Allgemeines
Der Siemens RK 661 ist ein neuer Weltempfänger, der
zwar schon auf der Berliner Funkausstellung im Herbst
1989 vorgestellt wurde, aber erst Anfang 1990 im Handel
erhältlich sein wird. Das anthrazitfarbene und mit
goldener Beschriftung versehene Gerät ist etwas kleiner
als ein WRTH (196 x 125 x 36 mm), wiegt 620 Gramm und
kostet DM 398,-. Zum Lieferumfang gehören Schutztasche,
Stereo-Ohrhörer und eine Bedienungsanleitung, die
allerdings weder Schaltplan noch sonstige technische
Daten enthält. Ein Netzteil wird nicht mitgeliefert. Der
RK 661 empfängt in der FTZ-Version (ZZFNr. Z G609 126WS)
den Bereich 155 kHz bis 30 MHz lückenlos sowie UKW 87,5
bis 108 MHz. Die Stromversorgung erfolgt durch vier
Mignonzellen. Weitere zwei Mignonzellen sind zur
Pufferung von Uhr und Speichern erforderlich.
Ausstattung und Bedienung
Die Ausstattung des Gerätes liegt auf mittlerweile
fast üblichem - hohen Niveau. Die Frequenzwahl kann
durch Up/Down-Tasten, Suchlauf, Handabstimmung oder
direkte Eingabe erfolgen. Bei manueller Abstimmung können
zwei Abstimmschritte (slow/fast) geschaltet werden. Im
einzelnen stehen folgende Abstimmraster zur Verfügung:
Manuelle Abstimmung
| |
Suchlauf |
fast |
slow |
| UKW |
50 kHz |
100 kHz |
50 kHz |
| Langwelle |
9 kHz |
9 kHz |
1 kHz |
| Mittelwelle |
9/10 kHz |
9/10 kHz |
1 kHz |
| Kurzwelle |
5 kHz |
5 kHz |
1 kHz |
Für Mittelwelle ist noch
ein separater Schalter vorhanden, mit dem sich das
Mittelwellenraster von 10 kHz (Amerika) auf 9 kHz (Rest
der Welt) von außen umschalten läßt. Das bedeutet, daß
dazu die Stützbatterien nicht entfernt werden müssen
und somit der Speicherinhalt erhalten bleibt. Der
Abstimmknopf ist sehr leichtgängig und rastet nicht. Er
läßt sich sehr gut bedienen. Das gleiche gilt für die
Up/Down-Tasten. Sie sind groß genug und haben einen
guten Druckpunkt. Die Tasten der Frequenztastatur sind
allerdings etwas zu schmal geraten und die Taste 5 ist
leider nicht markiert (wichtig für Sehbehinderte). Die
einzelnen Frequenzbereiche können durch die Tasten FM (87,5
-108 MHz, Stereo über Kopfhörer), LW (155 - 519 kHz),
MW (520 -1620 kHz) und SW (1621 - 29999 kHz) direkt
aufgerufen werden. Die einzelnen Rundfunkbänder (120 m -
11 m, einschliesslich dem neuen 22 m Band) können
ebenfalls durch Tasten angewählt werden. Diese Art der
Frequenzwahl dient in erster Linie zur Festlegung des
Suchlaufbereiches.
Für die Wellenbereiche UKW, MW und LW stehen je neun
Speicher zur Verfügung, für KW sind es 18. Die
Kurzwellenspeicher sind ab Werk bereits mit den
Frequenzen von einigen deutschen und internationalen
Sendern programmiert. Diese Speicherbelegung ist in einer
kleinen Tabelle auf der Rückseite des Gerätes
aufgedruckt.
Diese vorprogrammierten Speicher sind in erster Linie als
Starthilfe für den Newcomer gedacht und können, im
Gegensatz zum Satellit 500, jederzeit verändert werden.
Das LC-Display ist sehr gut abzulesen, wenn das Gerät in
Schräglage aufgestellt ist. Außer der Frequenz werden
Uhrzeit, Feldstärke (7 Segment), Speichernummer, Bereich
(zum Beispiel SW), Meterband (zum Beispiel 49 m), Sleep-Funktion
(Bett), Lock (Schlüssel) und Stereo (Kopfhörer)
angezeigt.
Der RK661 besitzt zwei Uhren (zum Beispiel für MEZ und
UTC), die sich auch als Timer einsetzen lassen. Zusätzlich
zur Abschaltautomatik (Sleep-Funktion) und zum
Einschalten des Radioteils besteht noch die Möglichkeit,
sich durch einen Weckton wecken zu lassen.
Das Gerät besitzt folgende Anschlußmöglichkeiten:
externes 6 Volt-Netzteil (Plus auf Außenleiter), Kopfhörer
(3,5 mm Klinke Stereo), AM Außenantenne (3,5 mm Klinke).
Ein Aufnahmeausgang ist nicht vorhanden. Ebenso fehlt ein
Griff oder eine Trageschlaufe, sowie eine Beleuchtung für
das Display. SSB-Signale können nicht demoduliert werden.
Die Stromaufnahme beträgt bei Betrieb über den
eingebauten Lautsprecher bei mittlerer Lautstärke etwa
75 mA, bei Kopfhörerbetrieb UKW-Stereo ca. 90 mA Ein
Akkusatz mit einer Kapazität von 500 mAh reicht demnach
ungefähr für 6,5 bzw. 5,5 Stunden Spielzeit. Zur
Pufferung der Speicher bei ausgeschaltetem Gerät werden
etwa 0,3 mA benötigt.
Empfangseigenschaften
Nach dem Einschalten fällt als erstes auf, daß die
meisten Funktionen durch ein relativ lautes BEEP
quittiert werden. Dieser Ton nervt auf die Dauer. Leider
läßt er sich weder abschalten noch in der Lautstärke
regeln. Bei den ersten Empfangsversuchen tagsüber macht
man zunächst fast nur positive Erfahrungen. Das Gerät
ist sehr ruhig, das heisst auf freien Frequenzen ist
wirklich nichts zu hören. Erst wenn die Lautstärke voll
aufgedreht wird, hört man ein leises Rauschen. Es treten
keine Störungen durch den eingebauten Mikroprozessor auf.
Die Sprachverständlichkeit ist hervorragend, auch bei
schwachen oder gestörten Stationen. Der eingebaute
Lautsprecher ist optimal für Sprachwiedergabe ausgelegt.
Nur extrem starke Sender klingen etwas übersteuert, was
sich durch Einschalten des Abschwächers vermeiden läßt.
Das alles deutet darauf hin, daß das Gerät keine
automatische Verstärkungsregelung besitzt, was aber
nicht unbedingt ein Nachteil sein muß. Es können zwei
Bandbreiten geschaltet werden, wovon die schmalere zwei
etwa gleich starke Sender im 5 kHz-Raster trennt. Die
breite kann nur benutzt werden, wenn beide Nachbarkanäle
frei sind. Bei Störungen von einem Nachbarkanal kann man
sehr gut zur anderen Seite verstimmen, ohne daß sich die
Verständlichkeit wesentlich verschlechtert. Die
Richtwirkung der Ferritantenne ist sehr ausgeprägt. Bei
LW/MW-Empfang sollte die Teleskopantenne eingeschoben
werden, da sie auch bei diesen Bereichen in Betrieb ist
und wesentlich mehr Störungen aus dem Haus aufnimmt, als
die Ferritantenne. Für Langwelle ist noch das alte
Raster (155, 164,...) programmiert. Das S-Meter arbeitet
zufriedenstellend. Es zeigt zwar auch schon bei relativ
schwachen Stationen 5 an, geht aber erst bei starken auf
6 bzw. 7. Der Klangschalter (High/Low) hat auf den AM-Bereichen
im Gegensatz zu UKW kaum eine Wirkung. Was auf Kurzwelle
ein Vorteil ist, ist für UKW von Nachteil: hier klingt
der Lautsprecher ziemlich dünn und blechern. Die
Wiedergabe ist mit Kopfhörer deutlich besser. In den
Abendstunden schlägt die Freude am RK661 allerdings
ziemlich schnell in Frust um. In den jetzt stärker
belegten Bändern ist es kaum noch möglich, Störungen
durch Verstimmen zu entgehen. Das Großsignalverhalten
reicht bei Netzbetrieb mit der eingebauten
Teleskopantenne nur knapp aus. Abends kommt es
gelegentlich zu Übersteuerungen. Bei Batteriebetrieb
tritt das Problem nicht so schwerwiegend auf, allerdings
ist dann auch die Empfindlichkeit wesentlich geringer.
Bei Anschluß einer Außenantenne (10 Meter Draht) war
das Gerät hoffnungslos übersteuert. Nach Einschalten
des Abschwächers waren die Übersteuerungen zwar
verschwunden, aber der Empfang ist dann schlechter als
mit Teleskopantenne. Die Spiegelfrequenzdämpfung ist
miserabel. Abends ist der obere Teil des 60 m Bandes voll
mit Spiegeln aus dem 49 m Band. Das gleiche gilt für den
Bereich oberhalb von 6200 kHz, wo viele Stationen aus dem
41 m Band zu hören sind. Dadurch erfahrt man immerhin,
was nicht in den technischen Daten steht- es handelt sich
hier wohl um einen Einfachsuper mit einer ZF von 450 kHz
Um die Empfangsleistungen
des RK661 besser einschätzen zu können, wurde er mit
dem Panasonic RF-B60 und dem Grundig Satellit 500
verglichen. Bei den Vergleichen wurden alle Geräte am
Netz betrieben, um Verfälschungen durch einen
unterschiedlichen Batteriezustand zu vermeiden. Die
Empfindlichkeit des Siemens entspricht auf den AM-Bereichen
ziemlich genau der des Satellit. Der Panasonic ist ein
wenig empfindlicher
Testfall 1
Atlantic 252 auf 254 kHz tagsüber - Beim Satellit ist
auf dieser Frequenz durch eigenerzeugte Störungen (Brumm)
nichts zu hören. Der Panasonic bringt die Station,
allerdings mit Störungen durch Algerien auf der gleichen
Frequenz. Mit dem Siemens läßt sich der Algerier sehr
gut ausblenden, Atlantic 252 ist störungsfrei zu hören.
Testfall 2
Mali auf 4835 kHz abends - Beim Panasonic ist die
Station mit starken Utilitystörungen zu hören, beim
Siemens sind die Interferenzen etwas geringer. Der
Satellit bringt die Station nahezu störungsfrei, bei
allerdings etwas schlechterer Verständlichkeit (dumpf).
Testfall 3
King of Hope auf 6280 kHz abends - Beim Satellit ist
hin und wieder mal ein Wort zu verstehen. Ansonsten hört
man ein Brodeln und Pfeifen. Der Siemens bringt einen
Spiegel aus dem 41 m Band. Mit dem Panasonic ist die
Station mit leichten Utility-Störungen aber klar verständlich
zu hören.
Testfall 4
BBC Seychellen auf 17885 kHz mittags (Extrem starkes
Signal von Radiostantsiya Atlantika auf 17880 kHz) Auf
Panasonic und Satellit von BBC keine Spur, nur Gespratze
vom Nachbarkanal. Beim Siemens ist BBC zu ahnen, hin und
wieder sind einzelne Worte zu verstehen.
Dies sind einige Beispiele,
die zeigen sollen, daß es in diesem Vergleich keinen
eindeutigen Sieger gibt. In vielen Situationen brachte
der Siemens ein erstaunlich gutes Empfangsergebnis.