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Rosetta Laboratories,St. Kilda, Australia

Testbericht WinRadio WR - 1001i - © kurier 11 / 1996

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Rosetta WinRadio
 
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überarbeitet am 23.7.2010

Rosetta WinRadio: Everything goes...!

A PC board communications receiver
Triple conversion,

Digital display, 1 kHz

AM, SSB, FM-n, FM-w

500 kHz - 1,3 GHz

Selectivity -6 dB/ -60 dB

Sensitivity

completely computer controlled PC board receiver

Die Idee einen KW-Empfänger in Form einer PC-Steckkarte zu entwickeln ist nicht mehr ganz neu. Die US-Firma "Comfocus" hat es schon einmal probiert und scheiterte. Der völlige Verzicht auf ein eigenes Empfängergehäuse ist ein unkalkulierbares Wagnis: Ist es möglich, die Empfängerkarte gegen die HF-Störungen im PC-Gehäuse ausreichend abzublocken? Stösst eine solche Bauform bei der anvisierten Kundschaft überhaupt auf Akzeptanz?

Die australische Firma Rosetta-Laboratories wagt mit "WinRadio" einen neuerlichen Vorstoss in diese kleine, vielleicht zukunftsträchtige Marktnische. In Deutschland wird die Karte für etwa 900 Mark angeboten und verspricht dafür einen lückenlosen Empfang von 500 kHz bis 1300 MHz in allen Betriebsarten. Wer würde da nicht neugierig?

Schon vor dem eigentlichen Test stellt sich die Frage, welche Leistungen man eigentlich erwarten soll. Liegt der Akzent von "WinRadio" im Kurzwellenbereich oder eher im VHF-UHF-Empfang? Der deutsche Pressetext nennt das australische PC-Radio einen "Breitbandempfänger der Oberklasse" - eine Formulierung, die weiter alle Fragen offen läßt. In dieser Preisklasse finden sich Scanner, die auch Kurzwelle empfangen, doch brauchbar ist der Empfang unter 30 MHz erfahrungsgemäß nicht. Empfänger, die Kurzwelle und Ultrakurzwelle in gleichem Maße beherrschen, kosten schnell das 10-fache der Rosetta-Karte. Wenn "WinRadio" einen Kurzwellenempfang bieten würde, der normalen Kurzwellen-Höransprüchen genügt und zusätzlich den gesamten Sprechfunk auf UKW brauchbar empfangen könnte, so wäre die Ausgabe von 900 Mark für ein universell einsetzbares Zweitempfangsgerät durch fortgeschrittene Wellenreiter ebenso denkbar, wie die Anschaffung durch Einsteiger, die sich nicht entscheiden können, ob sie ihr Geld lieber in einen Kurzwellenempfänger oder einen Scanner investieren sollen.

Installation
In einer aufwendigen Umverpackung liegt das neuartige Produkt auf dem Tisch. (Es fallt mir noch etwas schwer "Empfänger" zu einer PC-Steckkarte zu sagen...) Der Karton enthält ein 140 Seiten Handbuch, eine Draht-Behelfsantenne an deren Ende ein BNC-Stecker baumelt, eine Software- Diskette und die lange PC-Steckkarte (16Bit). Im Gegensatz zu gewöhnlichen Empfängerplatinen sind bei der Rosetta-Karte nicht nur die frequenzbestimmenden Schaltungselemente in kleinen Weißblechdosen untergebracht, sondern schlicht die gesamte Schaltung. An der hinteren Schmalseite ist nur ein Antenneneingang als 50 0hm BNC Buchse und eine kleine Stereo-Klinken-Buchse zum Anschluß eines Kopfhörers oder von Aktivboxen vorgesehen. "Oberklasse-Empfänger" haben da wenigstens zwei Antenneneingänge und Signalausgänge.

Eine Steckkarte in den PC zu installieren ist auch kein Grund zur Besorgnis für weniger computererfahrene Benutzer. Die Karte ist werksseitig auf die Hexadezimaladresse 180 eingestellt. Eine gute Wahl, weil die meisten Karten der Computerperipherie ohnehin nicht im unteren Adressraum konfiguriert werden. Sollte die Adresse schon von einer anderen Karte benutzt werden, bietet die Software die Möglichkeit, aus 12 weiteren Adressen eine freie ausfindig zu machen. So wird wohl kaum ein Benutzer in die Verlegenheit kommen, Drahtbrücken (Jumper) an der Platine verändern zu müssen. Man kann also Schreckgespenster wie hexadezimale Portadressierung und unterer oder oberer Adressraum getrost vergessen. Die Karte wird einfach in einen beliebigen freien 16-Bit-Steckplatz des Rechners gesteckt.

Im Testfall bot sich nur ein Steckplatz direkt unterhalb der Videokarte an. Das Weißblechgehäuse der Empfängerkarte ist nur etwa 1,5 mm von den Lötstellen des Videochips entfernt. Zur Sicherheit wurde ein Stück dünne Pappe dazwischengeschoben, denn auf die lackierte Oberfläche der Radiokartenabschirmung wollte ich mich dann doch nicht verlassen. Jedenfalls steckte der Empfänger reichlich auf Tuchfühlung mit dem S3-Videoprozessor, einem PC-Bauteil mit berüchtigtem Störpotential.

Auch die Software ist schnell installiert. Die Diskette enthält eine Windows- und eine DOS-Version, und die ganze Arbeit besteht darin, ein Verzeichnis der Diskette auf die Festplatte zu kopieren (DOS), oder das Installationsprogramm für Windows zu starten. Schnell noch die Wurfantenne an den Antenneneingang und den Kopfhörer an den NF-Ausgang gesteckt, und schon kann es los gehen.

Erste Gehversuche
Windows-Version: Ein Mausklick auf das "Rosetta-WinRadio-lcon" und schon erscheint eine ins Dunkel gehüllte Empfängerfrontplatte auf dem Monitor. Nur ein Schalter rechts unten mit der Aufschrift "POWER" fällt ins Auge. Ein vorsichtiger Versuch den Schalter mit der Maus zu betätigen und schon kommt erschreckend viel Leben auf den Bildschirm. Irgendwo um 10 MHz in AM und mit flackerndem S-Meter startet das Abenteuer. Aus dem Kopfhörer dröhnt das vertraute Gebrodel der Kurzwelle.

Die Bedienung unterscheidet sich eigentlich nicht von der eines normalen Empfängers, mit dem Unterschied, daß man keine Knöpfe drückt oder Regler dreht, sondern nur noch mit der Maus auf die Knöpfe und Regler zeigt, die man betätigen mochte. Jeder der einmal einen Kommunikationsempfänger bedient hat, kann sofort und ohne Eingewöhnung loslegen. Selbst die meisten erweiterten Funktionen im Bereich des Speichermanagements und der Scannerprogrammierung erschliessen sich dem sachkundigen Benutzer ohne langwieriges Studium des Handbuches. Keine Frage: In der Benutzerführung und Bedienungsfreundlichkeit belegt die Windows-Software von "WinRadio", verglichen mit den zahlreichen von mir bislang getesteten Steuerprogrammen für Kurzwellenempfänger einen Spitzenplatz .

DOS-Version: Ein kleines DOS-Programm zur Empfängersteuerung ist ebenfalls mit im Lieferumfang enthalten. Es beschränkt sich auf eine kurze Bedienübersicht, die alle Tasten angibt, mit der die Grundfunktionen des Empfängers gesteuert werden können. Es handelt sich um ein reines Kommando zeilen- Programm ohne jede grafische Aufbereitung. So fehlen dem Programm auch alle Suchlauffunktionen und das gesamte Frequenzspeicher-Management. An, Aus, Lautstärke, Frequenz und Betriebsart; mehr läßt sich nicht machen. Ganz sinnlos ist die DOS-Version auch für Windows-Benützer nicht, weil auf bestimmten Frequenzen die hochauflösende Grafik der Windows-Variante - je nach Rechner und Monitor - eben doch zu Empfangsstörungen führen könnte. Manchmal lohnt sich dann die Umschaltung auf die DOS-Version um dem Empfang zu verbessern. In der getesteten Gerätekonstellation konnte kein pauschales Urteil abgegeben werden, ob der Empfang unter DOS besser war als unter Windows. Manchmal hatten die Tester zwar den Eindruck, aber die Unstetigkeit von Kurzwellensignalen und die psychologische Komponente bei den Testpersonen spielen auch eine Rolle bei der Bewertung. Kurzum: Groß war der Unterschied zwischen Empfang unter DOS und Empfang unter Windows jedenfalls nicht.

Allgemeines
Schon bei den ersten Empfangsversuchen beeindrucken die Möglichkeiten, die sich zwischen Mittelwelle und 1300 MHz eröffnen, wenn man in der Wahl der Betriebsart völlig frei ist. Welcher billige Scanner ist schon SSB-tauglich oder bietet FM-Breit im OIRT-Band. Endlich konnte ich auch mal ein Ohr in das 6-Meterband der Funkamateure werfen, oder einigen CB-Piraten knapp unter dem 10-Meterband in FM-schmal lauschen. Ein Spiel ohne Grenzen !

Die Technik
Über die Technik, die auf der Karte in der Blechdose herumwerkelt ist letztlich nichts bekannt. Im Handbuch findet sich der Hinweis auf den Frequenzbereich, die Betriebsarten (AM, SSB, FM-W, FM-N) eine Angabe der Eingangsempfindlichkeit von 1 uV ohne jeden weiteren Bezug. Die NF-Ausgangsleistung beträgt 0,2 Watt an 8 Ohm. Mehr wird nicht verraten.

Man würde vielleicht erwarten, daß eine Empfängerkarte kostengünstiger herzustellen ist, weil etliche technische Ressourcen des PC’s mitbenutzt werden können. Die Wahrheit ist, daß nur ein Empfängergehäuse mit ein paar Schaltern und eine Stromversorgung eingespart wird. Die Rosetta-Karte arbeitet eigentlich völlig autark. Nur die Software zur Steuerung des Empfängers benutzt Systemressourcen. So kann man die Anwendung "WinRadio" schließen und selbst Windows einfach verlassen, ohne daß der Empfänger seinen Betrieb einstellt.

So modern die Empfangskarte und ihre Bedienung wirken mag, die Technik ist ganz und gar konservativ. So wird jeder Kurzwellenhörer eine umschaltbare Bandbreite für AM vermissen, wenngleich das gewählte Filter einen Kompromiß zu finden versucht. In der Betriebsart SSB fühlt man sich gar 15 Jahre zurückversetzt, muß zur Demodulation des Signals doch ein BFO bemüht werden.

Kurzwelle
Die ersten Empfangsversuche wurden kurzerhand mit der mitgelieferten Wurfantenne gemacht. Zum Vergleich wurde ein Sony ICF-2001D mit Teleskopantenne herangezogen. Ein erster Spaziergang über das 49-Meterband hinterliess den Eindruck, man könnte nur zwischen guter Empfindlichkeit mit hoffnungsloser Überladung der Eingangsstufe, oder relativer Taubheit bei geschaltetem Abschwächer wählen. Ein Eindruck, der sich im weiteren Testverlauf noch relativieren sollte. Immerhin trennt der ZF-Filter die Stationen in 5-kHz-Raster zufriedenstellend. Die Abstimmung kann auf 1 kHz genau vorgenommen werden.

Zu meiner Überraschung blieb das erwartete Chaos von PC-erzeugten Störungen beim Empfang aus. Wie bei vielen anderen preiswerten Kurzwellenempfängern auch, ist beim Abstimmvorgang ein klopfendes Geräusch zu hören. Bei mittleren Signalstärken ist ein derartiges Klopfgeräusch während des Empfangs weiterhin unüberhörbar, erreicht aber nie einen Pegel, der zu einer Empfangsbeinträchtigung führt. Ein paar Eigenpfeifstellen habe ich gefunden, zum Beispiel bei 15.050 kHz, einige weitere werden im Handbuch vermerkt, aber ein echtes Problem resultiert daraus nicht. Die australischen Ingenieure scheinen ihre Hausaufgaben zur PC-Störungsabwehr gewissenhaft gemacht zu haben.

Bei einem nächtlichen Streifzug über das 60-Meterband stolperte ich um 22.58 über ein schwaches Signal auf 4.704 kHz. Man konnte eine männliche Stimme in portugiesisch oder spanischer Sprache hören. In der Gegend senden zwei bolivianische Stationen, die beide zu seltenen Gästen in Europa gehören. Noch bevor ich diese Beobachtung mit den Sony verifizieren konnte war um 23.00 UTC Sendeschluss. Also war es doch keine Station aus Lateinamerika, aber meine Aufmerksamkeit war geweckt. Um 23.10 Uhr konnte ich Reggae-Musik auf 4.833 kHz hören. Der Sony brachte allenfalls die Ahnung, daß dort ein Trägersignal sein könnte. Auf 5.047 kHz war Togo zu hören. Hier brachte der Sony eine deutlich bessere Verständlichkeit zustande.

Am folgenden Tag wurden ganz schwache Signale auf 16- und 13 Meter gesucht, um die Grenzen der Empfindlichkeit auszuloten. Die Vermutung, die australische PC-Karte könnte ebenso empfindlich sein, wie der Sony 2001D bestätigte sich. Daran zeigt sich die Ausrichtung des Empfängers an australische Empfangsverhältnisse mit niedrigen Summenspannungen am Antenneneingang. Auf stark belegten Bandbereichen zeigte der PC-Empfänger hingegen stets seine Schwierigkeiten mit dem Signalangebot fertig zu werden. Im Endeffekt blieb der Abschwächer immer angeschaltet. Ohne Abschwächer kamen selbst stark einfallende Stationen mit einem signifikant schlechten Signal-Rauschabstand herein. Während das "Rosetta WinRadio" Brodelgeräusche mitlieferte, war die Wiedergabe auf dem Sony jeweils ruhiger und klarer. Das AM-Filter liegt in seiner Bandbreite etwa bei 3,5 kHz, trennt die Stationen also knapp ein Kilohertz später voneinander, als das schmale Filter des Sony. Insgesamt ein guter Kompromiss zwischen Klang und Trennschärfe. Allerdings war es mit der Weitabselektion nicht so gut bestellt. Auf freiem Feld tauchten Stationen 10 kHz oberhalb und unterhalb der Nominalfrequenz nochmal auf und warfen ein schlechtes Licht auf die gut gemeinte Filterwahl

Der SSB-Empfang in den Amateurfunkbereichen verlief -erwartungsgemäß - enttäuschend. Die Wiedergabe der Phoniesignale war einfach schlecht. Das geht zum Teil auf das Konto der mangelnden oder (wahrscheinlich) fehlenden Vorselektion. Rosettas-PC-Empfänger bringt einfach keine Ruhe in das Signalangebot. Auch die 1 kHz - Abstimmschritte sind hinderlich. In allen Lebenslagen musste das schlechte Signal-Rauschverhältnis des PC- Empfängers moniert werden.

Schwierige Antennenwahl
Die ganzen Empfangsversuche wurden nochmal mit einer preselektiven Aktivantenne vom Typ "Refcom ADX-32" wiederholt. Um hier spürbare Empfangsverbesserungen zu erzielen war es nötig, den Abschwächer der Antenne zu benutzen. Auf dicht belegten Bändern wurde auch noch der Abschwächer des Empfängers aktiviert. Mit einem alten selbstgebauten PI-Filter und der Wurfantenne konnten die besten Ergebnisse erzielt werden. Die Wahl der richtigen Antenne entscheidet letztlich über Frust oder Freude am "Rosetta WinRadio". Doch welche Experimente auch immer durchgeführt wurden, so bleibt es bei recht bescheidenen Signal-Rauschabständen, die das Hören nicht immer zu einem Vergnügen machten.

VHF-UHF-Empfang
Nicht selten ist bei Scannern die Kurzwelle nur eine halbherzige Zugabe. Erst ab 30 MHz kommt Leben in diese Geräte. Nicht so beim australischen "WinRadio". Zwar reißt die Empfangsleistung auf Kurzwelle niemanden zu Begeisterungsstürmen hin, aber um die großen Auslandsdienste zu hören reicht es allemal. Über 30 MHz standen zum Test eine Stabantenne für 4-Meter, eine HB-9-CV für 2-Meter und eine Bazooka-Discone-Antenne zur Verfügung. Beim Empfang auf UKW ergibt sich das paradoxe Bild einer zu geringen Empfindlichkeit. Im UKW-Rundfunkband mit seinen starken Signalen trifft man erneut auf Übersteuerungseffekte der Eingangsstufe, die mit dem Abschwächer zwar kuriert werden können, dann aber nur noch sehr starke Sender rauschfrei bringt. Das Filter für FM-Weit ist ebenfalls von der billigeren Sorte. 120 kHz oberhalb und unterhalb der Nominalfrequenzen schlagen starke Signale nochmals durch.

Im OIRT-Band waren einige schwache Signale auszumachen, wobei es sich aber um Geisterstationen handelte. Auf 6-Meter wurden Versuche mit einer HB9CV für 2-Meter ohne Erfolg durchgeführt. Selbst die Relaisstationen auf 2-Meter kamen nur schlecht und verrauscht. Ähnlich enttäuschend die Ergebnisse im Flugfunkbereich. Wo der "Commtel-Scanner" den Tower und ATIS aus Köln, Düsseldorf und Dortmund mit guter Verständlichkeit bringt, ist mit dem "WinRadio" trotz geeigneter Antennen nur Rauschen zu hören. Im BOS-Bereich (4m) mit einer Motorola-Stabantenne kamen die umliegenden Funkkreise zwar ausreichend verständlich, aber stets durch ein kräftiges Rauschen begleitet. Ob nun 6-, 4-, 2-Meter, oder 70- und 23-cm, die aufspürbaren Signale kamen immer lustlos, verrauscht und mit muffigen Klang aus dem Kopfhörer.

Die Rauschsperre kann auf allen Frequenzen und in allen Betriebsarten aktiviert werden. Die Squelch- Abfallzeit läßt sich auf 0,1 Sekunde genau einstellen. Die Rauschsperre, hauptsächlich in der Betriebsart FM genutzt, öffnet ausreichend schnell und hinterlässt beim Schliessen keine Knack- oder Ploppgeräusche. Die Suchlauffunktionen sind vielfältig und umfassen das Abtasten zwischen beliebig definierbaren Frequenzgrenzen. Der Nutzer kann bestimmen, ob bei einem gefundenen Signal der Suchvorgang ganz gestoppt werden soll, oder nur für eine bestimmte Zeit angehalten wird. Auch frei einstellbar ist die Zeitspanne, die nach dem Abfall eines Signals verstreichen soll, bis der Suchlauf wieder startet (Delay). Erwähnenswert auch die "Auto-Write-Funktion". Alle während eines Suchlaufs aktiv angetroffenen Frequenzen können auf einer Speicherbank abgelegt werden. Das bringt uns unmittelbar zum Speichermanagement: 1000 Frequenzen können mit Betriebsart gespeichert werden. Beim manuellen Speichern von Frequenzen läßt sich neben Frequenz und Betriebsart auch optional ein Rufzeichen oder ein Stationsname eingeben. Unter "Memory-Recall" eröffnet sich später ein Menü, in dem alle gespeicherten Informationen eingesehen werden können. Um bei 1000 Speichern die Übersicht zu behalten, können die Speicher bestimmten Kanalgruppen zugeordnet werden. So wird man in einer Gruppe Rundfunksender ablegen und in einer anderen vielleicht Maritime-Stationen. Eine Suchfunktion erlaubt den schnellen Zugriff auf die gespeicherte Information. Nach der Eingabe PCH erscheinen nur die Frequenzen von Scheveningen-Radio in der Auswahl, oder nach Eingabe des Suchbegriffs "DER" nur alle gespeicherten Frequenzen der Deutschen Welle. Ein besonderer Leckerbissen ist die "Split-Frequency-Ablage", die dazu dienen könnte bei Duplex-Verbindungen schnell zwischen beiden Operationsfrequenzen hin und her zu schalten. Eine schöne Idee, von der man angesichts der Empfangsleistungen wohl nur selten Gebrauch machen wird.
Gegen Aufpreis wird eine PC-Frequenzdatenbank angeboten. Es wäre aber meines Erachtens besser gewesen, einen Datenbankgenerator mit Importfiltern für diverse Dateiformate serienmäßig mitzuliefern.
Das (englischsprachige) Handbuch ist recht überzeugend. Neben einer Einführung zum Kurzwellen- und UKW-Empfang, inklusive Tips zum Antennenbau, finden sich in dem Buch zahllose Frequenznennungen für Utility, Satelliten und Rundfunkstationen. Eine echte Einstiegshilfe, in der einiges an Arbeit steckt. Zur gut gemachten Software, die aber insgesamt kaum mehr Funktionalität als ein guter Scanner zu bieten vermag, kommen einige sehr vernünftige Dokumentationen, wie das DDE-lnterface (Dynamic Data Exchange) in Windows-Programmiersprachen wie C+, Delphi und Visual-Basic zu programmieren ist. Man ermuntert Hobby-Programmierer sich an weiteren Applikationen für "WinRadio" zu versuchen und bittet um Einsendung der Programmvorschläge. Dementsprechend praxisgerecht sind die Informationen im Handbuch aufbereitet.

Fazit
Selbst nach dem Test fällt eine Wertung nicht leicht. In dieser Preisklasse ist das "WinRadio" von Rosetta-Laboratories einzigartig. Im Kurzwellenbereich überrascht die PC-Störungsfreiheit und die Empfindlichkeit enttäuscht aber die Signalfestigkeit und Wiedergabequalität. Der VHF-UHF - Empfang bleibt hinter den Erwartungen zurück. Im VHF-UHF - Bereich kommt man in den Genuß eines lückenlosen Empfangs bis 1,3 Ghz und eines komfortablen Speichermanagements, erlebt aber einen deutlichen Abfall der Empfindlichkeit. So gesehen hat es die PC-Steckkarte nicht geschafft, die Empfangsgüte eines Kurzwellenempfängers der 350-Mark-Klasse zu erreichen und kommt auch an der Wiedergabequalität eines Handscanners für 350 Mark nicht heran. "WinRadio" beherrscht alle Frequenzen von 500 kHz bis 1,3 Ghz mit konstant unterdurchschnittlichen Empfangsleistungen.
Auf der anderen Seite widerlegt die australische PC-Karte die vorherrschende Meinung, daß PC und Kurzwelle nicht zusammenkommen können. Eine solide Experimentalplattform für einen voll softwaregesteuerten Kommunikationsempfänger ist geboren, von der aus eine Evolution zum ultimativen digitalen Empfangsgerät in greifbare Nähe rückt.
Auf die bereits geplante "Profi-Version" des "WinRadio" mit "Digital Signal-Processing" darf man in jedem Fall gespannt sein.

© M. Gonszolsky, kurier 11 / 1996