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RFT / VEB Funkwerk Köpenick,
VEB Kombinat Nachrichtenelektronik, Köpenick

EKD 300 / EKD 315 - Erfahrungsbericht: © wwh 5 / 1995

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überarbeitet am 20.9.2010

Doppelsuper, 1. ZF 70,2 MHz, 2. ZF 200 kHz

Digitalanzeige auf 10 Hz genau

AM, AM-Sync, USB, LSB, CW, RTTY, ISB

Empfindlichkeit SSB < 0,5 uV Selektivität –6 dB
100 Hz, 500 Hz, 1,4 kHz, 3 kHz, 6 kHz,
2,7 / 3,4 kHz SSB

RF-Gain, S-Meter, Synchron- Detektor, Keypad

RTTY- Demodulator

Seit fast drei Jahren besitze ich nun den RFT-EKD 315. Ich fragte mich selbst; Was hat es gebracht, anstelle eines semiprofessionellen DX-Empfängers ein 24 kg schweres Profigerät auf dem Schreibtisch stehen zu haben?
Wenn man sich die Preise für einen professionellen Empfänger wie den ICOM R9000, den R&S EK 890 oder neuerdings den Watkins Johnson HF- 1000 ansieht, so kommt man schnell an die Grenzen des finanziell Möglichen. Der Erwerb eines solchen Gerätes ist nun ja auch nicht unbedingt notwendig, um gute Empfangsergebnisse vorweisen zu können.

Nun aber zur Empfangspraxis des Köpenick Empfängers. Die technischen Daten verheißen eigentlich nur Gutes "‘-. Der 315er ist auf optimale Sprachverständlichkeit getrimmt. Der ECSS-Empfang ist die Stärke des Gerätes, da der eingebaute Synchrondetektor schwächste Signale erfasst und sehr gut zu Gehör bringt. Zu verdanken ist dies der sehr guten Vorselektion sowie den mechanischen Filtern, im ECSS-Betrieb 2,35 kHz schmal. Da gibt es so manchen Spitzenamateurempfänger, die einen breiten Rauschteppich produzieren bzw. die Serienstreuung der Produktqualität relativ groß ist und einige Geräte leistungsmäßig abfallen.

Das EZ 111, ein Empfängerzusatzgerät im Tischgehäuse, mit seinem 5-stufigen Kurzwellen-Preselektor verbessert nochmals das Großsignalverhalten. Ausserdem können daran vier 50 Ohm angepasste Antennen angeschlossen werden, was sehr praktisch für den Anschluß verschiedener Antennentypen sein kann. Durch eine hohe Empfindlichkeit im Langwellen- und Mittelwellenbereich ist der EKD dort uneingeschränkt DX-tauglich. Im Amateurbereich sind eigentlich nur die Geräte der Firma Lowe auf Langwelle und Mittelwelle erstklassig, die japanischen Anbieter behandeln diese Frequenzbereiche weiterhin stiefmütterlich. - so, als wenn sich "dort unten" nichts abspielen würde ...
Auf der Kurzwelle könnte die Empfindlichkeit meiner Meinung nach etwas höher sein. Sicher wurde das Gerät in der damaligen DDR an entsprechend leistungsfähigen Antennenanlagen betrieben. Hier sind aber manche "DX-Maschinen" bei Verwendung kürzerer Langdrahtantennen leicht überlegen. Sicher ist dies aber auch eine subjektive Feststellung.

Die KAA 1000 Aktivantenne vom Funkwerk Köpenick ist wiederum bis 20 m langem Langdraht oft ebenbürtig, im unteren Frequenzbereich teilweise hörbar überlagern. Natürlich nur solange Störungen das Dxen nicht generell beeinträchtigen.
Auch eine magnetische Antenne arbeitet erstaunlich gut mit dem EKD 315 zusammen. Das habe ich bei wochenlangen Testreihen der drei genannten Antennentypen feststellen können.
Zeitgemäße Technik bedeutet allgemein auch Notchfilter und Passband-Tuning (PBT). Beider wird am EKD 315 vermisst. Aber ein externes NF-Filter wie das Dierking GD82NF hilft, grössere Störungen zu beseitigen. Das PBT ist auch nicht unbedingt erforderlich, die sehr gute Trennschärfe und Ruhe des Gerätes entschädigt hierfür. Ein JRC NRD hat vielleicht bei extremen Störungen einen kleinen Vorteil. Ob das Signal aber noch berichtsreif aufgenommen werden kann ist eine andere Frage.

Im Originalzustand verfügt der 315er über zwei sogenannten Schaltwege A und B für den Empfang der unterschiedlichen Seitenbänder. Ausserdem hat das LSB-Filter eine Breite von 3,4 kHz, An seiner statt habe ich ein 2,35-kHz-Filter (wie bei USB) einbauen und den Schaltweg B auf A legen lassen. Somit braucht man nur noch am Filterwahlknopf den ECSS-Betrieb einstellen; einfacher geht es dann kaum mehr. Diese Modifikationen möchte ich jedem EKD 315 Besitzer wärmstens empfehlen, die Kosten betragen ca. DM 300.-
Nun hatte ich das Glück, auch andere Geräte wie die Empfänger von Lowe mit dem EKD vergleichen zu können. Auf Mittelwelle und im Tropenband hielt der HF-150 oft mit, manchmal gab er gehörmäßig ein etwas besseres Signal ab. Man sieht also, daß auch beste technische Daten nicht immer gleichbedeutend mit grosser Überlegenheit im praktischen Empfangsbetrieb sein müssen. Dies gilt aber nur für das Rundfunk-DXen. Bei anderen Betriebsarten wie CW ergibt sich ein anderes Bild. Es ist wichtig, wie so oft, gut angepasste Antennen zu verwenden.

Wer sich heut einen EKD 315 zulegen möchte, muß mit einem Preis von ca. DM 2000 rechnen, manchmal auch mit etwas mehr. Selten gibt es preisgünstigere Angebote. Problematisch ist dabei die Herkunft der Geräte.
Ein EZ 111 ist mit Glück noch für ca. 300 DM erhältlich. Handbücher gibt es meist auf Funkflohmärkten in kopierter Form zu erstehen (sogenannte Erzeugnisunterlagen, das sind praktisch Bedienungs- und Reparaturbücher). Ersatzteile (EL 1 Kiste, Einschubkassetten u.a.) sind meines Wissens kaum noch zu ergattern. Eine Firma (1) bietet aber noch einzelne neuwertige Platinen (z.B. Oszillatoren 1bis 3) zu einem "sehr guten Kurs" an. Die oben schon erwähnte Aktivantenne KAA 1000 dürfte nicht mehr oft auf dem Markt sein; taucht sie irgendwo auf, sollte man zugreifen.

Einen "innerbetrieblichen Schwachpunkt" hat der EKD 315 aber mit Sicherheit: Den Phasenregelkreis 3, der für die Signalumsetzung ZF 1auf ZF 2 zuständig ist und den 70-MHz-Quarzoszillator integriert hat. Auch Oszillator I könnte aus der Reihe fallen. Es können Haarrisse nach einigen Betriebsjahren auftreten und den Signalweg unterbrechen.
Vor einem endgültigen Kauf sollte man den Empfänger also ruhig längere Perioden durchlaufen lassen und das Gerät nicht zu oft in kurzer Zeitspanne an- und ausschalten. Schließlich ist das Schwergewicht für den Dauerbetrieb konzipiert worden.

Persönlich möchte ich sagen, daß der Köpenick Empfänger mit gutem Gewissen empfohlen werden kann, auch für den vielbeschäftigten Programmhörer, der auch zeitweilig DX betreibt. Für diese Anlage sollte man aber einschließlich EZ 111, externem Notch-Filter und guter Antenne etwas über DM 3000 einplanen. Vielleicht doch eine Alternative zu neuwertigen semiprofessionellen Geräten dieser Preisklasse?

(1) Fa. Förtig, D-64673 Zwingenberg

© Ralf Helsper, wwh 5 / 1995