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Sony Corporation, Tokyo

ICF - SW100: Testbericht © addx kurier 9 / 1994

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überarbeitet am 26.9.2010

Doppelsuper

Digitalanzeige, 1 kHz

AM, AM-sync, SSB, UKW-FM

Selektivität -6 dB/ -60 dB

Sensitivität

Keypad, 40 Speicher, Uhr, Timer

Die japanischen Elektronikkonzerne, allen voran Sony, gelten als Meister der Miniaturisierung. Als vor einigen Jahren der Sony SW-1 auf den Markt kam, wurde er viel bestaunt. Ein so kleines Gerät mit durchgehendem Empfangsbereich hatte es bis dahin noch nicht gegeben. Wer sich den SW-1 gekauft hat, stiess aber dann sehr schnell an die Grenzen des Gerätes: Die Empfangsleistung ist nur mässig (geringe Empfindlichkeit und Trennschärfe). Trotz der Winzigkeit ist er nicht handtaschentauglich (außenliegender Lautstärkeregler, Kopfhörerbuchse und Antenne auf gegenüberliegenden Seiten). Die NF-Leistung ist mickrig und der Lautsprecher neigt zum Scheppern. Besonders die Funkamateure unter uns hätten sich eine SSB-Empfangsmöglichkeit gewünscht, um auch unterwegs wenigstens den Rundspruch hören zu können. Fragen nach einem SW1-Nachfolger mit besserer Empfangsleistung und SSB wurden am Sony-Stand auf der HAM-Radio mit einem freundlichen Lächeln und einem vielsagendem "Warten Sie s ab" beantwortet.

Nun ist der Nachfolger endlich da. Seit wenigen Wochen steht er in den Läden. Er heisst SW-100, hat etwa die Größe des SW-1 und bietet neben SSB-Empfang auch einen Synchrondetektor mit schaltbarem Seitenband. Es gibt, wie schon beim SW-1, zwei Ausstattungsvarianten: Beim SW-100E werden die Kompaktantenne AN-7 1, ein Stereoohrhörer, eine Schutztasche und eine Frequenztabelle mitgeliefert. Zum Lieferumfang des SW-100S gehört zusätzlich noch ein Netzteil inklusive Netzstecker-Adapter sowie statt der Drahtantenne AN-71 die Aktivantenne AN-100 dazu. Die E-Version kostet beim Technischen Klubdienst DM 478.-, die S-Version wird erst später lieferbar sein. Der Preis hierfür ist noch nicht bekannt. Das Testgerät, ein SW-100E, wurde der ADDX freundlicherweise von Sony Deutschland zur Verfügung gestellt.

Beschreibung
Der SW-100 hat die Abmessungen 110,6 x 23,5 x 72,6 mm und wiegt einschliesslich zwei Mignonzellen 220 Gramm. Die Schutztasche ist mit einem Verschluss fest mit dem Gerät verbunden, so daß keine Gefahr besteht, sie zu verlieren. Zum Betrieb oder auch Batteriewechsel kann sie am Gerät bleiben: sie wird einfach nach hinten geklappt. Wen die Tasche stört, der kann den Verschluss mit einer Münze oder dem Fingernagel öffnen und die Tasche abnehmen.
Der SW-100 wird zum Betrieb aufgeklappt. Vorteil: große Standfläche und viel Platz für Bedienungselemente. Der obere Teil enthält links den Miniaturlautsprecher und rechts ein grosses beleuchtbares LC-Display . Auf dem unteren Teil befinden sich, fast schon wie bei einem Taschenrechner, die Tasten für nahezu alle Funktionen. An der linken Schmalseite sind der EIN / AUS-Schalter MAIN POWER, die Stromversorgungsbuchse DC IN (3 Volt, Sony-Spezialstecker), der Anschluß für eine Aktivantenne (3,5 mm Klinke mit 3 Volt Versorgungsspannung für die Antenne) sowie der Empfindlichkeitswahlschalter DX / LOKAL untergebracht. Die rechte Geräteseite beherbergt den Lautstärkeregler, einen Klangschalter NEWS / MUSIC (auf UKW: MONO / STEREO), den Aufnahmeausgang LINE OUT (3,5 mm Klinke Stereo) und den Kopfhöreranschluß (ebenfalls 3,5 mm Klinke Stereo). Der SW 100 ist für den Empfang von AM, AM mit Synchrondetektor und SSB ausgelegt. Bei AM-Synchron und SSB kann unteres und oberes Seitenband getrennt geschaltet werden. Ausserdem ist auf UKW Stereoempfang (über Kopfhörer) möglich. Der SW-100 empfängt in der Version mit BZT Zulassung den Frequenzbereich 150-29999 kHz sowie 76(!)-108 MHz. Die Eingabe der Frequenz erfolgt durch numerische Eingabe, Speicheraufruf, UP / DOWN-Tasten mit langsamer Abstimmung oder UP/DOWN-Tasten mit Rasterabstimmung bzw. Suchlauf. Hält man eine "Langsam-Taste" gedrückt, so wird quasi analog abgestimmt. Der Lautsprecher wird dabei nicht stummgeschaltet. Die Abstimmschritte betragen auf UKW 50 kHz, KW / MW / LW 1 kHz und bei SSB 0,1 kHz. Wird eine der Schnellabstimmtasten kurz gedrückt, dann wird im Kanalraster abgestimmt. Dieses beträgt 50 kHz auf UKW, 5 kHz auf KW, 9 bzw. 10 kHz auf MW, 3 kHz auf LW und 1 kHz bei SSB. Durch längeres Drücken der Taste wird der Suchlauf gestartet.
Das Mittelwellenraster wird, je nach eingestellter Lokalzeitzone, automatisch richtig gewählt. Alle 24 Zeitzonen sind bereits ab Werk vorprogrammiert und können über Städtenamen aufgerufen werden. Die Umstellung auf Sommerzeit ist auf Knopfdruck möglich. Die Uhrzeit muß dazu nicht neu eingestellt werden. Es sind zwei unabhängige Timer vorhanden, die das Wecken durch vorprogrammierte Sender oder Weckton ermöglichen. Ein Sleep-Timer schaltet das Gerät nach etwa 60 Minuten aus.
Der SW-100 hat 50 Speicher, die in 10 Speicherseiten zu je 5 Speicherplätzen organisiert sind. Für jede Speicherseite kann ein sechsstelliger Name vergeben werden. Ab Werk sind auf den Seiten 4 und 5 BBC-, auf 6 und 7 VoA- sowie auf 8 und 9 Radio Japan Frequenzen vorprogrammiert.

Wertung
An Ausstattung und Bedienung gibt es nur wenig zu kritisieren. Die Bedienungselemente und Anzeigen sind übersichtlich angeordnet bzw. gut abzulesen. Lediglich der Lautstärkeregler ist etwas ungünstig an der rechten Ecke angebracht. Läßt man die Schutztasche am Gerät, kann man ihn nur noch mit spitzem Fingernagel verstellen. Wünschenswert ist natürlich auch eine umschaltbare Bandbreite. Der Lautsprecher verkraftet im Vergleich zum SW-1 zwar höhere Lautstärken ohne Scheppern, klingt aber dafür etwas quäkig. Der SW-100 ist ausserdem hemdtaschentauglich: Antenne rausziehen und nach rechts auf den Empfänger legen, Sender einstellen und Gerät zuklappen (läuft weiter !). In die Tasche gesteckt, liegen jetzt Antenne, Kopfhörerbuchse und Lautstärkeregler oben. Alle Vergleiche wurden auf Batteriebetrieb durchgeführt, da für den SW-100 kein Netzteil mit passendem Stecker vorhanden war. Um die Empfangseigenschaften des Neuen einschätzen zu können, wurde er mit seinem Vorgänger SW-1 verglichen. Dieser Vergleich verlief leider ziemlich enttäuschend. Der SW-100 liegt in der Empfindlichkeit in etwa auf dem Niveau des SW-1. Das eingebaute ZF-Filter hat einige Mühe, Sender im 5-kHz-Raster zu trennen. Der Synchrondetektor hilft da auch nur weiter, wenn ein Nachbarkanal frei ist. Sind jedoch beide Nachbarkanäle mit starken Sendern belegt, was gerade in den unteren Bändern häufig der Fall ist, dann ist auch mit dem Synchrondetektor kein störungsfreier Empfang möglich. Beim Empfang schwacher Sender, z.B. in den Tropenbändern, rastet der Detektor häufig aus. Liegt ein störender Utilitysender dicht neben dem Nutzsender, dann wird dieser häufig synchronisiert. Der Fangbereich der Automatik ist mit +/- 2 kHz zu groß gewählt. Ein weiterer Punkt spricht ebenfalls nicht für die Qualität des ZF-Filters: es weist ca. 12 bis 15 kHz oberhalb der Empfangsfrequenz eine Nebenresonanz auf, d.h. starke Stationen sind oberhalb ihrer Empfangsfrequenz noch einmal verzerrt zu hören und decken damit schwache Stationen zu. Beim SW-1 tritt dieser Effekt nicht auf.
Der Empfang von SSB-Sendern z.B. in den Amateurfunkbändern leidet natürlich auch unter der geringen Empfindlichkeit und Trennschärfe des SW-100. Zum Hören von Rundsprüchen oder zum Empfang des SSB-Sendungen von Radio HCJB reicht’s jedoch allemal. Eine externe Antenne verträgt der SW-100 überraschend gut. Der Anschluß eines 8 Meter langen Drahtes, der draussen vor dem Fenster gespannt war, an die Antennenbuchse brachte fast schon dramatische Verbesserung der Empfindlichkeit ohne daß Großsignaleffekte festzustellen waren. Die Empfindlichkeit lag so auf dem Niveau des 2001 D mit Teleskopantenne und Netzbetrieb! Allerdings wird dann auch die Filternebenresonanz zu einem grösseren Problem. Ausserdem tauchen beim Betrieb mit Außenantenne eine ganze Reihe starker Stationen als Spiegelfrequenz 910 kHz unterhalb ihrer Sendefrequenz noch einmal auf. Davon ist besonders der obere Teil des 60-m Tropenbandes betroffen, wo schwache Sender durch Spiegelfrequenzen des 49-m Bandes zugedeckt werden. Bei Empfang mit der Teleskopantenne tritt dieses Problem, wohl wegen der geringen Empfindlichkeit, nur selten auf. Nach soviel Kritik noch ein Lob zum Schluss: Das UKW-Teil wurde gegenüber dem SW I deutlich verbessert. Der SW 100 ist wesentlich grossignalfester als sein Vorgänger. Bei schwachen rauschenden Sendern kann endlich auch von Hand auf Mono geschaltet werden. Eine externe Antenne, die sich auch für diesen Wellenbereich anschließen läßt, verbessert das Signal noch deutlich. Die Trennschärfe reicht zum Empfang der stärkeren Sender aus. Allerdings ist auch das UKW-Teil nicht frei von Spiegelfrequenzen: im Bereich unter 88 MHz sind mehrere WDR- und SWF-Sender zu hören, die da nichts zu suchen haben.

Fazit
Der Sony SW-100 ist ein kleiner, hemdtaschentauglicher Empfänger mit durchgehendem Frequenzbereich und SSB-Emplang. Das Bedienungskonzept ist gut durchdacht und gibt kaum Anlaß zur Kritik. Die Empfangsleistung kann aber nur als mäßig bezeichnet werden. Empfahlen kann man diesen Empfänger demjenigen, der ein so kleines Radio braucht, weil er es z.B. ständig dabei haben möchte. Ist die Größe des Empfängers nicht so wichtig, dann ist der ICF-SW7600 von Sony eher zu empfehlen. In den Punkten Empfindlichkeit, Trennschärfe und SSB-Empfang ist er zwar nicht besser als der SW-100, dafür hat er aber keine Probleme mit Spiegelfrequenzen oder Filter-Nebenresonanzen, die NF-Qualität über Lautsprecher ist viel besser und er kostet noch etwas weniger als der SW-100.

weitere Lektüre:
d: Schicke Faltschachtel: Sony SW-100 E, Mario Gongolsky, wwh 6 / 94
e: Sony ICF SW-100, R.Netherlands receiver test

© Joachim Salisch, kurier 9 / 1994