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Sony Corporation, Tokyo

ICF - SW55: Testbericht © agdx wwh 3 / 1992

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überarbeitet am 26.9.2010

Doppelsuper, ZF 55,845 MHz, 455 kHz

Digitalanzeige, 1 kHz,
Feinabstimmung 100 Hz - Schritte

AM, USB/LSB, UKW-FM

Selektivität -6 dB/ -60 dB

Sensitivität

Abschwächer DX / Local,

Abschwächer Dx/Local, 20 Senderspeicher, Uhr, Timerfunktion, UKW-Stereo via Kopfhörer

Sony ICF - SW 55: kompakt und leistungsstark

Eine Betaversion des Gerätes konnten wir bereits Mitte 1991 in unseren Händen halten, erste Vorserienmodelle waren auf der IFA 91 zu sehen und zu bedienen. Nun sind die ersten Geräte der Hauptserie in den Handel gekommen. Eigentlich sollte sein großer Bruder SW 77 noch früher und vor Weihnachten auf dem Markt sein, aber ein versteckter Geburtsfehler wird den SW 77 erst gegen Ende März in Stückzahlen (in der deutschen Version) und in einwandfreier Qualität auf den Markt kommen lassen.
Weihnachten 1991, 24. Dezember, gegen 9 Uhr 30 MEZ: Nach dem Frühstück besprechen wir gerade die noch anstehenden Dinge des Tages und der Woche, da klingelt es intensiv. Nicht der Weihnachtsmann, sondern ein Bote von OVERNITE brachte uns den ICF-SW 55 direkt ins Haus. Etwas verwundert betrachten wir als erstes die Verpackung: Ein einfacher, hell-türkis gehaltener Karton mit grüner Aufschrift umschließt einen ... nennen wir es mal "Werkzeugkoffer" mit Henkel, grau-schwarz und mit dem deutlichen Firmenzeichen von SONY versehen. Nach dem Öffnen weiteres Staunen: Da haben sich einige Leute ganz ordentlich was ausgedacht. Nur in Staubschutzhüllen liegen der SW 55 und weitere Zubehörteile darin, sowie in einer im Deckel integrierten Tasche Anleitung und Informationsmaterial. Für das Gerät selbst ist eine passende Hülle mit einer texturierten Oberfläche vorhanden, die mit einem Klettverschluß versehen ist. Der Kurzflor läßt das Gerät in der Hülle angenehm in der Hand liegen und verhindert recht gut das Abrutschen. Ein passendes Netzteil ist ebenso im Set dabei wie ein US-Stecker-Adapter und ein Stereo-Ohrhörer (samt Ersatz-Ohrpolster). Hinter dem Begriff "Kurzwellen- Kompaktantenne" verbirgt sich eine aufgerollte Drahtantenne mit Anschlußklemme, ein Anschluß für Außenantennen ist aber am Gerät selbst vorhanden.
Die mitgelieferten Druckschriften sind recht umfangreich. Die fünfsprachige Bedienungsanweisung ist eigentlich obligatorisch, die Liste der im Gerät vorprogrammierten Frequenzen darf auch nicht fehlen. Nur in Englisch geschrieben ist das Wave Handbook (Stand August 1991), Shortwave Stations of the World. Diese Broschüre ist mit viel Liebe zum Detail gefertigt und auf Hochglanzpapier gedruckt worden. Es ist zwar im Vorwort erwähnt, daß sich Frequenzen ändern oder aus verschiedenen Gründen die Stationen nicht hörbar sein können, doch sollte dies deutlicher herausgestellt werden. Es ist auch überlegenswert, ob man dem Käufer mit einer derart umfangreichen Liste einen Gefallen tut, da ein nicht unerheblicher Teil der Informationen beim Kauf des Gerätes nicht mehr korrekt sind, somit unerwünschte Reaktionen ausgelöst werden können. Es wird auch auf die Möglichkeit hingewiesen, aktuelle Sendepläne direkt bei den Stationen anzufordern, eventuell auch bei den Botschaften der jeweiligen Länder (ob die sich in jedem Fall über die zusätzliche Arbeit freuen, ist allerdings ein anderes Kapitel...), ein Hinweis auf Fachzeitschriften und Klubs unterbleibt leider. Auch in der weiteren englischsprachigen Broschüre How to Catch the Wave haben wir darüber nichts finden können, ansonsten ist diese Anleitung für Anfänger und interessierte "Halb-Laien" positiv zu bewerten. Beigefügt war auch eine Anforderungskarte des Siebel-Verlags und der Deutschen Welle. Die Kurzanleitung für den Timer (fünfsprachig), die Garantieunterlagen und den Kunden-Fragebogen wollen wir natürlich nicht unerwähnt lassen.

Nachdem wir uns einige Zeit mit dem Gerät angefreundet hatten, stellte sich uns noch immer die Frage, mit welchem derzeit auf dem Markt befindlichen Gerät der SW 55 direkt zu vergleichen sei. Anhand der technischen Daten war eigentlich schon von vorneherein offensichtlich (und wurde später in Hörvergleichen bestätigt), daß der SW 7600 leistungsmäßig klar unterlegen ist. Zudem wurde von SONY klar und deutlich gesagt, daß des SW 55 nicht als direkter Nachfolger anzusehen ist, sondern eine eigenständige Entwicklung darstellt. Auch sonst bestehen gewisse Unterschiede, die den Empfänger eher in die Nähe des Grundig S 500 bringen, sowohl von der Leistung als auch vom Preis her.

Auffallend sind bei der ersten Betrachtung ein elegantes, abgerundetes Produktdesign. Kennzeichnend sind hier das große multifunktionale Display und ein Schlitz im oberen Teil des Gerätes, der sich aus Lautsprecherausgang entpuppt. Für manchen etwas zu vielfältig sind die zahlreichen Funktionen auf der Vorderseite. Es empfiehlt sich dringend, zuerst die sehr gut aufgemachte Bedienungsanleitung (in Deutsch) in aller Ruhe durchzulesen. Wir haben aus der werkseitigen Anleitung die Übersicht der Funktionen dargestellt.
Der verriegelbare Ein- / Aus-Schalter befindet sich übrigens links oben. Daneben findet sich der Schalter für die SLEEP-Funktion sowie die Standby-Taste zum Aktivieren der Timer- / Alarm-Funktion.
Die Frequenzeinstellung wird über die Bedienelemente auf der rechten Seite vorgenommen. Nicht nur numerisch, auch mit einem Rändelrad kann abgestimmt werden. Nicht mehr wegzudenken sind bei modernen Geräten auch Verriegelungsschalter, einerseits der KEY PROTECT, andererseits der mit FAST und SLOW gekoppelte Verriegelungsschalter für die Frequenzmanipulation LOCK. Die Schrittweite beträgt übrigens bei FAST im AM-Bereich 1 kHz, auf UKW 500 kHz; bei SLOW im AM-Bereich 100 Hz und 50 kHz auf UKW. Bei der Frequenzeingabe selbst ist es nicht mehr notwendig, AM oder FM auszuwählen. Der STEP-Schalter bewirkt einmal gedrückt einen Abstimmschritt (LW = 3 kHz, MW = 9 bzw. 10 kHz, KW = 5 kHz, UKW = 50 kHz), bei mehrfachem Drücken wird der Suchlauf angefahren.
Das Gerät verfügt über 125 Speicher zu je 25 "Seiten" mit je 5 Speichern. Jede Speicherseite wird alphanumerisch angesprochen. Ab Werk sind bereits einige Auslandsdienste mit jeweils bis zu 5 zugehörige Frequenzen eingegeben. Die Speichertasten sind übrigens auch doppelt belegt, zur Aktivierung wird AM FUNKTION gedrückt. Unter M1 kann ein AM-Kalibrierung vorgenommen werden, M3 schaltet auf MW den Abstimmschritt von 9 auf 10 kHz, M4 regelt die Betriebsart, und M5 die Bandbreite.
Gewöhnungsbedürftig ist bei Frequenzen außerhalb der eigentlichen Rundfunkbänder, daß die Betriebsart automatisch auf SSB gestellt wird und von Hand nachgeregelt werden muß.
Auf die Timer-Funktionen wollen wir nicht besonders eingehen. Interessant sind vielleicht noch die Darstellungsmöglichkeiten verschiedener Zeitzonen usw. auf dem Display. Das Display selbst kann mit einem Ein- und Ausschalter auf der Geräteoberseite beleuchtet werden. Erfolgen keine Frequenzeingaben während einer gewissen Periode, so wird die Beleuchtung automatisch gelöscht.
Der Lautsprecher strahlt an sich auf der Geräterückseite ab, wird aber über einen Klangkanal auf den Schlitz im oberen Geräteteil gelenkt. Das klingt dann immer noch recht gut, wer aber recht viel hört wird sowieso einen leichten offenen Kopfhörer bevorzugen.
Betrachten wir nun die Empfangsleistungen in den einzelnen Wellenbereichen. Auf Lang- und Mittelwelle ist eine gute Richtwirkung der eingebauten Ferritantenne spürbar. Wer will, kann das Gerät noch mit einer Rahmenantenne induktiv koppeln (in den Rahmen selbst hineinstellen). Im in Europa benutzten 9-kHz-Raster wird befriedigend getrennt, jedoch dürfen auf dem Nachbarkanal keine starken Sender liegen. Leider sind die auf Langwelle zu hörenden Pfeifstellen nicht in der Gebrauchsanleitung vermerkt, wohl aber die auf Mittelwelle. Hier müssen also die Sony-lngenieure noch einiges machen.
In den Tropenbändern sollte man, wie auch auf der Kurzwelle insgesamt, nur das schmale Filter einsetzen. Aber auch dann ist es nicht leicht, gerade bei ungleich starken Sendern den schwächeren ohne größere Nachbarkanalstörungen zu empfangen. Auch der Vergleich BR auf 6085 gegen RTL auf 6090 konnte nicht ganz überzeugen. Sowohl der Sony ICF 2001 D wie auch die Grundig-Geräte waren hier eindeutig besser.
In der Anleitung wird auf zwei mögliche Pfeifstellen auf Kurzwelle hingewiesen: 6024 und 6275. Tatsächlich konnten wir nur 6275 orten. Spiegelfrequenzen konnten wir bei der Benutzung der eingebauten Teleskopantenne nicht feststellen, jedoch sind diese bei der Benützung von Zusatzantennen möglich. Wenn schon Aktivantennen eingesetzt werden, dann sollte man eine selektive wählen.
Noch etwas fiel uns negativ auf: Die Batterien reichen maximal 10 Stunden, die Satelliten von Grundig kommen mit einem Satz um ein Mehrfaches weiter.

Fazit
Der SONY ICF SW-55 stellt ein völlig neu konzipiertes Gerät dar. Positiv wirkt sich aus, daß im Vorfeld der Entwicklung die späteren Nutzergruppen intensiv befragt wurden und viele Wünsche, auch von Dxern, integriert werden konnten. Optisch wie technisch ist er ein Leckerbissen für den Kenner und Könner, auch wenn einige Wermutstropfen zu notieren sind. Pfeif- und Zwitscherstellen sollten innerhalb der Rundfunkbänder nicht sein, auch nicht in Bereichen, die von Out-of-Band - Rundfunkstationen gerne benützt werden oder für eine Nutzung nach der nächsten WARC vorgeschlagen werden. Im Preis liegt er zwar mit dem Grundig Satellit 500 fast gleichauf, kann jedoch in der Leistung nicht ganz mithalten. Im Preis schlägt sich eben doch auch der Koffer deutlich nieder. Andererseits mag der Koffer eine Kaufentscheidung vieler reisefreudiger Vielhörer ausmachen Empfehlen möchten wir diesen Empfänger all jenen, die Freude an vielen Gerätefunktionen haben, bei einem sehr kompaktem Empfänger mit guten Leistungen.

Technische Daten Sony ICF - SW 55
Frequenzbereich: 150 kHz - 29 999 kHz AM, 87,5 - 108 MHz FM (Version 2)
Zwischenfrequenz: 1. 55.845 MHz, 2. 455 kHz; UKW: 10,7 MHz
Antennen: eingebaute LW / MW - Ferritantenne, eingebaute KW - Teleskopantenne, Antennenbuchse für AM
Ausgänge: Aufnahmeausgang 3,5 mm, Stereo - Kopfhörerbuchse 3,5 mm
Stromversorgung: 6 V Gleichspannung, vier Mignonzellen R6
Netzadapter mitgeliefert, Autobatteriekabel optional
Gewicht: 900 gr. mit Batterien
Abmessungen: 194 x 127 x 39 mm
Preis: ca. 698.- DM

© tte, wwh 3 / 1992