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Yaesu Musen Company Ltd., Tokyo

FRG - 100: Testbericht © weltweit hören 4 / 1993

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überarbeitet am 28.9.2010

Kurzbeschreibung und erste Eindrücke

Doppelsuper, ZF 47,21 MHz, 455 kHz

Digitalanzeige, 10 Hz

AM, USB/LSB, CW, FM-n

Selektivität -6 dB/ -50 dB
A-Version: 2,7/4,5 kHz, 8/15 kHz, 10/18 kHz, 15/30 kHz FM
B-Version: 2,4/4,5 kHz, 4 kHz, 6 kHz, 15/30 kHz FM

Sensitivität
AM <1 uV, SSB< 0,25 uV, FM <0,5 uV

Abschwächer 2x, AGC 2x, IF- Shift, Noise Blanker

50 Speicher, CAT- Computer- Schnittstelle

Der FRG- 100 ist ein kompakter, leichter, aber hochwertiger Kommunikationsempfänger mit einem durchgehenden Frequenzbereich von 50 kHz bis 30 MHz. Zur Stromversorgung ist ein Netzteil (nicht mitgeliefert) von 11..14V Gleichspannung mit mindestens 1,2 A erforderlich. Ein Anschlußkabel mit freien Enden für die DC-Buchse (wieder mal eine neue Norm...) liegt bei. Einstellbare Betriebsarten sind AM (schmal und breit), FM (Option), SSB und CW (schmal und breit). Die Anzeigegenauigkeit und die kleinsten Abstimmschritte betragen 10 Hz. Eine Tastatur zur direkten Frequenzeingabe ist, im Gegensatz zum Vorgänger FRG-8800, nicht vorhanden. Mit den beiden UP-/DOWN-Tasten rechts vom Abstimmknopf gelangt man aber recht schnell in 100 kHz-Schritten in die Nähe der gewünschten Frequenz. Diese beiden Tasten erlauben auch die direkte Anwahl von 16 voreingestellten Rundfunkbändern (LW - 11 m), wenn gleichzeitig die Taste SET gedrückt wird. Man kann dann mit dem Abstimmknopf die gewünschte Frequenz aufsuchen. Wechselt man dann ins nächste Rundfunkband, bleibt diese eingestellte Frequenz für das betreffende Rundfunkband gespeichert, d.h. bei der Rückkehr in dieses Band landet man automatisch wieder auf dieser Frequenz. Das ist sehr praktisch bei der Überprüfung der Empfangsqualität eines Senders in verschiedenen Bändern, ohne daß die Frequenzen abgespeichert werden.

Es sind 50 Speicher plus 2 für die untere bzw. obere Frequenz bei Suchlaufbetrieb vorhanden. Abgespeichert werden Frequenz, Betriebsart und Filtereinstellung (schmal oder breit) bei AM und CW. Suchlauf kann innerhalb dieser Speicher in verschiedenen Varianten durchgeführt werden.

Zur Schaltung: Der FRG-100 ist ein Doppelsuper mit einer ersten ZF von 47,21 MHz und einer zweiten ZF von 455 kHz. Das Eingangssignal durchläuft zuerst 2 schaltbare Abschwächer (6 und 12 dB, zusammen 18 dB), ein Tiefpaßfilter und einen von 8 Eingangsbandpässen, bevor es auf es auf einen Gegentaktmischer mit 2 FETs (2SK125) gelangt. Die erste ZF-Selektion besorgen zwei dreipolige Quarzfilter. Vor der Umsetzung in die zweite ZF ist ein geregelter Dualgate - MOSFET angeordnet. Der zweite Mischer ist ebenfalls mit 2 FETs in Gegentaktschaltung bestückt. Zur Selektion kommen 3 verschiedene Keramikfilter zum Einsatz. Für CW-schmal kann ein Quarzfilter mit 250 oder 500 Hz nachgerüstet werden.
Das von den teureren YAESU-Transceivern abgeschaute Eingangsteil ist sehr großsignalfest und empfindlich. Übersteuerungen konnte ich im Betrieb nicht feststellen, mein lokaler Störpegel lag deutlich über dem Empfängerrauschen.
Für SSB ist ein ordentliches Filter (CFL455K15) mit 2,4 kHz (min.) Bandbreite eingebaut. Nicht besonders gefiel mir aber die Filterbestückung in AM. Für breit wird ein CFW455H (6 kHz) und für schmal ein CFW455I(4 kHz) eingesetzt. Das breite Filter ist für den Empfang von stärkeren Sendern ohne Nachbarkanalstörungen noch brauchbar (andere Empfänger haben auch kein besseres Filter), die Umschaltung auf das 4 kHz-Filter ergab aber keine hörbare Bandbreitenverringerung. Auch am Meßsender war der Unterschied nur sehr gering. Zuerst dachte ich an einen Fehler, aber die eingebauten Filter wurden tatsächlich angesteuert und hatten auch die im Schaltbild angegebene Bezeichnung. Nach langem Überlegen entschloß ich mich, das angebliche l kHz Filter zu wechseln, um den FRG- 100 auch in den eng belegten Rundfunkbändern nutzen zu können. Dank der servicefreundlichen Konstruktion konnte die obere HF-Platine (MAIN-UNIT) relativ schnell ausgebaut werden. Das eingebaute Filter CFW455I wurde gegen ein baugleiches mit der Bezeichnung CFW455JT ausgetauscht. Dieser Typ wird auch im SONY ICF-2001 D in Stellung AM schmal bzw. SSB eingesetzt. Sinnvoll wäre auch gleich der Austausch des 6-kHz-Filters CFW455H gegen ein CFW455HT (bessere Sperrdämpfung), doch ich hatte gerade keines auf Lager.
Nach dieser Filtermodifikation hörte man deutlich einen Unterschied zwischen AM schmal und AM breit. Jetzt war der FRG- 100 (nach meiner Meinung) für den Empfang in den überbelegten Rundfunkbändern gerüstet. Der anschließende Bummel über die Bänder hat richtig Spaß gemacht und ließ die anfängliche Enttäuschung über die Filterbestückung schnell vergessen. Für die meisten, auch engagierten KW-Rundfunkhörer durfte die Filterbestückung CFW455H (oder HT) und CFW 455 JT in der Regel voll ausreichen.

Der eine oder andere Hörer wird natürlich eine andere Vorstellung von optimaler Filterbestückung für seine Zwecke haben. Dank der ZF von 455 kHz steht diesen Spezialisten die ganze Palette der Filter von Murata und anderer Firmen zur Verfügung. Platz ist im Gerät ausreichend vorhanden um grössere Filter ggf. mit Drahtbeinchen einzubauen. Es geht aber auch ohne Eingriffe in das Gerät: Dank der Taste SET kann man viele werkseitig voreingestellte Parameter ändern. So kann mit dieser gedrückt gehaltenen Taste nach Drücken der Taste SEL die Zuordnung der Bandbreite zur jeweiligen Betriebsart frei verändert werden. AM schmal kann z.B. auf das SSB-Filter mit 2,4 kHz und AM breit auf das 4 kHz-Filter gelegt werden. Diese Umänderung ist in den Tropenbändern sehr nützlich. SSB kann mit dem 4-kHz-Filter gehört und CW schmal könnte dem 6-kHz-Filter zugeordnet werden. Letzteres ist natürlich praktischer Unsinn, aber die Möglichkeit besteht... Ein anderer sehr interessanter Parameter kann mit SET und MEM CLEAR verändert werden: Die Ablage der BFO-Frequenz von der Filtermittenfrequenz 455 kHz. Geliefert wird das Gerät mit der üblichen Ablage von +1,5 kHz, je nach Seitenband. Diese Ablage kann, für LSB und USB getrennt, im Bereich von +-3 kHz in 10-Hz-Schritten verändert und dann neu abgespeichert werden. Damit kann das Klangbild auf den persönlichen Geschmack und die beste Verständlichkeit eingestellt werden. Bei Tropenbandempfang in SSB (geht übrigens ufb) brachte eine Veränderung auf ca. 1,7 kHz Ablage eine etwas bessere Verständlichkeit Wichtig ist eine andere Ablage auch bei RTTY und FAX. Die Durchlaßkurve des Filters kann damit auf die vom Konverter benötigten Tonfrequenzen abgestimmt werden. Damit müßte auch RTTY-Empfang mit dem zusätzlich erhältlichen 500-Hz-Filter möglich sein (noch nicht ausprobiert), denn dieses Filter läßt sich auch in SSB einschalten (mit SET und SEL, wie oben erwähnt).

Praktisch funktioniert die BFO-Verstimmung so: Nach Drücken der Tasten SET und MEM CLEAR erscheint statt der Empfangsfrequenz die aktuelle BFO-Frequenz in der Anzeige. Mit dem Drehknopf MEM (UPDOWN) unten links kann dann die BFO-Frequenz verstimmt werden. Eine eingestellte Station "pfeift" dabei aber nicht aus (z.B. bei Empfang einer AM-Station in LSB oder USB), sondern bleibt auf Schwebungsnull. Es verschiebt sich folglich die Lage der Filterkurve, und man bekommt damit ein Passband-Tuning: eine Einrichtung, die sonst erst bei teureren Empfängern vorhanden ist! Die Einstellung ist zwar ein wenig umständlicher als mit einem separaten Passband-Tuning-Knopf und bei der Verstellung hört man die PLL immer kurz einrasten, aber bei manchen Tropenbandsendern ist man sehr froh über diese Möglichkeit. Wirklich eine feine Sache, was die YAESU-Konstrukteure dem eingebauten Mikrocomputer einprogrammiert haben!

Weitere mit SEL veränderbare Einstellungen sind die Veränderung des Quittungstones, des CW-Mithörtones, der PLL-Frequenz, der Frequenzlage bei CW-Empfang und der Abstimmschrittweite bei FAST im Bereich von 100 Hz bis 100 kHz. Letzteres ermöglicht den Betrieb des FRG-100 als "Kanalmühle", z.B. im CB-Band oder anderen Kanalfunkdiensten (Seefunk, Flugfunk). Die Schritte gehen dann von der zuletzt eingestellten Empfangsfrequenz aus. Es findet keine Auf- oder Abrundung auf ganzzahlige Vielfache (z.B. 10 kHz) wie bei vielen Scannern statt. Auch dies ist eine praxisgerechte Sache.
Weitere Geräteänderungen sind über diverse Tasten möglich, die beim Einschalten des Empfängers gedrückt gehalten werden. Die beigelegte Tabelle aus dem englischsprachigen Handbuch (das deutschsprachige ist noch in der Mache) gibt darüber Auskunft. Mit diesen vielen Änderungsmöglichkeiten kann man sich den FRG-1OO nach den jeweiligen eigenen Bedürfnissen konfigurieren - wenn man das möchte. In der Regel braucht man an den Voreinstellungen des Empfängers, so wie er geliefert wird, aber nichts zu ändern und kann ihn gleich in Betrieb nehmen. Es ist aber gut zu wissen, daß man für zukünftige Anwendungen (vielleicht interessiert man sich in ein paar Jahren nicht nur für Rundfunk...) nicht gleich einen neuen und teureren Empfänger kaufen muß.

Dank des ausgezeichneten Eingangsteiles und der vielen Möglichkeiten setzt der YAESU FRG- 100 neue Maßstäbe in der Preisklasse unter 2000,- DM. Die erwähnte Filtermodifikation sollte allerdings durchgeführt werden.

Technische Daten
Frequenzbereich: 50 kHz bis 30 MHz
Modi: USB, LSB, CW, AM; FM (Option)
Abstimmschritte: 10 Hz/ 100 Hz (CW/SSB); 100 Hz / 1 kHz (AM/FM)

Empfindlichkeit:
SSB (2,4 kHz): 100 - 250 kHz: kleiner 4 mV
250 - 500 kHz: kleiner 1 mV
0,5 - 1,8 MHz: kleiner 2 mV
1,8 - 30 MHz: kleiner 0,25 mV

AM (6 kHz): 100 - 250 kHz: kleiner 10 mV
250 - 500 kHz: kleiner 2 mV
0,5 - 1,8 MHz: kleiner 4 mV
1,8 - 30 MHz: kleiner 1 mV

Selektivität: (min.-6 / max.-60 dB)
CW schmal (Option): 500 Hz /1,8 kHz
SSB, CW: 2,4 kHz / 4,5 kHz
AM schmal: 4 kHz / 15 kHz (-50 dB)
AM: 6 kHz / 18 kHz (-50 dB)
FM (Option): 15 kHz / 30 kHz

Zwischenfrequenzen: 1. ZF: 47,21 MHz, 2. ZF: 455 kHz
Spiegelfrequenzsicherheit: ( 1,8 - 30 MHz): 70 dB und besser

Stromversorgung: = 11 - 14V
Abmessungen: 238 x 93 x 243 mm, Gewicht: ca. 3 kg

Preis: ca. 1300 DM

© Jürgen Martens, DF5TY, wwh 4 / 1993