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Lowe Electronics Ltd., Matlock, U.K.

HF - 150: Testbericht © weltweit hören 6 / 1992

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überarbeitet am 21.10.2010

Lowe HF 150 - "Special" für DXer oder was ?

Doppelsuper, 45 MHz, 455 kHz

Digitalanzeige auf 1 kHz genau, 30 kHz - 30 MHz

AM, AM-sync, CW, USB / LSB

Empfindlichkeit SSB < 0.5 uV

Selektivität -6 dB
7 / 2,5 kHz

AP-150 S-Meter optional,
Preselector optional,
Batteriepack & Teleskopantenne optional

60 Speicher

Wenn man den Lowe HF 150 zum ersten Mal gesehen hat, fragt man sich, wo man dieses kleine Gerät denn einordnen soll. Etwa als Reiseradio - oder als Stationsempfänger oder als Spielzeug für James und seine Freunde ? Dieser Praxisbericht soll hier eine kleine Hilfe sein. Lowe hat sich ja mit seinen Empfängern HF 125, HF 225 und HF 235 (die etwas verbesserte 19 Zoll Version des HF 225) einen guten Namen bei Amateurfunkern und Kurzwellenhörern gemacht, auch wenn mancher englischen Produkten mißtrauen mag. Stets hat man einen guten Gegenwert für sein Geld erhalten, auch wenn Werbung und Design der Empfänger gegenüber einigen japanischen Anbietern sehr zurückhaltend waren. Und wer es nicht weiß: Lowe ist Kenwood - Haupthändler in Großbritannien und dort auch für Reparatur und Service zuständig.
Als erstes fällt das ungewöhnlich kompromißlose Äußere des nur 18,5 cm breiten und 8 cm hohen und mit Batterien 1,5 kg schweren Metallgerätes auf. Auf der Frontseite werden hier mit dem Hauptabstimmknopf, drei kleinen Tasten und einen kombinierten EIN - AUS / Lautstärkeregler alle Funktionen geschaltet Der Empfänger überstreicht durchgehend einen Bereich von 30 kHz bis 30 MHz mit den Bandbreiten 7 und 2,5 kHz in den Betriebsarten AM, AM mit Synchrondemodulator, LSB und USB. Es kann sowohl am Netz mit dem mitgelieferten 12 V Netzgerät betrieben werden (falls nicht, wie bei unserem Testgerät, ein englischer Netzstecker montiert ist), als auch mit 8 Mignonzellen, die an der Rückseite des Empfängers in zwei Batteriefächern untergebracht werden können. Es lassen sich 60 Stationen inkl. der Betriebsart speichern und über den Hauptabstimmknopf wieder abrufen. Es stehen zwei Antennenanschlüsse zur Verfügung, entweder über eine PL 259 Buchse für niederohmige Antennen oder über eine Klemmbuchse für hochohmige Drahtantennen. Des weiteren kann für kurze Draht- oder Teleskopantennen ein eingebauter Verstärker benutzt werden.
Der Empfänger kann mit ausgezeichneten technischen Daten aufwarten, die sich fast mit denen des Drake R8 vergleichen lassen (siehe wwh 9/91). Der Empfänger mit einer ersten ZF von 45 MHz und einer zweiten ZF von 455 kHz kann mit Empfindlichkeitswerten bei AM von 10 dB und einer Modulation von 70 % von kleiner als 1 uV, bei eingeschaltetem Antennenverstärker mit einem Wert von kleiner als 0,3 uV aufwarten! Der Intercept-Point 3. Ordnung liegt bei +3dBm (20 kHz).

Doch nun zur Praxis. Wenn man den Empfänger einschaltet erscheint auf dem Display die zuletzt eingestellte Frequenz. Sonst nichts. Hier erkennt man gleich den kompromißlosen Weg zum reinen Empfänger, der nicht viel mit neuen Radios aus dem Hause Sony oder Grundig gemeinsam hat. Hat man bei diesen Empfängern versucht den Hörer mit viel Bedienungskomfort das Einstellen der gewünschten Station zu erleichtern, sieht man hier den umgekehrten, für viele DXer aber sicher nicht falschen Weg einer "einfachen" Frequenzeinstellung. Wenn man nun die Frequenz ändern möchte, drückt man die "FAST" Taste kurz und der Hauptabstimmknopf ändert die Frequenz in 100 kHz Schritten. Drückt man wiederum diese "FAST" Taste, läßt sich die Frequenz langsam verstellen; Bei AM-Empfang wird dann mit einer Umdrehung die Frequenz um 8 kHz verändert, in SSB und mit dem AM Synchrondemodulator ändert sich die Frequenz nur um 1kHz pro Umdrehung. Nun haben wir die genaue Frequenz eingestellt und wollen die Filterbandbreite oder die Betriebsart ändern. Dies geschieht auf ähnlichem Weg mit der "MODE" Taste. Drückt man diese Taste, ist der HF 150 in einen anderen Modus geschaltet. Nun lassen sich mit den beiden Tasten "MEM" und "FAST" folgende Betriebsarten einstellen, die auch in dieser Reihenfolge geschaltet und statt der Frequenz am Display angezeigt werden:
für SSB:
Lsb für das untere Seitenband; 2,5 kHz
Usb für das obere Seitenband; 2,5 kHz
für AM:
A für AM; 7 kHz
An für AM; 2,5 kHz
für AM mit Synchrondemodulator:
ASCH empfängt beide Seitenbänder; 7 kHz
ASf empfängt beide Seitenbänder, mit größerem Frequenzumfang; 7 kHz
ASL empfängt nur das untere Seitenband; 2,5 kHz
Asu empfängt nur das obere Seitenband: 2,5 kHz

Diese Betriebsarten lassen sich mit der "FAST" Taste in eine Richtung durchlaufen, und mit " MEM" in die entgegengesetzte Richtung. Somit kann man ohne viele Umwege zwischen einzelnen Betriebsarten wechseln und sich für die gegenwärtige Empfangssituation die beste Lösung suchen. Diese Art der Betriebsarteneinstellung wurde praxisnäher gelöst als bei einigen neuen Empfängern höherer Preisklassen, deren Funktionen sich nur in einer Richtung durchlaufen lassen, womit man wohl außer den Entwicklern solcher Geräte kaum jemand eine Freude gemacht hat.
Kommen wir endlich zum reinen Empfangsbetrieb, und der ist eine wirkliche Freude. Wir haben den HF 150 zuerst mit einem Sony ICF 2001 D verglichen, der ja leistungsmäßig das obere Ende tragbarer Hobby-Geräte darstellt und auch mit einem Synchrondemodulator ausgerüstet ist. Als erstes haben wir an beide Geräte ein ca. 7 m langer Draht mit Umschalter zum direkten Vergleich angeschlossen. Hier lieferten beide Geräte ungefähr gleich starke Signale. Radio Australia via Carnarvon auf 17670 war gegen 06.30 mit bei den Empfängern gut zu hören, das S-Meter des Sony zeigte ca. S7. Nun wechselte ich auf 17750, um die Parallelausstrahlung des englischen Programmes aus Carnarvon zu hören, und hier war durch die Störung von Radio Moskau auf 17745 der Empfang schon wesentlich schwieriger. Jedoch konnte mit beiden Empfängern das ungestörtere obere Seitenband im SYNCH-Modus ausgewählt und weiterhin das Programm verfolgt werden. Nachdem ich mehrere stärkere Stationen auf beiden Geräten in ungefähr gleicher Qualität wiedergeben konnte, sollten leise Signale hier einen besseren Vergleich ermöglichen. Auf der bekannten 15170,9 kHz war schnell RFO aus Tahiti eingestellt, und am HF 150 mit sehr schwachem Signal zu hören. Am Sony war die Station fast nur mehr zu ahnen. Wurde das Signal dank des eingebauten Antennenverstärkers am HF 150 noch spürbar besser, gab es am Sony nicht mehr viel zu verbessern, außer die Antenne zu verlängern um vielleicht so etwas mehr Signal an den Empfänger zu liefern. Doch hier trennten sich nun die Wege der beiden Empfänger. Mit der nun angeschlossenen 20 m langen Dipolantenne war am Sony nicht brauchbares mehr zu hören, dafür ist dieses Gerät wohl doch nicht ausgelegt. Doch am HF 150 war mit ausgeschaltetem Antennenverstärker weiterhin klar das Musikprogramm aus Tahiti zu hören.
So habe ich daraufhin als Vergleichsgerät den fast dreimal so teuren NRD 525 verwendet und wurde hier einige Male sehr überrascht. Sicher, der Lowe 150 ist von seiner Ausstattung und vom Konzept her nicht mit dem NRD 525 zu vergleichen, doch einen gewissen Reiz hatte die Sache schon: ist der NRD 525 ein bei vielen Hobbyfreunden beliebtes "High-End"-Gerät für den täglichen DX-Bedarf, so könnte doch der HF 150 dasselbe für unterwegs sein?
Hier konnte nun der HF 150 bei leiseren Signalen wie dem aus Tallinn auf 5925 nachmittags einen gleich guten Empfang wie der NRD 525 liefern, was sich bei anderen Vergleichen ähnlich verhielt. Bei stärkeren Interferenzstörungen, wie z.B. auf 7370 kHz nachmittags bei Radio Ala aus St. Petersburg, waren Notchfilter und Paßband-Tuning natürlich große Helfer beim NRD 525, aber auch mit dem Synchrondemodulator blieb der HF 150 nicht weit zurück, wenn auch der NRD 525 einen volleren Klang bei gestörten Signalen anbietet.
Abends habe ich dann versucht, im Tropenband einige nicht alltägliche Stationen am HF 150 zu empfangen. Hier hörte ich um 17.30 UTC Azad Kashmir Radio auf 4790 kHz mit leisem, aber ungestörtem Signal - bis um 17.40 TWR Swaziland mit dem bekannten Glockenzeichen auf der gleichen QRG zu senden begann. Nun habe ich mit dem Synchrondemodulator beide Signale zu trennen versucht, um die englische Stationsansage zu Sendebeginn brauchbar hören zu können. Und das gelang mitdem HF 150! Der NRD 525 lieferte mit auch in USB oder LSB keine klare Trennung der beiden Signale. Alle anderen bekannten Sender, die ich im Tropenband hörte, wie Mali, Benin, oder auch der reaktivierte Sender aus Tansania auf 5050 waren in ungefähr gleicher Qualität zu hören. Bei den schwächeren Signalen im 90-m-Band konnte z.B. Malawi auf 2280 nicht so gut wie am NRD 525 empfangen werden, doch für einen Empfangsbericht hätte auch dieses Signal gereicht. Beim Sony ICF 2001 D war hier so gut wie kein Signal nachzuweisen. Dieser Vergleich mit dem fast dreimal so teuren NRD 525 von JRC soll aber hier enden, da er von der ganzen Konzeption des NRD 525 sicher zum Nachteil des neuen Lowe ausfallen muß.
Doch weiter mit der Empfangspraxis. Eine besondere Einstellung beim AM-Empfang sind die Betriebsarten "ASCH" und "Asf’. Bei "ASCH" Betrieb ist der Synchrondemodulator eingeschaltet und das empfangene Signal auf beiden Seitenbändern (DSB) wiedergegeben. Hiermit läßt sich selektives Fading, das von einem nicht gleichmäßigen Träger einer AM Sendung stammt und im normalen Empfang verzerrt wird, durch den eigenerzeugten und daher sehr stabilen Träger ersetzen und mit besserer Qualität als mit einem Seitenband wiedergeben. Die besten Beispiele fand ich dazu tagsüber im 13 m Rundfunkband. Hier konnte ich z. B. All India Radio auf 21735 kHz mit dem Englischdienst in wesentlich besserer Qualität als in AM empfangen. Um den Empfang von ungestörten Sendungen noch zu verbessern kann man die "Asf’ Einstellung wählen. Diese wird im ausführlichen 30seitigen (englischen) Handbuch als "HiFi-Mode" bezeichnet. In der Tat bietet diese Einstellung durch einen größeren Audio-Frequenzbereich eine noch klarere Wiedergabe, allerdings nur bei ungestörten Sendungen, da hier ja das 7 kHz Filter zum Einsatz kommt.
Der HF 150 lieferte auch im Mittelwellenbereich mit wenigen Metern Draht gute Ergebnisse, die sich von der Feldstärke am Grundig Satellit 650 mit der eingebauten Ferritantenne messen lassen. Im Langwellenbereich konnte ich am Freitag Abend das ausgezeichnete DX-Programm von DS Kultur auf 177 kHz und am Morgen Atlantic 252 in der gleichen Qualität wie am Satellit hören.
Nun versuchte ich noch im 15 m Amateurfunkband einige Stationen zu hören. Hier fällt der langsame Abstimmschritt von 1kHz pro Umdrehung negativ auf. Beim Feinabstimmen zwischen zwei Amateurfunkern gefällt zwar die langsame Schrittweite, aber um 100 kHz zu überbrücken, muß man entweder zwischen dem Fast- und Normalmodus hin- und herschalten, sich als Zubehör die Eingabetastatur kaufen, oder lange, lange kurbeln. Die Signale der Amateurfunker in USB waren in brauchbarer Qualität aufzunehmen, beim Empfang von Morsesignalen wird man aber bedingt durch das 2,5 kHz Filter die Grenzen des Lowe erreichen. Negativ fiel auch die schlechte Bedienbarkeit des Abstimmknopfes auf; hier sollte man sich in England noch etwas einfallen lassen. Des weiteren wäre eine wenigstens kurzzeitige Möglichkeit der Beleuchtung des Displays wünschenswert, da viele Hörer wohl nicht nur bei Tage Radio hören ...
Abschließen noch ein Blick auf das angebotene Zubehör. Hier fällt der Tragriemen, der gleichzeitig die Portabelantenne ist, auf. Dieser "Antennenriemen" wird gemeinsam mit Akkusatz, einer 1,2 m langen Teleskopantenne und einem Tragegriff unter der Bezeichnung AK 150 angeboten. Des weiteren wird die Tastatur des HF 225 auch für den HF 150 mit der Bezeichnung HF 150 mit der Bezeichnung KPAD-1 angeboten. Ein externer Lautsprecher vervollständigt das Zubehörangebot.

Fazit
Wenn ich nun nach diesem kurzen Test den neuen Lowe HF 150 bewerten soll, muß man sich zuerst fragen: Was will ich damit hören? Für den reinen Programmhörer gibt es heute sicher Radios, die einfacher zu bedienen sind und auch im Tropenbandbereich brauchbare Ergebnisse liefern. Wenn man jedoch als ernsthafter Dxer einen kleinen portablen Empfänger sucht, den man vielleicht auch mit einem zusätzlichen Notchfilter an einer guten Antenne als Stationsempfänger betreiben will, dann kommt man spätestens nach einem Blick in die Preisliste nicht mehr um dieses innovative Gerät herum.

© Christoph Ratzer, wwh 6 / 1992

Technische Daten
Frequenzbereich: 30 kHz - 30 MHz
Betriebsarten: AM, AM-Synchron, DSB, LSB, USB
Empfindlichkeit: AM (10 dB S+N/N) moduliert auf 70 % Tiefe bei 1 kHz
kleiner 2 uV (50 kHz - 500 kHz)
kleiner 1 uV (500 kHz - 30 MHz)
mit Antennenverstärker: kleiner 0,3 uV (500 kHz - 30 MHz)
Empfindlichkeit: SSB ( 10 dB S+N/N) unmoduliert
kleiner 1 uV (50 kHz - 500 kHz)
kleiner 0,5 uV (500 kHz - 30 MHz)
mit Antennenverstärker: kleiner 0,2 uV (500 kHz - 30 MHz)
Spiegelfrequenzunterdrückung: größer 65 dB
Dynamikbereich: 87 dB (bei 20 kHz)
IP3 Intercept Point: +4dBm (bei 20 kHz)
1. ZF: 45 MHz, 2. ZF: 455 kHz
Ausgänge: Lautsprecher 2,0 W, 4 Ohm, Rekorder 150 - 200 mV, 5 kOhm
Strombedarf: 12 V DC, 130 - 300 mA, 220/240 V AC über Netzgerät
Gewicht: 1,3 kg, 1,5 kg mit Batterien
Abmessungen 185 x 80 x 175 mm
Preis: ca. 1.050,- DM, ca. 8.200 öS

d: Ein neuer Empfänger: LOWE HF 150, Jürgen Semmler / tth, wwh 6 / 92
d: Lowe HF-150, Joachim Salisch, kurier 15 / 92
d: Der letzte seiner Art ? Lowe HF-150 Europa, Harald Kuhl, kurier 8/99
d: Modifikation Lowe HF-150, Mehr Komfort für ein DX-Gerät, Thomas Adam /tte, wwh
e: Lowe HF-150, Radio Netherlands, Receiver Shopping List
e: two British Boxes - Lowe's HF-225 & HF-150 receivers, Elton Byington, N2KXT, fine tuning's proceedings