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RFT / VEB Funkwerk Köpenick,
VEB Kombinat Nachrichtenelektronik, Köpenick

EKD 300

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Militärisches Gerät
 
RFT / VEB Köpenick
 
EKV 10 / 15
EKD 300
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überarbeitet am 20.9.2010

Doppelsuper, 1. ZF 70,2 MHz, 2. ZF 200 kHz

Digitalanzeige auf 10 Hz genau

AM, AM-Sync, USB, LSB, CW, RTTY, ISB

Empfindlichkeit SSB < 0,5 uV Selektivität –6 dB
100 Hz, 500 Hz, 1,4 kHz, 3 kHz, 6 kHz,
2,7 / 3,4 kHz SSB

RF-Gain, S-Meter, Synchron- Detektor, Keypad

RTTY- Demodulator

Beim EKD 300 handelt es sich um einen aus dem mit dekadischen Frequenzschaltern ausgestatteten EKD 100 hervorgegangenen professionellen Kommunikationsempfänger.
Das Gerät wurde vom VEB Funkwerk Köpenick gebaut und lehnt sich in der Ausstattung an die professionellen Empfänger von Telefunken und Rohde & Schwarz an; in der militärisch eingesetzten Variante hat es eine schwarze Frontplatte und ein grünes Gehäuse, in der Seefunk- und Behördenvariante eine graue Front und ein stahlblaues Gehäuse.
Oftmals kam das Gerät mit dem Antennendiversity- und Preselektorvorsatz EZ 100 zur Anwendung.

Das Gerät misst 54 x 20 x 39,5 cm und bringt 18,5 kg (Einschub ohne Gehäuse) auf die Waage, im Netzbetrieb mit 127 resp. 220 V beträgt die Leistungsaufnahme rund 50 Watt, alternativ ist ein Betrieb mit 12 resp. 24 Volt Gleichspannung möglich.
Technisch ist das Gerät modular in Form von verschiedenen jeweils mit Leiterplatten bestückten Kassetten aufgebaut.

Das Signal passiert zunächst einen Überspannungsschutz mit einer Glühlampe, welche von Antennenspannungen von über 30 V EMK zum Durchbrennen gebracht wird, geschützt. Danach folgen automatisch geschaltete Suboktav - Bandpassfilter zur Vorselektion. Nach Mischung mit dem Oszillatorsignal von 70,21400 - 100,19999 MHz (der Empfänger stimmt in 10 Hz-Schritten ab) wird auf die erste Zwischenfrequenz von 70,2 MHz umgesetzt, es folgt eine Verstärkerstufe und ein monolithisches +/- 8 kHz-Quarzfilter. Nach Umsetzung auf die zweite ZF von 200 kHz durchläuft das Signal die Filterbank mit den mechanischen Z.F.-Filtern, die SSB-Bandbreite beträgt beim EKD 305/315/325 + 300-3400 Hz und bei den Varianten EKD 306/316 + 250-600 Hz, dazu verfügen alle Versionen über die Zweiseitenbandfilter +/- 50 / 700 / 1500 Hz. Es folgen die verschiedenen Demodulatoren, zum Einseitenbandempfang kommt ein Produktdemodulator zum Einsatz, das Gerät verfügt über zahlreiche Sonderbetriebsarten.

Auf der Frontplatte finden sich zur linken zwei sechspolige Multipolkonnektoren zu Anschluss von Kopfhörer/TB oben und einem Aussenlautsprecher unten, es kann aber auch der eingebaute Monitorlautsprecher eingesetzt werden. Mit dem Audio-Verteilschalter kann das normale NF-Signal (TFA - Telephonie- Standard) resp. das Audiosignal des oberen Seitenbands beim SSB / ISB-Empfang auf die Anschlüsse und wahlweise den Monitorlautsprecher gegeben werden, in den Positionen TFB wird das Audiosignal des zweiten unteren Seitenbands im ISB-Betrieb (A3Bj) auf den Kopfhörer- und Innen-/ Aussenlautsprecher gegeben. Der Lautstärkeregler liegt gleich daneben, symbolisiert durch das Dreieck mit Pfeil und den zwei Wellenlinien.
Gleich daneben liegen die Bedienelemente zur HF-Verstärkungsregelung, der Regler mit Drieck/Pfeil und den drei Wellenlinien entspricht dem RF-Gainregler, der Schalter daneben schaltet die AGC. Das Zeichen Tau mit dem kurzen oder langen Balken steht für automatische Verstärkungsregelung mit kurzer (AM/A3, A4A und FM) und langer (SSB / A3A, A3J, A3Ba, A3Bj) Regelzeitkonstante, das Händchensymbol für manuelle Regelung und dazwischen die Kombination AGC und manuelle Regelung.
Darüber sind der Bandbreitenschalter und der Betriebsartenschalter zu finden, beide mit ebenso etwas kryptischen Bezeichnungen. Alle Filterpositionen mit +/- stehen für Zweiseitenbandfilter zum Einsatz für CW oder im AM-Betrieb, die Positionen +2700 / +3400 zum Empfang des oberen Seitenbands (USB) im SSB-Betrieb, die Bandbreite des Filters fürs untere Seitenband ist je nach Gerätevariante fix (beim EKD 315 -3400) und das Signal kann mit dem Audioverteilschalter auf den Kopfhörer geholt werden.
Zur Bedienung des Betriebsartenschalters ist etwas Wissen um die im kommerziellen Verkehr eingesetzten Betriebsarten nützlich: in Stellung A1 wird das decodierte CW-Morsesignal auf den Ausgang TFA gegeben. Stellung A3 kommt zum Einsatz zum Empfang von tonmodulierter Telegraphie und normalen AM-Rundfunkaussendungen, A3A steht für Einseitenbandempfang mit Trägerrest (der Empfänger rastet automatisch in einem Bereich von +/- 50 Hz auf den Trägerrest ein und das SSB-Signal wird verständlich) und A3J zum Empfang von SSB-Aussendungen ohne Trägerrest, das Audiosignal gelangt ebenfalls auf den Ausgang TFA. A3Ba empfängt ISB-Aussendungen (zwei Seitenbänder mit getrennten Informationen) mit Trägerrest und A3Bj ISB-Aussendungen ohen Träger, die Seitenbandinformationen gelangen auf die Kanäle TFA und TFB. Die Stellungen F1 /F4 werden zum Fernschreibverkehr eingesetzt, je nach Phasenlage kann das Signal mit dem auf- resp. abwärtszeigenden Balken invertiert werden.

Der Kontrollschalter schaltet die verschiedenen Messarten des Messinstruments: in Stellung Y E wird die Antennen-Signalstärke angezeigt, in UZF der HF-Pegel, 0 dBm der NF-Pegel an den Audioausgängen, des weiteren sind verschiedene Betriebsspannungen kontrollierbar.
Gleich daneben liegt der Hautschalter, darüber das Anzeigeinstrument und der BFO / CW-Tonhöhenregler.

Zur Frequenzeingabe kann der Abstimmknopf oder der Zifferntastenblock eingesetzt werden, eine LED-Zeile dient zur optimalen Abstimmung beim Empfang von F1 - Funkfernschreibsignalen.
Zur direkten Frequenzeingabe kann zunächst das Display mit X] gelöscht werden, die Frequenz kann mit den Zifferntasten eingegeben werden, auf Druck auf die Taste mit den drei Wellenlinien und Pfeil wird die Abstimmung mit dem VFO ausgehend von der eingestellten Frequenz ein- (Taste leuchtet) resp. ausgeschaltet (Taste dunkel).

Zum normalen AM-Empfang wird das Gerät mit dem Netz und einer Antenne verbunden und der NF-Verteilschalter in Position TFA auf "Internen Lautsprecher" gebracht. Der Betriebsartenumschalter soll auf A3 stehen, der Bandbreitenschalter (oben, gleich daneben) auf +/- 3000 Hz, der HF-Verstärkungsregler auf "T lang". Mit den Zifferntasten oder der Hauptabstimmung wird auf 6.075 MHz abgestimmt und das nun hoffentlich hörbare Signal der Deutschen Welle mit dem Lautstärkeregler (Dreicke mit Pfeil und zwei Wellenlinien) auf angenehme Lautstärke gebracht. In Stellung UZF zeigt das Instrument den Signalpegel an.

Ein Problem des Empfängers ist die entsprechend dem professionellen Einsatzzweck mit Symbolen etwas exotisch beschriftete Frontplatte, welche manch einen vor Probleme mit der Bedienung stellt. Ungewohnt ist auch, dass beispielsweise nicht in allen Betriebsarten alle Filter schaltbar sind, dass beim SSB-Empfang das obere Seitenband im Lautsprecher ertönt und zum Empfang des unteren Seitenbands der NF-Kanal umgeschaltet werden muss, die ungewohnte Bedienung der direkten Frequenzeingabe, der HF-Verstärkungsregelung (nicht einfach MGC / AGC slow / AGC fast), etc.
Sind alle diese Hürden gemeistert (man sollte sich solch ein Profigerät nicht als ersten Empfänger gleich nach einem einfachen Reiseradio zulegen), ergeben sich am EKD 300 hervorragende Empfangsresultate bei hoher Frequenzgenauigkeit und Stabilität. Da macht es Spass, nach dem Signal von Radio St. Helena (gibt's nur einmal im Jahr) zu lauschen.

Noch ein Wermutstropfen bleibt: die Fertigungsqualität war offenbar teils etwas schwankend, nicht selten kommt es bei Empfängern von RFT zu Funktionsausfällen, ich habe immer wieder Probleme mit der Kontaktierung des NF-Verteilschalters gehabt und führte diese zunächst auf eine Fehlbedienung zurück, und umgekehrt... Es lohnt sich, den Empfänger vor dem Kauf kurz durchzuchecken.
Zusammenfassend kann dieser oftmals mit realistischen Preisvorstellungen angebotene Empfänger dem DXer einige Träume erfüllen - mit einem Gerät von Rohde und Schwarz oder Watkins Johnson wäre der Empfang natürlich nicht schlechter, die Preise auch gebraucht liegen oft aber in einer anderen Dimension. Und zum Preis von 250 - 300 Euro bekommt man etliche Kilogramm grundsolider Technik und einen für Profis konzipierten Empfänger.

weitere Lektüre:
d: EKD 315 - Erfahrungsbericht, wwh 5 / 1995

© Martin Boesch 20.9.2010