Grundig, Fürth

Yacht Boy 400: Receiver Test © weltweit hören 7 / 1994

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überarbeitet am 19.10.2010

Mit Abmessungen von ca. 180 x 120 x 37 mm und einem Gewicht von 590 g ohne Batterien präsentiert sich der Yacht Boy 400, von dem es noch eine Version IB mit eingeschränktem Frequenzbereich gibt, als durchaus tragbarer Reisebegleiter.

Das dem Verfasser zur Verfügung stehende Gerät zeichnet sich nach echter Grundig Manier durch einen begeisternden UKW-Empfang aus, und scheint sogar noch empfindlicher und rauschärmer als der in dieser Disziplin anerkannt gute Satellit 700. Die Trennschärfe reicht auch für Gegenden, wo es ganz dick kommt; aufgrund der Filterbezeichnung SKM2N war es dem Verfasser allerdings nicht möglich, auf die Bandbreite zu schließen.**
Der Sendersuchlauf stoppt dort, wo er soll, und die FM-Schrittweite ist mit 50 kHz gerade richtig. Lediglich der Umstand, daß die Stereo-Anzeige erst dann erscheint, wenn man auf Stereo schaltet, trübt den Glanz von UKW.

Die anderen Bereiche, die von 144 bis 353 kHz (Langwelle) und 520 bis 1710 kHz (Mittelwelle), sowie 1,711 bis 30 MHz (Kurzwelle reichen, bieten umschaltbare Schrittweiten (im Display sichtbar) von 1 / 9 kHz (Langwelle) bzw. 1 / 9 (1 / 10) kHz (Mittelwelle) und 1 / 5 kHz (Kurzwelle). Die Bandbreite liegt durch ein keramisches Filter der Gruppe J in der Stellung schmal bei 3 kHz, in Stellung breit ist ein Filter der Gruppe I mit 4 kHz eingebaut, was nach Ansicht des Verfassers des Guten zuviel ist, denn die Bandbreiten unterscheiden sich nur geringfügig. Eine 3 / 6 kHz Kombination wäre da wohl die bessere Lösung. Mit dem schmalen Filter lassen die drei Langwellensender DeutschlandRadio auf 177 kHz, Ankara auf 180 kHz und Europa 1 auf 183 kHz problemlos trennen, und mit dem zuschaltbaren BFO wird auch noch das Zeitsignal des französischen Langwellensenders auf 163 kHz hörbar. Leider wird beim Zuschalten des BFO die Schrittweite nicht automatisch auf 1 kHz umgestellt, was die Bedienung erleichtern wurde. Für Mittel- und Langwelle ist im Gerät eine 135 mm lange Ferritantenne eingebaut. Aufgrund der hohen Empfindlichkeit in den AM-Bereichen wird die beiliegende Wurfantenne nur in den seltensten Fällen zur Anwendung kommen. Bei Testgerät war sie übrigens in der Aufrolldose so verklemmt, daß diese erst zerlegt werden mußte, um sie abzuwickeln. Für KW und UKW ist ein Teleskopantenne vorhanden, die gut gängig ist und auch gut rastet. Die Stromversorgung erfolgt mit 9 V über sechs einlegbare Batterien der Größe "AA" oder über ein externes Netzgerät, das aber nicht im Lieferumfang enthalten ist. Das Gerät funktioniert auch noch mit 6 V einwandfrei; die Batteriewarnung erscheint erst bei 5 V. Damit steht der Verwendung von Akkus mit einer Zellenspannung von 1,2 V nichts im Wege. was bei der relativ hohen Stromaufnahme des Gerätes (bis zu 100 mA in den Spitzen) den Geldbeutel und die Umwelt schonen kann. Bei abgeschaltetem Gerät wurde eine Stromaufnahme von 1 uA zur Versorgung der Uhr gemessen. Wer allerdings glaubt, das 6 V Netzgerät des Grundig Satellit 700 verwenden zu können, sei gewarnt, daß die Polarität bei mechanisch passendem Stecker genau gegensinnig ist, was zur Beschädigung des Gerätes führen kann.

Die Lautsprecher-Ausgangsleistung beträgt 600 mW, reicht also völlig aus, und auch über die Kopfhörer ist fast kein Rauschen zu vernehmen, selbst wenn man empfindliche verwendet.

Die mehrsprachige Beschreibung weist zwar (sehr wenige) Druckfehler auf, geizt aber mit technischen Daten. Angaben über Empfindlichkeit, Trennschärfe oder Stabilität sucht man vergebens, übrigens auch in den Unterlagen der meisten Konkurrenzprodukte. Wobei wir bei den kritikwürdigen Punkten angelangt sind, und die betreffen eindeutig die Bedienung, den Synthesizer und das Fehlen eines Fixpegelausganges als auch eines Schaltausganges, und daher sind die Timerfunktionen eben nur als Eieruhr oder Wecker, nicht aber zum selbständigen Aufnehmen von Rundfunksendungen verwendbar.

Die am oberen Rand der Anzeige angebrachten Symbole sind so klein und fast schon vom Rahmen verdeckt, daß das Ablesen schwierig ist. Die nach einigen Sekunden selbst ausschaltende Skalenbeleuchtung scheint offensichtlich unter der LCD Anzeige vorbei, und somit sieht man bei Dunkelheit auch mit Beleuchtung nichts. Die Ziffer "5" des Tastenfeldes ist nicht markiert, was Sehbehinderte nicht schätzen werden. Sämtliche Beschriftungen sind kontrastarm und zu klein, um ohne Lupe gelesen zu. Dreht man den Lautstärkeregler nach oben, wird die Lautstärke geringer. Dreht man die SSB-Feinabstimmung nach oben, geht die Frequenz nach unten.

Im Batteriefach befindet sich kein Band, so dass das Entfernen derselben schwierig ist. Die für das Einsetzen der Batterien erforderlichen Symbole sind zwar hinten im Fach vorhanden, aber sehr klein und schwarz in schwarz gehalten und somit auch keine Hilfe. Besser ist es, sich zum merken, daß die Federn jeweils auf (-) zu liegen kommen müssen.

Einziger Lichtblick ist der Umstand, daß auch bei eingeschaltetem Gerät die Zeit (sogar in zwei Zeitzonen) ablesbar ist, und daß die eingestellte Schrittweite angezeigt wird. Die über einen Schalter bestätigte Tonblende ist nicht sehr wirksam.

Offensichtlich ist der unsaubere Synthesizer die Ursache dafür, daß jeweils vier Kanäle über und unter dem Ortssender auf MW nichts zu hören ist, und auf einigen Mittelwellenfrequenzen im Hintergrund eigenartige Geräusche auftreten. Die Verwendung des Abschwächers führt dazu, daß einige Schmutzeffekte beseitigt werden, man aber wohl wegen der zu großen Dämpfung sonst auch nichts hört. Derzeit ist weder ein Schaltplan noch eine Serviceanleitung erhältlich, und der Verfasser kann sich des Eindruckes nicht erwehren, die sauber verarbeiteten Innereien dieses Gerätes schon bei einem anderen Gerät asiatischer Herkunft gesehen zu haben.

Auf die 40 Speicher, Scan- und sonstigen Spielereien sei hier nicht näher eingegangen. Der Yacht Boy 400 zeichnet sich durch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aus, das die Mitbewerber in diesem Marktsegment erst einmal erreichen müssen.

© Georg Lechner

**: FM - Bandbreite: SKM2N (-3/-20 dB) 230 / 600 kHz; mit besten Dank an Gerhard Rebe

Anmerkungen von tte
Wir hatten in Erlangen in Erlangen ebenfalls ein Gerät für Testzwecke zur Verfügung. Im großen und ganzen stimmen unsere Erfahrungen mit denen von OM Lechner überein, jedoch sind wir in einigen Punkten zu einem abweichenden Ergebnis gekommen.

Die Empfindlichkeit auf Mittelwelle ist als gut zu bezeichnen. So wurden nach 22 Uhr UTC auf 1062 Country Radio Prag (1 kW) mit gutem Signal vernommen, auf 1224 kHz Holland FM mit O = 2 unter Bulgarien. In der Tat sind auf einigen Frequenzen merkwürdige Hintergrundgeräusche zu vernehmen, ein "Dichtmachen" der Kanäle neben dem Ortssender konnten wir aber in diesem Sinne nicht feststellen, vielleicht auch, weil der BR auf 801 kHz nicht diese immense Sendeleistung hat und zudem technisch einwandfrei arbeitet.

Auf Kurzwelle sind die Ergebnisse gut, so konnte nach 2230 UTC auf 15675 Radio Copan mit O = 1-2 bei freiem Kanal aufgenommen werden. Zum Tropenbandempfang sollte die Wurfantenne verwendet werden, es könnte aber bei starken Stationen zu Übersteuerungen kommen.

Das Display war bei unserem Gerät einwandfrei und funktionsgerecht, gut gelöst ist die Anzeige, wie überhaupt die Wahlmöglichkeit, des Frequenzrasters. SSB funktioniert bei starken Stationen, bei Störungen auf den Seitenkanälen und bei etwas leistungsschwächeren Stationen ist die Leistungsfähigkeit des Gerätes erschöpft.

Die Speicherplätze sind als optimal für ein Reisegerät zu bezeichnen und beileibe kein überflüssiger Schnickschnack.

Das Gerät trug die Nr. 01 33536 0 52 0 004459 6. tte
Das Testgerät in Österreich trug die Nr.: S/N 01 33536 0 52 0 00 44992.

© wwh 7 / 1994

weitere Lektüre:
d: Grundig Yacht Boy 400, kurier 13 / 94
e: Grundig Yacht Boy 400, WRTH receiver tests