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Panasonic / National Panasonic,
Matsushita Electric Industrial Co. Ltd., Osaka
DR - 29 / RF - 2900 LBS: Testbericht © Rainer Lichte / addx

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Panasonic
 
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überarbeitet am 21.10.2010

Double conversion superhet, I.F. 2 MHz, 455 kHz

Digital frequency display, 1 kHz

AM, CW/SSB (BFO), FM

Sensitivity MW 32 uV,
5-30 MHz AM 1,8 - 2,4 uV, SSB 1,1 - 1,4 uV

Selectivity (-6/-60 dB)
3,8/13,1 kHz, 8,1/27,3 kHz

S Meter, RF Gain, Preselector

Der japanische Konzern Matsushita (Markennamen National, Technics und Panasonic) hat in den Jahren 1976 - 78 Pionierarbeit auf dem Gebiet tragbarer Kofferradios mit DX-Möglichkeiten geleistet. Wenn auch mit den üblichen Unzulänglichkeiten fast aller DX-Kleinempfänger belastet, waren diese Geräte doch immens erfolgreich. In manchen Ländern ist der DR 29 der am meisten vertretene DX-Empfänger; andere Geräte sind zu teuer oder nicht am Markt. Neuestes Koffermodell ist nun der RF2900 LBS, auch als DR 29 bezeichnet. Merkmale dieses Empfängers sind die tragbaren Abmessungen, Digitalanzeige, KW-Bereich 3.2 -30 MHz, eingebaute Nacheichmöglichkeit, der Preselector und die schaltbare Bandbreite. Der DR 29 ist ein echter Kofferempfänger und kostet ca. DM 675.-.

Das Gerät
Das grauschwarze Kunststoffgehäuse mit den Abmessungen 38 x 25 x 12 (BHT in cm) macht einen soliden Eindruck. ¦Die ungewöhnlich plazierten Handgriffe und Füße des Gerätes sollen die empfindlichen Einstellelemente im Falle des Falles vor Schaden bewahren. Außerdem geben die gummierten Füße eine gute Standsicherheit.
Hinter der gelochten Metallblende auf der linken Seite befindet sich der Lautsprecher. In diese Blende sind oben die Bedienungselemente für den Preselector eingelassen. Dieser wird mit dem kleinen Kippschalter links außen ein- und ausgeschaltet. Der Abstimmbereich des Preselectors wird mit dem Knebelknopf daneben eingestellt: schaltbar sind LW, MW und KW 1, 2, 3. Der außenliegende Knebelknopf übernimmt die Feinabstimmung im gewählten Bereich. Durch den Ein/Aus-Schalter wird also der Preselector zu einem völlig abtrennbaren Schaltungsteil, daher ist brauchbarer Empfang auch ohne Preselector möglich.
Die Frequenzanzeigen schließen sich rechts an: eine fünfstellige grüne Digitalanzeige (Panaplex) und eine sauber markierte analoge Filmskala. Die drei griffigen Knebelschalter unter der Analogskala haben folgende Funktionen: Gerät ein/aus, Skalenbeleuchtung ein/aus und Bandbreite breit/schmal. Das Anzeigeinstrument rechts daneben hat Skalen für Signalstärke 1 bis 10 und Batteriezustand. Der große Knebelschalter unter der Digitalanzeige wählt die Frequenzbereiche. Dies sind UKW, LW, MW, KW1, KW2 und KW3. Mit dem kleinen Schalter daneben kann die Digitalanzeige auf Dauerbetrieb, Momentanzeige oder ausgeschaltet werden. Der konische Drehknopf darunter ermöglicht eine Nacheichung der Anzeige auf indirektem Weg: Verstellt wird damit der ZF-Oszillator, nicht die Anzeige der Frequenz. Die für alle AM-Bereiche mögliche manuelle HF-Verstärkungseinstellung geschieht mit dem zweiten Drehknopf von oben. Der darunterliegende Knopf verstimmt den BFO-Oszillator, wenn dieser mit dem kleinen Schalter links daneben eingeschaltet wurde. Damit ist also SSB und CW-Empfang möglich. Dominierend im Bedienfeld ist der große Abstimmknopf. Dieser ist zur besseren Handhabung mit einem kleinen drehbaren Knebel versehen. Die Abstimmgeschwindigkeit läßt sich wählen: Einstellknopf gedrückt: Grobantrieb; Einstellknopf herausgezogen: Feinantrieb. Die Untersetzung von 1 : 20 nimmt ein Zahnradgetriebe vor: spielfrei, geräuschlos und auch bei Grobantrieb sehr leicht drehbar. Zweitgrößter Knopf im Bedienfeld ist der Lautstärkesteller links daneben. Darunter befinden sich zwei weitere Knöpfe zur Klangbeeinflussung. Die drei kleinen Buchsen direkt darunter erlauben den Anschluß von Kopfhörern bzw. externen Lautsprechern, von einem UKW-Stereodecoder bzw. einem aufnehmenden Bandgerät. Über den Frequenzanzeigen läßt sich eine kleine Sonnenblende anbringen.
Die 96 cm lange Teleskopantenne hat ein Dreh-/Knickge-lenk und ist voll in die rechte Gehäuseseite versenkbar. Auf der Rückseite gibt es ein gut zugängliches Batteriefach für sechs Monozellen. Zwei etwas lieblos konstruierte Federklemmen ermöglichen den Anschluß von Langdrahtantennen. Auf der rechten Gehäuseseite gibt es eine DIN-Buchse nebst einem Schiebeschalter. Damit kann der Empfänger an ein Bandgerät mit DIN-Norm angeschlossen werden, und zwar auch als Wiedergabeverstärker. Mit dem Schiebeschalter wird dann das Empfangsteil des DR 29 stummgeschaltet. Schließlich finden sich auf der linken Seite noch die Buchse für das Netzkabel und der Netzspannungsumschalter.
Der DR 29 wiegt 3.6 kg und wird mit Ohrhörer, Trageriemen und Netzkabel geliefert. Dazu gibt es eine brauchbare Bedienungsanleitung für das Gerät, eine Frequenztabelle und ein Logbuch.

Betriebsergebnisse
Alle Ergebnisse gelten für den Betrieb mit sauber abgestimmtem Preselector. Zwar ist brauchbarer Empfang auch ohne den Preselector möglich. Die Auslegung des Empfängers ist aber eindeutig für DX, also wurden alle Möglichkeiten genutzt. Dazu sollte die Betriebsanleitung aufmerksam gelesen werden.
Gleich zu Anfang wurde die ungünstige Plazierung dieses Preselectors bzw. seiner Einstellelemente bemerkt. Das Gerät wäre um eine Größenordnung bequemer zu bedienen, wenn diese Schalter und Einsteller unten auf der linken Gehäuseseite liegen würden. Ansonsten gibt es trotz der Vielfalt der Bedienungselemente keine Handhabungsprobleme; die Abstufung in der Größe der wichtigsten Einsteller wurde als zweckmäßig empfunden. Richtig begeistern konnte die seidenweiche Grob-/Feinabstimmung, die überaus angenehm zu bedienen ist. Alle Schalter und Einsteller arbeiten sauber und verursachen keinerlei Schaltgeräusche. Mittels der Nacheichmöglichkeit kann nach Einstellen auf eine Standardfrequenz (5, 10, 15 MHz usw.) eine hinreichend genaue Übereinstimmung zwischen Digitalanzeige und Senderfrequenz erreicht werden. Diese Nachstellmöglichkeit ist auch unbedingt notwendig, denn die Gesamtdrift des DR 29 ist unüblich groß.
Die NF-Qualität ist gut und die erreichbare Lautstärke mehr als genügend. Das Anzeigeinstrument ist leider nicht in S-Werten geeicht, hat aber eine hinreichend flinke Anzeigecharakteristik. Der Einsteller für die HF-Verstärkung hat keine gerastete Stellung für Automatik. Man ist also stets gezwungen, mit Preselector, Hauptabstimmung, HF-Verstärkung und Lautstärke zu jonglieren, um die erstaunlichen Möglichkeiten dieses Kleinempfängers voll nutzen zu können. Denn die praktisch verwertbaren Empfangsleistungen sind für ein derartiges Gerät gut bis ausgezeichnet. Dabei muß aber, wie schon bemerkt, die Bedienung sorgfältig und zweckentsprechend gehandhabt werden. Absolut gesehen ist die Leistung des DR 29 obere Mittelklasse.
Mit eingeschaltetem und abgestimmten Preselector ist die Großsignalfestigkeit dieses Gerätes um eine Größenordnung besser als bei den Vorgängern dieses Typs. Das bekannte Problem dieser Geräteserie - Frequenzstabilität - tritt leider auch beim DR 29 störend in Erscheinung. Nach dem Einschalten sind 4 kHz Abweichung in der ersten halben Stunde nicht ungewöhnlich. Danach wird die Drift langsamer, hört aber nie ganz auf. Eine gewisse Stabilisierung ist nach etwa zwei Stunden zu beobachten. SSB, RTTY und auch CW sind daher über längere Zeiträume praktisch unmöglich.
Die Kombination Preselector / HF-Verstärkungseinstellung arbeitet mit der eingebauten Stabantenne gut; das Maximum ist eindeutig. Bei Anschluß von mehr als 5 bis 7 Meter Langdraht stellt der Preselector den Betrieb ein. Das Signalangebot wird zu groß - auch bei Minimumstellung der HF-Verstärkung gerät die AGC in Sättigung. Je nach Feldstärke kann es dann auch hörbare Verzerrungen geben.
Sauberster Empfang ergibt sich, wenn die HF-Verstärkung nur soweit aufgedreht wird, daß mit dem zugeschalteten Preselector das S-Meter gerade über 10 geht. Aufwendige Antennenanlagen sind nur verwendbar, wenn ein Abschwächer nachgeschaltet wird. Bleibt man innerhalb dieser Grenzen, so kann der Kurzwellenteil durchaus als gut bezeichnet werden. Die Empfindlichkeit ist mit der eingebauten Antenne genügend groß und die Trennschärfe bei schmal ausreichend.
Bemerkenswert ist die Einsatzmöglichkeit des Preselectors im MW- und LW -Bereich. Auch hier ist das Maximum scharf; die Richtwirkung der Ferritantenne läßt sich wegen der geringen Gehäuseabmessungen gut zum Einsatz bringen. Mit auf schmal geschaltetem Filter ist dann gutes DXen im Mittelwellenbereich möglich. Für den LW-Bereich gilt sinngemäß das Gleiche.
Die Empfindlichkeit des UKW-Teils ist gut aber die Trennschärfe könnte besser sein. Das S-Meter wird in diesem Bereich fast unbrauchbar. Es liegt meist am linken Anschlag, wenn ein Sender auch nur halbwegs empfangswürdig ist.
Bei Batteriebetrieb ist die erreichbare Lautstärke naturgemäß geringer als bei Netzbetrieb. Auch gibt es bei Batteriebetrieb Probleme im Empfangsteil für KW, wenn bei größeren Lautstärken die Betriebsspannung im Takte der Musik schwankt. Wegen der großen Batteriekapazität (sechs Monozellen) ist die erreichbare Betriebsstundenzahl ungewöhnlich hoch. Da das Gerät ausgesprochen handlich ist, würde ein Tragegriff auf der oberen Gehäuseseite mobiles DXen noch angenehmer machen. Mit den angebauten Griffen ist der Transport unbequem.

Wertung und Kritik
Größter Fehler des Gerätes ist die Instabilität der frequenzbestimmenden Kreise. Die Drift ist übermäßig groß und hört leider nie ganz auf. Die Nacheichmöglichkeit ist zwar einfach zu handhaben und erlaubt den Abgleich auf etwa ± 100 Hz, kann jedoch hier nicht als besonders bemerkenswertes Schaltungsdetail bewertet werden. Diese Nacheichung ist unbedingt notwendig. Ebenfalls zu kritisieren ist das Verhalten der Eingangsschaltung an unabgestimmten Langdrahtantennen. Hier wird unter Umständen der Preselector nutzlos, der Regelbereich der AGC reicht nicht mehr aus. Solange dieser Preselector aber eingesetzt werden kann, ist das Großsignalverhalten ordentlich. Mit der eingebauten Stabantenne ist der HF-Verstärker nicht überladbar.
Der Einstellbereich des BFO ist zu groß gewählt; saubere SSB-Einstellung erfordert schon einiges Geschick. Die eingebauten Antennen können nicht abgeschaltet werden und die Stabantenne ist handempfindlich: Bei Berührung kann sich die Abstimmung um ± 3 kHz verschieben! Die ungünstige Lage der Preselector-Bedienung wurde bereits bemängelt. Weitere Kritik beschränkt sich auf Details der Konstruktion:
Die Bedienungsknöpfe haben keine deutliche Markierung, aus der sich die Stellung des Knopfes ersehen lassen kann.
Die Antennenklemmen sind nicht praxisgerecht. Der Netzstecker sollte seine Buchse auf der Geräterückseite haben. Auf der Oberseite fehlt ein richtiger Tragegriff. Uneingeschränkt lobenswert dagegen ist der mechanisch aufwendige Grob/Feintrieb. Mit 2 80 kHz/U reicht die Stellung Fein im oberen Frequenzbereich allerdings nur gerade noch aus, um feinfühlig abstimmen zu können. Ansonsten ist die Ausstattung recht kompromißlos auf DX ausgelegt. Tatsächlich dürfte der DR 29 derzeit das einzige wirklich handliche Kofferradio mit derartig guten Qualitäten sein. Unter voller Ausnutzung der vorgesehenen Bedienungsmöglichkeiten und Vermeidung von Extremsituationen kann dieses Gerät ohne Einschränkung als brauchbarer DX-Empfänger bezeich-net werden. Ein ideales Gerät für den ambitionierten Jung-DXer mit kleiner Kasse oder als Reise-Zweitgerät.

Zusammenfassung
Verglichen mit allen anderen derzeit erhältlichen sogenannten Koffergeräten ist der DR 29 aufgrund seiner reichhaltigen Ausstattung, seiner Empfangsleistung und der geringen Größe ganz oben einzureihen. Die vielen Bedienungsmöglichkeiten kommen dem Spieltrieb entgegen, machen allerdings bei Fehlbedienung die Qualitäten dieses Empfängers zunichte. Die Drift der Abstimmung bleibt größtes Übel dieser Serie. Das immer problematische Großsignalverhalten kann zwar durch den Preselector nicht eliminiert, aber doch teilweise kompensiert werden. Besonders für den Newcomer ist dies ein empfehlenswertes Gerät. Das Verhältnis von Preis und Gegenwert ist gut.

Technische Daten und Meßwerte National DR-29
HerstellerMatsushita (Panasonic), Japan
VertriebFachhandel
GerätetypDX-Kofferempfänger
SchaltungstypDoppelsuper KW 1 - 3, 1. ZF = 2 MHz
FrequenzbereicheKW1 3 095-8 250 kHz KW2: 7770- 16345 kHz KW3: 15 450-30 600 kHz LW, MW, UKW
FrequenzanzeigeDigital, grüne Panaplex-Anzeige
AblesegenauigkeitKW, MW, LW: ± 1 kHz, UKW: ± 10 kHz
Absolute Genauigkeitjustierbar auf ±100 Hz
Frequenz Stabilität bei AT von 1 0° C innerhalb 1 Stunde±3.5 kHz ±4kHz
Besonderheitengeringe Abmessungen, günstiger Preis, Preselektor, leichte Abstimmung
HF-Teil
Empfindlichkeit in uV an 50 Ohm bzw. 1 KOhm bei BC
0.1 MHz - 1.5 MHz für26dB S+N/N
2 MHz- 30 MHz für 6 dB S+N/N Modulation AM, 400 Hz 30 Prozent
Frequenz (MHz) AM breit AM schmal SSB
0.2 163 - -
0.5 51 41 -
1 38 32 -
1.5 33 28 -
5 3.6 2.4 1.4
7 3.1 2.0 1.2
10 2.6 2.0 1.1
15 2.8 2.0 1.2
20 3.0 1.8 1.1
25 2.9 2.0 1.2
30 3.0 2.0 1.4
Trennschärfe (kHz) 7 MHz ±1MHz, -6 dB -60 dB breit: 8.1/ 27.3
schmal 3.8 / 13.1
Spiegelfrequenzsicherheit48-55 dB, je nach Bereich
Zf-Festigkeit57 dB
AGC-Regelbereich55 dB + 30 dB Hand
AbstimminstrumentS1 = 0.5 uVolt; Mitte = 5 uVolt; Ende = 30 uVolt
AntennenStabantenne 96 cm, Ferritantenne
AntennenanschlußKlemmtasten, Impedanz nicht definiert
SonstigesVariationsbereich der Frequenzeichung: ca±30 kHz, UKW-Empfindlichkeit 2.1 uV / 26 dB
NF-Teil
Leistung, SinusNetzbetrieb 2.3 Watt, 5% THD
Frequenzgang71 - 7 200 Hz, ±3 dB
TonblendeHöhen, Tiefen, jeweils ± 6.5 dB
Störbegrenzer-
Lautsprecher8 0hm, 10cm Durchmesser, 3 Watt
AnschlüsseLautsprecher, Ohrhörer. Kopfhörer, Tonaufnahme und Stereodecoder; jap. Ministecker. DIN-Buchse für NF ein/aus
StromversorgungNetz 110/220 Volt; Batterie sechs Monozellen
LeistungsaufnahmeNetzbetrieb ca. 9 Watt; Batteriebetrieb 4.2 Watt
Maße38x25x12 BHT in cm
Gewicht3.6kg
Bestückung5 ICs, 25 Halbleiter, 13 Dioden
ZubehörOhrhörer, Betriebsanleitung, Sendertabelle, Logbuch. Netzkabel. Tragegurt
FTZ-Nummerja
Preisca. DM 675.00

© Rainer Lichte, Kurzwellenempfänger - Qual der Wahl