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ATS 818 / Siemens RK - 665 / 765 Testbericht: © addx kurier 18 / 1996

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überarbeitet am 18.9.2010

Doppelsuper, 1.ZF 49,995 MHz, 2. ZF 450 kHz

Digitalanzeige, 10 Hz

AM, SSB (BFO), FM (UKW)

UKW, LW, MW, KW 150 kHz - 30 MHz

Selektivität -6 dB/ -60 dB

Sensitivität

Filter narrow/wide, RF Gain

Keypad, Uhr, Timer

Im Juni 1995 kaufte ich bei einem Fachhändler in Kiel nach längerer Überlegung ein Gerät der Firma Siemens. Ausschlaggebend war unter anderem der deutsche Hersteller und daher die Vermutung, daß ich im eventuellen Reparaturfall einen schnellen und zuverlässigen Service in Anspruch nehmen könnte. Ich sollte ein blaues Wunder erleben...
Natürlich wurde das Gerät zu Hause sofort ausgepackt und nach einer flüchtigen Lektüre der übrigens sehr guten Bedienungsanleitung in Betrieb genommen. Die Bedienungselemente sind gut durchdacht, die Bedienung des Gerätes ist daher schnell zu erlernen.

Dann wurden die einzelnen Wellenbereiche geprüft. Als Referenzempfänger diente ein kleiner Precision 5612 mit Digitalanzeige und PLL. Erste Eindrücke: Langwelle: prima! Gute Trennschärfe, gute Empfindlichkeit und aufgrund des großen Lautsprechers und des guten NF-Teils eine gute, bei starken Sendern sogar sehr gute Wiedergabe. Mittelwelle: siehe Langwelle.
Kurzwelle, und darauf kommt es ja an: pfui! Während der kleine Referenzempfänger mir gleich einige Dutzend Sender ins Haus brachte, präsentierte mir der Siemens lediglich drei Stationen, u.a. die Deutsche Welle auf 6075 kHz in atemberaubend schlechter Qualität.
Auch der UKW-Teil hatte eine kleine Macke. Gute Empfindlichkeit, mässige Trennschärfe und sehr gute Wiedergabe - aber leider kein Stereoempfang mit dem Kopfhörer. Nach zwei Tagen vergeblicher Fehlersuche brachte ich das Gerät zum Verkäufer zurück, der mir die festgestellten Mängel prompt bestätigte. Er müsse es zum Hersteller einsenden, sagte er.
Eine Nachfrage nach zwei Wochen ergab folgendes: Fehler gefunden (HF-Stufe defekt), Ersatzteil in Taiwan angefordert, bitte noch ca. 2 Monate gedulden. Taiwan? 2 Monate warten? Nun erfuhr ich, daß der Empfänger lediglich von Siemens entwickelt wurde, aber in Taiwan von der Firma Sangean hergestellt wird. Dann hätte ich doch vielleicht gleich ein japanisches Produkt kaufen sollen?

Aber um sachlich und fair zu bleiben, der Siemens-Service beseitigte alle Fehler bereits beim ersten Versuch und überschritt die zugesagte Wartezeit nur unwesentlich. Unschön war allerdings der Kratzer auf dem Display, die dann fehlende Wurfantenne und die Tatsache, daß bei der Langwellen- Abstimmung mit den Tasten "Auto-Scan" eine um 2 kHz zu hohe Frequenz eingestellt wird. Aber speziell bei Langwelle ist das nicht so gravierend, da man diesen Mangel mit der Feinabstimmung problemlos überspielen kann, ausserdem kann man die Sender aus den Speichern (9 Memories auf Langwelle) abrufen.
Bezüglich des Kratzers und der fehlenden Antenne bekam ich vom Fachhändler Ersatz, und wegen des geringen "Restmangels" wollte ich das Gerät nicht noch einmal auf unbestimmte Zeit entbehren. Der Kieler Fachhändler hat sich im übrigen sehr hilfsbereit gezeigt, so wurde mir spontan ein Leihgerät als Ersatz angeboten. Außerdem war er einmal in Berlin beim Siemens-Service, um sich nach dem Fortgang der Reparaturarbeiten zu erkundigen.
Nun konnte ich endlich auch die Kurzwelle testen. Mein Eindruck ist, daß das Gerät bei guter Empfangssituation eine ganze Menge leistet. Die Wiedergabe stärkerer Sender (DW, VoA, BBC, RÖI und Radio Norway, um nur einige zu nennen) ist mit sehr gut zu bezeichnen, wobei man allerdings den Tonregler und den Regler "RFGain" relativ weit aufdrehen sollte. Der HF-Abschwächungsregler ist übrigens nur im Kurzwellenbereich von 1711 bis 29995 kHz aktiv und nur bei stärkeren Stationen, die deutlich durch schwächere Sender gestört werden, sinnvoll einzusetzen.
Die Trennschärfe ist bereits in der Schalterstellung "AM wide" recht ordentlich, die Umschaltung auf "AM narrow" bringt nur selten eine deutliche Trennverbesserung. Allerdings leidet die Wiedergabe spürbar.
Bei Trennschärfeproblemen ist es oft besser, sich in Richtung des ungestörten Seitenbandes "abzusetzen", was bei LW, MW und KW in 1-kHz-Schritten möglich ist. Die Teleskopantenne bringt bei schwächeren Sendern nur mässige Ergebnisse, hier kann die mitgelieferte Wurfantenne oft eine deutliche Verbesserung bewirken. Hierzu eine Frage an die Leser: Hat jemand Erfahrung mit dem Einsatz einer Aktivantenne (z.B. AN-1 von Sony oder FRA-7700 von Yaesu) an diesem Gerät? Über Zuschriften würde ich mich sehr freuen. Zum SSB-Empfang läßt sich sagen, daß stärkere Sender wie z.B. Norddeich Radio auf 2614 kHz recht gut wiedergegeben werden, wobei die Einstellung mit dem BFO doch ein erhebliches Fingerspitzengefühl erfordert. Sonst pfeift es lustig, oder Donald Duck spricht zu uns...

Nach den Anfangsproblemen bin ich mittlerweile mit dem Gerät sehr zufrieden. Es übertrifft die Empfangsergebnisse meiner sonstigen Kofferradios auf Kurzwelle im erwarteten Umfang und ist auch auf den anderen Wellenbereichen "zu Hause". Zu seinen Stärken gehören ohne Frage die einfache und logische Bedienung und die wirklich gute Wiedergabe.
Das ansonsten gute Display mit dem recht brauchbaren S-Meter (7-stufig) und allen nötigen Anzeigen (Frequenz, Wellenbereich, bei KW Angabe des Meterbandes, Uhrzeit und sonstige Betriebszustände) leistet sich leider eine Schwäche. Mit dem Blickwinkel von schräg oben läßt es sich aufgrund fehlenden Kontrastes schlecht ablesen. Abhilfe kann man nur dann schaffen, wenn man das Display von schräg unten beleuchtet oder besser, wenn man es gleich geneigt aufstellt. Diesen Mangel kann auch die Hintergrundbeleuchtung nicht beseitigen. Sie schaltet sich übrigens nach knapp 15 Sekunden wieder ab, egal, ob man möchte oder nicht.

Als Fazit läßt sich feststellen, daß der Siemens RK 765 trotz einiger kleiner Schwächen ein ordentliches Gerät ist. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt auf jeden Fall. Heute würde ich allerdings dem Siemens RK 770 (entspricht dem RK 765, hat aber zusätzlich ein Cassettenteil) den Vorzug geben.

Karl Thomas Oberem, Neuenbrooker Weg 11, 24250 Warnau, Tel.: 04302-9172

© kurier 18 / 1996