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Japan Radio Company Ltd., Tokyo

NRD - 545: Testbericht © kurier 8 / 1998

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überarbeitet am 19.10.2010

Dreifachsuper, ZF 70,455 MHz, 455 kHz, 20,22 kHz

Digitalanzeige auf 10 Hz genau, 100 kHz - 30 MHz.

AM, AM-Sync, CW, USB/ LSB, FM

Empfindlichkeit SSB <0,32 uV

Selektivität -6 dB
40 Hz - 10 kHz

S-Meter, RF-Gain, AGCx3, Noise blanker, DSP- Processing, 1000 Speicher, RS232- Schnittstelle

Ich gebe es gerne zu: Als begeisterter Kurzwellenhörer und Funkamateur ist es schon eine tolle Sache, wenn man die Gelegenheit erhält, bereits zu einem frühen Zeitpunkt interessante neue Empfänger zu testen und mit anderen Geräten zu vergleichen. Der dafür notwendige Zeitaufwand spielt dann auch kaum noch eine Rolle, wenn sich Hobby und Beruf in einer derart angenehmen Weise miteinander verbinden lassen; eine dankenswerter Weise zumeist sehr verständnisvolle "weitaus bessere Hälfte" (in meinem Fall namens Claudia) einmal vorausgesetzt. Ebenfalls zu danken ist Charly H. Hardt vom Technischen Clubdienst der ADDX e.V., dem es einmal mehr gelungen ist, ein interessantes Gerät zu einem sehr frühen Zeitpunkt zu beschaffen, und dieses für einen intensiven Test zur Verfügung stellte. Beim getesteten JRC NRD-545 DSP handelte es sich wohlgemerkt um ein Gerät aus der Serie -wahrscheinlich eines der ersten in Europa -, so daß sich die nachfolgend beschriebenen Erfahrungen mit anderen im Handel erhältlichen Exemplaren decken sollten.

Ausstattung
Empfangen wird der Frequenzbereich 100 kHz bis 30 MHz in den Betriebsarten AM, USB, LSB, CW, RTTY und Schmalband-FM. Für AM-Ernpfang stehen darüber hinaus die Betriebsarten AMS und ECSS zur Verfügung: Bei AMS wird für eine bestmögliche Tonqualität auf die größtmögliche Bandbreite (9.9 kHz) umgestellt, so daß sich diese Betriebsstellung am ehesten für den komfortablen Empfang ungestörter AMSender wie den Deutschlandfunk auf Langwelle 153 kHz eignet. Die ECSS-Funktion läßt sich in der Betriebsart AM schalten, erlaubt die Wahl des weniger gestörten Seitenbands eines AM-Senders und gleicht so eventuell durch Schwankungen hervorgerufene Verzerrungen aus (Synchron-Demodulator), Die Frequenzabstimmung erfolgt mit einer Genauigkeit von 1 Hz (umschaltbar auf Schritte von je 10 oder 100 Hz bzw. 1 kHz), die Frequenzanzeige auf dem angenehm übersichtlichen Display erfolgt auf 10 Hz genau.

Das derzeit vielfach große Interesse an den DSP-Empfängern begründet sich primär auf die immense Zahl der realisierbaren Bandbreiten mit einerjeweils extrem hohen Flankensteilheit, die dem Empfangsgerät bereits ab Werk mit auf den Weg gegeben werden können; eine zumeist kostenintensive Nachrüstung von Filtern wie bei analogen Empfängern entfällt somit. Der NRD-545 kommt diesem Wunsch nach einer möglichst flexiblen Filterwahl sehr entgegen: In Schritten von 10 bzw. 100 Hz kann die Bandbreite zwischen minimal 10 Hz und maximal 9.9 kHz (außer in FM/WFM und AMS) frei gewählt werden. Darüber hinaus stehen drei Bandbreiten-Tasten ("wide", "inter'', "narrow") bereit, über die per Tastendruck die für die Betriebsarten AM, USB/LSB und RTTY/CW einzeln vorprogrammierten Bandbreiten aufgerufen werden können (2.4,4.5 und 6.0 kHz bei AM; 1.8, 2.4 und 2.7 kHz bei USB/LSB; 0.5, 1.0 und 2.4 kHz für RTTY/CW). Die ab Werk auf den Bandbreitentasten ("wide", "inter", "narrow") vorprogrammierten Werte lassen sich leicht ändern.

Zur Unterdrückung von unerwünschten Signalen und Störungen sowie allgemein zur Meisterung auch schwierigster Empfangssituationen stellt der NRD-545 neben der bereits erwähnten Möglichkeit der quasi stufenlosen Bandbreitenwahl, mit deren Hilfe sich bereits so manche Störung vom Nachbarkanal reduzieren läßt, dem ehrgeizigen DXer das gesamte bekannte Handwerkszeug zur Verfügung: Passband Tuning bzw. Pass Band Shift (verschiebbar um +/- kHz in Schritten von 50 Hz), digitales Notchfilter (manuell einstellbar auf einen einzelnen Störton im Bereich +/- 2.5 kHz in Schritten von 10 Hz; bei Aktivierung der Funktion "Tracking" folgt das Notchfilter einem sich in seiner Höhe verändernden Störton), zwei Noise Blanker (Störaustaster gegen Zündstörungen oder andere pulsierende Signale), Noise Reduction (zur Unterdrückung von Hintergrundrauschen und gleichzeitiger Hervorhebung von Sprachsignalen) und Beat Canceler (zur Beseitigung stabiler Störtöne; quasi eine automatische Notchfunktion). Die Funktion ECSS läßt sich wie erwähnt in der Betriebsart AM aktivieren und erlaubt die Unterdrückung eines gestörten Seitenbands. Bei Bedarf läßt sich die AGC ab- und auf Handregelung umstellen, um auch die schwachen Signale noch neben einem starken Sender ein wenig hörbarer zu machen. Darüber hinaus läßt sich in den Betriebsarten USB/LSB und RTTY/CW die Abfallzeit der AGC im Bereich 0.04 und 5.1 Sekunden in Schritten zu 20 Millisekunden einstellen, so daß man sehr flexibel auf die jeweilige Empfangssituation reagieren kann. Der Empfängermarkt'' sich für SSB, RTTY und CW die jeweils eingestellten Werte der AGC und ruft diese nach einem Wechsel der Betriebsart automatisch wieder auf. Schließlich muß in diesem Zusammenhang noch der Regler "Tone" erwähnt werden, mit dessen Hilfe sich der Durchlassbereich des Kopfhörer- bzw. Lautsprecherausgangs an die bestehenden Gegebenheiten anpassen läßt, um z.B. beim AM-Empfang auch die Tiefen durchzulassen oder beim Empfang von SSB-Stationen die Sprachinformationen zu betonen. Es bleibt also kaum ein Wunsch offen, um sich durch ein Signalknäuel bis zum gewünschten Sender hindurchzuarbeiten.

1.000 Speicherplätze stehen bereit, in denen neben Frequenz und Betriebsart auch jeweils die Werte für Bandbreite, AGC, Stellung des Abschwächers und Schrittweite der Frequenzabstimmung abgelegt werden können. Es ist möglich, Gruppen von Speicherplätzen oder einen bestimmten Frequenzbereich, dessen Eckfrequenzen in bestimmten Speicherplätzen abgelegt werden müssen, automatisch auf eventuelle Aktivitäten absuchen zu lassen. Wie schon NRD-525 und NRD-535 verfügt auch der NRD-545 über eine eingebaute Schaltuhr-Funktion, mit deren Hilfe der Empfänger zu festlegbaren Zeiten ein- und ausgeschaltet sowie ein entsprechend ausgelegter Recorder für den automatischen Mitschnitt (fern)gesteuert werden kann. Will man diese Funktion regelmäßig zu wiederkehrenden Zeiten nutzen, kann man den Speicherplätzen 0- 19 jeweils eigene Ein- und Ausschaltzeiten zuordnen.

Weitere Ausstattungsdetails umfassen Rauschsperre, Dimmer für das Display, eine "Lock"-Taste zur Sperrung von sämtlichen Tasten, Reglern(!) und der Hauptabstimmung, sowie Anschlußmöglichkeiten auf der Frontplatte für Kopfhörer und Mitschnitt. Zusätzliche Anschlußmöglichkeiten finden sich auf der Rückseite des NRD-545: Stromzufuhr für 230 Volt aus dem Netz oder 13,8 Volt aus einem externen Netzgerät oder einer (Auto-)Batterie; ein zwischen hochund niederohmig umschaltbarer Antenneneingang für den Bereich unterhalb von 30 MHz; ein Antenneneingang für den Empfang oberhalb von 30 MHz; Anschlüsse für Erdung, Line und externem Lautsprecher. Außerdem findet sich eine Mute-Buchse, die den Empfänger bei Verwendung mit einem Sender bzw. Transceiver stummschaltet, ein Ausgang für 10.8 Volt/ 30 mA, sowie ein Schaltausgang zur Fernsteuerung eines Recorders im Zusammenhang mit der Schaltuhr-Funktion (s.o.). Schließlich findet sich eine 25-polige Buchse für den Anschluß eines RS-232C-Kabels, über das sich der Empfänger über das serienmäßig integrierte Interface per Computer steuern läßt. Über letzteres gibt der ebenfalls bereits in den NRD-545 integrierte RTTY-Demodulator (170,425 oder 850 Hz Shift; 37-75 Band für Amateur- und Wetterfunk) auch seine Signale an einen PC zur Darstellung auf dessen Monitor weiter. Zum erfreulich kompletten Lieferumfang gehören eine ausführlichen Bedienungsanleitung, Stromkabel für Netz- und Batteriebetrieb, eine Ersatzsicherung, und diverse Stecker. Insgesamt läßt die Ausstattung des Empfängers im Prinzip keine brennenden Wünsche mehr offen.

Bedienung
Wie schon beim im vergangenen Jahr vorgestellten kleinen Bruder NRD-345 ist es den Entwicklern bei JRC gelungen, trotz aller Bedienungsvielfalt die Zahl der Doppelbelegungen von Tasten oder Reglern auf ein sinnvolles Minimum zu reduzieren. Insgesamt 43 Tasten und 8 Regler sind um das übersichtliche Display und die solide Hauptabstimmung angeordnet. Ganze acht 'fasten und drei Regler haben Doppelfunktionen, deren aktuell aktivierte Funktion mit Hilfe farbiger LEDs bzw. im Display kenntlich gemacht wird. Frequenz- und Betriebsartenwahl geschehen herrlich unkompliziert über das numerische Tastenfeld oder die wohldimensionierte Handabstimmung bzw, die entsprechenden Tasten. Die Frequenzanzeige auf dem Display ist großzügig dimensioniert und läßt sich aus allen Blickwinkeln problemlos ablesen. Die Tasten und Regler für Pass Band Shift, stufenlose B Bandbreitenwahl und AGC gruppieren sich unterhalb des Tastenfelds für die Frequenzeingabe, so daß man diese im Bedarfsfall für eine zügige Bereinigung einer verzwickten Empfangssituation im schnellen Zugriff hat. Wechselt man in den Speicherbetrieb, so wird der Inhalt des zuletzt genutzten Speicherplatzes automatisch aufgerufen. Sämtliche in einem Speicherplatz abgelegten Parameter können unmittelbar verändert, allerdings nicht automatisch öder manuell in das VFO übernornmen werden. Die Speicherplätze können wie Üblich direkt durch Eingabe der jeweiligen Nummer über das Tastenfeld aufgerufen werden. Oder man nutzt den auch für die Wahl von AGC und Bandbreiten- Feinabstirnmung gedachten Regler: Im Speicherbetrieb kann man so sehr komfortabel von einem Speicherplatz zum nächsten wechseln, wobei der Speicherinhalt jeweils automatisch aufgerufen wird. Insgesamt betrachtet kommt auch die Speicherverwaltung sehr einer unkomplizierten Handhabung entgegen.

Auf den ersten Blick ungewöhnlich für ein Gerät dieser Preis- und Leistungsklasse scheint die Tatsache, daß nicht sämtliche Funktionen bzw. Regelmöglichkeiten in allen Betriebsarten zur Verfügung stehen. Dies betrifft insbesondere die in der Betriebsart AM aktivierbare ECSS-Funktion: Die gleichzeitige Nutzung der Noise Reduction oder des Beat Cancelers ist nicht möglich. Generell bei AM-Empfang nicht möglich ist die Feinabstimmung der (zu schnellen) AGC, wohl aber deren Abschaltung und der Wechsel auf Handregelung ("RF Gain"). Aus rein empfangspraktischer Sicht macht diese Einschränkung keinen Sinn, läßt sich jedoch vermutlich mit der begrenzten Leistungsfähigkeit des verwendeten Prozessors erklären, der seine Arbeit ja immerhin bereits ab der zweiten Zwischenfrequenz zu verrichten hat. Angesichts der Gesamtleistung des NRD-545 mag man diesen Punkt jedoch als nicht übermäßig kritisch betrachten, der die DX-Leistung des Empfängers kaum schmälert. Denn in wirklichen Grenzfällen wird man sich ohnehin überwiegend in den Betriebsarten USB oder LSB bewegen, in denen dann das gesamte Arsenal zur Verfügung steht.

Empfangspraxis
Wie schon bei anderen DSP-Empfängern festgestellt, kann man auch dem NRD-545 eine extrem hohe Verständlichkeit selbst schwacher und gestörter Kurzwellen-Signale bei vergleichsweise schmalen Bandbreiten attestieren. Der Audio-Frequenzgang ist eindeutig auf höchste (DX-)Verständlichkeit ausgelegt und hinterläßt demzufolge oftmals des Eindruck eines eher aggressiven Klangs. Ein AR-7030 klingt angenehmer, wenn es darum geht, einem Programm Über längere Zeit hinweg zuzuhören. In einigen sehr schwierigen Empfangssituationen, bei denen es um den Empfang schwacher und extrem gestörter Signale aus Lateinamerika im 49-Meterband ging, waren mit dem NRD-545 in der Betriebsart SSB mit Hilfe von Bandbreitenregelung, Pass Hand Shift, Notchfilter und AGC-Handregelung erstaunliche Ergebnisse zu erzielen, bei denen ein AR-7030 einfach nicht mehr mithalten konnte. In weniger schwierigen Fällen, wenn einfach nur ein Seitenband gestört war, half in AM die Funktion ECSS (Synchron-Demodulator) weiter, die nach deren Aktivierung quasi augenblicklich einrastete und das unerwünschte Seitenband unterdrückte. Beim Empfang von gestörten CWoder RTTY-Signalen wird ein DSP-Empfänger einem analogen Gerät immer überlegen sein; für Utility-DXer dürfte der NRD-545 daher die derzeit erste Wahl darstellen. Erfreulicherweise bringt der NRD-545 wie schon seine Vorgänger bereits an einfachen Drahtantennen von wenigen Metern Länge sehr respektable Empfangsergebnisse. Jedoch durfte dieser Draht beim getesteten Gerät nicht zu lang werden, sollte es nicht zu Problemen mit Mischprodukten im Bereich um 6 MHz kommen. Diese traten gegen Abend auf, als ein 20 Meter langer Draht über MLB und Koaxkabcl am 50 Ohm-Antenneneingang des NRD-545 betrieben wurde. Mit Hilfe des -20 dB-Abschwächers ließ sich die Frequenz zwar wieder beruhigen, ein Gerät dieser Preisklasse sollte mit den in Mitteleuropa - bekanntermassen hohen - Signalpegeln jedoch eigentlich besser zurechtkommen. Ein guter externer Preselector würde hier eleganter Abhilfe schaffen als die angewendete -20 dB-Holzhammer-Methode des einstufigen Abschwächers.

Fazit
Man muß gar nicht zur Superlative neigen, um dein neuen DSP-Empfänger aus dem Hause JRC eine weite Verbreitung bei anspruchsvollen Kurzwellenhörern zu prophezeien, die vor einer derartigen Investition nicht zurückschrecken. Sowohl die erzielbaren Empfangsergebnisse als auch das Bedienungskonzept des NRD-545 können durchweg überzeugen und sind dem Preis angemessen. Ob man gewillt ist diesen zu bezahlen, muß jedem selbst überlassen bleiben: Für den Preis eines JRC NRD-545 bekommt man zwei AOR AR-7030. Und ein AR-7030 -zweifellos ebenfalls ein in seiner Preisklasse und darüber hinaus hervorragender Empfänger - meistert in den allermeisten Fällen ebenfalls die möglichen Empfangssituationen, wenn auch nicht immer in derselben Qualität wie ein DSP-Empfänger. In wirklichen Grenzfällen wird der NRD-545 zumindest auf Kurzwelle - immer vorne liegen, denn die Kombination aus quasi stufenloser Bandbreitenwahl, extrem hoher Verständlichkeit auch bei schmalen Bandbreiten, sehr effektivem Passband Tuning und Notchfilter bei zudem auch noch vergleichsweise leichter Bedienung ist derzeit ohne Konkurrenz. Andererseits kommen solche Fälle nicht häufig genug vor, als daß diese für Besitzer des AR7030 allein einen Wechsel rechtfertigen würden, Wer als ausgesprochener DXer mit Vorliebe für ECSS/SSBEmpfang jedoch ohnehin auf den NRD-545 gewartet hat, wird - mit den genannten Einschränkungen - nicht enttäuscht werden. Charly H. Hardt bietet den NRD-545 für ca. 4.300,- DM an.

© Harald Kuhl Fotos. - Charly H. Hardt, kurier 8/98

weitere Lektüre:
d: NRD-545 der Japan Radio Company, von 100 kHz - 2 GHz, Nils Schiffhauer, radio hören & scannen
d: ein klarer Siegertyp: der NRD-545, Nils Schiffhauer, radio hören 7/98
d: Ergänzungen zum Erfahrungsbericht NRD-545, Thomas Dormin, wwh 3/99
d: NRD-545 - KWZ30 - AR7030 im Vergleich, Harald Kuhl, kurier 23/98
d: Neue NRD-Peripherie - Mit Konverter bis 2 GHz und Software NRDWIN, Nils Schiffhauer, radiohören 8/98