingt flacher, dumpfer, biete aber das konstantere Signal.
Ich wechsle auf die Frequenz 9955 kHz zu Taiwan, Taipei. Der Radio Shack bietet streckenweise ein recht klares Signal, hat aber aufgrund seines breiteren AM-Filters stärker unter Splatterstörungen von links und rechts zu leiden. Dabei bleibt die ansonsten gute Verständlichkeit zeitweise auf der Strecke. Der Siemens zieht diesmal mehr "Müll" hoch, trotzdem sind die Signalstabilität und die Verständlichkeit beim RK 770 aufgrund der engeren Filter eindeutig besser, selbst in Filterstellung "wide". Bei beiden Geräten dämpfe ich das HF Signal mit RF-Gain etwas herunter und erziele dadurch noch etwas mehr Klarheit.
Auf 13610 kHz werfe ich die Angel nach "Damaskus" aus, beim Siemens beißt der "Fisch" sofort an und läßt sich ohne Schwierigkeiten heben. Beim Radio Shack grabscht ein anderer, sehr dicker "Fisch" nach meinem Fang und bringt ihn zeitweise zum "untertauchen". WSHB auf 15665 kHz kommt auf dem DX 394 zwar verrauscht aber gut verständlich, der Siemens ist ruhiger und bewegt sich auf ähnlich gutem Niveau. Indonesien auf 15150 kHz wird vom DX 394 mit etwas größerem Störanteil "gehoben" als beim Vergleichsgerät. Eine besondere "Begabung" des Radio Shacks wird beim Empfang von Kairo auf 9900 khz wahrnehmbar: Die teilweise problematische Modulation dieses Senders setzt der kleine Schönling in ein Signal um, das ich kaum je besser gehört habe! Hier zieht der Siemens mit Abstand den Kürzeren.Beim Empfang von Radio Thailand (9680 khz) hat der Siemens die Nase wieder etwas vom, sehr groß ist der Unterschied aber nicht. Korea auf 7550 kHz wird beim Realistic von Utilitystörungen beeinträchtigt, von denen beim RK 770 nichts zu hören ist.
Schließlich wechsle ich noch einmal in die Betriebsart SSB und suche Amateure, oberhalb von 14 kHz Der DX 394 hat neben SSB Schaltcrstellungen für CW, USB und LSB. Als ich eine der metallisch klingenden Stimmen per "Fine-tune" klar verständlich drauf habe, schalte ich - spielerisch! CW/USB ein, und staune: Der Empfang wird um Welten ruhiger, die Verständlichkeit ist gut, der Sprechton wirkt lediglich etwas "enger", etwas näselnd. Hier liegt eine der wirkliche Stärken dieses putzigen, liebenswerten Empfängers: Das schmale CW-Filter ermöglicht beeindruckenden SSB Empfang, obwohl es dafür werkseitig sicherlich nicht vorgesehen ist! Zuletzt begebe ich mich auf die Frequenz 14670 kHz (CHU Kanada). Das sehr schwache Signal dieses Zeitzeichensenders ist auf meinen beiden Prüflingen leise, aber klar zu vernehmen. Beim Radio Shack verschindet es (bei Fadingeinbrüchen) etwas früher im Rauschen als beim RK 770.

Fazit
Der DX 394 ist ein liebenswerter, hübscher Sonderling unter den Weltempfängern, der in keine der vorhandenen Kategorien so richtig passen will. Ungestörte Rundfunksender bringt er in unglaublich angenehiner Tonqualität zu Gehör, und auch beim SSB Empfang entfaltet der "Knabe" bemerkenswertes Talent. Das zu breite AMFilter müßte durch ein engeres ergänzt werden, dann hätte das Gerät alle Eigenschaften, die einen guten "Eroberer" ausmachen: Es wäre eindrucksvoll und ausdrucksvoll und ließe kaum noch Wünsche offen...

© Rolf Dieter Wiedenmann, kurier 15 / 1998