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Braun, Frankfurt

Braun T 1000 CD: Testbericht © weltweit hören 9 / 1983

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überarbeitet am 19.10.2010

Braun T 1000 CD - König der Oldtimer

Einfachsuper, ZF 455 kHz

Analoganzeige, ca. 25 kHz

AM, SSB (BFO), FM (UKW)

Sensitivität 5 MHz
AM 2 uV

Selektivität -6 dB
2 / 6 kHz

AGC, ANL, NF - Filter, MW - Ferritantenne,

Der gesuchteste Oldtimer Ist zweifellos der Braun T 1000 oder sein Nachfolgemodell T 1000 CD. Für gut erhaltene Exemplare, vom Konzept her 20 Jahre alt, wird auch heute ohne Murren ein halber Tausender auf den Tisch gelegt. Der nachfolgende Testbericht zeigt, warum dieser Empfänger so begehrt ist.

Das Aussehen des Gerätes fasziniert. Nun ist Formgebung eine Geschmackssache, aber die klare, sachliche Architektur des Gehäuses und seiner Bedienungselemente beeindruckt. Die Stabilität der mechanischen Konstruktion setzt sich in der Elektronik des Empfängers fort. Ohne schaltungstechnische Kompromisse wurde hier - dem damaligen Stand der Technik entsprechend - ein hochwertiger Weltempfänger geschaffen. Getrennte Empfangsteile für AM und FM arbeiten auf einem gemeinsamen NF-Teil. Sogar die Antennen sind den Eingangsteilen fest zugeordnet. Es gibt zwei Teleskopantennen für UKW, eine Ferritantenne für LW/MW und eine weitere sehr lange Teleskopantenne für KW. Ein separater Einstellknopf treibt einen eigenen Zeiger für den UKW-Bereich. Prunkstück der Konstruktion ist der Goldkontakt - Trommeltuner mit einzeln austauschbaren Segmenten, ein Prinzip, das Grundig bis 1982 beibehalten hatte.
Die Schaltung des T 1000 wurde so ausgelegt, daß sich mit den damals verfügbaren Mitteln (L / C-Kreise) ein günstiges Abstimmverhältnis ohne Spiegelfrequenzprobleme ergab. So hat dieser Empfänger dann auch zwölf AM-Bereiche, davon je zweimal LW und MW. Ähnliche Schaltungskonzepte nutzten noch jahrelang die Satelliten und der Nordmende Globetrotter.

Die Bedienungselemente des T 1000 sind umfassend ausgelegt, einschließlich einer wirksamen Bandbreitenschaltung im ZF-Teil. Die Selektion kann durch weitere Schaltmaßnahmen im NF-Teil noch verbessert werden. Feinabstimmung (KW-Lupe), BFO, Antennenanpassung, HF-Verstärkung von Hand, S-Meter, - der Braun T 1000 hat alles, was damals Stand der Technik war.
Auch die Anschlußmöglichkeiten lassen keine Wünsche offen: externe Antennen für FM und AM (mit Anpassung), Erde.
Dazu im NF-Bereich Anschlüsse für Kopfhörer, externen Lautsprecher, Tonaufnahme und Tonwiedergabe. Eine Besonderheit bietet die Stromversorgung mit dem einsetzbaren Netzteil TN 1000. Neben Wechselspannungen von 90- 240 Volt können beliebige Gleichspannungen im Bereich von 6- 24 Volt angeschlossen werden. Obwohl nominell für 12 Volt ausgelegt, arbeitet der Empfänger auch mit 6 Volt noch zufriedenstellend. Ein großes Batteriefach nimmt 9 Monozellen auf, davon dient eine Zelle ausschließlich der schaltbaren Skalenbeleuchtung.
Beim Erscheinen des Empfängers im Jahre 1963 war die Fachpresse des Lobes voll; knapp 20 Jahre später haben wir dann dieses 12 Jahre alte Modell erneut untersucht. Zuletzt wurde der Braun T 1000 CD für DM 998,- verkauft, der ursprüngliche Listenpreis lag bei DM 1498,-. Ab Mitte 1971 erhielt der Empfänger kosmetische Detailänderungen und den Zusatz CD. Denn neben den großen Satelliten war es vor allem dieser Empfänger, der in Konsulaten und Botschaften rund um die Welt zu finden war.

Leistung und Eleganz
Nach dem Einsetzen der Batterien und dem Abklappen der vorderen Gehäuseabdeckung ist der Empfänger betriebsbereit. Die Schalter sind immer noch schwergängig, zeigen also auch nach einigen Tausend Schaltspielen noch keine Ermüdungserscheinungen. Dasselbe läßt sich über den Trommeltuner sagen, er ist solide, schwergängig und immer noch treffsicher. Die Kontaktsätze mußten gereinigt werden, um geräuschloses Schalten zu ermöglichen.
Dieser T 1000 wurde in direktem Vergleich mit Satellit 3400, FRG 7700 und ICF 2001 betrieben, wahlweise mit Außenantennen oder mit einer 25 m langen L-Antenne.

Zunächst zur Bedienung:
das klare, sachliche Äußere erleichtert die Orientierung ungemein, und die Zuordnung der Schaltfunktionen wie NF-Filter als Zugschalter am NF-Einsteller ist praktisch. Auch mit der vorliegenden Aufteilung der verschiedenen Knöpfe, Schalter und Skalen läßt sich leben. Kritikwürdig bleibt jedoch die Position der elektronischen Feinabstimmung direkt über dem sehr winzigen S-Meter. Gerade wenn es auf ein paar Millimeter Zeigerausschlag ankommt, verdeckt die Hand an der Feinabstimmung die Skala des Anzeigeinstrumentes. Die Schwergängigkeit des Bereichsschalters ist gewollt, nur so läßt sich der Goldkontakt-Tuner sauber rasten. Mit diesem Problem haben auch andere Firmen gekämpft. Heutzutage würde allein diese umständliche Art der Bereichswahl zu einer Abwertung des Empfängers führen.
Die sparsamen Skalenmarkierungen sind das wohl größte Manko des Braun. Zwar läßt sich jeder Bereich einzeln nacheichen, aber die Spulen auf dem Trommeltuner sind derart vergossen, daß dies wohl nur von theoretischem Interesse bleibt. Die Skalen sind gut lesbar; aber man kann jedoch eine bestimmte Frequenz im KW-Bereich allenfalls auf 25 kHz genau schätzen, wenn man zwischen den Strichmarkierungen liegt. Damit ist der Empfänger für heutigen DX-Einsatz uninteressant. Was diesen Empfänger auszeichnet, ist die exzellente Leistung als SWL-Gerät. Bei sehr niedrigem Grundrauschen und einer ausgezeichneten AGC-Charakteristik sind SWL-Stationen in bestechender Qualität aufnehmbar, wobei der T 1000 auch noch ungewöhnlich empfindlich ist. Durch stufenweise Beeinflussung der Signalaufbereitung können Störeffekte immer weiter verringert werden. Zunächst wird der Klangregelungsknopf gezogen; damit ergibt sich eine Optimierung für Sprachfrequenzen mit gehörrichtiger Lautstärkeregelung. Langt das nicht, so kann auf die schmale ZF-Bandbreite umgeschaltet werden. Sollte dies auch noch nicht genügen, so wird in geradezu brutaler Weise der NF-Bereich durch Ziehen am Lautstärkesteller auf +/-1 kHz / 6 dB eingeengt. Diese Schaltungen können variiert werden; da es sich ausschließlich um R/C- oder L/C-Schaltungen handelt, tritt zu keiner Zeit ein Klingeln oder harter Klangeindruck in Erscheinung. Das NF-Signal bleibt stets klanglich ausgewogen.

Der T 1000 ist ein Einfachsuper, benutzt also nicht die spiegelfrequenzdämpfende Doppelsuperschaltung. Im dichtbelegten 49m-Band wurde die Dämpfung der Spiegelfrequenzen zu 38 dB ermittelt, ein nicht überragender Wert. Ab ca. 17 MHz fällt dieser Wert dann unter 25 dB. aber hier ist auch die Bandbelegung nicht mehr so eng. Mit einem ICP 3. Ordnung von -12 dBm kann sich der T 1000 auch heute noch in seiner Klasse sehen lassen.
Der Überlagerungsoszillator ermöglicht prinzipiell auch SSB-Empfang, aber diese Betriebsart ist nicht die Stärke dieses Empfängers. Man muß doch schon recht fleißig mit den Einstellern für BFO, Feinabstimmung und HF-Handeinstellung jonglieren, um Amateurfunk hörbar zu machen. Schwundmindernder ECSS-Betrieb (AM mit selektiertem Seitenband) bleibt unmöglich; Telegrafie bringt der T 1000 dafür einwandfrei. Schließlich war der Einsatz als Empfänger für einseitigen Sprechfunkverkehr eine der Möglichkeiten, die der T 1000 bot, sogar mit Peileinrichtung. Dazu mußte der Empfänger umgerüstet werden und erhielt dann die begehrte C-Nummer des FTZ.
Externe Antennen verträgt der Braun gut, allerdings muß dann die Teleskopantenne eingeschoben werden. Die kapazitive Antennenanpassung zeigt gute Wirkung.
Lobenswert ist das sauber gestaltete Anschlußfeld auf der Vorderseite, man braucht nicht im Halbdunkel hinter dem Gerät herumzufummeln, um Antennen, Kopfhörer oder Lautsprecher an- und umzustecken. Mit Sicherheit klingt der Braun T 1000 besser als der Großteil modernerer Empfänger, mit Ausnahme des Satellit 3400. Die Empfangsleistungen im AM-Bereich sind nach wie vor ausgezeichnet, der Empfänger ist empfindlich, trennscharf und bringt ein unglaublich gutes Klangbild Zustande. Unter Verzicht auf die SSB-Betriebsart war der Braun meist deutlich empfindlicher als FRG 7700 und ICF 2001. Die fehlende Treffsicherheit bei der Suche nach bestimmten Frequenzen ist als wertbestimmender Maßstab anzulegen. Eine Anschaffung lohnt sich daher nur für Liebhaber derartiger Oldtimer. Es ist bedauerlich, daß Braun den Markt verlassen hat.

Fazit
Für das Abhören der großen oder kleinen Rundfunkstationen, wenn man also nicht gerade auf der Suche nach Radio Kabul ist, bleibt der Braun T 1000 immer noch ein brauchbares Gerät. Abgesehen vom Seltenheitswert bringt dieser Oldtimer durchaus akzeptable Leistungen. Die ungemein solide Konstruktion zeigt im Langzeitbetrieb keinerlei Schwachstellen, und der konservative Aufbau der Schaltung und die gute Dokumentation machen eventuelle Reparaturen nicht zum Alptraum. Ein Preis um DM 400,- ist für gut erhaltene Exemplare durchaus angemessen.

Technische Daten: Braun T 1000 (CD)
Hersteller Braun AG, Frankfurt
Vertrieb Fachhandel
Gerätetyp Kofferempfanger
Schaltungstyp Einfachsuper
Frequenzbereich LW, MW, UKW, KW von 1.5 MHz - 30 MHz
Ablesegenauigkeit +/- 25 kHz
Frequenzstabilität +/- 0.5 kHz innerhalb einer Stunde
Besonderheiten: aufwendiger Allbandempfänger in bestechendem Design. Stark gespreizte Bereiche for LW, MW und KW. Vielseitiqe Schalt- und Einstellmöglichkeiten.

HF-Teil
Empfindlichkeit

Freq. uV Freq. uV
0,15 174 5,0 2.6
0,5 162 7,0 2.5
1,0 84 10,0 3.2
1,5 71 15,0 2.7
2,0 2.7 30,0 3.8

Selektivität - 6 / - 60 dB

breit schmal
3,3 / 14,8 1,6 / 5,8

Spiegelfrequenzsicherheit 61 - 20 dB
AGC-Regelbereich 80 dB
Antennen Ferritantenne, 3 Teleskopantennen
Antennenanschluß 4 mm Buchsen auf der Vorderseite
Sonstiges 4 mm Buchsen auf der Vorderseite, Peilantenne anschließbar, Feinabstimmung +/- 3 kHz. SSB/CW mit BFO.

NF-Teil
Leistung, Sinus, 10 % THD 2.1 Watt
Frequenzgang + 3 dB 71 - 13 400 Hz
Tonblende +/- 8 dB, zusätzlich L/C-Filter 1 kHz
Störbegrenzer schaltbar
Lautsprecher 4 0hm, 9 x 15cm
Anschlüsse Lautsprecher, Kopfhörer, Tonaufnahme/-wiedergabe

Sonstiges
Stromversorgung 7 x Mono, ext. Netzteil
Leistungsaufnahme 3.2 Watt
Abmessungen 36 x 24 x 13 BHT in cm, Gewicht 8.5 kg
Zubehör Handbuch, Schaltplan
FTZ-Nummer C-Nummer
Preis ca. DM 1 000,-

weitere Lektüre:
d: Damals luxuriös - Braun T 1000 CD, Nils Schiffhauer, Oldie- KW-Empfänger

© wwh 9 / 1983