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AKD Target / NASA

HF - 3: Testbericht © kurier 9 / 1997

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überarbeitet am 27.9.2010

AKD Target HF 3: Die Einsteiger DX-Maschine

Doppelsuper, 1. ZF 45 MHz, 2. ZF 455 kHz

Digitalanzeige, 1 kHz

AM, LSB / USB

30 kHz - 30 MHz

Selektivität -6 dB/ -50 dB

Sensitivität
ca. 1 uV

Abschwächer

1 Speicher

Erstaunliches hatten wir erst einmal nicht erwartet, als wir das unscheinbare Päckchen dieses Mini-Kommunikationsempfängers mit den Maßen 180 x 58 x 200 (B x H x T) auspackten. Der Target wird in Deutschland von VHT angeboten, aber auch über den Technischen Clubdienst der ADDX vertrieben. Unsere Zweifel sollten sich ziemlich bald als unberechtigt herausstellen.

AKD ist ein in Deutschland bislang weitgehend unbekannter Hersteller von Amateurfunkgeräten aus England. Mit dem fast spartanisch erscheinenden Kurzwellenempfänger Target HF 3 soll nun wohl die Kategorie der Kurzwellenhörer angesprochen werden, die mit einem optisch und von der Größe her vergleichbaren Lowe HF 150 liebäugeln, aber nicht bereit sind, gut 1000 DM für einen solchen Empfänger auszugeben. Der Target wird mit einem Verkaufspreis von unter 500 DM bestimmt Interessenten finden.

Der Geräterahmen besteht aus Blech, das von einem soliden und kratzfesten Kunststoffgehäuse ummantelt wird. Innen zeigt sich ein konventioneller Aufbau ohne SMD-Technik. Damit ist der Target relativ modifikations- und reparaturfreundlich ausgelegt. Der Frequenzbereich des Gerätes reicht von 30 kHz bis 30 MHz. Ausgelegt ist der Target als Doppelsuper für AM / USB / LSB. Er verfügt bei SSB über eine Bandbreite von 3,8 kHz mit zusätzlichem Clarifier zur Feinabstimmung (+/- 800 Hz), in AM über 6 kHz. Die Schrittweite beträgt 1 kHz. Die Abstimmung der Frequenzen erfolgt über den Hauptabstimrnknopf auf der rechten Geräteseite in mehreren Geschwindigkeiten, die von der Drehgeschwindigkeit des, Anwenders abhängen. Von langsam (10 kHz pro Umdrehung) über 100 kHz und 1 MHz pro Umdrehung bis hin zu sehr schnell mit 10 MHz pro Umdrehung. Die Abstimmart ist für den Hörer gewöhnungsbedürftig, oft dreht man an der gewünschten Frequenz ungewollt vorbei. Für blinde Hobbyfreunde ist das Gerät somit ungeeignet. Nur ein (!) gewünschter Sender kann über die "Memory"-Taste gespeichert und über die Taste RCL, also Recall, wieder aufgerufen werden. Die Empfindlichkeit liegt nach Herstellerangaben bei 1 uV. Das Gerät arbeitet mit 12 Volt Betriebsspannung und benötigt mindestens 300 mA, die über ein extemes Netzgerät zugeführt wird. Das Netzteil ist im Lieferumfang enthalten. Die Zwischenfrequenzen liegen bei 455 kHz mit Keramikfilter und 45 MHz mit Quarzfilter. Als NF-Leistung werden 2 Watt angegeben. Auf der Rückseite des Target sind neben einem PL-Antennenanschluß (mit ungewöhnlichen 70 Ohm) und der Anschlußbuchse für das 12-Volt-Netzteil noch ein Signalabschwächer (ATT) und - erstaunlicherweise hier -der Kopfhöreranschluß eingebaut.

Das umfangreiche englischsprachige Begleitbuch enthält alle Schaltpläne und eine anschauliche Einführung in die physikalischen Grundlagen des Kurzwellenempfangs. Der Target wird übrigens laut Auskunft des Herstellers in Zukunft auch mit einem direkten RTTY-Ausgang und einer Computer-Schnittstelle einschließlich Software erhältlich sein.

Praxis
Für diesen Test wurden zuerst zwei Aktivantennen verwendet. Zum einen eine vertikal aufgehängte Datong DA 270 und zum anderen - wegen der portablen Einsatzmöglichkeit des Empfängers - die auch dafür taugliche ADDX-AT-2 mit magnetischem Loop-Aufsatz. Die dem Target beigelegte rund 10 Meter lange Wurfantenne sollte man nur im Notfall verwenden, da sie zu wenig Signal bringt.

Nach Anschluß des Empfängers an das geregelte 12-Volt-Netzteil wird der Target über den links oben angebrachten Lautstärkeregler bis zur gewünschten Lautstärke eingeschaltet. Zum Ausschalten dreht man zurück bis zum "Klick"; allerdings trennt das Gerät schon bei ganz heruntergefahrener Lautstärke vom Strom. Folge ist, daß die zuletzt über die Memory-Taste gespeicherte Frequenz bei erneutem Lauter-Drehen erscheint und nicht die zuletzt gehörte. Fingerspitzengefühl ist also hier wie auch bei der Bedienung des Tuning-Knopfes gefragt. Mit den "Pfeil-hoch"- bzw. "Pfeil-abwärts"-Tasten kann man die Modulationsart wählen. Diese wird im Display angezeigt. Die relative Empfangsfeldstärke ist ebenfalls im Display abzulesen und zwar durch eine bis S-9 reichende Balkenanzeige. Diese arbeitet jedoch relativ ungenau und zeigt bereits bei relativ schwach einfallenden Sendern S-9 an.

Da der Testbeginn bei etwa 16 Uhr UTC Anfang April lag, reizte zuerst ein Check der frühen Vertreter im Tropenband. Papua-Neuguinea auf 4890 kHz sollte den Anfang machen und tatsächlich - mit geringem Grundrauschen sang bei sattem Klang gut verständlich Lionel Ritchie um die halbe Welt. Auch dem sich anschließenden Telefoninterview konnte problemlos gefolgt werden. Wir streifen weiter durch das 60-m Band und treffen bereits um diese Uhrzeit mit beiden Antennen fast alle 5 kHz eine andere Station an. Die zum Vergleich mitlaufenden Icom R-71 und Grundig Satellit 700 bieten nicht mehr und nicht weniger an Empfang. Ein ähnliches Bild bietet auch das 90-m Band. 3306 kHz (Zimbabwe) und 3320 kHz (Südafrika) präsentieren sich über Kopfhörer klar und verständlich. Etwas später gesellen sich auf allen drei Geräten mit vergleichbarer Signalstärke Namibia 3270 kHz und Taiwan auf 3335 kHz dazu. Einschränkungen bei der Verständlichkeit gibt es allerdings beim Hören von Wortprogrammen über den zu dumpf klingenden eingebauten Lautsprecher, ein Problem, das auch bei dem ähnlich kompakten Lowe HF 150 zu verzeichnen ist. über den Technischen Clubdienst wird ein Lautsprecher mit transparentem Klang erhältlich sein. Apropos Höreindruck: Der Target produziert durch den internen Prozessor ein leises Sirren, das aber nur bei geringer Lautstärke über Kopfhörer wahrgenommen wird.

Die Empfindlichkeit im Tropenband überzeugt mit den benutzten Antennen. Am späteren Abend und in den für den Fernempfang interessanten Nachtstunden vermißt man eine umschaltbare Bandbreite im AMBetrieb, da die Trennschärfe mit dem werksseitig eingebauten Filter mit einer Breite von 6 kHz in vielen Fällen zu gering ist. Zwar sind z.B. Zimbabwe auf 4828 kHz und Yakutsk auf 4825 kHz am Abend beide zu hören, doch trennen lassen sich solche Nachbarn nicht. Da der SSB-Betrieb mit einer Filterbreite von 3,8 kHz das Problem auch kaum zu lösen vermag, ist ein Filteraustausch für den ernsthaften Hörer dringend geboten. Auch hier kann über den ADDX-Clubdienst eine Modifikation erfolgen.

In den oberen Bändern sollte die Empfindlichkeit natürlich ebenfalls getestet werden. Ab ca. 19.00 Uhr wurden das 19- und das 25-m Band zuerst anhand des deutschsprachigen Programms von Radio HOB überprüft. Nur geringes Rauschen auf 15550 kHz mit magnetischer Loop-Antenne, 12025 kHz etwas schwächer, aber klar verständlich. Anders wirkte sich die Datong aus. Auch ohne eingeschalteten Verstärker muß nun der Abschwächer des Target geschaltet werden, um übersteuerungen zu vermeiden. Danach ist aber ein brauchbares Signal vorhanden. Brasilien auf 15265 kHz erhält nun nur noch Abstriche wegen der senderseitig zu hoch gefahrenen Modulation. WWCR auf 15685 kHz ist in gleicher Signalstärke wie mit den Vergleichsgeräten von Icom und Grundig aufzunehmen, aber etwas besser in der Verständlichkeit, als der Grundig Satellit 700 selbst bei Synch-Betrieb.

Abschließend interessiert nun der SSB-Empfang. Völlig problemlos lassen sich Sprechverbindungen zwischen Amateurfunkein einregeln, sofern die Stationen weit genug auseinander arbeiten, denn Schwierigkeiten bereitet die doch recht große SSB-Bandbreite von 3,8 kHz im Hinblick auf die Trennung auf Nachbarfrequenzen arbeitender Amateure.

Langwelle und Mittelwelle präsentieren sich mit etwas geringerer Empfindlichkeit, aber guter transparenter Verständlichkeit. Die Selektivität kann hingegen als gut bezeichnet werden. Allerdings verursacht das 6-kHz-Filter Interferenzpfeifen. überseeEmpfang war dennoch auf freien Nachbarfrequenzen möglich. So konnten CJYQ auf 930 kHz aus Kanada sowie WNRB auf 15 10 kHz - wenn auch eingeschränkt - in der zweiten Nachthälfte gehört werden.

Alternativ wurde der Target mit einer unangepaßten 30-m Langdrahtantenne unter ungeschirmtem Dach betrieben. Hiermit, aber auch mit 30 Metern Langdraht über einen Balun eingespeist, sind auf allen Bereichen deutlich schwächere Signale zu verzeichnen, als mit den Aktivantennen. Das verschmerzbare dezente Grundrauschen bleibt dabei in gleichem Maße bestehen. Auch der weiterhin verwendete Fundamenterder brachte als Antenne benutzt geringere Pegel als auf den parallel benutzten Geräten von Icom und Grundig.

Fazit
Zusammenfassend ist zum Target HF 3 festzustellen, daß er in seiner Größe und Ausstattung eine ernstzunehmende Alternative zu Portabelempfängern dieser, aber auch höherer Preisklasse darstellt. Wer auf Speicher, Digplaybeleuchtung und eine Tastatur zur Frequenzeingabe verzichten kann, sollte diesen Empfänger bei einer Neuanschaffung ernsthaft in Erwägung ziehen. Die Verwendung einer regelbaren Ativantenne als Zusatzgerät wird von uns empfohlen.

© U. Bräutigam, J. Bast & Ch. Hardt, kurier 9 / 1997