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RFT / VEB Funkwerk Köpenick,
VEB Kombinat Nachrichtenelektronik, Köpenick

EKD 500

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RFT / VEB Köpenick
 
EKV 10 / 15
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EKD 500
 
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überarbeitet am 20.9.2010

Ende der siebziger Jahre kam mit dem EKD 100 ein hervorragender Doppelsuper mit Frequenzeinstellung über Dekadenschalter und 1980/81 der EKD 300 mit einer digitalen Frequenzanzeige, einer Zehnertastatur zur direkten Frequenzeingabe und einem konventionellen Abstimmknopf auf den Markt resp. in die Dienststellen ostdeutscher meist militärischer Stellen. 1986 wurde dieser Empfänger vom EKD 500 der zusätzlich über Speicher- und Scanfunktionen verfügt und im Master - Slave- Betrieb fernsteuerbar ist. Diese letzten vor der deutschen Vereinigung gebauten professionellen Kommunikationsempfänger verfügen über hervorragende Empfangseigenschaften und sind auf dem Gebrauchtgerätemarkt verfügbar. Das Nachfolgegerät - der EKD 700 - kam leider kaum über das Prototypenstadium heraus, neben zwei Prototypen wurde nur eine Kleinserie von 10 Geräten gebaut. Wegen "Abwicklung" der Fertigungsstätte nach Übernahme durch die Münchner Firma Rohde & Schwarz wurde der EKD 700 nicht mehr in Serie hergestellt.

EKD 511 Grundgerät EKD 501, 14 kHz - 30 MHz; Filter 1.ZF -3 dB +/- 5 kHz, SSB- ZF-Filter +/- 0,25 - 3 kHz
EKD 512 Grundgerät EKD 502, 14 kHz - 30 MHz; Filter 1.ZF -3 dB +/- 8 kHz; SSB- ZF-Filter +/- 0,25 - 6 kHz
EKD 514 Grundgerät, 10 kHz - 30 MHz; Filter 1.ZF -3 dB +/- 5 kHz; SSB- ZF-Filter +/- 0,25 - 3 kHz
EKD 515 Grundgerät, 10kHz - 30 MHz; Filter 1.ZF -3 dB +/- 8 kHz; SSB- ZF-Filter +/- 0,25 - 6 kHz

 

Doppelsuper, ZF 70,2 MHz, 200 kHz

Digitalanzeige auf 10 Hz genau

AM, USB, LSB, CW, FAX, ISB

Empfindlichkeit 5 MHz AM, SSB < 0,5 uV

Selektivität -6 dB
150 Hz, 400 Hz, 750Hz, 1,75 kHz, 3,1 kHz, 6 kHz,
+/- 0,25 - 6 kHz SSB

RF-Gain, 99 Speicher, Scan- Betrieb, PC-Steuerung, Master /Slave- Betrieb

Der EKD - 500 ist in ein stabiles Metallgehäuse mit den Aussenmassen 54 x 19,8 (inkl Füsse) x 39,5 cm eingebaut, der Geräteeinschub kann nach Lösen von 4 Schrauben aus dem Gehäse hervorgezogen werden. Das Gesamtgerät bringt 25 kg auf die Waage und ist tropfwasserfest konstruiert. Neben dem Netzbetrieb mit 127 oder 220 V ist auch der Einsatz an einer Fahrzeugbatterie oder ein Batteriebackup bei Netzausfall möglich.

Links oben neben den Schutzbügeln / Tragegriffen findet sich der Grill des kleinen Monitor- Lautsprechers, zwei mehrpolige Buchsen stellen das Audiosignal für einen Aussenlautsprecher oder ein Tonbandgerät zur Verfügung. Der obere Drehknopf unter dem Lautsprecher dient zur Umschaltung des NF-Signals, wahlweise können beim ISB (independent sideband) - Empfang wahlweise beide Kanäle (Kanal A, USB, Kanal B, LSB) auf den Monitorlautsprecher oder den Aussenlautsprecher gegeben werden, im Normalbetrieb mit dem internen Lautsprecher muss der Schalter in Stellung 4 stehen. Gleich darunter findet sich der Lautstärkeregler. Rechts daneben liegt der RF-Gain - Regler zu Einstellung der Hochfrequenzverstärkung, oben rechts der Regler für die Tonhöhe beim CW-Empfang.

Die zehnstellige grosse gelbgrüne LED-Anzeige dient als Informationszentrum, der EKD 500 verfügt nur über wenige analoge Drehregler zur Einstellung von AF und RF - Gain, die restlichen Einstellungen müssen über die Tastatur erfolgen, über den Empfangs-Status gibt die 7-Segment- LED-Anzeige Auskunft.
Die LED EXT blinkt, wenn der EKD 500 im Slave-Betrieb auf externe Steuersignale wartet, sie leuchtet dauernd, wenn er fremdgesteuert bedient wird. Die erste zweistellige LED-Anzeige gibt über die Betriebsart und die ZF-Filterbreite Auskunft, welche Bedeutung der Nummerncode für Betriebsart und Bandbreite hat. So steht "26" für AM-Empfang mit dem 6 kHz-Filter und "43" für SSB-Empfang USB mit 3 kHz-Filter. Der Buchstabe E im nächsten Segment signalisiert den normalen Empfangsbetrieb, mit den nächsten 7 Ziffern wird die Empfangsfrequenz auf 10 Hz genau angezeigt.
Mit dem Zifferntastenblock und dem Tastenfeld unterhalb der Frequenzanzeige können eine Empfangsfrequenz direkt eingegeben, die Betriebsart und das ZF-Filter gewählt und Frequenzen abgespeichert und abgerufen werden. Die grossen Tasten haben einen langen Schaltweg, der EKD 500 kann dafür ohne Fummelei bedient werden, wie wenn man in einem Lift den Knopf für die richtige Etage drücken muss.
Zur Direkteingabe einer Frequenz muss um beispielsweise RÖI Wien auf 6155 kHz zu empfangen, die Tastensequenz F (Frequenzeingabe) 6 1 5 5 . 0 0 oder F 6 1 5 5 E (Empfang) odere F 6 1 5 5 > gedrückt werden. Die Abstimmschrittweite wird mit dF 0 . 5 0 hier bespielsweise auf 500 Hz eingestellt und kann ebenfalls frei programmiert werden. Zur Wahl der Betriebsart muss MOD und die entsprechende Ziffer aus der Code-Tabelle gedrückt werden, als für AM-Empfang (A3) die Sequenz MOD 2. Genau gleich kann mit B (Bandbreite) und einer Zifferntaste eine der ZF-Filterstellungen gewählt werden. Über die Funktion GC kann die AGC- Abfallgeschwindigkeit von rasch auf langsam, auf eine Kombination von automatischer und Handregelung umgestellt werden, die Kombination SEL O inaktiviert den elektronisch mitlaufenden Preselektor, SEL 1 aktiviert ihn wieder, so dass entsprechend der Empfangsfrequenz nur ein kleines Teilspektrum des AM-Bereichs bis 30 MHz auf den ersten Mischer gelangt.
Es können 99 Speicherplätze mit einer Frequenz, der Betriebsart und der ZF-Bandbreite belegt werden, STO 5 E oder STO 5 > speichert die aktive Einstellung auf den Speicherplatz 5 ab, mit CALL 5 > wird der Speicherinhalt aus Display geholt und mit E (Empfang) der EKD auf Empfang dieser Frequenz umgeschaltet. CALL 5 E ruft den Speicherinhalt auf und aktiviert den Empfang sofort. Mit den Tasten CALL98 und CALL99 kann auf Knopfdruck auf eine Vorzugs- resp. die Seenotfrequenz umgeschaltet werden. SCAN aktiviert verschiedene Scanmöglichkeiten, wobei die Startfrequenz im Speicherplatz 96 und die Endfrequenz im Platz 97 abgelegt sein muss. EXT aktiviert den Slave-Modus, in dem der EKD 500 fernbedient wird, EXT und EXT-FKT gleichzeitig gedrückt setzen den Empfänger in den normalen Betriebszustand zurück.

Eine Frequenz kann nicht nur mit der Tastatur eingegeben werden, der EKD 500 kann auch konventionell mit dem Abstimmknopf eingestellt werden, wie oben beschrieben, ist die Abstimmschrittweite in grossen Grenzen programmierbar. Der Drehknopf selbst ist allerdings im Originalzustand mickrig klein ausgefallen, im selben Format, wie alle anderen Drehregler des EKD 500. Oberhalb des Hauptabstimmknopfes liegt noch ein Drehregler, mit dem die Funktion der LED-Zeile umgeschaltet werden kann. Die Leuchtdiodenkette dient als S-Meter (jede LED entspricht 10 dB), als NF-Pegelmessinstrument und zur Abstimmung beim RTTY-Empfang, eine weitere LED signalisiert das Einrasten der Trägersynchronisation beim automatischen ECSS-Empfang an, auch diese Möglichkeit bietet der EKD 500.

Als professioneller Kommunikationsempfänger ist der EKD 500 für den unbeaufsichtigen fernbedienten Betrieb vorgesehen, er kann von einem PC aus über ein Modem und eine Telephonleitung oder auch als Slave von einem anderen EKD 500 aus in allen Funktionen ferngesteuert und abgefragt werden, die Speicherinhalte lassen sich per Fernsteuerung ändern oder von einem Empfänger auf einen andern übertragen. Die Programmierung ist im Handbuch ausführlich dokumentiert. Eine weitere Errungenschaft der Mikroprozessorsteuerung ist die eingebaute Selbsttestfunktion, auf Tastendruck EXT und EXT-FCT wird ein Selbsttest durchgeführt, leuchtet als Quittung AA und nach Loslassen der Tasten AO auf, je nach Fehlermeldungen können weitere Tests zur Beurteilung der Funktionen einzelner Baugruppen durchgeführt werden.

Das Hochfrequenzsignal gelangt nach einer Eingangsschutzlampe auf den elektronisch umgeschalteten Preselektor mit seinen Suboktavbandpässen, zum Scanbetrieb kann der Preselektor inaktiviert werden. In einem rauscharmen Ringmischer wird das Empfangssignal auf die hochliegende erste Zwischenfrequenz von 70,2 MHz umgesetzt. Nach einem sechspoligen monolithischen Quartzfilter wird das Signal in einem aktiven Gegentaktmischer auf die zweite ZF von 200 kHz umgesetzt. Diese Frequenz wird nach Passieren der ZF-Filterbank mit den steilflankigen mechnischen Filtern höchster Güte im AM-Betrieb dem Hüllkurvendemodulator und im SSB-Betrieb dem Produktdetektor zur Demodulation zugeführt. Zum ECSS-Empfang und zum SSB-Empfang mit Trägerestauswertung wird ein schwacher Restträger dazu eingesetzt, den im Empfänger generierten Hilfsträger optimal zur Seitenbandinformation zu synchronisieren. Mit dem EKD 500 ist ISB- Empfang möglich, bei diesem Verfahren mit zwei Telephoniesignalen mit unterschiedlichem Inhalt und gemeinsamem Träger wird das eine Programm auf Kanal A und das zweite auf Kanal B umschaltbar hörbar gemacht.

Im praktischen Einsatz begeistert der EKD 500 durch seine hohe Empfindlichkeit, die hervorragenden mechanischen ZF-Filter und die Grossignalfestigkeit dank der elektronisch mitlaufenden Vorselektion mit kleinen (Suboktav) Bandabschnitten. Da der Ton über den Monitorlautsprecher ungenügend ist, empfiehlt sich der Einsatz eines externen Lautsprechers, am besten gleich kombiniert mit einem Klangregler / Equalizer und allenfalls einem NF- Notchfilter. Die Bedienung ist mit den Tastenkombinationen und aufgrund der Tatsache, dass die Betriebsarten nur mit Nummerncodes und nicht im Klartext angezeigt werden, gewöhnungsbedürftig. Hat man das Konzept allerdings einmal intus, steuert sich der Empfänger fast von selbst, und die Umsetzung der kryptischen Betriebsarten/ Bandbreiten- Codes erfolgt beinahe im Unterbewusstsein... Die Empfangsleistungen sind im ECSS- AM-Betrieb wie vor allem in SSB hervorragend, aufgrund der kleinen Abstimmschritte und der felsenfesten Frequenzstabilität, zu der der temperaturstabilisierte Oszillator beiträgt, ist der EKD 500 auch allen Sonderbetriebsarten wie RTTY und Fax-Empfang gewachsen. Den grössten Eindruck hat der EKD bei mir beim Empfang von Radio St. Helena hinterlassen, als ich bei sehr schwachem Signal mit dem NRD-535 nur Sprachfetzen empfangen und knapp die englische Sendesprache identifzieren konnte, der EKD brachte an gleicher Antenne das Programm und sogar die Telephongespräche klar verständlich über den Teich.

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© Martin Bösch