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ITT Schaub - Lorenz

Touring CD 108: Testbericht © Rainer Lichte, addx

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Touring CD 108
 
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revised 19.10.2010

double conversion, 2022 / 455 kHz

digital frequency display, 1 kHz, switchable

AM, FM

FM, LW, MW, KW (49, 41, 31, 25, 19, 16, 13 m)

Selektivity -6 dB/ -60 dB
4.3 / 14.5 kHz

Sensitivity 2 - 30 MHz
3,2 uV for 6 dB S + N/N

pushbutton activated LED digital frequency display

Der Touring CD 108 basiert schaltungstechnisch auf der bewährten Touring Professional - Serie, wurde aber mit einer fünfstelligen Digitalanzeige ausgestattet, Diese Frequenzanzeige arbeitet ausschließlich auf dem KW-Bereich und wegen des hohen Stromverbrauchs (LED) nur nach Drücken des Knopfes CD (Computer Display). Neben sieben Rundfunkbändern auf KW empfängt der CD 108 noch LW, MW und UKW. Kompaktes Format, hohe Ausgangsleistung und modernes Styling kennzeichnen diesen praktischen Kofferempfänger.

Das Gerät
Die Vorderseite des schwarz/ silbernen Gehäuses zeigt eine klare Teilung: Lautsprecher unten, Analogskalen und Digitalanzeige oben. Auf der oberen Schmalseite befinden sich die Skalen für MW, LW und UKW zusammen mit den großflächigen Drucktasten für die Bereichswahl. Optisch und räumlich abgesetzt findet sich ganz rechts der rote Drucktaster für die Ein/Aus Funktion. Die Stabantenne hat ganz links ihren Platz gefunden; sie ist voll versenkbar und besitzt ein Dreh-/Knickgelenk.
Drei große, halbversenkte Drehknöpfe an der rechten Schmalseite ermöglichen getrenntes Einstellen von Sendern auf UKW, MW/LW und KW. Dazu gehören drei getrennt laufende Skalenanzeiger. Die Markierungen auf den Analogskalen sind gut lesbar, aber sehr spärlich. An der linken Schmalseite können Lautstärke, Bässe und Höhen mit drei kleineren Drehknöpfen eingestellt werden. Die leistungsstarke Endstufe (sieben Watt Musikleistung) läßt sich getrennt nutzen. Zu diesem Zweck gibt es eine DIN-Buchse und einen Umschalter TA/TB. Zusätzlich kann man einen Zweitlautsprecher anschließen. Der CD 108 besitzt ein eingebautes Netzteil (110/220 Volt). Das Netzkabel ist fest angebracht und kann im Gerät "versteckt" werden, wenn die Möglichkeit des Batteriebetriebs genutzt werden soll. Das Batteriefach im Boden nimmt sechs Monozellen auf. Da die stromfressende Digitalanzeige nur kurzzeitig benutzt wird, ergibt sich eine große Betriebsstundenzahl.
Ein stabiler, versenkbarer Tragegriff vervollständigt die Ausstattung. Das Gerät hat die Maße 31 x 27 x 8 (BHT in cm) und wiegt mit Batterien 3.8 kg. Der CD 108 wird mit einer brauchbaren Betriebsanleitung, Frequenztabellen und einem Schaltplan geliefert.

Betriebsergebnisse
Die eingebaute, lange (144 cm) Stabantenne ist optimal angepaßt. Zusammen mit der praktisch verwertbaren Empfindlichkeit und Selektion der Schaltung waren alle gängigen Stationen auf den KW-Rundfunkbändern gut zu empfangen. Mit der Digitalanzeige ist die Frequenzfindung problemlos: Knopf CD drücken, auf gewünschte Frequenz einstellen, Knopf CD loslassen. Der Sender ist da. Die Stummschaltung der NF während der Dauer der Digitalanzeige wurde als nicht unpraktisch empfunden. Die Untersetzung Abstimmknopf Skala- Digitalanzeige ist genau richtig; die doch recht aufwendige Mechanik arbeitet spielfrei. Die digitale Anzeige reagiert verzugslos auf die geringste Bewegung des Abstimmknopfes. Die schaltungsbedingte Drift hält sich in Grenzen. Das Hochformat des Gerätes ist gewöhnungsbedürftig; die Plazierung der verschiedenen Einsteller ist dem Design zum Opfer gefallen. Die Frequenzeinsteller liegen zu weit oben, um längeres DXen ohne Ermüdungserscheinungen durchführen zu können. Sinngemäß gilt das Gleiche für den Lautstärkesteller, der ja ebenso häufig bedient werden muß. Die Drucktaste für die Digitalanzeige liegt mitten zwischen den Bereichstasten und ist nur nach längerer Gewöhnungszeit "blind" auffindbar. Die viel zu grobe Teilung auf den Analogskalen erlaubt kaum das Abschätzen der Frequenz, zumal die Genauigkeit der Eichung sehr zu wünschen übrig läßt.
Die Schaltung ist für Kurzwelle etwas zu breitbandig ausgelegt, sonst aber gut dem Verwendungszweck des Gerätes angepaßt. AGC und Großsignalverhalten sind für einen Empfänger dieser Preisklasse durchaus lobenswert.

Digitalanzeige
Der Zählerbaustein für die digitale Frequenzanzeige wurde speziell für den CD 108 entworfen, da ein Schaltkreis, der sowohl Anforderungen nach hoher Meßgenauigkeit und Temperaturstabilität als auch nach geringem Stromverbrauch erfüllte, noch nicht existierte. Die Schaltung enthält acht ICs.
Da der CD 108 als Doppelsuper ausgelegt ist, schwingt der Oszillator 1 um die erste Zwischenfrequenz von 2.022 MHz höher als die Empfangsfrequenz. Nach dem Oszillator folgt hinter dem Mischer die zweite Zwischenfrequenz von 455 kHz. Im Prinzip könnte man für eine Frequenzanzeige einfach die selektierte Eingangsfrequenz messen. Das hätte jedoch den Nachteil, daß die Vorwahl eines Senders, dessen Frequenz bekannt ist, nicht möglich wäre. Aus diesem Grunde wird die Frequenz vom Oszillator 1 gemessen. Bevor das Meßergebnis jedoch angezeigt werden kann, muß die Zwischenfrequenz von 2.022 MHz subtrahiert werden.
Die Oszillator-Frequenz fosz gelangt über einen Vorverstärker und Impedanzwandler zu dem Vorteiler VT, der durch 16 dividiert (Blockschaltbild). Die Quarzzeitbasis ZBT liefert einen Rechteckimpuls, der den Verteiler exakt für 16 ms in Betrieb nimmt und danach wieder 16 ms lang in Null- Stellung festhält. Hierdurch entsteht ein Tor, das für die Dauer von 16 ms die durch 16 dividierte Eingangsfrequenz passieren läßt. Den Ausgang CO von VT verlassen somit pro Tor eine von der Höhe der Eingangsfrequenz abhängige Anzahl von Impulsen. Beispiel: Der Eingang der Empfängers ist auf 13.978 MHz abgestimmt, so daß der 1.Oszillator auf f Eing. 13.978 MHz plus fZF 2.022 MHz gleich 16 MHz schwingt. Am Ausgang CO von VT steht darin für die Dauer von 16 ms eine Frequenz von 16 MHz dividiert durch 16 gleich 1 MHz an. 16 ms multipliziert mit 1 MHz aber ergibt 16.000 Impulse. Würde man diese Impulszahl in einen Fünfdekadenzähler mit Anzeige leiten, der vorher auf Null gesetzt worden war, könnte man die Oszillator-Frequenz direkt als Anzeigewert von 16.000 kHz ablesen. Da jedoch die Eingangsfrequenz gemessen werden soll, muß vor der Anzeige jeder Messung noch die erste Zwischenfrequenz von 2.022 MHz subtrahiert werden. Das bedeutet für dieses Beispiel: von den 16.000 Impulsen, die vor der Torschaltung pro Messung geliefert worden, müssen 2.022 abgezogen werden, um die Empfangsfrequenz von 13.978 MHz anzeigen zu können.
Diese Subtraktion erfolgt im Vorzähler VZ, der so beschaltet ist, daß er nach 2.022 Eingangsimpulsen einen Ausgangsimpuls abgibt. Von den 16.000 Impulsen, die CO passieren, werden nun vorerst 2.022 in den Vorzähler VZ eingezählt. Erst dann gibt dieser über RS den Hauptzähler HZ und den Übertragszähler Ü frei, so daß die verbleibenden 13.978 Impulse eingezählt werden können. Der Hauptzähler und der Übertragszähler zeigen jetzt das Ergebnis "13.978 kHz" auf dem fünfstelligen Display an.

Wertung und Kritik
Für ernsthaftes DXen ist der CD 108 nur bedingt geeignet. Fehlende Anschluß- und Bedienungsmöglichkeiten schränken die Verwendung dieses Empfängers dahingehend ein, daß jederzeit Rundfunksendungen auf den dafür vorgesehenen KW-Bändern empfangen werden können. Die Signalstärke läßt sich wegen des fehlenden S-Meters nicht bestimmen. Zwar ist die Empfangsleistung mit der eingebauten Stabantenne durchaus akzeptabel; mit einer Außenantenne ließe sich jedoch mehr erreichen. Wegen der schaltungstechnisch vorgegebenen Spreizung der KW-Bänder wurde eine Feinabstimmung nicht vermißt; wegen des fehlenden BFO ist ohnehin Seitenbandempfang nicht möglich.
Die Digitalanzeige arbeitet gut und ermöglicht - allerdings nur auf KW - das Auffinden der gewünschten Frequenz ohne Mühe. Wie bei allen LED-Anzeigen ist die Lesbarkeit bei hellem Außenlicht schlecht, z.B. am Strand.
Die Ausstattung des Gerätes ist spartanisch; nur das unbedingt Notwendige ist vorhanden. Dies ist bei dieser Preislage nicht verwunderlich. Die Servicemöglichkeiten sind gut; die solide Ausführung verspricht eine lange Lebensdauer.

Zusammenfassung
DX-Möglichkeiten sind mit diesem Empfänger auf den Rundfunkbereichen bis 21.4 MHz zwar gegeben, jedoch schränkt die sparsame Ausstattung des CD 108 den Betrieb als vollwertigen DX-Empfänger stark ein. So ist der Einsatzbereich dieses Gerätes eher in mobiler Unterhaltung zu sehen als im ernsthaften DXen. Die Digitalanzeige ist eine begrüßenswerte Novität, die besonders dem Newcomer die Stationsfindung erleichtert. Format, Gewicht und Preis liegen im Bereich eines guten Kofferradios. Dazu werden guter Klang und vielseitige Einsatzmöglichkeiten geboten. Die Relation Preis/ Gegenwert ist durchaus akzeptabel, wenn nicht auf die Feinheiten des DXens Wert gelegt wird. Die Verwendung als Erstgerät für interessierte Newcomer oder als Zweit- bzw. Familiengerät für den OM liegt auf der Hand. Wegen der einfachen Bedienung ist dieses Gerät besonders für ganz junge DXer zu empfehlen.

Touring CD 108: Technische Daten und Meßwerte
Hersteller Schaub-Lorenz (ITT)
Vertrieb Fachhandel
Gerätetyp Kofferradio mit KW
Schaltungstyp KW: Doppelsuper
Frequenzbereiche Rundfunkbänder: 49, 41, 31, 25, 19, 16, 12 m sowie LW, MW, UKW
Frequenzanzeige digital fünfstellig, nur KW
Ablesegenauigkeit +/- 1 kHz
Absolute Genauigkeit + 380 Hz
Frequenzstabilität bei DeltaT von 10° C +/- 2.15 kHz; innerhalb 1 Stunde +/- 1 kHz
Besonderheiten klang- und leistungsstarkes Kofferradio mit DX-Möglichkeit, Digitalanzeige

HF-Teil
Empfindlichkeit
0,2 - 1,5 MHz 45 uV für 26 dB S + N/N
2 - 30 MHz 3,2 uV für 6 dB S + N/N
Trennschärfe (kHz) -6 dB / -60 dB: 4.3 / 14,5 kHz
bei 7 MHz +/- 1 MHz
Spiegelfrequenzsicherheit 56 dB
Zf-Festigkeit 61 dB
AGC-Regelbereich -
Abstimminstrument -
Antennen Stabantenne, Ferritantenne
Antennenanschluß -
Sonstiges: UKW- Empfindlichkeit 2.4 uV/26 d8 S+N/N

NF-Teil
Leistung, Sinus 3.3 Watt, 10% THD Netzbetrieb
Frequenzgang 46 - 12 400 Hz, +/- 3 dB
Tonblende Höhen, Tiefen, jeweils +/- 7 dB
Störbegrenzer -
Lautsprecher 4 Ohm, 13 x 18 cm
Anschlüsse Lautsprecher, NF Ein/Aus (DIN)
Stromversorgung Netz 110/220 Volt, eingebaut
Batterie sechs Monozellen
Leistungsaufnahme ca. 7 Watt
Maße 31 x 26.5 x 8 BHT in cm
Gewicht 3.8 kg mit Batterien
Bestückung 10 ICs, 21 Transistoren, 26 Dioden
Zubehör Frequenztabelle, Schaltplan, Betriebsanleitung
FTZ-Nummer U-115
Preis ca. DM 450.-

© Rainer Lichte, Kurzwellenempfänger, Qual der Wahl