Das uns zur Verfügung gestellte Testgerät
war in schlechtem Zustand. Da es nicht Aufgabe des
Testers sein kann, ein Gerät zunächst abzugleichen
und durchzumessen, haben wir den Test ohne Eingriff in den
Empfänger durchgeführt. Viele der hier angeführten
negativen Beurteilungen - das muß der Fairness halber
gesagt werden - würden bei einem Gerät in guter
Serienqualität hinfällig werden.
Allgemeine Beschreibung
Das Gehäuse - 48 cm Breite - mit schwarzem
Kunststoff- Korpus und mattgrauer Frontplatte ist stark
auf optische Wirkung ausgelegt: so sind etwa die beiden
Seitenbügel funktionslos. Kippbarer Tragegriff.
Standfüßchen mit Rändelrad höhenverstellbar. Drei
Antennen: Teleskop für UKW, Teleskop (1,20 m) für KW,
drehbare Ferritantenne auf Skalenscheibe mit 2 x 90 Grad
Einteilung.
Über dem Lautsprecher - gut abgesetzt - der
Hauptschalter und der Skalenschalter (für
Batteriebetrieb). Unter dem Lautsprecher zwei
Klinkenbuchsen für Zweitlautsprecher und Kopfhörer. An
die Lautsprecherbuchse kann auch ein Ohrhörer
angeschlossen werden.
Die Hauptgruppe der Armaturen ist beim VFO angeordnet:
zwei Skalentriebe, zwei Bandwählschalter und ein
Wechselschalter, der die linke (UKW, LW, MW, Marineband)
oder rechte (5 x KW) Gruppe aktiviert. Die jeweils
eingestellte Skala wird durch eine rote Leuchtdiode
angezeigt.
Links von dieser Hauptgruppe: Kippschalter für AFC,
Kippschalter für S-Meter oder Batteriespannung-Anzeige,
NF-Regelung und zwei Schieberegler für Bässe und
Höhen.
Rechts von dieser Hauptgruppe: Eichmarkengeber,
Antennentrimmer, RF-Regelung, Kippschalter für BFO,
Kippschalter für Bandbreite, Tonhöhenregelung für BFO.
An der linken Gehäuseseite Netzstecker (Gerät arbeitet
auf Batterie nur, wenn der Netzstecker am Gehäuse
abgezogen ist; nicht, wenn der Netzstecker vom Netz
abgezogen wird) und 12 V-Anschluß.
Auf der Gehäuserückseite Batteriefach (8 x 1.5 V), Fach
für Netzstecker, DIN-Buchse für Diodenausgang,
Schiebeschalter für Wiedergabefunktion, zwei versenkte
Buchsen für FM- und LW / MW / KW- Außenantenne (sehr
unglückliche Wahl der Buchsen; mit keinem anderen Gerät
kompatibel; auf dem Gehäuse wäre aber Platz für
selbstangefertigte Modifikation).
Technische Beschreibung
An einem Weltempfänger interessiert vor allem
der HF-Teil des Kurzwellenbereichs. Der Sanyo RP 8880 ist
ein Vorstufen- Doppelsuper mit einer ersten
Zwischenfrequenz bei 10.7 MHz und der zweiten ZF bei 455
kHz. Durch die Mitverwendung der UKW-Zwischenfrequenz
(10.7 MHz) läßt sich so ein Doppelsuper billiger bauen.
Die beiden Oszillatoren sind ohne großen Aufwand
ausgeführt. Während der erste Mischer noch mit einem
Dual-Gate FET ausgerüstet ist, wendet man beim 2.
Mischer nur mehr additive Mischung mit einem
gewöhnlichen FET an. Die Bandspreizung wird durch einen
Drehkondensator am 2. Oszillator bewirkt.
Die gewählte Unterteilung der Kurzwellenbänder
erfordert ein schaltbares Plattenpaket am Eingangskreis.
Bemerkenswert ist ein 30 MHz- Tiefpaß nach dem
Außenantennenanschluß. Die Stabantenne ist nicht über
diesen Tiefpaß geführt.
Nach dem Eichmarken- Schalter gelangt das Signal an eine
aperiodische Vorstufe mit einer Antennenanpassungsspule.
Ein FET als Verstärker in diesem Kreis vermindert
Kreuzmodulationen. Nach dem 1. Mischer und einem
LC-Filter folgt eine aktive ZF-Stufe mit nachfolgendem
Doppel- Keramik-Filter. Danach geht es durch den 2.
Mischer zur 2. ZF. Hier erfolgt die
Bandbreitenumschaltung durch Einschleifen zweier weiterer
455 kHz- Keramikfilter. Für SSB folgt nun die Umleitung
zum BFO. Hier hat man wieder, sehr sauber, einen
Ring-Modulator aufgebaut. Die Güte dieser Art von
Mischer hängt sehr von der Übereinstimmung der
Diodenkennlinien ab.
Pitch-Control wird durch eine Vario-Diode erreicht. Eine
gute Temperaturstabilität kann man so aber nicht
erhalten. Vom Demodulator- Ausgang wird in
Standardausführung die Regelspannung gewonnen. Die
RF-Gain- Control ist hier auf einen Regelwiderstand und
einen Elko reduziert. Die Regelung erstreckt sich auf
alle Stufen einschließlich der Vorstufe.
Die Eichmarken für 0.01 MHz, 0.1 MHz und 1 MHz werden
von einem 4 MHz-Quarz abgeleitet. Als Teiler und
Oszillator wird ein IC mit nachfolgendem Tiefpaß
eingesetzt. Die Bereiche LW, MW und Marineband sind als
Einfachsuper mit Vorstufe ausgeführt.
Betriebsergebnisse
Das S-Meter ist nicht geeicht, nicht einmal in
S-Stufen geteilt (Skala von 1 - 10). Für UKW ist der
Empfänger dank des groß dimensionierten Lautsprechers
und der wirksamen Klangregelung hervorragend geeignet.
Die AFC war beim Testgerät nicht voll wirksam; die
Empfindlichkeit wurde nicht gemessen, da das Gerät nicht
exakt abgeglichen war.
Der LW-Bereich erstreckt sich von 150 - 400 kHz. Die
eingebaute Ferritantenne, obwohl nur Behelf, ist gut
angepaßt. Die Skaleneinteilung ist ungenügend, doch
kann mit dem Eichmarkengeber exakter eingestellt werden.
Der MW- Bereich umfaßt 530 - 1600 kHz. Hier hat uns die
Ferritantenne nicht überzeugt - so war es etwa nicht
möglich, R Warschau und R Beograd 202 auf 1.503 MHz
befriedigend zu trennen. Im unteren Bereich spricht die
Ferritantenne besser an als im oberen. Der Anschluß
einer Außenantenne ist möglich, doch muß bei
Bandwechsel umgesteckt werden (keine eigene LW-MW-
Buchse). Beim Anschluß einer Rahmenantenne wirkt sich
die eingebaute Peilantenne wiederholt negativ aus
(Ferritantenne nicht abschaltbar - könnte modifiziert
werden). Im Marineband- Bereich wurden überraschend
keine Spiegelfrequenz- Signale festgestellt. Die
ungenügende Skalenmarkierung macht es schwer, die meist
auf "krummen" Frequenzen arbeitenden Stationen
zweifelsfrei einzustellen. Der Eichpunktgeber ist hier zu
umständlich.
Der KW-Bereich ist in fünf Bänder unterteilt und
erfaßt den Bereich 2.3 bis 30 MHz (2.3 - 5.95 / 5.95 -
6.2 / 6.2 - 10.0 / 11.7 - 20.0 /20.0 - 30.0). Zwischen 10
und 11.7 MHz findet man die übliche ZF-Lücke. Bei der
Bandeinteilung fällt auf, daß das 49 m-Band über die
volle Skala gespreizt ist, während für die anderen Bänder
die recht bescheidene Bandspreizung ausreichen muß.
Diesen Vorteil erkauft man mit dem Nachteil, auf dem 49
m-Band die Skala anders lesen zu müssen.
Die Frequenzabstimmung ist bei diesem Gerät recht
eigenwillig und äußerst unglücklich gewählt worden.
Man hat sich weder für eine Digitalanzeige noch für
eine konventionelle Analoganzeige entschieden, sondern
VFO und Eichmarkengeber kombiniert.
Eine Frequenz wird wie folgt abgestimmt: Man stellt Band
Spread (großer Drehknopf in Gehäusemitte) auf Null,
wählt auf der Hauptskala den der gewünschten Frequenz
nächstliegenden unteren 100 kHz-Punkt, schaltet den
Eichmarkengeber zu, stimmt auf Schwebungsnull ab,
kalibriert manuell durch Verschieben der Skalenstriche
die Haupt- und Nebenskala und kann nun einen Bereich von
-30 kHz und +1130 kHz analog abstimmen, wobei
Hauptstriche alle 10 und Nebenstriche alle 5 und 1 kHz
angebracht sind. Ein 10 kHz- Eichmarkengeber ermöglicht
die zusätzliche Kontrolle bzw. Abstimmung auf
Schwebungsnull.
An die relativ komplizierte Abstimmung könnte man sich
gewöhnen. Es gelingt auch mühelos, eine gewünschte
Station einzustellen. Der wesentliche Nachteil ist, daß
man beim Drehen übers Band und beim Versuch, eine
zufällig eingestellte Station zu definieren, von allen
Hilfsmitteln verlassen ist.
In den höheren Bereichen ist zudem die Hauptskala schon
so eng, daß der 1 MHz-Schritt fast größer ist als das
tote Spiel des Abstimmknopfes, und das Abstimmen auf
Schwebungsnull beim nächsten 100 kHz-Punkt - mangels
jeglicher Bandspreizung - ein Glücksfall wird. Bei
unserem Testgerät konnte überhaupt nicht abgestimmt
werden, da der Eichmarkengeber nur ganz leise Signale
gab, die meist von durchschlagenden Sendern übertönt
wurden, und während des gesamten Abstimmvorgangs eine
Nebenschwingung unangenehmes Pfeifen verursachte.
Die Bandbreitenumschaltung konnten wir ebenfalls nicht
auf ihre Wirksamkeit prüfen, da bei der Umschaltung von
Wide auf Narrow der VFO um 3 bis 4 kHz verstimmt werden
mußte.
Der BFO läßt sich - vor allem, wenn man die RF etwas
zurücknimmt - feinfühlig regeln. Hier kann man durch
wechselweise Abstimmung mit dem VFO und der "Pitch
Control" mit etwas Geduld sauber abstimmen. Auch
AM-Stationen können auf diese Weise mit geringerer
Bandbreite gehört werden. Empfindlichkeit und
Trennschärfe reichen für gelegentliches Beobachten der
Amateurfunk- Bänder gerade noch aus; wer sich vorwiegend
auf diese Bänder konzentriert, wird ohnedies einen
dafür konzipierten Empfänger erwerben wollen.
Erschwerend ist, daß die Gebrauchsanweisung im üblichen
Japanisch-Deutsch gehalten wird: da soll man Kippschalter
"drehen", da wird Rechts und Links verwechselt,
da bezeichnet der "Bandbreitenschalter" nicht
etwa den Bandbreitenschalter, sondern die
Bandspreizung... Nach der Gebrauchsanweisung läßt sich
eine Station jedenfalls nicht abstimmen. (Daß im 49
m-Band nicht nur über eine Hauptskala, sondern auch
über eine Hilfsskala abgestimmt werden muß / kann, wird
im Handbuch überhaupt nicht erwähnt.)
Zusammenfassung
Ein repräsentativer Allbandempfänger mit
vielversprechenden Angaben im Datenblatt. Der
umständlichen Bedienung bei der Frequenzabstimmung wegen
nur mit Einschränkung zu empfehlen. adxb-oe
Sanyo RP 8880 Technische Daten
Hersteller Sanyo Ltd., Japan
Vertrieb Fachhandel
Gerätetyp tragbarer Stationsempfänger
Schaltungstyp Doppelsuper
Frequenzbereiche KW 1-5: 1.6-30 MHz sowie MW, LW, UKW
Frequenzanzeige analog
Ablesegenauigkeit +/- 10 kHz
Besonderheiten gespreiztes 49 m-Band, Eichmarkengeber 100
und 1000 kHz
HF-Teil
Empfindlichkeit 3,1 uV (6 dB S/N)
Trennschärfe (kHz) -6 dB / -60 dB
schmal 6,0 / 15,0; breit 7,0 / 18,0 kHz
Spiegelfrequenzsicherheit besser als 65 dB
Abstimminstrument vorhanden
Antennen 2 Teleskopantennen, drehbare Ferritantenne
Antennenanschlüsse vorhanden, Innenantennen nicht
abschaltbar
NF-Teil
Leistung, Sinus 3.0 Watt, 10% THD
Tonblende Höhen, Tiefen
Lautsprecher 4 Ohm, 12 cm Durchmesser
Anschlüsse Ohrhörer, Lautsprecher
Stromversorgung Netz 110/220 Volt umschaltbar, Batterie
acht Monozellen
Masse 48 x 24 x 15 BHT in cm; Gewicht 4,5 kg ohne
Batterien
FTZ-Nummer vorhanden
Preis DM 900,-