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ICF - 2001 / ICF-SW 77: Testbericht und Vergleich © addx kurier 4 / 1996

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überarbeitet am 26.9.2010

"Badewanne" und "Schuhkarton"
Erfahrungen mit dem Sony ICF 2001 D und ICF SW-77

von Jürgen Bast
Doppelsuper, 1. ZF 19,055 MHz, 2. ZF 455 kHz

Digitalanzeige, 1 kHz

AM, USB/LSB, CW, FM-UKW

Selektivität -6 dB/ -46 dB
3,1/7,8 kHz, 4,8/xx kHz (WA) resp. 4,5 kHz/ 9 kHz (W)

Sensitivität
AM 1,3 - 2 uV, SSB 0,3 - 0,6 uV

RF-Gain, Preselektor

In Erfahrungsberichten und Vergleichstests ist der aktuelle Spitzenempfänger von Sony, der ICF SW-77, oft mit dem direkten Grundig-Konkurrenten Satellit 700 verglichen worden, Vergleiche mit dem Sony-Vorgängermodell ICF 2001D gab's eher sporadisch. Für Besitzer der Sony Top-Empfänger dürfte es interessant sein, mehr über die Stärken und Schwächen der beiden Modelle zu erfahren, die sich bei einem mehrwöchigen Praxistest herauskristallisiert haben. Über die technischen Konzepte von SW-77 und 2001D ist in der Fachpresse so viel veröffentlicht worden, daß ich darauf nur oberflächlich eingehen möchte. Schwerpunkt meines Artikels soll der praktische Umgang mit diesen Radios und natürlich die Empfangspraxis sein.

Mein Spitzname für den ICF SW-77? "Die Badewanne". Weil er merkwürdige Mulden hat in der Rückwand, und betont rundliche Formen. Wie eine Badewanne eben. Das Gerät wirkt sehr zierlich und formschön, die Teleskopantenne verjüngt sich nach oben überdurchschnittlich stark, ist in der Tat aber nicht sonderlich solide, sondern verbiegt sich leicht, wenn man damit irgendwo hängen bleibt (Vorhang überm Fenstersims etc.). Der SW-77 ist wie das Vorgängergerät mit einem Tragriemen ausgestattet, sicherlich keine optimale Lösung. Der 2001D läßt sich leichter bedienen als der SW-77, obwohl das aktuelle Gerät von den Möglichkeiten her mehr bietet. Der SW-77 kann 162 Frequenzen speichern, beim 2001D sind es gerade mal 40. Der Vorteil beim älteren Gerät: Es stehen 40 Speichertasten zur Verfügung, die sich blitzschnell und direkt anwählen lassen, beim SW-77 dagegen muß man sich mit dem Menü der Bedienungselektronik vertraut machen, das Studium der Anleitung ist also unumgänglich. In so manchem Gespräch mit Besitzern des SW-77 bekam ich Aussagen zu hören, die man so zusammenfassen könnte: "Wie das mit den Speichern läuft, hab ich immer noch nicht raus, ist mir zu kompliziert, die benütz ich gar nicht...". Auch das Drehrad der Hauptabstimmung ist für viele SW-77 Besitzer ein Ärgernis. Es läuft nicht so leicht wie beim SW-55, "Abrutscher" sind nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel, eine Fingermulde wird schmerzlich vermisst. Dazu Sony Deutschland: "Das Gerät ist in Japan konzipiert worden, wir können da nichts machen". Mein Brief an den Vertriebsleiter vom Herbst 1995 ist bis heute nicht beantwortet.

Für den ICF 2001D hat irgend jemand einmal die Bezeichnung "Schuhkarton" in einen Testbericht einfliessen lassen. Damit ist die äußere Erscheinung des Gerätes ziemlich treffend charakterisiert (wobei der 2001 D zu den feinen, schlanken "Schuhkartons" gezählt werden muß, er hat durchaus gefällige Züge).

Im Bereich der Kofferweltempfänger hat das Gerät einen legendären Ruf, nicht zu Unrecht. Im Vergleich mit den Lowe-Empfängern HF-150 und HF-225 Europa (an einer etwa 10 Meter langen Drahtantenne) musste ich immer wieder zur Kenntnis nehmen, daß der ICF 2001D in der Mehrzahl der Empfangssituationen mühelos mithalten konnte. oft nur an der Teleskopantenne, unter Zuhilfenahme des Minipreselectors ADDX-Pre-1. Nach meinem Eindruck ist die Empfindlichkeit des SW-77 kaum geringer als die des 2001 D. Das ältere Gerät kann jedoch den Vorteil eines für Kurzwelle optimalen Frequenzgangs für sich in die Waagschale werfen, und das selbst bei der Wiedergabe schwacher und schwächster Stationen. Der SW-77 bringt dagegen den für so manches japanische Gerät typischen näselnden, gequetschten Klang, der vor allem beim Einsatz des engen Filters die Verständlichkeit oft erschwert oder völlig unmöglich macht.

Empfangspraxis
Auf der Mittelwelle brachte der 2001D den ERF auf 1467 kHz um 21.30 MEZ in Filterstellung "Wide" mit überragender Sprachverständlichkeit bei etwas stärkeren Hintergrundgeräuschen. Der SW-77 war ruhiger, im Klang flacher, in der Sprache weniger natürlich. Bei beiden Geräten hatte ich den Synchrondetektor aktiviert, Stellung USB.
Wechseln wir zur Kurzwelle. Der 2001 D spricht deutlich besser auf den Pre-1 an als der SW-77. In Verbindung mit dem Pre-1 macht der 2001D auch sehr schwache Signale hörbar. Die folgenden Erfahrungen kamen ohne solche Hilfsmittel zustande.
Radio Budapest auf 3975 kHz ließ sich mit dem 2001 D um 20.48 Uhr spürbar klarer und besser empfangen als auf dem SW-77, der stärker rauschte und auch in der Wiedergabe dumpfer war.
Radio Korea, das auf 7550 kHz recht schwach zu hören war, kam auf dem 2001 D ebenfalls verständlicher im Synch-Betrieb, der Synchrondetektor des SW-77 rastete gar nicht erst ein. Der "Synch" des SW-77 ist brauchbare Signalstärken vorausgesetzt wirklich gut, die Seitenbandtrennung ist besser als beim Vorgänger.
Die Stimme des Freien China aus Taipeh ist mit dem 2001D auf 9610 kHz um die berühmte Spur verständlicher als beim Vergleichsgerät, der SW-77 wirkt unruhiger, zappeliger.
Um 21.50 UTC fischt der SW-77 Radio Finnland auf 6120 kHz in der Filterstellung "Wide" (und Sync USB) sehr überzeugend aus dem Äther, während der Synchrondetektor des 2001 D von einem starken Störer merklich irritiert wird (Sprachwiedergabe gleicht zeitweise einem schlecht eingestellten SSB-Signal). In Filterstellung "Narrow" verschwindet der Spuk schlagartig und der Empfang ist ähnlich gut wie beim SW-77. Generell läßt sich sagen, daß der Synch des SW-77, einmal eingerastet, eine stabilere Wiedergabe liefert als der des 2001 D.
Shannon Volmet auf 2899 kHz kommt auf beiden Geräten gut, der Empfang des 2001 D ist eine Spur klarer.
Uganda auf 5026 kHz um 23.00 Uhr: kaum Unterschiede, brauchbarer Empfang.
Mali ist auf 4X35 kHz auf dem 2001 D am besten zu hören, auf dem SW-77 verschwindet die Sprache bei Signaleinbrüchen im Rauschteppich.
Togo auf 5047 kHz ist in Stellung Synch USB mit dem SW-77 etwas deutlicher als beim 2001D.
Yaoundé, 20.40 Uhr auf 4850 kHz: Auf beiden Geräten "schimmert" die Sendung immer wieder durch, es handelt sich um folkloristischen Gesang, auf dem mitlaufenden Grundig Satellit 700 ist die Station so eben zu erahnen.
HCJB auf 12005 kHz ist auf dem 2001 D kaum zu erahnen, eine "zärtliche Handauflegung" sorgt für eine merkliche Signalverbesserung, daß eine Dame am Mikrophon ist, ist klar zu hören. Beim SW-77 verschwindet das Signal fast völlig im Rauschen, und auf zärtliche Gesten reagiert der SW-77 eher zurückhaltend.
AIR Delhi auf 11620 kHz kann der SW-77 dagegen besser an den Lautsprecher bringen, mit deutlich weniger Nebengeräuschen, in Filterstellung "Wide". Beim SW-77 kann man häufig auch dann noch das breite Filter einsetzen, wenn beim 2001D längst zum engen Filter gewechselt werden muss.

Fazit
Natürlich lassen sich persönliche Vorlieben nicht ganz verleugnen. Wenn ich wählen müsste zwischen den beiden Geräten, ich wurde mich immer für den 2001 D entscheiden. Die einfache und überzeugende Bedienung, die immer wieder verblüffenden Empfangsleistungen sind für mich die wichtigsten Gründe. 40 Speicher reichen mir völlig. Wer mehr benötigt, ist mit dem SW-77 sicherlich besser bedient. Auch der SW-77 ist ein ausgezeichneter Kurzwellenempfänger, der dem 2001D auch in so mancher Situation Paroli bieten kann. Auf UKW ist der SW-77 eindeutig erster Sieger, zumal er über Kopfhörer Stereowiedergabe bietet. Der SW-77 läßt sich darüberhinaus gut mit Akkus füttern, was beim 2001 D nicht so gut geht, weil der Synchrondetektor bei niedrigen Versorgungsspannungen zu Schwinggeräuschen neigt, perfekt ist der 2001D keineswegs, weshalb sonst gibt es inzwischen einen SW-77, dem diese Macke ausgetrieben worden ist?

© Rolf - Dieter Wiedenmann, kurier 4 / 1996