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Collins Radio Company, Cedar Rapids, USA

Testbericht 51 S - 1, © agdx wwh 6 / 1993

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Collins
 
Collins 51 J - 4
Collins 51 S - 1
Collins R - 388 A
Collins R - 390 A
 
receiver list
receiver manuals

überarbeitet am 23.7.2010

Der legendäre "51 S - 1 " - Der letzte Röhrenempfänger von Collins

Dreifachsuper, ZF 14,5-15,5 MHz, 3-2 MHz, 500 kHz

lineare Analoganzeige 1 kHz

AM, LSB, USB, CW

Empfindlichkeit MW AM 15 uV, SSB 3 uV,
5 MHz AM < 3uV, SSB < 0,6 uV

Selektivität -6 dB
0,8 kHz; 2,4 kHz, 5 kHz

RF-Gain, Notchfilter

Der 51S-1, wohl noch heute der bekannteste Empfänger des amerikanischen Herstellers Collins, ist eine stark verkleinerte Version der sogenannten "51er" Serie. Diese Geräteserie wurde um 1950 begründet. Einige der bekannteren Vertreter dieser Serie sind der 51 J-3, besser bekannt unter dem Namen R-388/URR, der 51 J-4, als R-388 A bekannt, der R-390 und der R-390A / URR und der sogenannte "NATO Würfel" R-392. Die Bezeichnung "A" gibt an, daß diese Geräte mit den auch noch heute sehr gefragten (und auch heute noch auf Bestellung gefertigten) mechanischen Filtern von Collins ausgestattet sind. Alle diese Empfänger wurden von Collins entwickelt. Wer aber von den genannten R 390 oder R 390A / URR laut Typenschild einen "echten" Collins hat, sollte sich dieser Rarität bewußt sein, denn vom Hersteller Collins wurden laut dem hauseigenen Archiv von beiden Typen zusammen nur 525 Stück hergestellt! Die 390er Serie wurde dann im Auftrag und nach den technischen Vorgaben von Collins bei seinerzeit bekannten Firmen wie z.B. Steward Warner, Capehart oder Motorola gefertigt.

Die Entwicklung des 51S-1 begann Ende 1959. Die ersten Gerate wurden im Herbst 1961 ausgeliefert. Damals kostete der Empfänger in Osterreich ca. 60.000 Schilling. Die ersten 50 Empfänger waren im VFO mit zwei Röhren bestückt, hatten gegenüber späteren Modellen zwei Skalenlampen und es waren äußerlich geringfügige Änderungen an der Frontplatte beim AF Gain Regler zu erkennen. Nach diesen ersten Änderungen wurden während der gesamten Bauzeit des Empfängers nur sehr geringe schaltungs- und komponenten- technische Änderungen durchgeführt. Alle 51S-1 Empfänger wurden in Cedar Rapids im Bundesstaat lowa, wo sich das Stammhaus von Collins befindet, hergestellt. Nach Angaben des Collinsarchivs wurden von diesen Empfänger 8500 Stück hergestellt. Aus der Verkaufspalette wurde der 51S-1 erst Ende Juni 1981 genommen, obwohl er seit 1975 kaum mehr verkauft wurde. Denn schon seit Ende 1971 war der volltransistorierte 651 S-1 erhältlich, der schon über eine digitale Frequenzanzeige verfügte, die in den ersten Modellen mit Nixie-Röhren ausgeführt wurde. Dieser Empfänger war bis 1982 im Programm; er wurde dann vom 851 S-1 abgelöst, der nur sehr kurze Zeit erhältlich war. Dieser Collins Empfänger wurde wiederum durch das Modell 2050 abgelöst.

Eingesetzt wurde der 51S-1 hauptsächlich von militärischen Stellen, er wurde aber auch an einige wenige Privatpersullen verkauft. Das bekannteste militärischen Einsatzgebiet dieses Empfängers war wohl der Krieg in Indochina. Eine große Bedeutung für die Kommunikation hatte der 51S-1 auch während des Apollo Weltraumprogramms. Der Empfänger wurde in vier verschiedenen Ausführungen hergestellt. Als 51S-1 mit der militärischen Bezeichnung R- 1122/GR (2,4 kHz SSB Filter, 230V AC), als 51S-1A mit der militärischen Bezeichnung R- 1430/UR (2,4 kHz SSB Filter, 28V DC), als 51S-1E mit der militärischen Bezeichnung R - 1156/GR (Rackversion) und als 51S-1F mit der mil. Bezeichnung R-1156A/GR (ebenfalls eine Rackversion). Bei der US-Army hatte das Modell 51S-1 A die Bezeichnung R-1433/UR und wurde grundsätzlich in Flugzeugen verwendet. Dort kam der Empfänger mit einem 800 Hz CW - Quarzfilter zum Einsatz. Das Modell 51S-1B hatte neben der üblichen Ausstattung an der Rückwand eine militärisch standardisierte Anschlußbox für Netz, Audio, Antenne und Mute, die aber nur an die üblich vorhandenen Steckverbinder angesteckt wurde. Als weiteres, externes Zubehör waren für alle 51S-1 Modelle erhältlich: der Gehäuselautsprecher 312C-1 ein 600 Ohm Kopfhörer und der 55G- 1 Tuner. Dieser Preselektor war gemeinsam mit einem Lautsprecher in einem Gehäuse untergebracht und hatte die Aufgabe, die Signale zwischen 0,2 und 2 MHz die der 51S-1 nur mit herabgesetzter Empfindlichkeit empfängt, zu verstärken. Dieses Zusatzgerät wurden nur in wenigen Exemplaren verkauft, heute ist es sehr selten erhältlich.

Der 51S-1 überstreicht einen Frequenzbereich von 0,2 bis 2 MHz mit verringerter Leistung, die volle Empl:angsstärke liefert er von 2 bis 30 MHz. Der Empfänger arbeitet als Dreifachsuper von 0,2 - 7 MHz und als Doppelsuper auf einer ersten ZF von 14,5 bis 15,5 MHz, die zweite ZF wird auf 2 bis 3 MHz hinuntergemischt, die dritte ZF befindet sich auf 500 kHz. Die Empfindlichkeit des 51S-1 wird mit 3.0 Mikrovolt für AM und 0,6 Mikrovolt für SSB Betrieb angegeben, gemessen mit 1O dB Signal +N / N. Der Empfänger ist für den Empfang von AM,SSB und CW Sendungen ausgelegt. Die Bandbreiten der Filter betragen bei -6dB für CW 800 Hz, für SSB 2,75 kHz oder in späteren Ausführungen 2,4 kHz und 5 kHz f ür AM . Als Option gab es ein 300 Hz CW Quarzfilter, sowie ein mechanisches 3,1 kHz SSB Filter und ein mechanisches 6 kHz Filter. Dieses 6 kHz Filter ist auch noch heute auf Bestellung bei Collins-Rockwell Händlern erhältlich, kostet ca. 325 US Dollar und wird mit einer ausführlichen Einbauanleitung geliefert.

Wenn man den 51S-1 nun einschaltet, freut man sich als erstes über die klare und gelungene Gestaltung der Frontplatte. Der Empfanger kommt mit 9 Schaltern bzw. Reglern aus und läßt sich im Gegensatz zu einigen "Hightech" Empfängem (z.B. Drake R-8, Sony SW 55 / 77) auch ohne Betriebsanleitung benutzen! So findet man auf der linken Geräteseite den kombinierten AUS/ STANDBY/ EIN/ CALIBRATOR Schalter, daneben einen kleinen Drehknopf für die Kalibrierung der Frequenzanzeige. Mit diesen Knopf kann die Anzeige in einen Bereieh von +/ 7kHz auf zumindest 500 Hz genau justiert werden. Unter diesen Regler befindet sich der 30stufige MHz Schalter, der den entsprechenden MHz Bereich anwählt und gleichzeitig auch den für jeden MHz Bereich entsprechenden Bandpaß Filter auswählt. Durch diese Vorselektion werden die nachfolgenden Verstärkerstuten natürlich von viel "HF-Schmutz" aus anderen Frequenzbereichen befreit - die gleichmässig gute Empfangsleistung des 51 S- 1 im gesamtem KW Bereich ist der Dank dafür. Unter diesem großen Schalter befindet sich noch der RF Gain Regler und die Buchse für den Kopfhörer. In der Mitte der große Hauptabstimmknopf, der durch seine Mechanik beim schnellen Frequenzwechsel immer den Eindruck einer mechanischen Eisenbahn hinterläßt, die gerade aufgezogen wird. Mit diesen Hauptabstimmknopf kann nun die Frequenz sehr feinfühlig eingestellt werden, mit einen kleinen Hebel an der Unterseite des Einstellrades könnte man den Knopf feststellen und so vor versehentlichen Verdrehen schützen. Auf der rechten Seite des Empfangers befinden sich nebeneinander der AF-Gain Regler und die Umschaltung der Demodulationsarten. Darüber befindet sich der Regler für das ZF-Notch Filter, das mit einer Tiefe von 40 dB sehr gute Arbeit leistet und sich in Vergleich zu vielen modernen Filtern die nur mehr in der NF Ebene arbeiten, auch gut zum Ausblenden von Nachbarkanalstörungen eignet. Ich kenne keinen modernen Empfänger (mit Ausnahme professioneller Geräte) deren Notch Filterderart wirkungsvoll arbeitet! Rechts davon befindet sich noch das "S-Meter", das die Eingangsfeldstärke in dB anzeigt und zwar in dB über der AGC Ansprechschwelle, die bei ca. 1 Mikrovolt liegt. So ergäbe eine Anzeige von 40 dB ca. 100 Mikrovolt, aber das trifft nicht auf alle Bereiche zu, da die HF Verstärkung in den einzelnen Bereichen differiert. Auch die Mischverstärkung des ersten Mischers ist je nach Einstellung der verschiedenen Bereiche unterschiedlich. Selbst die Bandquarze geben abweichende HF-Spannungen ab. Somit ist die S-Meteranzeige für die übliche Angabe wie man sie von Amateurgeraten kennt, nur bedingt brauchbar - es ist eine ausgesprochene Relativanzeige. Der kleine Schalter unterhalb des Instruments lässt sich in drei Stufen schalten - für die RF. sowie für O dBM und +10 dBM. Die O und +10 dBM Schalterstellungen sind für Anzeige des Audio Output von Telefoneinspeisungen. Als letztes sieht man auf der Frontseite noch das Collins Emblem. Hier gibt es ja das ältere "winged" Emblem und das modernere "round" Emblem. Die im Interesse von vielen Collins- Liebhabern bis heute noch nicht ganz geklärte Frage ist: "Wann wurde auf das neuere Emblem gewechselt?" Selbst im Collins-Archiv in Cedar Rapids finden sich dazu keine Hinweise. Aufgrund verschiedener Manualausgaben des 51 S- 1 glauben wir aber, das es um 1967 gewesen sein sollte. Wer kann dazu konkretere Angaben machen?

Im Betrieb ist der erste Eindruck wie bei anderen Collins Geräten auch - sicher der hervorragend klare Empfang, egal ob in AM oder SSB! Selbst der derzeit wohl beste semiprofessionelle Empfanger von JRC, der NRD 535 kann hier bei ähnlichen Filterbreiten nicht mithalten. So konnte die mit viel Volksmusik produzierte Sendung der Voice of Vietnam aus Hanoi, die ja auf 12020 kHz immer in guter und ungestörter Qualität hier zu hören ist, am 51S-1 noch klarer als am 535 gehört werden. Ähnliche Beispiele aus dem Tropenband mit allabendlich starken Signalen wie z.B. aus dem Tschad auf 4904 oder der Empfang von Radio Cima 100 aus der Dominikanischen Republik auf 4960 nach 0400 UTC brachten das gleiche Ergebnis. Problematischer wird der Empfang mit dem 51S-1 in AM bei gestörten Signalen. Hier wirkt sich das breite 5 kHz Filter schon sehr negativ aus und überdeckt natürlich das gewünschte Signal. Abhilfe bietet hier nur der Empfang auf einem der beiden Seitenbänder, das hier verwendete 2,4 kHz SSB Filter ist dieser Aufgabe wesentlich besser gewachsen. Das als Zubehör noch heute erhältliche mechanische 6 kHz Filter ist zwar breiter als das Originalfilter, hat aber wesentlich bessere Formwerte und sollte passionierten Rundfunkhörern wirklich empfohlen werden! Trotz dieser Schwäche macht der Rundfunkempfang mit dem 51S-1 gerade in den internationalen Rundfunkbändern mit seinen weniger gestörten Sendern aus aller Welt viel Vergnügen. In SSB leistet sich der Collins keine Schwäche, egal ob man nun anfang März den relativ leisen Signalen aus dem Pazifik zuhört, die morgens im 20 Meter Band zu hören sind, oder ob man abends im 80 Meter Band nicht alltägliches DX sucht. In CW ist das 800 Hz Filter sicher für die meisten Kurzwellenhörer ausreichend, wem das nicht genügt kann sich ja das 300 Hz Filter nachrüsten...

Walter Hann (OE8WHK, Neubaugasse 2319, A-9300 St Veit a. d. Glahn)
Christoph Ratzer (OE2CRM, www.ratzer.at)

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