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Testbericht Satellit 650 - © ADDX kurier 15 / 1986

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überarbeitet am 19.10.2010

Grundig Satellit 650 - «Koloss ohne technische Sensationen»
von Jürgen Bast

Grundig Satellit 600

Doppelsuper, ZF 54,5 MHz, 460 kHz

Digitalanzeige, UKW, LW, MW/KW 520 kHz - 26,1 / 30 MHz (S600 & 650 prof. / 650 intl.)

AM, SBB, FM-UKW

Empfindlichkeit AM <2 uV, SSB <1 uV

Selektivität (-6/-60 dB)
2,7/ 7 und 4,8/ 13,8 kHz

S-Meter, Antennentrimmer (S600), AGC, Noise Limiter, 60 Speicher, 32 für KW, Quartzuhr

Der Satellit 650 ist eine Weiterentwicklung des Satellit 600. Deshalb werde ich bei diesem Erfahrungsbericht nicht auf Einzelheiten eingehen, sondern möchte im Hinblick auf allgemeine Kriterien den Empfänger etwas näher beleuchten. (Ausführlicher Testbericht Satellit 600 siehe Kurier 1/85) In den letzten Jahren sind die Kurzwellenempfänger immer empfindlicher geworden, so daß wir heute einen Stand entwickelt haben, der kaum noch eine Verbesserung zulässt. So ist der Satellit 600 im Kurzwellen- und UKW-Bereich recht empfindlich, während ich die Empfindlichkeit im Mittel- und Langwellenbereich als "durchschnittlich" einstufe. Durch die hohe Empfindlichkeit der heutigen Geräte gibt es oft beim Großsignalverhalten unwahrscheinliche Probleme, vor allem dann, wenn man an portable Empfänger - und der Satellit 650 ist ein solcher - versucht eine Außenantenne anzuschliessen. Der Satellit 650 hat einen eingebauten Preselektor, der sich automatisch auf die höchste Empfindlichkeit einstellen soll. Gut ist daran, daß es nicht nur automatisch geschieht, sondern daß dieser Preselektor auch von Hand zu regeln geht. Schliesst man eine Außenantenne an, gibt es aber trotz des Preselektors Probleme mit dem Großsignalverhalten, wogegen er mit der Teleskopantenne ausgezeichnet funktioniert. In den überfüllten Rundfunkbändern liessen sich alle Übersteuerungen ausschalten, was einen einwandfreien Empfang schwächerer Stationen möglich machte. Da der Preselektor auf die eingebaute Teleskopantenne abgestimmt ist, musste beim Anschluß einer Außenantenne von Hand nachgeregelt werden, aber auch dann waren die Übersteuerungen nicht ganz wegzubekommen, wodurch in der Nähe des 49-m-Bandes ein ziemliches Chaos entstand. Das dritte Kriterium, die Trennschärfe, ist zu einem großen Problem geworden. Einerseits soll der Empfänger sehr trennscharf sein, andererseits soll aber die Verständlichkeit gewährleistet bleiben. Hier müssen bei allen Geräten Kompromisse geschlossen werden. In den meisten Fällen gibt es dafür schaltbare Filter, so auch beim Satellit 650. Durch einen einrastenden Drehknopf können drei Filter geschaltet werden, wobei das schmalbandige nicht besonders steilflankig ist. Hier hätte man ein besseres Filter verwenden können, dann wäre der Satellit 650 auch für den DXer ein ganz annehmbares Gerät. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß beispielsweise beim Satellit 400, der keine Bandbreitenschaltung hat, ein sehr enges, trennscharfes Filter verwendet wurde, so daß die Verständlichkeit manchmal am Rande des Zumutbaren war. Hätte man hier beim Satellit 650 ein wirklich enges, steilflankiges Filter eingesetzt, wäre das für DXer ein Plus gewesen. Ein weiteres Kriterium ist die Klangqualität. Sie scheint zwar bei Kurzwelle unwichtig zu sein, aber trotzdem kann man manchmal mehr Genuss von einer Sendung haben, wenn der Klang stimmt. In diesem Punkt ist Grundig, im Gegensatz zu anderen Herstellern, nicht zu schlagen. Einerseits ist die "Bedienbarkeit" der Kurzwellenempfänger zwar einfacher geworden, aber andererseits durch die verschiedenen Arten von Mikroprozessoren wieder kompliziert. Der Satellit 650 ist einfach zu bedienen. Die Tipptasten brauchen wirklich nur "angetippt" zu werden, damit der gewünschte Effekt eintritt. Die Anordnung der Bedienungselemente ist übersichtlich gestaltet, so daß man auch ohne Anleitung nach kurzer Zeit mit den einzelnen Funktionen vertraut ist. Was mir jedoch unangenehm auffiel, sind zwei Dinge: Erstens, kann man nicht wie bei anderen modernen Empfängern im ganzen Spektrum tunen —zum Beispiel: Wenn man einen Langwellensender hören will, muß man diese Taste drücken usw. Man kann also nicht, wenn Langwelle eingeschaltet ist, durch Eingabe einer neuen Frequenz einen Kurzwellensender hören. Beim Satellit 400 kann man von einem Bereich in den anderen hineinwählen, warum man beim Satellit 650 diese Möglichkeit außer Acht ließ, ist mir unerfindlich, denn dies wäre eine große Erleichterung. Das zweite, was mir an der Bedienbarkeit negativ auffiel, ist die Handabstimmung. Sie erfolgt in khz-Schritten. Wenn man aber die Handabstimmung ein bisschen schneller dreht, dann überstreicht man gleich 11 kHz bzw. 111 kHz-Schritten

Ausserdem schaltet das Gerät bei schnellerem Drehen stumm. Solch eine Stummschaltung ist besonders für Sehbehinderte und Blinde, die auf 's Gehör angewiesen sind, nicht optimal, da sie dann nicht mehr wissen, wo sie sich gerade befinden. Hierzu muß man sagen, daß ein Behinderter, der keine Frequenzen ablesen kann, einerseits wenn er die Frequenz weiss, zwar durch die Tipptasten ganz leicht den gewünschten Sender erreicht, dass er aber, wenn er auf 's Geradewohl kurbelt, beim Satellit 650 große Schwierigkeiten hat sich zurechtzufinden, weil er durch die Stummschaltung bei schnellerem drehen nichts mehr hört und die Übersicht verliert. Beim Satellit 650 gibt es Speichermöglichkeiten für vier Langwellen-, acht Mittelwellen-, 16 UKW und 32 Kurzwellensender. Die Speicherung ist einfach zu bewerkstelligen.

Problematisch bei vielen Kurzwellengeräten ist der Empfang von SSB-Sendungen. Der Satellit 650 hat zwar das ECSS System, (Wenn man einen AM-Sender genau einstellt, kann man entweder auf das obere Seitenband gehen, um dann hier die Sendung weiterzuhören) aber beim 650 ist das kein Genuss weil der Dynamik-Abfall zu sehr ins Gewicht fällt, so daß der Sender nur noch leise zu hören ist. Ausserdem muß die Feineinstellung genau geregelt sein. Wahrscheinlich ist in dem Satellit 650, wie bei allen Grundig-Geräten, nur ein BFO und kein Produktdetektor eingebaut worden.

Eine Besonderheit des Satellit 650 soll sein, daß er unbedingt tauglich für Seefunk ist. (So steht es auf dem Gerät —daß ist falsch. Es müßte heissen: tauglich für den Empfang von Seefunkstationen. Ich rief Grundig an, um näheres zu erfahren, leider vergass man den Rückruf). Da der Satellit 650 nicht durchgehend von Lang- auf Mittelwelle (wo sich Funkfeuer und andere Stationen befinden) abstimmbar ist, kann man ihn hier wirklich nur bedingt einsetzen. Sollten Wetterberichte und dergleichen gemeint sein, so ist der Empfang dieser Sender auch mit anderen Geräten möglich. Oder beruht die besondere Zulassung nur darauf, daß der Satellit 650 einen Störaustaster für Zündfunken hat, der sehr wirksam ist, oder etwa, daß man von einer externen Stromquelle aus das Gerät betreiben kann. ? Ich bin leider nicht dahinter gekommen, was das besondere an dem Satellit 650 sein soll.

Fazit: Der Satellit 650 bietet dem Normalverbraucher einen guten Klang gute Empfindlichkeit und gute Trennschärfe. Für den eingefleischten DXer ist das Gerät auf UKW recht gut brauchbar, auf Kurzwelle- und Langwelle nur bedingt. Das wird durch viel technischen Komfort verdeckt. Mit seinen 9 kg Gewicht ist der Satellit 650 besonders für Betrieb in Wohnmobilen oder auf Motorbooten geeignet. Das Gerät ist optimal auf die Teleskopantenne abgestimmt, der Anschluß einer Außenantenne ist möglich, aber nicht zu empfehlen.

 

NEU von GRUNDIG
Satellit Professional 650 mit Seefunkzulassung
© Kurier 8/86

Ein Flaggenwechsel hat an der Spitze des Grundig-Weltempfänger-Angebots stattgefunden. An die Position des Satellit 600 ist das neue Modell Satellit 650 getreten, das es in zwei verschiedenen Versionen gibt: Als "Professional", dessen Kurzwelle gemäss FTZ-Richtlinien bis 26,1 MHz reicht und in der für den Export bestimmten Ausführung "Intemational" mit einer Frequenz-Obergrenze von 30 MHz. Der Satellit 650 Professional ist als "Funkempfänger mit begrenztem Anwendungsbereich" zum Einsatz bei Empfangsfunkstellen für den Seefunkdienst auf Seefahrzeugen zugelassen. Der Satellit 650 stellt derzeit das wohl einzige Gerät dieser Art aus dem Unterhaltungselektronikbereich dar, das die erforderliche Zulassung zum Empfang entsprechender Sendungen im Bereich von 1,6050 bis 4 MHz hat. Das sind z.B. Wetterberichte, nautische Nachrichten, Zeitzeichen sowie Sendungen des einseitigen Sprechfunk-Verkehrs.

Die technische Ausstattung des Satellit 650 ist gegenüber seinem Vorgängermodell durch ein neues Feature bereichert worden. Er hat eine Antennen- Koaxialbuchse zum Anschluß einer Peilantenne für Langwelle erhalten, die eingebaute Ferritantenne läßt sich abschalten. Beibehalten wurde die Frequenz-Synthesizer-Abstimmung für alle Empfangsbereiche, nämlich UKW, Mittel-, Lang- und die umfangreiche Kurzwelle, die eine elektronische präzise Senderwahl Tipptasten direkt eingegeben oder per Handabstimmung aufgesucht werden. Insgesamt 60 Speicherplätze, davon allein 32 im durchgehenden KW-Bereich von 1,6 bis 26,I bzw. 30 MHz sowie 16 für UKW, acht auf Mittel- und vier für Langwelle, halten ein umfangreiches Programmangebot abrufbereit. Eine Flüssigkristall- (LCD) Anzeige gibt Auskunft über Empfangsfrequenz, Uhrzeit sowie das Datum und liefert eine Reihe zusätzlicher Informationen. Die 24-Stunden-Quarz-Schaltuhr ist auf drei Ein-/Ausschaltzeiten je Tag programmierbar. Über einen Schaltausgang lassen sich gleichzeitig Cassettenrecorder mit entsprechender Start-/Stop- Funktion steuern.

Auf sämtlichen AM-Bereichen wird das spiegelfrequenzsichere Doppelsuperprinzip verwendet, das - insbesondere im Kurzwellenbereich - den Mehrfachempfang vermeiden hilft. Beste Trennschärfe-Eigenschaften gewährleistet der "Preselector" zum Abstimmen der Vor- und Zwischenkreise, der mit einem Dreifach-Drehkondensator sowie Variometerspulen arbeitet. Er kann sowohl motorisch als auch manuell nachgeführt werden und hat eine Orientierungsskala, die auch die KW-Band-Mittenfrequenzen wiedergibt.

Die Handabstimmung erfolgt in den AM-Bereichen im 1-kHz-, bei UKW im 10-kHz Raster Schnelles Durchstimmen erhöht automatisch die Schrittweite und verkürzt so den Abstimmvorgang über grössere Frequenzbereiche hinweg, gleichzeitig werden die Senderwahl-Geräusche stummgeschaltet. Bei direkter Frequenzanwahl in den AM-Bereichen kann die Eingabe in Kilohertz oder MHz erfolgen, der Microcomputer ordnet beispielsweise im KW-Bereich einer eingetippten "6" automatisch die Masseinheit "MHz" zu und Läßt im Display "6.000 MHz" erscheinen. Den jeweiligen Empfangsverhältnissen kann die AM-Bandbreite in drei Stufen (schmal, breit, superbreit) angepasst werden, damit gekoppelt ist ein schaltbares Interferenzfilter. Ergänzend dazu gibt es einen schaltbaren Störbegrenzer. Der Anschluß externer Antennen ist - unabhängig vom LW-Peilantennen-Anschluß - über eine Koaxialbuchse oder eine Klemme möglich, wobei die eingebauten Antennen abgeschaltet werden können.

Für den Empfang von Einseitenband- und unmodulierten Telegrafiesendem besitzt auch der neue Satellit ein SSB-Teil mit Schaltern für unteres/oberes Seitenband, manuelle Verstärkungsregelung sowie eine SSB-Feinabstimmung.

Das separat aufgebaute UKW-Empfangsteil mit 4fach-Kapazitätsdioden-Abstimmung bietet alle Voraussetzungen für hohe Empfangsqualität, die im üppig dimensionierten Verstärkerteil einen idealen Partner mit ausgezeichneten Wiedergabe-Eigenschaften findet. Es liefert bei Netzbetrieb 30 Watt Spitzenleistung und hat eine aktive Klangregelung für Höhen und Tiefen. Die Lautsprecherkombination aus einem Tieftoner und einem abschaltbaren Hochtöner ist nach HiFi-Gesichtspunkten in einer geschlossenen Box untergebracht. Der Anschluß von Außenlautsprecher und Kopfhörer ist ebenfalls möglich. Das NF-Teil bietet, zusätzlich I zur herkömmlichen TA-/TB-Buchse, Cinch-Anschlüsse für Line-Ein-/Ausgang.

Die Stromversorgung des Satellit 650 ist auf vier Arten möglich: aus dem Stromnetz, durch sechs Monozellen, den Dryfit-Akku 476 oder über die Fremdspannungsbuchse aus dem Bordnetz von Autos sowie Motorbooten. Zwei Mignonzellen stützen Uhrzeit, Datum und Speicherinhalt.

Der Satellit wiegt ohne Batterien ca. 8,5 kg, sein schwarzes Kunststoffgehäuse im Profi-Look hat Abmessungen von ca. 50 x 24 x 16 cm. Der Endverbraucherpreis beträgt im Fachhandel ca. DM 1498,-. GRUNDIG AG, Fürth

weitere Lektüre:
d: Testbericht Grundig Satellit 650, weltweit hören 6 / 1986

© Jürgen Bast, addx kurier, 15 / 1986