Dieser auf der HI-FI 78 in Düsseldorf
vorgestellte Weltempfänger gehört zusammen mit dem ICF
6800 zu der von Sony neu herausgebrachten Serie
anspruchsvoller Mehrbandempfänger. Das Gerät
präsentiert sich im wieder beliebt werdenden
Quaderformat; Aussehen und Konstruktion orientieren sich
an Stationsempfängern der oberen Preisklassen.
Bemerkenswert an diesem Gerät sind der abstimmbare
Preselector und die in allen Bereichen arbeitende
fünfstellige Digitalanzeige. Mit nur drei
Bandaufteilungen wird fast lückenlos der Bereich von
1.530 - 30.150 MHz überstrichen. Der 1979 dazugekommene
ICF 6700 L hat außerdem noch den LW-Bereich. Der ICF
6700 W ist ein tragbares Gerät für Netz- und
Batteriebetrieb. Empfangsbereiche sind: UKW, KW und MW.
Auf KW arbeitet das Gerät als Doppelsuper mit quarzstabilisierter
2. ZF. Weitere schaltungstechnische Besonderheiten:
Eingangsstufe mit Dual-Gate MOSFETs und einem
abstimmbaren, geregelten Preselector; Keramikfilter,
Bandbreitenumschaltung, BFO und manuelle HFEinstellung.
Anschlußmöglichkeiten für Kopfhörer, Ohrhörer,
Tonbandaufnahme, Zeitschaltuhr und Stereoadapter zeigen
die Vieiseitigkeit der Konzeption auf. Der Verkaufspreis
des Empfängers ist ca. DM 1.000.-
Das Gerät
Der Abstimmknopf hat ideale Größe und läßt
sich, da ganz rechts unten montiert, über längere Zeit
ermüdungsfrei handhaben. Die Abstimmung ist sehr hoch
untersetzt; dadurch ist gute Feinabstimmung möglich. Die
Abstimmanzeigen sind blendfrei beleuchtbar und die
Ablesbarkeit ist gut. Alle Schaltervermitteln ein
solides, positives Gefühl - ein Effekt, der besonders
bei guten Geräten aus Japan mehrfach festgestellt wurde.
Hier wird bei Geräten aus deutscher Produktion oft viel
an gutem Gesamteindruck verschenkt.
Das Batteriefach ist sehr gut zugänglich,
Batteriewechsel ist möglich ohne das Gerät zu bewegen.
Antennen müssen nicht abgeklemmt werden, da das
Batteriefach unter dem oberen Gehäusedeckel liegt. Die
vorderen Gerätefüße sind höhenverstellbar (22 mm);
die dadurch erreichbare leichte Schräglage ergibt bei
normalem Bedienungsabstand und normaler Tischhöhe genau
den richtigen Blickwinkel auf die Gerätefront. Eine
interessante Lösung des alten Problems mit der
Skalenbeleuchtung ist hier realisiert worden: Bei
Batteriebetrieb wird die Beleuchtung durch einmaligen
Knopfdruck für ca. 20 sec eingeschaltet und geht dann
automatisch aus. Allgemein macht die Verarbeitung des
Gerätes einen guten bis sehr guten Eindruck. Die Weltzeitkarte
aut dem oberen Gehäusedeckel läßt sich in
aufgeklappter Stellung arretieren. Für ein
Stationsgerät ist die Formgebung gut; die seitlich fest
angebrachten Griffe verhindern jedoch ein sicheres
Abstellen des Gerätes auf eine der Schmalseiten beim
Transport. Die Größe des Gehäuses macht die Verwendung
des mitgelieferten Tragebandes problematisch.
Den eingebauten Antennen läßt sich mittels Klemmtasten
eine Langdrahtantenne zuschalten. Die 122 cm lange
Stabantenne mit Dreh-/ Knickgelenk ist jedoch für
normale Empfangsverhältnisse völlig ausreichend. Die
Frontplatte des Empfängers ist klar gegliedert und die
Funktionen der jeweiligen Einsteller und Regler sind klar
beschriftet.
Betriebsergebnisse
Die verwertbare Empfindlichkeit der Schaltung
ist gut, läßt aber zum oberen Bereichsende hin etwas
nach. Der Preselector ist bis 20 MHz sehr wirksam und
erlaubt somit bestmögliche Anpassung auch an
Außenantennen. Ab 20 MHz ist der Resonanzpunkt
allerdings nicht mehr so eindeutig. Die eingebaute
Stabantenne ist optimal angepaßt. Trennschärfe und
Spiegelfrequenzfestigkeit sind gut, der Aufwand des
Doppelsupers macht sich hier positiv bemerkbar. Die
Bandbreitenumschaltung muß gelobt werden. Sie ist sehr
wirksam und fischt in Stellung narrow das gewünschte
Signal sauber heraus. Größtes Problem des
Kurzwellenteils ist das Großsignalverhalten im Bereich
der Tropenbänder. Hier muß darauf geachtet werden, daß
die Eingangsstufen nicht überladen, wenn das
Antennensignal zu groß wird. Die Empfangsleistung auf MW
ist ausgezeichnet; der BC-DXer wird an diesem Gerät viel
Freude haben. Die Lang- und Kurzzeitstabilität der
Oszillatoren ist bemerkenswert gut; die einmal
eingestellte Frequenz steht und wandert nach fünf
Minuten Anwärmzeit um weniger als 300 Hz/ 12 Std. Bei Erwärmung
des Gerätes durch Sonneneinstrahlung oder
Schreibtischlampe ist die Drift immer noch gering.
Sinkende Batteriespannung - soweit noch im grünen Feld
des Meßinstrumentes angezeigt - hat keinen Einfluß auf
die Empfangsleistungen.
SSB-Sender lassen sich wegen der fehlenden getrennten
BFO-Feinabstimmung nur mit etwas Geduld sauber abstimmen.
Ist das Seitenband allerdings erst einmal
"drin", sind Stabilität und Bandbreite gut.
Die Haltezeit der AGC für den SSB-Betrieb ist gerade
richtig, bei CW sollte allerdings eine noch längere
Regelkonstante vorgesehen werden. Die Ablesung der
Frequenz wird mittels der Digitalanzeige problemlos; die
auch vorhandene Analoganzeige besitzt zu spärliche
Markierungen um von Wert zu sein.
Der Batterieverbrauch ist mäßig: sechs Monozellen
halten bei nicht dauernd eingeschalteter Digitalanzeige
gut 140 Stunden. Die NF-Ausgangsleistung ist genügend
groß und erlaubt bei sinnvoller Bedienung der
Klangeinsteller ein angenehmes Klangbild auf den
AM-Bereichen. Der Kopfhöreranschluß (große und kleine
Klinkenbuchsen) ist gut ausgelegt und der eingebaute
Lautsprecher schaltet bei Kopfhörerbetrieb ab. Die
separate Anschlußmöglichkeit für Tonaufnahme ist
begrüßenswert. Für das Gerät ist ein Stereoadapter
lieferbar, der an die Buchse MPX angeschlossen werden
soll. Über den Sinn des Zeitschaltuhranschlußes läßt
sich streiten.
Die Normbuchse für externen Batterieanchluß ist in
Verbindung mit einem Reduzieradapter 12 auf 9 Volt für
Mobilbetrieb brauchbar. Die Empfangsleistung auf UKW ist
ordentlich und ermöglicht angenehme, wenn auch nicht
klangstarke, Musikberieselung.
Wertung und Kritik
Empfangsmäßig läßtsich über dieses Gerät -
betrachtet man den Schaltungsaufwand und den Preis -
nicht viel Negatives sagen. Das Großsignalverhalten ist
allerdings kritikwürdig, obwohl durch eine der Situation
angepaßte Bedienung dieses Problem zum Teil korrigiert
werden kann. Die Aufteilung der KW-Bereiche in ca. 10 MHz
breite Bänder fördert zwar die Übersichtlichkeit des
Spektrums, macht jedoch das Wechseln von einem
Bereichsende zum anderen mühevoll. Die Untersetzung des
Abstimmknopfes besitzt nur einen Gang. Hier sollte eine
Grob-/ Feinabstimmung eingebaut werden. Die Analogskala
ist ebenfalls verbesserungswürdig. Diese Analogskala hat
nur für UKW und MW Frequenzbezeichnungen; auf KW sind
lediglich in winziger Schrift die Bereichsgrenzen
angegeben sowie die Bandbezeichnungen. Außerdem läuft
die Skala mit einer Verzögerung von einer halben
Umdrehung. Dieses Spiel tritt allerdings bei der
Digitalanzeige nicht auf. Der Hauptabstimmknopf ist zwar
hervorragend griffig und leichtgängig; man benötigt
aber 37 Umdrehungen, um einen Bereich zu durchlaufen.
Der Antennenanschluß für KW sollte als Koaxbuchse
ausgeführt werden. Für UKW ist kein externer
Antennenanschluß vorgesehen. Damit ist die
Anschlußmöglichkeit für einen Stereoadapter wohl mehr
ein Scherz - mit der Stabantenne läßt sich allenfalls
in Mono eine rauschfreie Wiedergabe erreichen.
Der Lautstärkeeinsteller sollte nach links außen
verlegt werden. Wegen des getrennt abzustimmenden
Preselectors ist die Abstimmung etwas langwierig. Die
damit erreichbaren Qualitätsverbesserungen lassen diese
zusätzliche Mühe allerdings verschmerzen.
Zusammenfassung
Unter Berücksichtigung des Verkaufspreises kann
der ICF 6700 als empfehlenswert bezeichnet werden.
Besonders hervorzuheben sind die solide Ausführung, das
bedienungsfreundliche Design, die allgemeinen
Empfangsleistungen und ganz besonders die wirksame
Bandbreitenschaltung. Nicht zu vergessen ist die
Tatsache, daß hier ein Mehrzweckempfänger realisiert
wurde, der neben der uns interessierenden Kurzwelle auch
Langwelle, Mittelwelle und UKW in guter Qualität
empfängt. Dem gesamten Gerät kann eine sorgfältige
Auslegung der Schaltung bescheinigt werden. Einige
Detaillösungen sind vorbildlich, so z.B. die geregelte
Preselectorschaltung, der Gegentaktmischer sind die
Filterstufen. Auch bei MW und UKW liegt der
Schaltungsaufwand über dem, was in dieser Klasse üblich
ist. Die praktische Ausführung ist stabil und
servicefreundlich.
Der ICF 6700 hat weitaus mehr Positives vorzuweisen als
Negatives. Zwar ist er immer noch nicht der
Traumempfänger, aber doch ein deutlicher Schritt in die
Richtung zum universell einsetzbaren, perfekt und schnell
abstimmbaren DX-Empfänger der mittleren Preisklasse.
Sony ICF 6700 Technische Daten und Meßwerte
Hersteller Sony
Vertrieb Fachhandel
Gerätetyp tragbarer Stationsempfänger
Schatturigstyp KW 1-3 Doppelsuper
Frequenzbereiche KW1 1530 - 10 200 kHz; KW2 11180 - 19
945 kHz; KW3: 19 860 - 30 100 kHz; MW, UKW (Modell L auch
LW)
Frequenzanzeige rote fünfstellige digitale Anzeige
Ablesegenauigkeit KW, MW: +/- 1 kHz
Absolute Genauigkeit 184 Hz
Frequenzstabilität bei DeltaT von 10°C +/- 513 Hz;
innerhalb 1 Stunde +/- 231 Hz
Besonderheiten digitale Anzeige auch für UKW, kompaktes
Schreibtischgerät, Batterie- und Netzbetrieb,
abstimmbarer Preselektor, mitlaufende Analogskalen für
Preselektor und Frequenzabstimmung
HF-Teil
Empfindlichkeit: in uV an 50 Ohm bzw. 1 KOhm bei
BC
0,1 MHz - 1.5 MHz für 26 dB S+ N/N
2 MHz - 30 MHz für 6dB S+N/N
Modulation AM, 400 Hz, 30 Prozent
| Frequenz (MHz) |
AM breit |
AM schmal |
SSB |
| 0.2 |
- |
- |
- |
| 0.5 |
82 |
51 |
- |
| 1 |
30 |
23 |
- |
| 1.5 |
22 |
18 |
- |
| 2 |
1.8 |
1.1 |
0.9 |
| 5 |
1.6 |
1.3 |
0.8 |
| 7 |
1.5 |
1.3 |
0.9 |
| 10 |
1.5 |
1.2 |
0.7 |
| 15 |
1.7 |
1.3 |
0.8 |
| 20 |
1.8 |
1.4 |
1.1 |
| 25 |
1.8 |
1.5 |
1.1 |
| 30 |
2.2 |
1.8 |
1.4 |
Trennschärfe (kHz) 7 MHz + 1 MHz
| |
-6 dB |
-60 dB |
| breit |
5.2 |
21 |
| schmal |
3.2 |
9.1 |
| SSB |
3.3 |
7.8 |
Spiegelfrequenzsicherheit besser als 55 dB
Zf-Festigkeit besser als 61 dB
AGC-Regelbereich 65 dB
Abstimminstrument S1 = 0.5 uVolt, Mitte = 8 uVolt, Ende =
150 uVolt
Antennen Stabantenne 122 cm, Ferritantenne
Antennenanschluß Klemmtasten für Drahtantenne
Sonstiges Antennen abschaltbar, AFC für UKW abschaltbar,
UKW Empfindlichkeit 3.4 uV / 26 dB S+N/N
NF-Teil
Leistung, Sinus 1.2 Watt, 10% THD
Frequenzgang 120 - 8 500 Hz, +/- 3 dB
Tonblende Höhen, Tiefen, jeweils +/- 7 dB
Störbegrenzer -
Lautsprecher 8 Ohm, 10 cm Durchmesser
Anschlüsse Ohrhörer, Kopfhörer, Tonband,
Stereoadapter, Zeitschaltuhr, externe Spannungsversorgung
Stromversorgung Netz 110/220 Volt eingebaut
Batterie sechs Monozellen
Leistungsaufnahme ca. 7 Watt
Batteriebetrieb 4.2 Watt
Maße 45.3 x 18.4 x 22.7 BHT in cm
Gewicht 5.4 kg mit Batterien
Bestückung 6 ICs, 7 FET, 40 Transistoren, 22 Dioden
Zubehör Anleitung, Trageriemen, Sicherungen
FTZ-Nummer ja
Preis ca. DM 1000,-