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Sony Corporation, Tokyo

ICF-6800 W: Testbericht© addx kurier

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überarbeitet am 25.9.2010

Doppelsuper, 1. ZF 19,055 MHz, 2. ZF 455 kHz

Digitalanzeige, 1 kHz

AM, USB/LSB, CW, FM-UKW

Selektivität -6 dB/ -46 dB
3,1/7,8 kHz, 4,8/xx kHz (WA) resp. 4,5 kHz/ 9 kHz (W)

Sensitivität
AM 1,3 - 2 uV, SSB 0,3 - 0,6 uV

RF-Gain, Preselektor

Kurzbeschreibung des Gerätes
Viel moderne Technik bei geringem Gewicht, so könnte man den ICF 6800W von Sony umschreiben. Obwohl nicht unbedingt als Portable konzipiert, wiegt er einschliesslich Batterien nur 5 9 kg. Er verfügt über 29 KW-Bänder (AM SSB/ CW), lückenlos abstimmbar zwischen 1,6 MHz und 30 MHz, sowie MW und UKW. Erstmals in semiprofessionellen Kommunikationsempfängern dieser Preisklasse fand das Prinzip der Frequenzsynthese Anwendung. Ein quarzgesteuerter PLL-Synthesizer (PLL = phase locked loop = phasengerasteter Reglerkreis) ermöglicht hochstabilen Empfang von KW-Stationen. In diesem Wellenbereich ist der RX als Doppelsuper ausgelegt, während er bei MW und UKW als Einfachsuper geschaltet ist.
Auf MW und den KW-Bändern lässt sich jede Station kHz-genau an der fünfstelligen ausschaltbaren Digitalanzeige ablesen. Ausserdem enthält die Frontplatte für diese Wellenbereiche eine sehr dekorativ wirkende Analogskala. Für UKW steht eine gesonderte kleine Skala zur Verfügung, hier ist die Digitalanzeige unwirksam. Der Empfänger ist in einem stabilen Kunststoffgehäuse mit den Abmessungen 45,3 x 18,4 x 22,7 cm untergebracht, in dessen Oberseite das aufklappbare Batteriefach eingelassen wurde. Die vorderen Plastikfüsse sind in der Höhe um ca. 10 mm verstellbar, wodurch der RX auch in einer leicht schrägen Lage aufgestellt werden kann. Die Stromversorgung des Gerätes kann wahlweise über Netz oder Batterie (6 Monozellen) erfolgen. Betrieb Über ein 12 V-Autobordnetz ist ebenfalls möglich, allerdings nur mittels eines speziellen SONY-Adapterkabels.

Erfahrungsbericht
Technische Aufmachung, Bedienung des Gerätes

Das attraktive Gehäuse des ICF 6800 erweckt einen sehr positiven optischen Eindruck. Sämtliche Bedienungselemente wurden recht geschmackvoll auf der Frontplatte angeordnet. Hier lässt sich ein neuer Trend feststellen, dem immer mehr Hersteller folgen: der Rx soll nicht nur in den 'heiligen' Shack, sondern auch in die gute Stube passen. Aber nicht nur die äussere Aufmachung ist eindrucksvoll! Hier wurde mit viel Erfolg der Versuch unternommen, die Bedienungselemente auch bedienungsfreundlich anzubringen. Der griffige Abstimmknopf der Hauptskala, rechts unten an der Froneplatte angeordnet, ermöglicht bequeme Stationseinstellung, auch während einer längeren DX-Nacht. Kleiner Schönheitsfehler: der Lautstärkeregler sollte links aussen sitzen. Dadurch liesse sich vermeiden, dass man häufig am Tiefenregler dreht.
Ungewohnt, aber äusserst bequem, ist die Einlassung des Batteriefaches in der Oberseite des Gerätes. Nach Aufklappen des Deckels lassen sich die sechs Monozellen unkompliziert einlegen; ein Herumdrücken des Empfängers entfällt also.
Die externen Anschlüsse für Antenne und Erde sind als Klemmbuchsen ausgeführt (Masse, KW-Antenne, MW-Antenne). Ausserdem ist noch eine SO 239-Koaxialbuchse für KW-Antennen vorhanden. Zur Umschaltung von Teleskopstab auf Aussenantenne dient ein kleiner Schiebeschalter. Dieser Schalter, sowie die oben erwähnten Anschlussbuchsen sind am oberen Rand der Rückseite angebracht und daher sehr leicht zugänglich.
Das gut ablesbare, beleuchtete Kombinationsinstrument Feldstärkeindikator/ Batterieanzeige besitzt nach meinem Geschmack die idealen Abmessungen. Leider werden Feldstärkeunterschiede auf der zwischen 0 und 9 unterteilten Skala im wesentlichen linear angezeigt; dies führt bereits bei mittelstarken Stationen zu einem Endausschlag des Zeigers. Angebrachter wäre eine S-Meter-Schaltung mit logarithmischer Anzeige.

Wie vollzieht sich nun die Stationseinstellung beim ICF 6800? Möchte man beispielsweise die Frequenz 15130 kHz einstellen, so geht man folgendermassen vor:
1. den äusseren Hebel des zweiteiligen Dekadenschalters auf 10 (MHz) schieben,
2. den inneren Knopf auf 5 (MHz) stellen;
3. mittels Abstimmknopf die Hauptskala auf die Marke 130 (kHz) einstellen;
4. den Zeiger des Preselectors etwa auf den Wert 15 (MHz) bringen.

Die Hauptskala zeigt also nur den kHz - Wert der eingestellten Station an (gleiches Prinzip wie bei den Empfängern FRG-7, XCR 30, SSR 1). Die vollständige Frequenzablesung erfolgt an der Digitalanzeige. Dies hört sich zwar etwas kompliziert an, in der Praxis wurde jedoch ein Frequenzwechsel von z. B. 3,568 MHz auf 27,125 MHz in 18 Sekunden vollzogen. Freunde, wir grasen die Bänder weiss Gott nicht mit der Stoppuhr ab (hi); das Beispiel sollte lediglich andeuten, wie schnell notfalls ein Frequenzwechsel möglich ist.
Die Hauptskala besitzt eine Bandbreite von 1000 kHz und ist in 10 kHz-Schritte unterteilt (2.5 mm Abstand zwischen den Strichen). Um sie zu überstreichen, werden neun Umdrehungen des Abstimmknopfes benötigt. Somit ist eine recht feinfühlige Stationseinstellung gewährleistet, welche auch bei SSB-Empfang ausreichende Resultate liefert. Ein zusätzlicher kleiner BFO-Regler konnte allerdings noch von Nutzen sein! Der Antrieb arbeitete spielfrei, nach erfolgter Eichung an einem kleinen Justierrad unterhalb der Skala ist über den gesamten Bereich eine Ablesegenauigkeit von mindestens 5 kHz möglich.
Die fünfstellige Digitalanzeige erlaubt, jede Frequenz im MW- und KW-Bereich auf 1 kHz genau abzulesen. Die Leuchtdioden arbeiten flackerfrei; beim vorliegenden Testgerät wurden keinerlei Empfangsstörungen durch die Anzeige festgestellt. Allerdings: die einzelnen Segmente sind zu leuchtschwach ausgelegt. Zur Tageszeit, selbst bei bedecktem Himmel, war die Ablese etwas schwierig. Ein besonders Extra des ICF 6800: bei SSB-Betrieb verschieben sich die kHz-Ziffern der digitalen Anzeigeeinheit entsprechend des gewahrten Seitenbandes um 2 kHz nach oben (LSB) bzw. nach unten (USB). Somit ist auch bei dieser Betriebsart die genaue Arbeitsfrequenz direkt abzulesen.

Einige Bemerkungen zum Antennenverstärker:
Hat man, wie oben beschrieben, eine Station eingestellt, so äussert sich die richtige Abstimmung des Preselectors in einer deutlichen Empfangsverbesserung. welche auch optisch durch einen scharfen 'peak' des S-Meters angezeigt wird. Die zugehörige, zwischen 1,6 MHz und 30 MHz grob geeichte Skala hilft Fehlabstimmungen zu vermeiden. Dies ist wichtig, da andernfalls das Nutzsignal von Fremdstationen 'vermatscht' wird- vergleiche hierzu auch KURIER Nr. 5/78. S. 10).
Mit Hilfe des 'RF Gain'-Reglers lassen sich zu hohe Antennenspannungen stufenlos herabsetzen. Ohne diese Massnahme würden starke Signale die Eingangsstufe übersteuern, Verzerrungen in Form von Kreuzmodulationsstorungen waren die Folge. Der Benutzer wird allerdings feststellen. dass die Nadel des Feldstärkeindikators mit diesem Regler häufig nicht auf 'Null' zu bringen ist. Dies ist speziell bei externem Antennenbetrieb in den überbelegten Bändern der Fall.
Anmerkung in eigener Sache: Der ICF 6800 wurde mir etwas kurzfristig zugesandt. Dieser Umstand wäre an sich nicht weiter erwähnenswert, wenn ein präziser- Messsender zur Verfügung gestanden hatte. Eigene Messungen, mit Ausnahme der Langzeitstabilität und der empirisch gewonnenen Selektionskurven, konnten daher nicht durchgeführt werden. Unglücklicherweise enthielten auch weder die Bedienungsanleitung noch des Service-Manual Angaben über Bandbreite, Empfindlichkeit sowie Spiegelfrequenzdämpfungen. Solche Daten sind für uns DX-er sehr von Interesse; sie wurden daher beim Hersteller angefordert. Da die Messwerte bei Redaktionsschluss noch nicht vorlagen, werden sie gegebenenfalls in einem späteren KURIER veröffentlicht.
Um dieses Manko etwas auszugleichen, habe ich in den folgenden Ausführungen einerseits Erfahrungswerte zugrunde gelegt (Bandbreite), andererseits den Rx in zahlreichen Nächten unter verschiedenen Antennenbedingungen getestet (Empfindlichkeit, Kreuzmodulationsfestigkeit). Auf diese Weise sollte der Versuch unternommen werden, allen Interessenten ein möglichst objektives Bild von der Empfangsqualität des Gerätes zu vermitteln, wenngleich unter Verzicht auf Messdaten.
Der ICF 6800W ist mit einer wirksamen zweistufigen Bandbreitenregelung ausgerüstet. In Stellung 'wide' (breit) betragt die Bandbreite ca. 7,5 - 8 kHz (-6 dB), womit eine gute Musikwiedergabe bei nicht allzu dicht nebeneinander liegenden Stationen gewährleistet ist. Zum wirklichen DXen, gleichgültig, ob man nun gerade die Mittelwelle oder Kurzwelle durchforstet,: geht man auf Stellung 'narrow’ (schmal). In diesem Fall ist mit ca. 4 - 4,5 kHz - eine befriedigende Bandbreite gegeben. Nochmals: Es handelt sich um Näherungswerte., 'welche durch Vergleich mit anderen Empfängern bekannter Selektivität zustande kamen.

Eingangs wurde erwähnt, dass der Empfänger seine Oszillatorfrequenz mittels quarzgesteuertem PLL-Synthesizer erzeugt. Meines Wissens nach arbeitete bereits das SONY-Spitzengerät "CRF 320" nach diesem Verfahren. Mittlerweile führte eine günstige Preisentwicklung zum universelleren Einsatz der dazu notwendigen integrierten Schaltkreise. Hochwertige CB-Geräte z. B. machen sich schon seit längerer Zeit dieses Prinzip zunutze, um Quarze einzusparen. War der normale Rohrenempfänger hinsichtlich der eingestellten QRG ausgesprochen unstabil, ein nach dem Wadley-Loop-Prinzip arbeitendes Gerät schon hochstabil (s. KURIER 5/78, S. 9), so preist die Industrie das neue Verfahren häufig als ultrastabil an. In der Tat zeigt ein über sechs Stunden andauernder Test ausgezeichnete Frequenzstabilität: Weniger als 80 Hz ( ! ) Abweichung im oben genannten Zeitraum. Die an der Frontseite des Rx angebrachte "timer"-Buchse hat bei derart geringer Drift volle Berechtigung. Hier lässt sich über eine zusätzliche Schaltuhr der Empfänger schwachstrommässig ein- und ausschalten, zu jeder beliebigen (Nacht-) Zeit, versteht sich. Sollte auf der interessierenden QRG wirklich "was los" gewesen sein, so bringt es der Cassettenrecorder am nächsten Tag ans Licht.

Betätigt man bei Batteriebetrieb die "Light/Batt''-Taste, so bleiben d!e Skalen ungefähr 20 sec. Iang erleuchtet, um danach automatisch zu erlöschen. Damit leistet auch der ICF 6800 seinen kleinen Beitrag zum Thema 'Energiesparen’ (hi').

Das Gerät verfügt über ein ausgeklügeltes Stromversorgungssystem mit zwei mehrstufigen Spannungsstabilisatoren. Kleiner Wermutstropfen: die Schmelzsicherung fehlt, daher Vorsicht bei ausländischen Steckdosen! So soll laut Aussage eines OM z.B. in der Schweiz zwischen den 220 V und 38O V-Dosen eine täuschende Ähnlichkeit bestehen. -Puff- Die Reparatur kostete ihn allerdings keinen Pfennig; der Hersteller leistete nämlich Vollgarantie.

Empfangsqualität, Antennentests
Beobachteter Zeitraum: 18. 4. bis 4. 6. 79

1. 60 m-Tropenband
genutzte Antennen: Eingebauter Teleskopstab (120 cm)
Aussenlangdraht (I = 20 m, 11 m über Grund. N/S-Richtung) ; SWL. 7 - Mehrfachdipol; Anpassgerät

Die ausgezeichnete Empfindlichkeit des ICF 6800 zeigte sich gleich bei seiner ersten Inbetriebnahme. Am 18. 4. wurde gegen 1730 GMT Dar-es-Salam/Tanzania (5050 kHz) mit 0 = 3 ~ empfangen. Der Rx bezog sein Signal lediglich Ober den 120 cm langen Teleskopstab. Der Preselector arbeitete einwandfrei; richtig abgestimmt brachte er die Nadel des Instruments auf Marke 9. Das übliche Tropenband-QRM verminderte allerdings die Gesamtbeurteilung auf obigen Wert. Bei Anschluss eines longwire wurde der Empfänger sehr stark überladen, wobei die auftretende Störkomponente (Rauschen) die Quantität auf höchstens 0 = 1 erniedrigte. Auch ein Nachregeln des Preselectors brachte keine Verbesserung. Einrichtungen dieser Art dienen eben ausschliesslich zur Verbesserung der Weitabselektion und haben mit einem Anpassgerät nichts zu tun. Danach wurde durch Zurückdrehen des RF-Gain-Reg!ers die Signalanpassung so lange vermindert, bis die Störkomponente verschwand. Dies war bei Marke 1 der zwischen O und 9 laufenden Skala der Fall. Resultat: die Station tönte nunmehr zwar wieder sauber aus dem Lautsprecher trotz Aussenantenne zeigte das S-Meter aber bloss noch den Wert 7 an.

Ähnliche Feststellungen wurden im gesamten Zeitraum gemacht. Ungewöhnlich guter Teleskopempfang von afrikanischen und südamerikanischen Stationen (R. Nairobi, Kenya 4815 kHz; Lagos, Nigeria 4990 kHz; R. Rumbos/VE:4970 kHz; La Voz del Norte, Kolumbien 4875 kHz; R. Bolivar/VEN 4770 kHz; etc.). Während eine unangepasste Langdrahtantenne ungünstige Verhältnisse brachte. Die Empfindlichkeit des Rx ist so hochgezüchtet, daß manche starke Station sogar mit eingeschobenem Stab lesbar war.

Wie wirkt sich nun ein Anpassgerät (Collinsfilter) auf die Wirkung der Langdrahtanterne aus? Speziell bei schwachen Stationen machten sich etwas höhere Feldstärken gegenüber dem Stab bemerkbar, wobei Kreuzmodulationsstörungen gleichzeitig in den Hintergrund traten Beim vorliegenden Testgerät mussten allerdings auch weiterhin die Signale mit dem HF-Regler gedrosselt werden, um Störungen zu vermeiden. Auch eine SWL-7 wurde am Rx erprobt; sie brachte keine nennenswerten Verbesserungen gegenüber dem angepassten 'Longwire. Vorteil: man spart ein Anpassgerät, da wegen des zugehörigen Symmetriegliedes der Empfänger über Koaxkabel niederohmig gespeist wird.

Zusammenfassend sei schon an dieser Stelle bemerkt, dass ICF 6800-Besitzer generell auf teure Antennen verzichten können. Wer die Aussenantenne nicht missen mochte. sei es aus Gründen de Richtwirkung oder als Bewohner eines Stahlbetonb!ocks, sollte den einfachen Langdraht benutzen. Unerlässliches Zubehör: ein Collinsfilter wie in der ADDX-Einführungsbroschüre "Stimmen aus aller Welt" beschrieben.

2. BC-Bänder
Zusätzliche Antenne: 19 mb -Dipol mit Fritzel Breitbandbalun

Jene DX-er, welche speziell an den internationalen Auslandsdiensten interessiert sind, können auf eine externe Antenne voll verzichten, es sei denn, der Shack befindet sich innerhalb eines Stahlbetonbaues. Waren mit dem Teleskopstab bereits Tropenband-"Statiönchen" mit Leistungen von 50, 20, 10, ja 1 kW zu hören, so steht wohl der Empfang von Rundfunkgiganten in den dichtbesiedelten Power-Bändern gewiss ausser Frage. Eine kuriose Beobachtung: im 25 mb wurde eine schwache Station überhaupt erst wahrgenommen, nachdem man den Stab eingeschoben hatte! Die unmittelbaren Nachbar-QRGs waren nämlich von derart starken Sendern besetzt, dass die eingezwängte Station durch Seitenbandstörungen gänzlich unhörbar war. Dieser Effekt trat auf, obwohl der Bandbreitenschalter auf "schmal" stand. Die beste Trennscharfe im Zwischenfrequenzkreis ist wirkungslos, wenn der (die) Störsender als moduliertes Nutzsignal den ZF-Kanal übersteuern, so steht es in der einschlägigen Fachliteratur. In puncto Kreuzmodulationsfestigkeit haben die SONY-lngenieure den Rx nicht optimal ausgelegt. Die hohe Empfindlichkeit des ICF 6800 bedingt in den dicht besiedelten Bändern Kreuzmodulationsstörungen.
Statten wir nun dem 19 mb einen Besuch ab, zu einer Zeit, wo noch nicht alle Stationen ihren Service aufgenommen haben: in den frühen Morgenstunden.
Ende April war der Empfang von Radio Tahiti (15170 kHz) möglich und konnte mit SINFO 34433 beurteilt werden. Der Austausch von Teleskop durch die Langdrahtantenne bewirkte Störungen, unter denen das Signal der Pazifikstation verschwand. Abhilfe brachte wieder der RF-Gain-Regler, welcher beim Zurückdrehen das QRM verschwinden liess; allerdings auf Kosten der (Nutzsignal-)Feldstärke. Sie war jetzt lediglich noch mit S = 2 zu bewerten. Bessere Resultate lieferte ein 19 mb-Dipol mit Breitbandbalun. Sein Fusspunktwiderstand betragt 50 Ohm; für diesen Wert ist laut Herstellerangaben auch der Antenneneingang des ICF 6800 ausgelegt Die Gesamtqualität konnte man jetzt mit 0 = 4 beurteilen. Richtige Anpassung einerseits, sowie gute Richtungscharakteristik andererseits machen sich eben hier bemerkbar. Nachdem sich das Band in den Tagesstunden wieder gefüllt hatte, wurden allerdings auch mit dem Dipol keine nennenswerten Verbesserungen mehr erzielt. Favorit war wieder der Teleskopstab.
Im 13 mb arbeiten vergleichsweise wenig Stationen; häufig sind freie Nachbarkanäle anzutreffen. Entsprechend lässt sich hier die Empfindlichkeit des Rx voll ausnutzen. Sogar eine unangepasste, auf 10 m verkürzte Langdrahtantenne brachte gegenüber dem Stab deutlich bessere Ergebnisse. Der Auslandsdienst des Herstellerlandes auf 21610 kHz verursachte im ersten Fall einen S-Meter-Ausschlag von 9, wahrend er bei Teleskopbetrieb auf 3 - 4 zurückfiel.

3. Amateurfunkbänder
Zusätzliche Antenne: Wendelantenne (I = 4,3 m) mit Collinsfilter

Es wäre zu viel verlangt, von einem Weltempfänger jene Extras zu erwarten, wie sie bei speziellen Amateurgeräten üblich sind. Dennoch konnte Anfang Juni im 20 mb eine US-Station, im 15 mb ein Amateur aus Tel Aviv mit klarer SSB-Wiedergabe aufgenommen werden. Bei Seitenbandempfang erwies sich die Frequenzversetzung der Digitalanzeige als nützliches Hilfsmittel.
Besonders erwähnenswert ist die Tatsache, dass im 80 und 40 mb von allen mir zur Verfügung stehenden Antennenformen eine 4,3 m lange Wendelantenne mit Anpassgerät die besten Ergebnisse brachte. Es wäre auch geradezu etwas vermessen vom eingebauten Teleskopstab, speziell im langwelligen 80 mb, optimale Leistungen zu erwarten. Prinzipiell handelt es sich bei der genannten Antennenform um einen Viertelwellenstrahler, dessen Draht auf eine Glasfiberrute gespult wurde. Genaue Windungszahl und Stablänge hängen vom gewünschten Frequenzbereich ab und müssen berechnet werden (nähere Einzelheiten: "RPB"-Band Nr. 107, S. 32-83; Franzis-verlag, München).
Dx-er. welche mit dieser Anordnung experimentieren mochten, haben vor allem auf möglichst kurze Verbindung zwischen Wendelantenne und dem hier unerlässlichen Collinsfilter zu achten. Bei sorgfältigem Aufbau und richtiger Abstimmung von Anpassgerät und ICF-Preselector erreicht man eine ausgezeichnete Vorselektion der eingestellten Station.
In den höheren Amateurfunkbändern (20-, 15-, 10- mb) zeigte wiederum der Teleskopstab gute Ergebnisse.

4. Mittelwelle
Zusätzliche Antenne: Rahmenantenne mit Verstärker (F = 0,7 qm), modifiziertes MW-Anpassgerät

Der MW-Empfangsteil des ICF 6800 wurde nur als Einfachsuper ausgelegt; ein Konzept, dem sich auch die meisten in- und ausländischen Hersteller anschliessen. Hervorzuheben ist allerdings die Tatsache, dass auch in diesem Wellenbereich die gleiche Frequenzstabilität wie auf den KW-Bändern vorliegt; auch die Bandbreitenumschaltung ist wirksam.
Mit der eingebauten. Ieider nicht abschaltbaren Ferritantenne sind tagsüber mehr oder weniger weit entfernte Lokalstationen hörbar; abends ist durchaus auch Mitteleuropa-Empfang möglich. Ohne Aussenantenne kann allerdings von MW-DXing keine Rede sein. Schade, dass der Preselector erst ab 1,5 MHz funktioniert; dadurch entfällt die Möglichkeit, den oberen MW-Bereich zwischen 1 MHz und 1,6 MHz über das auf Kurzwelle wirksame Doppelsuperprinzip zu empfangen. Der externe MW-Antennenanschluss ist sehr niederohmig ausgelegt, ideal für eine Rahmenantenne, aber unbrauchbar für den "nackten" Langdraht. Longwire-Fans brauchen aber nicht zu verzagen: hier hilft nämlich wieder das Collinsfilter weiter.
Allerdings empfehle ich den Bau eines gesonderten MW-Anpassgerätes, welches sich ausgezeichnet am ICF 6800 bewahrt hat. Abb. 3 (siehe Seite 14) zeigt das Schaltbild des Gerätes; man erkennt, dass nur ein Drehkondensator (C) notwendig ist. Die Anpassung wird durch einen gemischt induktiven-kapazitiven Spannungsteller erreicht.

Einzelteile:
Spule: 100 Windungen versilberter Kupferdraht 1 mm Durchmesser; Aussendurchmesser der Spule :5 cm; Anzapfungen: etwa an der 10. und 40. Windung (der genaue Wert muss erprobt werden, da er vom verwendeten Drehkondensator abhängt);
Doppeldrehkondensator, z. B. 20 pF - 750 pF-Regelbereich;
zweistufiger Schalter;
Die Spule ist auch fertig zu erhalten und kann bei folgender Firma bezogen werden: Ing. Hannes Bauer, Postfach 1060, Bamberg; Best.-Nr. 39-501016.
Es besteht die Möglichkeit, die ganze Anordnung in ein Gehause aus Plastik oder Aluminium zu bauen. Keinesfalls sollte allerdings ein Eisen- bzw. Stahlgehäuse benutzt werden.
Da wahrend des getesteten Zeitraumes sehr ungünstige MW-Bedingungen vorlagen (vgl. den geomagnetischen "A-lndex" in SKALA Nr. 24/79, S. 12), kann ich das .MW-Verhalten des Empfängers nur an zwei Beispielen demonstrieren.

a) Tagesempfang (1230 GMT3, Leipzig 531 kHz)
eingebaute Ferritantenne: Indikatoranzeige bei voll aufgedrehtem HF-Regler: 0,5; leise Musik und etwas Rauschen;
20 m Langdraht (ohne Anpassgerät) Indikatoranzeige bei voll aufgedrehtem HF-Regler: 0,75; Rauschen etwas geringer. dafür aber Störung durch Telegrafiesender;
20 m Langdraht (mit Anpassgerät): Indikatoranzeige: 9! SINFO 55555; kein Rauschen, klare Modulation;
Rahmenantenne mit Verstarker: Indikatoranzeige grösser als 9; SINFO 55555;kein Rauschen klare Modulation; (hier ist kein Anpassgerät notwendig)
Durch Drehen der Rahmenantenne erreichte ich schliesslich den Empfang von Beromünster (5OOkW, mit SINFO 343433. Die Interferenz I = 3 kam natürlich durch Leipzig zustande.

b) Nachtempfang (0200 GMT), Madrid 585 kHz
eingebaute Ferritantenne: Indikatoranzeige: bei voll aufgedrehtem HF-Regler. 0; kein Signal;
20 m Langdraht (mit Anpassgerät): Indikatoranzeige: 8,5; SINFO 332-332-3;
Rahmenantenne (mit Verstärker): Indikatoranzeige: 9; SINFO 44343-4.
Im letzten Fall macht sich die Verringerung elektrischer Störungen (N = 4) sowie der frühe AGC-Einsatz des Empfangers (F = 3) günstig bemerkbar.

5. UKW-Teil
Von einem Weltempfänger verlangt man im Allgemeinen nicht die FM-Qualitat einer HiFi-Anlage. Unter diesem Aspekt lässt sich der UKW-Teil des ICF 6800 befriedigend beurteilen. Auch in diesem Wellenbereich fällt die hohe Empfindlichkeit des Rx auf. Die erste Freude kann allerdings geschmälert werden, falls am Wohnort eine FM-Station in Betrieb ist: Kreuzmodulationsstörungen. Dieser Effekt lässt sich durch segmentweises Einschieben des Teleskopstabes vermeiden, jedoch auf Kosten der Empfindlichkeit.

6. Schlussbemerkungen
Exzellente Empfindlichkeit sowie hohe elektrische und mechanische Qualität zeichnen den ICF 6800 von SONY aus.
Da das Gerät bereits mit Teleskopantenne ungewöhnliche Leistungen zeigt, liegt hier auch der ideale Empfänger für ''Holiday-DXing" vor. Am Urlaubsort verzichtet man ohnehin aus Gründen der Bequemlichkeit häufig auf das Anbringen einer Aussenantenne. Obwohl der Rx nicht direkt als Portable konzipiert wurde, lässt er sich wohl immer irgendwo im Auto unterbringen.

Wir danken der SONY GmbH, dass sie uns den Empfänger sieben Wochen für Testzwecke zur Verfügung stellte. Desweiteren gilt mein Dank für kritische und anregende Bemerkungen den OM Jürgen Velke, Matthias Neumann (Bremerhaven), Jürgen Stein (Bremen) sowie meinen antennenfreundlichen Hausbesitzern Frau Schakel und Frau Kratz.

TECHNISCHE DATEN
Schaltung UKW/MW: Superhet
KW: Doppel-Superhet
Quarzgesteuerter PLL-Synthesizer
UKW: 87.5—108 MHz
KW: 1,6—30 MHz (187,5—10 m)
MW: 530—1.605 kHz (566—187 m)

UKW: Teleskopantenne
KW: Teleskopantenne, Aussenantennenanschlüsse (50—75 Ohm) UHF-Anschluss (50—75 Ohm)
MW: Eingebaute Ferritstabantenne, Aussenantennenanschlüsse (niedriger Impedanz)

Lautsprecher ca. 10 cm Durchmesser
Ausgangsleistung 900 mW (bei 10% Klirrgrad) bei Gleichstrombetrieb
Eingang Schaltuhr-Anschlussbuchse (Minibuchse)
Ausgänge Aufnahmeausbangsbuchse (Minibuchse, Ausgangspegel 0,8 mV ( - 60 dB) Ausgangsimpedanz 1 kOhm
Ohrhörerbuchse (Minibuchse) für 8-ohmigen Ohrhörer
Kopfhörerbuchse (Klinkenbuchse) für 8-ohmigen Kopfhörer

Stromversorgung
Ausführung für Kanada: 120 V Wechselspannung. 50/60 Hz
Ausführung für andere Länder: 110, 120 220 oder 240 V Wechselspannung einstellbar, 50/60 Hz
9 V Gleichspannung
sechs Mono zellen (IEC-Batteriebezeichnung R20)
12 V Autobatterie mit gesondert lieferbarem Sony Autobatteriekabel DCC-130
Leistungsaufnahme 9 W Wechselspannung
Abmessungen ca. 453 x 184 x 227 mm (B/H/T) einschl. vorspringender Teile und Bedienungselemente
Gewicht ca. 5. 9 kg einschl Batterien
Mitgeliefertes Zubehör Netzkabel, Antennenanschlussstifte (4), ,,Short Wave Guide"

Gesondert lieferbares Zubehör Autobatteriekabel DCC-130
Kopfhörer DR-7, DR 35; Ohrhörer ME-20H
Verbindungskabel RK-69H (Ministecker an Ministecker, zum Verbinden mit einem Tonbandgerät)
Anderungen, die dem technischen Fortschritt dienen, bleiben vorbehalten.

© addx kurier, Peter Müller