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Japan Radio Company Ltd., Tokyo

NRD - 545: Testbericht © kurier 23 / 1998

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überarbeitet am 19.10.2010

NRD-545 - KWZ-30 - AR7030 im Vergleich

Dreifachsuper, ZF 70,455 MHz, 455 kHz, 20,22 kHz

Digitalanzeige auf 10 Hz genau, 100 kHz - 30 MHz.

AM, AM-Sync, CW, USB/ LSB, FM

Empfindlichkeit SSB <0,32 uV

Selektivität -6 dB
40 Hz - 10 kHz

S-Meter, RF-Gain, AGCx3, Noise blanker, DSP- Processing, 1000 Speicher, RS232- Schnittstelle

Seit der Markteinführung des NRD-545 des renommierten japanischen Herstellers JRC stehen dem ambitionierten Hörer nun bereits zwei noch bezahlbare DSP- Empfänger zur Auswahl. Während sich der HF1000 von Watkins-Johnson weiterhin in der Preisklasse um 10.000,- DM bewegt, wird sich der Preis für den NRD-545 in der Region um 4.500 DM einpendeln, gefolgt vom Kneisner + Doering KWZ-30 für ca. 3.500 DM. Bei Geräten dieser Preisklasse will eine Anschaffung gut überlegt sein. Wir konnten NRD-545 und KWZ-30 im Rahmen eines Vergleichstests einander gegenüberstellen und nahmen auch den AR7030 als bewährten Vertreter der analogen Empfangstechnik mit ins Rennen.

Testaufbau
Da die einzelnen Geräte jedes für sich bereits ausführlich vorgestellt worden sind, sparen wir uns an dieser Stelle die erneute Auflistung der jeweiligen Ausstattungsdetails und beschränken uns nachfolgend auf das konkrete Empfangsverhalten der Empfänger in der Praxis. Als Antenne diente ein 20 Meter langer Empfangsdraht, aufgehängt in etwa 10 Metern Höhe. Die Einspeisung erfolgte über MLB (Magnetic Longwire Balun) und Koaxkahel in einen aktiven DA-4 Antennenverteiler, von wo aus die Empfänger ihr damit identisches Empfangssignal erhielten. Sollten nur die beiden DSP-Empfänger miteinander verglichen werden, kam alternativ ein passiver Antennenverteiler SP-2 zum Einsatz, der zudem über einen mehrstufigen Abschwächer verfügt. Gehört wurde über Kopfhörer, der mit Hilfe eines umschaltbaren Audioverteilers ohne Umsteckerei direkte Vergleiche der Empfangsresultate ermöglichte. Für den Vergleichstest wurden über den gesamten empfangbaren Frequenzbereich hinweg einzelne Signale in unterschiedlichen Empfangs- bzw. Störsituationen herausgesucht und die jeweiligen Empfangsergebnisse anschließend einander gegenübergestellt. Der AR7030 war mit zusätzlichen Filtem von Collins für die Bandbreiten 2.3 und 3.5 kHz, einem nachgerüsteten Notchfilter und der neuesten Steuersoftware (V. 15B) ausgestattet.

Empfänger im Vergleich
60 kHz MSF Zeitzeichen Teddington, Großbritannien: KWZ-30 und AR7030 brachten das Signal in identischer (mittlerer) Qualität. Bei 45 kHz empfingen beide Empfänger noch ein RTTY-Signal. Der NRD-545 ist laut Hersteller nicht für den Empfang unterhalb von 100 kHz gedacht, was schade ist für an Empfangsexperimenten in diesem Bereich interessierte Amateure.
147.0 kHz USB: Alle drei Empfänger wurden zunächst mit einer Bandbreite von nominal 2.3 kHz betrieben. Auf dieser ansonsten freien Frequenz war dann das Signal einer benachbarten RTTY-Rufschleife (147.3 kHz Hamburg Meteo) zu hören, außerdem gab es Splatter von 153 kHz, wo der Deutschlandfunk mit 250 kW sendet. Nun sollte ausprobiert werden, wie weit sich die Frequenz von Interferenzen befreien ließ. Beim NRD-545 wurde die Bandbreite auf 2.1 kHz reduziert, so daß von der RTTY-Schleife nichts mehr zu hören war. Bei Filterstellung 2.1 kHz beim AR7030 war das störende Signal hingegen fast unverändert vorhanden. Beim KWZ-30 blieb überraschender Weise ein Rest der RTTY-Schleife selbst bei Filterstellung 1.0 kHz weiterhin präsent. Erst bei der zusätzlichen Nutzung des Passband Tuning dann aber doch - ließ sich derselbe Effekt erzielen wie beim NRD-545 allein durch die Herabsetzung der Bandbreite. Hier wirkt sich beim KWZ-30 die dort größere Bandbreite auf der 1. ZF aus, die an anderer Stelle wieder für die überragende klangliche Wiedergabe mit verantwortlich zeichnet, Gegen die Splatter-Störungen von 153 kHz hielt keiner der Empfänger ein Kraut bereit.
198 kHz BBC, Großbritannien, nachmittags: Alle drei Empfänger zeigten "S7" auf ihrem jeweiligen Display. Den angenehmsten Klang erzielte der KWZ-30, während der AR7030 ein wenig dumpfer/ weicher klang und der NRD-545 eine sehr durchdringende Wiedergabe lieferte, die beim Empfang von DX-Stationen zwar Vorteile bringt, in diesem Fall jedoch unangebracht war. Ein wenig half es, zur Betonung der Tiefen beim NRD545 die Tonblende ganz aufzudrehen.
297.5 kHz USB: Bei dieser Frequenz konnte schwach die Bake"LR" mit allen drei Empfängern in identischer Qualität aufgenommen werden- Insgesamt betrachtet, liegt die Empfindlichkeit der Geräte im Langwellenbereich sehr nahe beieinander.
520 kHz AM Bayerischer Rundfunk, nachmittags: Erneut lieferten alle drei Empfänger eine identische Stärke des sich nur zögerlich gegen die lokalen Fernsehstörungen durchsetzende und schwache Signal. Den besten AM-Klang bot erneut der KWZ-30, gefolgt vom AR7030 und - etwas abgeschlagen - vom NRD-545. Diese Reihenfolge ließ sich u.a. beim Empfangsversuch von 1.395 kHz Business R. (Holland) wiederholen.
Seefunk auf Grenzwelle & Amateurfunk auf 160/80m: Beim Empfang der tagsüber zumeist ungestörten SSB-Signale lag der AR7030 in den meisten Fällen vom. Der aggressive Klang des NRD-545 wirkte sich in diesem Bereich eher hinderlich aus, während der KWZ-30 durchaus mithalten konnte. Auffällig war die vergleichweise träge AGC des KWZ-30, die sich nicht abschalten läßt und z.B. beim Auftreten heftiger Störimpulse aus dem Stromnetz hochregelt und anschließend etwas zu langsam wieder abfällt, so daß Informationen verlorengehen können. Die AGC-Regelung von AR7030 und NRD-545 läßt sich besser an die Gegebenheiten anpassen.
5.025 kHz AM NTSS Katherine: Nach 2130 UTC konnte sich das Programm für die Northern Territories des australischen Outbacks recht gut gegen den Sender aus Benin auf derselben Frequenz durchsetzen. Die beiden DSP-Empfänger brachten eine etwas bessere Lesbarkeit als der AR7030 an den Kopfhörer. Diesmal konnte der KWZ-30 knapp den ersten Platz für sich beanspruchen.
5.100 kHz AM Radio Liberia, 2300 UTC: Die angenehmste Wiedergabe des Signals mittlerer Stärke lieferte der KWZ30. Noch etwas besser verständlich war das Programm mit dem NRD-545, dicht gefolgt vom AR7030 bei Nutzung des serienmäßigen 2.1 kHz Filters. Exakt dasselbe Bild ergab sich beim Empfang von Radio Togo auf 5.047 kHz um 1830 UTC.
6.075 kHz Deutsche Welle: Nachmittags mischte sich beim KWZ-30 zeitweise ein undefinierbarer Brodelteppich in den Hintergrund des mit S9+40 dB sehr stark einfallenden Signals. Beim NRD-545 blieb es (noch) ruhig, beim AR7030 sowieso; letzterer lieferte auch den besten (Zuhör-)Klang. Wie sich später herausstellte, war das beim KWZ-30 beobachtete Phänomen auf eine nicht optimale Weitabselektion zurückzuführen, die beim Signal auf 6.075 kHz noch Anteile des Bayerischen Rundfunks von 6.085 kHz durchkommen ließ. Hier wirkt sich der bei DSP-Geräten bei einem Wert von 90 dB beschränkte Dynamikbereich aus. Dieses Problem ließ sich mit Hilfe des in den SP-2-Antennenverteiler integrierten Abschwächers zwar beheben, sollte aber aus der Sicht des Nutzers gar nicht erst auftreten. In dieser Hinsicht bietet die analoge Empfangstechnik Vorteile.
6.225 kHz AM VORGAN, Angola: Gegen Abend wurde ein Empfangsversuch unternommen, der bei AR7030 und KWZ-30 zunächst lediglich einen schwachen Träger auf der ansonsten sehr ruhigen Frequenz erbrachte. Gehört werden mußte der AM-Sender allerdings in LSB, um einem Störsignal im anderen Seitenband zu entgehen (ECSS-Verfahren). Beim NRD-545 traten unerwartet heftige Intermodulationserscheinungen auf, die auf eine unzureichende Vorselektion und einem zu niedrigen IP3 schließen lassen. Bei Einbruch der Dunkelheit zeigen sich aufgrund der dann anwachsenden Signalpegel derartige Versäumnisse der Entwickler gnadenlos. Ein Druck auf den Knopf des 20 dB-Abschwächers beruhigte die Frequenz zwar, die feine Art ist dies allerdings nicht; zumal bei einem Empfänger dieser Preisklasse. Beim Fade-in von VORGAN gegen 1700 UTC lag der KWZ-30 aufgrund seiner Immunität gegen Übersteuerungen eindeutig vorn, dicht gefolgt vom AR7030. Den vollsten ECSS/AM-Klang lieferte der AR7030 mit seinem (nachgerüsteten) offensichtlich nicht besonders steilflankigen Filter von Collins, dicht gefolgt von KWZ-30 und NRD-545, deren digitale Filter deutlich weniger Störungen von benachbarten Frequenzen durchließen. Der NRD-545 lieferte übrigens trotz aktiviertem 20 dBAbschwächer ein den anderen beiden Empfängern in seiner Lesbarkeit vergleichbares SignaL VORGAN hat den Sendebetrieb übrigens vorerst eingestellt.
6.725.5 kHz AM Radio Satélite: Nach 2330 UTC konnte dieser oft hörbare peruanische Inlandssender mit allen drei Empfängern in identischer Lesbarkeit und Signalstärke aufgenommen werden. Das jeweile Notchfilter half bei der Beseitigung von Störungen. Das in diesem Fall angenehmste Verhältnis von Lesbarkeit und Klang bot der KWZ-30.
6.765 kHz USB Bangkok Meteo: Am späten Nachmittag ist hier bei guten Ausbreitungsbedingungen der Bangkoker Wetterfunk zu hören mit Pausensignalen und dem Wetter für die Region. Leider treten heftige Störungen durch eine RTTY-Station auf, die das Signal aus Thailand fast völlig zudecken. Eine Herausforderung also für einen modernen Kommunikationsempfänger: In dieser extrem schwierigen Empfangssituation konnte der NRD-545 mit leichtem Vorsprung als erster das Ziel erreichen. Zurückzuführen war dies auf dessen leichte Bedienbarkeit sowie die hohe Effektivität von variabler Bandbreite und Passband Tuning bzw. deren Kombination mit einer sehr bissigen Wiedergabe auch schwacher Signale. Auch bei KWZ-30 und AR7030 konnte mit Hilfe des Passband Tuning - nach Aufrufen der jeweiligen Untermenüs - die störende RTTY-Station beiseite geschoben werden. Dann fehlte jedoch das letzte bißchen zusätzliche Verständlichkeit. Für einen Empfangsbericht hätte es allerdings letztlich auch beim NRD-545 kaum gereicht.
7.245 kHz AM Radio Thailand: Gegen 1530 UTC war hier der Inlandsdienst aus Bangkok zu hören, während auf 7.245.1 kHz Algerien mit starkem Signal einfiel. Bei Einsatz des Einseitenbandempfangs gelang es beiden DSP-Empfängern recht gut, das Signal aus Thailand in den Vordergrund zu holen. Das 2.3 kHz-Filter des AR7030 ließ hingegen noch merkbar mehr vom störenden Signal durch.
9.495 kHz: Das leise Signal eines Missionssender aus dem Pazifik war mit dem KWZ-30 deutlich(!) ruhiger zu empfangen als mit dem AR7030, bei dem sich Splatter-Störungen von 9.505 kHz noch recht heftig auswirkten.
9.705 kHz AM Radio México Internacional- Starke Splatter-Störungen von 9.700 kHz erschwerten nachts den Empfang des recht schwachen Signals. Es war zunächst nicht einfach zu entscheiden, welcher der Empfänger den Sender am besten an den Kopfhörer brachte. Beim AR7030 machten sich die Störungen vom Nachbarkanal am deutlichsten bemerkbar, während es bei den beiden DSP- Empfängern merkbar ruhiger zuging. Dennoch schien diesmal letztlich der AR7030 (bei abgeschalteter AGC) den Sieg um Haaresbreite davonzutragen.
Seefunk in CW bei 13 MHz & Amateurfunk im CW-Bereich des 20-Meterbands: In dieser Betriebsart waren die beiden DSP-Empfänger echte Champions, die durch deren Ausstattung mit sehr geringen Bandbreiten in der Lage waren, ein Signal zumeist völlig vom Rest der sonst noch hörbaren Stationen zu isolieren. In Grenzsituationen half beim NRD-545 das manuell einstellbare digitale Notchfilter ebenso wie die auf den jeweiligen Fall abstimmbare AGC. Ausgesprochene CW- und RTTY-Freunde werden mit dem NRD-545 ihre Freude haben.
15.120 kHz AM Voice of Nigeria: Bereits vor 1700 UTC war dieser kürzlich reaktivierte Auslandsdienst mit einem sehr starken und leicht schwankenden Signal zu hören. Gegen die beim NRD-545 auftretenden Verzerrungen half die Aktivierung der ECSS-Funktion, die in ungestörter Umgebung quasi augenblicklich einrastete. Der KWZ-30 brachte ein sehr starkes Signal zustande, das zwar nicht verzerrt war, jedoch wie an der Grenze ausgesteuert erschien. Die beste Signalqualität bot der AR7030, nachdem dessen SYNCH- Funktion endlich eingerastet war.
18.111 kHz USB U.S.-Funkamateure, nachmittags: Die angenehmste SSB-Wiedergabe lieferte der KWZ-30 an den Kopfhörer. Beim AR7030 klangen die gut lesbaren Signale ein wenig verwaschen, während der NRD-545 einmal mehr durch betonte klangliche Aggressivität auffiel. Letzteres mag nützlich sein für die DX-Jagd, für das längere Zuhören in Runden wäre allerdings unbedingt ein guter Zusatzlautsprecher notwendig, der mit zusätzlichen Regelmöglichkeiten für den NF-Bereich ausgestattet sein sollte. Nach dem eher dumpfen Klang des NRD525/535 ist man beim NRD-545 in das andere Extrem verfallen. Der in den KWZ-30 integrierte Speaker überraschte immer wieder: so gut kann SSB klingen!
Amateurfunk auf 15-Meter, nachmittags: Bei ansonsten identischen Signalstärken lag der NRD-545 dann vorne, wenn dieser seine besonders bissige Wiedergabe bei extrem schwachen SSB-Signalen ausspielen konnte. Sehr gut behaupten gegenüber den DSP-Empfängern konnte sich der AR7030 mit seiner ebenfalls sehr klaren Wiedergabe auch schwächster SSB-Signale.
21.455 kHz USB Radio HOB, Ecuador: Teilweise bereit ab 1100 UTC war das ungestörte Signal aus dem Andenstaat zunächst gerade noch lesbar aufzunehmen. Alle drei Empfänger brachten die Station mit identischer Signalstärke. Aufgrund seines aggressiven Klangbilds hatte der NRD-545 dennoch zunächst einen leichten Vorteil bezüglich der Lesbarkeit, wenn sich das Signal allzu sehr dem natürlichen Rauschpegel näherte. Unter dem Strich war der Unterschied jedoch mehr akademisch und sicherlich auch eine Sache der persönlichen Hörgewohnheiten.
21.550 kHz AM Radio Visión Cristiana: Der neue Missionssender nutzt die alten Kurzwellen-Sendeanlagen von Radio Nacional de Chile und konnte mit einer Testsendung gegen 1600 UTC knapp an der Grasnarbe wahrgenommen werden, Der AR7030 konnte bei abgeschalteter AGC und Nutzung der Tonblende ein für die gesicherte Identifizierung der Station notwendiges Signal zur Verfügung stellen.
28.470 kHz USB Runde italienischer Funkamateure am späten Nachmittag: Der KWZ-30 blieb in der Empfindlichkeit leicht hinter NRD-545 und AR7030 zurück. Den insgesamt besten Empfang der ungestörten Signale lieferte diesmal der AR7030.

Zusammenfassung
Der offensichtlichste Vorteil des NRD545 ist dessen Ausstattung mit einem herkömmlichen Bedienungskonzept, das für fast jede Funktion auch einen eigenen Knopf oder Regler vorsieht. Trotz der komplexen Funktionen ist die Bedienung des neuen Empfängers von JRC auch ohne einen ständigen Blick ins Handbuch leicht beherrschbar. Der für den NRD-545 zu zahlende höhere Preis dürfte nicht zuletzt auf die zusätzlichen Kosten für das komplexe Bedienfeld zurückzuführen sein. Ein weiterer Vorteil des neuen JRC ist die sehr flexible Bandbreitenwahl, die sich (wie beim HF1000) quasi stufenlos an die jeweilige Empfangssituation anpassen läßt. Darüber hinaus hat die Praxis gezeigt, daß ein wie beim NRD-545 manuell abstimmbares Notchfilter in bestimmten Situationen Vorteile gegenüber einer reinen Automatik bietet.
NRD-545, KWZ-30 und AR7030 verfügen in der Praxis im beinahe gesamten Empfangsbereich über dieselbe hohe Empfindlichkeit. Dies gilt zumindest für den Betrieb an der hier verwendeten 20 Meter langen Drahtantenne. Der auffälligste Unterschied liegt zunächst in der klanglichen Wiedergabe starker, mittlerer wie schwacher Signale, wobei die verschiedenen Empfänger unterschiedliche Akzente setzen: Der KWZ-30 bietet einen überragenden SSB- Klang, den dieser vor allem in einigermaßen ungestörten Empfangssituationen ausspielen kann. Der NRD-545 ist mit einer messerscharfen DX-Wiedergabe ausgestattet, die primär in Extremsituationen weiterhilft, dem Ama teurfunkrundenund Programmhörer allerdings nicht immer gefallen wird. Die klangliche Wiedergabe des AR7030 stellt einen guten Mittelweg dar; bei reinem AM-Empfang konnte der AR7030 den DSP-Empfängern sogar so manches Mal davonziehen. Die Wiedergabe von AM-Signalen in SSB (ECSS) zwecks Störungsreduzierung wurde heim AR7030 und KWZ-30 als angenehmer als beim NRD-545 empfunden.
Die AGC-Regelung ist beim NRD-545 am flexibelsten geraten, allerdings nur in den Betriebsarten SSB, CW und RTTY, hei AM und FM ist die Abfallzeit der AGC fixiert. Die AGC des AR7030 läßt sich notfalls durch deren Abschaltung und den Wechsel Handregelung - in sämtlichen Betriebsarten auf die aktuellen Gegebenheiten abstimmen. Beim KWZ-30 lassen sich Anstiegszeit, Haltezeit und Abfallzeit der AGC zwar einstellen, jedoch sorgen heftige Impulse aus dem Stromnetz (z.B. Schalterknacken) oder SSB-Runden mit stark unterschiedlichen Signalstärken der teilnehmenden Stationen mitunter für kurze Perioden, in denen der Empfänger "taub" ist. Eine Erweiterung des Regelbereichs der AGC (bzw. die Beschleunigung der Abfallzeit) wäre hier hilfreich, läßt sich jedoch laut Hersteller derzeit nicht realisieren.
Das manuell auf den Störer einzustellende Notchfilter des NRD-545 ist sehr effektiv und tastet das Nutzsignal selbst nicht an; anders das zusätzliche Auto-Notch, das u.U. auch das Nutzsignal deutlich beeinträchtigt. Der KWZ-30 verfügt über ein automatisches Notchfilter, das ebenfalls sehr effek tiv arbeitet und gleich mehrere Störtöne aus: zublenden vermag, sich aber nicht zusätzlich manuell einstellen läßt. Auch das - gegen Aufpreis nachzurüstende -Notchfilter des AR7030 läßt sich sehr effektiv einsetzen. Es arbeitet wahlweise manuell oder automatisch, hilft allerdings immer nur gegen einen Störton zur Zeit.
Beide DSP-Geräte sind sehr ruhig, die bei früheren DSP-Empfängern teilweise dramatischen Eigenstörungen aus dem Prozessor konnten nicht mehr festgestellt werden; jedenfalls bei Verwendung einer abgesetzten Antenne. Nur das elektronische Tikken der Uhr des (abgeschalteten) AR7030 machte sich in den anderen Empfängern auf bestimmten Frequenzen störend bemerkbar. Diese Störungen verschwanden, sobald man den AR7030 anschaltete.
Über die effektivste Tonblende verfügt ganz klar der AR7030 mit seinen für Höhen und Tiefen getrennt einstellbaren Werten. So manches Mal läßt sich damit die Verständlichkeit eines schwachen Signals signifikant steigern. Auch der NRD-545 verfügt über eine Möglichkeit, die Audiowiedergabe zu beeinflussen, allerdings in einem weitaus geringerem Maße und am effektivsten einzusetzen beim Empfang schwacher SSBStationen. Der KWZ-30 ist nicht mit einer Tonblende ausgestattet, bringt jedoch bereits von Haus aus einen überraschend brillianten SSB- und AM-Klang an den eingebauten Lautsprecher bzw. den verwendeten Kopfhörer. Der KWZ-30 ist ganz klar auch ein Zuhör-Radio.
Das Verhalten an leistungsfähigen breitbandigen Empfangsdrähten ließ bei allen drei Empfängern in unterschiedlichen Situationen teilweise zu wünschen übrig: Beim NRD-545 kam es in den Abendstunden zu Intermodulationserscheinungen im Bereich 5-7 MHz. Der KWZ-30 kam in Schwierigkeiten, wenn - wie durchaus nicht selten anzutreffen - mehrere 9+40 dB-Signale von internationalen Rundfunksendem auf einander benachbarten Frequenzen auf den Empfänger eindroschen. Und beim AR7030 war es in manchen Situationen ratsam, auf den zuschaltbaren +10 dB-Vorverstärker zu verzichten, damit der Empfänger seinen (erst dann) hohen 1P3 ausspielen konnte, Wer über einen guten Preselector bzw. einen dosierbaren Abschwächer verfügt, wird diese Eigenheiten ebenso meistern können wie Nutzer von selektiven Empfangsantennen.
Folgende Beobachtung sind primär für BC-DX-Spezialisten von Belang: Beim NRD-545 ist es etwas schwieriger, beim Empfang von AM-Sendem in SSB zwecks Störungsreduzierung auf Schwebungsnull abzustimmen, da der Träger bereits ca. 200 Hz vor Erreichen der korrekten Frequenz nicht mehr zu hören ist. KWZ-30 und vor allem AR7030 lassen sich bei Anwendung dieser Empfangstechnik deutlich exakter abstimmen. In vielen Fällen zeigte sich, daß KWZ-30 und AR7030 AM- Sender - ob nun in AM oder USB/LSB mit PBT gehört - mit einem angenehmeren Klang wiedergaben und demzufolge zu einem längeren Verweilen auf der Frequenz einluden. Ging es jedoch um die Meisterung besonders kniffliger Störsituationen, bot der aggressive DXKlang des NRD-545 zweifelsfrei Vorteile. Man fährt beim NRD-545 sozusagen ständig auf DX-Hochtouren, was sicherlich nicht jedes DXers Sache, für "Sammler und Jäger" unter den DXern aber nicht uninteressant ist.
Je mehr man sich der Grenze der mit Amateurmitteln noch lösbaren Empfangssituationen annähert, desto höher werden die im Verhältnis dazu anfallenden Kosten. Im Bereich des Rundfunkfernempfangs auf Kurzwelle liefert unter dem Strich der NRD-545 immer dann ein wahrnehmbar besseres Ergebnis als AR7030 und KWZ 30, wenn es um die Lösung extrem gestörter Empfangsfälle geht. Die Bezeichnung "wahrnehmbar" ist hierbei wörtlich zu verstehen, denn Wunder vollbringen kann auch ein DSP-Empfänger vom Kaliber eines NRD-545 nicht. In geschätzten 95 % der auftretenden Empfangssituationen wird man auf Kurzwelle mit AR7030 und KWZ-30 ein mindestens gleichwertiges Ergebnis erzielen können. Geht es um den Empfang von Funkdienststationen in SSB, CW oder RTTY, lassen KWZ-30 und NRD-545 den AR7030 (und andere analoge Empfänger) regelmäßig hinter sich, wenn ein bestimmtes Signal aus einer Ansammlung von Stationen heraus isoliert werden soll. Und in ganz kniffligen Fällen bringt die flexiblere AGC des NRD-545 weitere Vorteile. Betrachtet man abschließend die für NRD-545, KWZ-30 und AR7030 zu zahlenden Verkaufspreise aus der Sicht eines Nutzers, der sich für sämtliche auf Kurzwelle anzutreffenden Signale interessiert, so stellt jedes Gerät in seiner jeweiligen Preisklasse derzeit einen sehr guten Gegenwert dar. Mehr kann man kaum verlangen.

© Harald Kuhl, kurier 23/98

PS: Wie Gespräche mit Nutzem in Europa und den USA ergeben haben, treten beim NRD-545 nur bei Verwendung bestimmter Antennen die erwähnten Probleme mit Mischprodukten auf. Während beispielsweise Beverage-Antennen und Dipole mit ihrer jeweiligen Richtwirkung den Empfänger nicht aus der Ruhe bringen, können wirklich breitbandige Empfangsdrähte mit Rundumempfang (z.B. 20 Meter Außendraht) in bestimmten Frequenzbereichen für Probleme sorgen (guter Test: bleibt der Empfänger bei Dämmerung oberhalb von 6200 kHz ruhig?). Für den NRD-545 werden derzeit Modifikationen entwickelt, Über die wir beizeiten berichten werden.