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Sony Corporation, TokyoICF-6800 W |
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überarbeitet am 25.9.2010 |
Der Sony ICF-6800W nahm in der Hierarchie der Weltempfänger aus dem Hause Sony einen Sonderplatz ein, aufgrund seiner Empfangseigenschaften wäre er eher den professionellen Geräten aus der CRF-Serie zuzuschlagen, vom technischen Aufbau und der Preisgestaltung her gehörte er in die Reihe der Heim- Kurzwellenempfänger, auch die Typenbezeichnung weist auf diese Empfängerkategorie hin. Nach einer ersten Serie wurde der ICF-6800 W besonders hinsichtlich seines ungenügenden Grosssignalverhaltens überarbeitet und erhielt schmälere ZF-Filter, die hohe Empfindlichkeit wurde an die Signalstärken in Mitteleuropa angepasst:
Das linke Drittel der Frontplatte wird vom gelochten
Lautsprechergrill eingenommen, unten liegen die
getrennten Höhen- und Bassregler und der Lautstärkeregler
in einer Reihe, es schliessen sich zu beiden Seiten die
Kopfhörerbuchse resp. die Buchsen für einen
Tonbandausgang und eine Timersteuerung an, erst bei
kurzgeschlossenen Kontakten wird der Empfänger aktiviert.
Auf der Frontplatte liegt links oben der Netzschalter,
darunter zwei kleine Drucktaster, der eine aktiviert bei
Batteriebetrieb die Skalenbeleuchtung und zeigt die
Batteriespannung am S-Meter an, der andere dient dazu,
die digitale Frequenzanzeige zur Energieersparnis
abzuschalten. Das grosse runde S-Meter ist gut ablesbar,
ist aber mit 1 - 9 am Vollausschlag nicht den üblichen
Konventionen entsprechend geeicht. Rechts davon liegen
die Drucktasten für UKW, MW und Kurzwelle, daneben der
als Drehschalter ausgeführte Betriebsartenschalter, mit
dem in AM die beiden ZF- Filterbandbreiten und im SSB-Empfang
die beiden Seitenbänder unabhängig gewählt werden können.
Der Drehschalter weiter rechts wählt die 1 MHz-Segmente
des Kurzwellenbereiches, mit dem Drehknopf wird die
letzte MHz-Stelle geschaltet, ein Knebelschalter wählt
den 0-10, 10-20 resp. 20 - 30 MHz-Abschnitt - auf diesen
Schalter möchte ich hier schon speziell hinweisen: bei
vielen gebraucht zum Verkauf stehenden ICF-6800W sind ein oder mehrere
dieser 10 MHz-Bereiche ausgefallen, in der Regel sind Bauelemente der Wadley
Loop Schaltung aus der Toleranz gelaufen, was dazu führt, dass der Synthesizer
nicht mehr rastet und die Anzeige bei einem Wert um 80000 endlos durchläuft,
und der Empfänger in diesem Bereich schweigt. Entgegen mutmachenden Hinweisen
auf den eBay-Seiten "ein Tropfen Kontaktspray wird's schon richten", ist es
damit nicht getan, es müssen zahlreiche Bauelemente ersetzt werden, wozu
sich kaum noch Werkstätten finden, die sich die Reparatur zutrauen. Das Hochfrequenzsignal durchläuft nach dem Preselektor und dem RF-Gain-Regler eine Verstärkerstufe und wird auf die erste Zwischenfrequenz von 19,055 MHz umgesetzt, nach der Umsetzung auf die zweite ZF von 455 kHz und den ZF-Filtern wird das Signal auf den AM- und den SSB- Produkt-Detektor gegeben, hier wird auch zum CW-Empfang der Hilfsträger des BFO zugemischt. Nach weiterer Verstärkung, Klangregelstufe gelangt das Signal über den Endverstärker an den Lautsprecher. Im UKW-Bereich arbeitet der ICF-6800W als Einfachsuper mit einer Zwischenfrequenz von 10,7 MHz, bei getrennten Signalwegen wird hier nur die Verarbeitung des Tonsignals geteilt. Im praktischen Einsatz ist beim ICF-6800 W vor allem
auf eine feinfühlige Einstellung des Preselektors zu
achten. Schon beim Betrieb an der Teleskopantenne ist der
ICF-6800W ein sehr empfindliches Gerät, wird eine
Langdrahtantenne an die Klemmen angeschlossen, so kann es
aufgrund des eingeschränkten Dynamikbereiches zu
Intermodulationserscheinungen mit Durchschlagen starker
Stationen auf anderen Frequenzen kommen. Mit dem
Preselektor wird nur ein schmales gewünschtes Segment
aus dem ganzen Kurzwellenspektrum, das am Antenneneingang
anliegt, auf den ersten Mischer gegeben. Diese
Einstellung muss beim ICF-6800W manuell geschehen, mit
dem Preselektorknopf kann das Signal ge"peakt"
werden, die Preselektor- Hilfsskala unterstützt den Hörer
dabei, dass er nicht auf Signalmaximum einer "Geisterstation"
abstimmt. Durch diesen Kunstgriff erhält der ICF-6800W
trotz hoher Eingangsempfindlichkeit ein akzeptables
Grossignalverhalten, an langen Antennen an Winterabenden
in überfüllten Rundfunkbändern muss dennoch
gelegentlich zur Signalabschwächung mittels RF-Gain
gegriffen werden. Die frühere "weisse" Version
des ICF-6800W zeigte bei noch etwas höherer
Empfindlichkeit mit einer aktiven Verstärkerstufe im
Preselektor noch mehr dieser Grosssignalprobleme. Da eine
Feinabstimmung fehlt, ist beim SSB-Empfang zur Abstimmung
mit dem Hauptabstimmknopf eine ruhige Hand vonnöten, SSB-Empfang
und ECSS-Empfang, bei dem bei AM-Stationen der geräteinterne
Hilfsträger zugemischt wird, sind aber bei sehr guter
Frequenzstabilität gut möglich, für einen portablen
Empfänger sind die Empfangsleistungen überdurchschnittlich.
In der "orangen" Version werden schmalere ZF-Filter
eingesetzt, die sehr praxisgerecht sind, das originale AM-wide
- Filter der "weissen" Version war zum Einsatz
in Rundfunkbändern mit 5 kHz-Stationsabstand ungeeignet. Ein Negativpunkt ist der komplizierte mechanische Aufbau, der Servicearbeiten extrem mühsam macht, und der Umstand, dass im Gegensatz zu Profigeräten bei fünfzehn bis zwanzig Jahre alten Geräten sehr häufig technische Probleme bei der Bandschaltung auftauchen. Sehr häufig sind bei angebotenen Geräten ein oder mehrere 10 MHz-Bereiche nicht mehr abstimmbar, wenn der Bandschalter in einem betroffenen Bereich steht, hört man nur Rauschen und das Display zeigt eine Zahl um 80000 an... Dieser Defekt dürfte durch aus der Toleranz laufende Bauteile bedingt sein, die das Wadley Loop - System nicht mehr auf der entsprechenden Oberwelle des die 10 MHz- oder MHz-bestimmenden Oszillators einrasten lassen. Die Reparatur ist aufwendig und wird von Sony selbst schon lange nicht mehr durchgeführt, nur wenige Experten wagen sich daran, diesen Defekt des Frequenz- Bandsynthesizers zu beheben. Vor Erwerb eines Gebrauchtgerätes sollten - wenn man nicht selbst Servicefachmann ist - sämtliche Funktionen gut durchgecheckt werden. Ein ICF-6800W in gutem Zustand bleibt aber ein hervorragender DX-Empfänger der auch im Tropenbandbereich gut eingesetzt werden kann und das HF-Signal bei geringem Rauschen sehr angenehm hörbar macht. weitere Lektüre: © Martin Bösch |
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