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Realistic DX / Tandy Corporation, Fort Worth, FL

Realistic DX - 394: Testbericht © weltweit hören 12 / 1996

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überarbeitet am 22.10.2010

Radio Shack DX-394: Ein neuer alter Name aus den USA

Doppelsuper, 1. ZF 45 MHz, 2. ZF 455 kHz

Digitalanzeige, 100 Hz

AM, USB, LSB, CW

UKW, MW, KW - 30 MHz

Selektivität -6 dB/ -60 dB

Sensitivität

Abschwächer

Keypad, 160 Speicher, Uhr, Timer

Gelegentlich gibt es doch noch neue Namen auf dem engen europäischen Markt für Kurzwellenempfänger, und nicht nur das hat uns neugierig gemacht. Schon das Äussere des Gerätes erweckt den Anschein, als ob hier ein kleiner Kommunikationsempfänger oder Scanner vor uns steht.

Radio Shack, zur Tandy Corporation gehörig, ist für uns Europäer zumeist ein wenig bekanntes US-Unternehmen, das in Nord- und Südamerika eine Ladenkette betreibt, die jegliche Art von elektrischen Geräten in den Regalen hat. Unter eigenem Namen werden einzelne Produkte ebenfalls angeboten, wobei das technische Design teils aus eigenen Labors stammt Der DX-394 z.B. wird in China hergestellt, im Inneren finden sich aber Bauteile aus vielen Ländern dieser Erde - wie bei anderen Empfängern zwischenzeitlich auch.
Die erste Überraschung erlebten wir beim Auspacken. Kein Plastikmüll, sondern sinnvoll eingesetzte Wellpappe, nur die Staubschutzhülle ist aus (nicht gekennzeichnetem) Kunststoff, offensichtlich PE. (Hoffentlich kommt der Rohstoff für die Wellpappe nicht aus sibirischen oder tropischen Wäldern ...) Beigepackt war nicht nur cine ausführliche englisch- und französischsprachige Bedienungsanleitung, auch eine entsprechende in Deutsch mit 34 Seiten Umfang war vorhanden. In der Hülle steckte noch die schraubbare Teleskopantenne, auf die wir noch später zu sprechen kommen. Der Händler iler hatte zudem noch für unsere Tester das Service-Manual beigelegt, aus dem wir u.a. das Schaltbild entnahmen. Das Gerät ist mit 2.1 kg relativ leicht, was sich auch damit erklärt, dass das Gehäuse aus robustem Kunststoff besteht. Auf der Unterseite sind vorne zwei rutschsichere Füsse abzuklappen. so dass man das Gerät arbeitsfreundlich in schräger Stellung am Hobbyplatz aufstellen kann, zumal zwei Gummifüsse das Rutschen verhindern.
Die Masse des Gerätes sind relativ klein: 233 x 100 x 232 mm sind es nur, trotzdem sind 30 Drucktasten und 5 Drehknöpfe sowie ein Display auf der Vorderseite plaziert (siehe auch Schema), ebenfalls der Kopfhöreranschluss (Mono). Der Rekorderausgang mußte auf die Rückseite. wo noch (von links nach rechts) der einfach schaltbare Abschwächer (20 dB), ein PL-Antennenanschluß (50 Ohm), eine Bananenantennenbuchse (600 Ohm) und ein Erdungspunkt, besagter Rekorderausgang, ein Anschluß für einen externen Lautsprecher zu finden sind. Nicht fehlen dürfen natürlich der Anschluß für 13,8 V Gleichstrom und der Anschluß für 230 V Wechselstrom. Nur mit einem dünnen spitzen Gegenstand ist der versenkte Reset-Schalter zu erreichen. Mit 110 V ist das Gerät leider nicht zu betreiben, auch ist der Betrieb mittels Akkus/Batterien im Gerät ist nicht vorgesehen. Vergessen wir nicht das Label des Vertreibers Radio Shack wie auch des deutschen Importeurs SIKA Electronic mit dem CE Zeichen.
Der Lautsprecher befindet sich im hinteren Teil der Oberfläche und strahlt etwas ungünstig ab, auch der Klang ist nicht überragend. Langzeithörer werden aber sicher immer den (offenen!) Kopfhörer einsetzen, schon um häusliche "lnterferenzen" abzuwehren, denn bei dessen Einsatz schaltet der Lautsprecher automatisch ab. Im hinteren rechten Teil der Oberfläche befindet sich auch die Einschrauböffnung für die Teleskopantenne.
Der DX-394 überstreicht den gesamten Frequenzbereich von 150 kHz bis 29999 kHz. Als Betriebsarten können AM, LSB, USB sowie CW1 und CW2 (beide Seitenbandlagen) empfangen werden. Frequenzen lassen sich entweder über die Tastatur direkt bis auf 100 Hz genau eingeben oder aus den vorher belegten 160 Speichern abrufen. Die Größe der Frequenztasten und der Abstand zwischen ihnen ist etwas knapp, kleiner dürfte er auf keinen Fall sein, zudem fehlt eine blindengerechte Markierung. Wer mit Notebooks öfters arbeiten darf, fühlt sich vielleicht "daheim", für die Tester war es teils jenseits der Grenze des Angenehmen. Eine Abstimmung per Hand ist mit dem größeren Hauptabstimmknopf ebenfalls möglich. Wird dieser rascher gedreht werden die Frequenzschritte größer. Leider ist die Vertiefung im Knopf nur für zarte Hände angenehm, für kräftigere ist sie schlicht zu klein. Alle Bedienelemente der Vorderseite sind aus berührungsfreundlichen Kunststoffen gefertigt, wie wir sie z.B. von einigen Grundig Geräten seit Jahren kennen.
Das Display ist auch dann gut lesbar, wenn aus einem leichtem Winkel heraus die Betrachtung erfolgt. Es informiert über alle wesentlichen Einstellungen des Empfängers. Die Leuchtstärke bleibt leider etwas hinter der vergleichbarer Geräte zurück, und schaltet man bei vollem Tageslicht den Dimmer, so meint man leicht, das Display sei nun ohne Hintergrundbeleuchtung.
Die Frequenz wird auf 100 Hz genau angezeigt. Befindet man sich gerade innerhalb eines Rundfunkbandes, ist dieses ebenfalls in der linken unteren Ecke vermerkt, wie auch ein eventuell aktivierter Speicherplatz. Weiter wird noch eine von zwei vorher zu bestimmenden Uhrzeiten angezeigt wie auch Timerfunktionen. Im rechten Feld sitzt ein sogenanntes S-Meter, dessen "Zeiger" digital erzeugt wird. Abgelesen werden kann von 0 bis 9 +40 dB bzw. entsprechenden S-Stufen 1 bis 5. Darunter wird die jeweils eingestellte Schrittweite angezeigt, also 0,1 - 1 - 5 - 9 oder 10 kHz. Sind Noiseblanker bzw. Lock aktiviert leuchten diese ebenfalls auf. Die jeweils gewählte Betriebsart ist leider nur am jeweiligen Bedienelement sichtbar.
Kein neuer Empfänger verzichtet inzwischen auf den Einsatz von Programmspeichern und Schaltuhrfunktionen. Das Gerät verzeichnet alleine fünf Schaltmöglichlichkeiten (An- bzw. Ausschaltzeiten), die frei programmierbar sind. Eine automatische Aufzeichnung von Sendungen ist aber nur mit einem entsprechend ausgelegten Aufnahmegerät möglich, da der DX-394 nicht über einen Schaltausgang verfügt. 160 Speicherplätze sind verfügbar, allerdings mit einer etwas merkwürdigen Implementierung. Auf Lang-, Mittel- und Kurzwelle kann man jeweils 10 belegen, dazu noch in jedem der 13 Kurzwellenbänder weitere 10. Dazu muß man vor dem Speicherabruf jeweils in den gewünschten Bereich wechseln, um mit Eingabe der Zahlen 0 bis 9 den Sender abzurufen. Diese Prozedur ist wenig anwenderfreundlich, zudem wird nur die Frequenz und nicht die Betriebsart gespeichert. Weiter sollte man dann noch beachten, das Gerät nicht für Tage vom Netz abzukoppeln, da ansonsten ein "Gedächtnisverlust" eintritt: Die Speicherplätze behalten ihren Inhalt in der Regel nur für maximal 2 Stunden ohne externe Stromversorgung, was besonders bei längeren Transporten sehr ärgerlich sein kann.
Im praktischen Empfangsbetrieb wurde der Empfänger zunächst mit der mitgelieferten Teleskopantenne betrieben, die zuvor auf der Oberseite einzuschrauben war. Wichtig ist dabei auch, daß der Standort des Empfängers beachtet wird, Abschirm- und Störwirkungen sind wie bei anderen Geräten vorhanden. Wir haben zeitweise einen Grundig S 700 und einen ICOM IC-R70 zum Vergleich parallel gefahren, um die jeweiligen Leistungen am selben Standort unter den jeweiligen Bedingungen besser einschätzen zu können. Mit dem eingeschraubten Teleskopstab waren in sämtlichen Rundfunkbändern die stärkeren Stationen problemlos aufzunehmen, in den Amateurfunkbändern waren die Leistungen entsprechend. Der rund 75 cm lange Teleskopstab ist zwar ausdrücklich nur als Hilfsantenne bezeichnet, könnte aber getrost etwas länger ausgeführt sein. Für Lang- und Mittelwelle ist eine handelsübliche Ferritantenne eingebaut.
Empfohlen wird der Einsatz einer abgestimmten Aussenantenne bei guter Erdung. Praktisch sind hier die verschiedenen Anschlußmöglichkeiten auf der Rückseite des Gerätes. Wir haben zum einen einen Langdraht von ca. 12 m Länge samt Preselektor eingesetzt, zum anderen eine selektive Aktivantenne ht 504. Stärkere oder breitbandigere Aktivantennen werden nicht empfohlen, die Möglichkeit der Überladung der Eingangsstufe ist zu groß. Nicht angepaßte Langdrahtantennen sollten unbedingt vermieden werden; daß die Antennen entsprechend zu montieren und zu plazieren sind, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.
Die Empfindlichkeit des DX-394 ist in etwa mit der des S 700 vergleichbar. Leider konnten wir nur die nicht filtermodifizierte Version des DX-394 in der Praxis erproben, die eine Filterbreite von ca. 3,2 kHz anstatt 4.2 kHz besitzt, so daß bei der Trennschärfe der S 700 etwas die Nase vorn hatte. Die Filtermodifizierung kostet ca. DM 100 und ist unbedingt zu empfehlen. Die Empfangsleistungen in den jeweiligen Bändern waren mit denen des S 700 ebenbürtig, wobei in den Tropenbändern der DX-394 ein etwas besseres Signal lieferte. Wichtig ist in allen Empfangsbereichen die korrekte Anpassung der jeweiligen Außenantenne, so daß eine Überladung vermieden wird. Ansonsten ist es möglich, daß stärkere Stationen auf 10 bis 20 kHz daneben liegende Kanäle "durchschlagen", der eingebaute einfache Antennenabschwächer (- 20 dB) ist dann meist machtlos. "Geisterstationen" waren im übrigen nicht zu vermerken. Schön wäre es gewesen, wenn wir die SSB-Bandbreite auch für AM hätten einsetzen können. Wer SSB und CW öfters als Betriebsart wählt sollte keine großen Erwartungen hegen, denn die eingesetzten Filterbandbreiten erscheinen zu hoch. Auch hier könnten schmalere Filter bessere Ergebnisse zeitigen. Aufgefallen ist noch ein Frequenzversatz bei USB von ca. 1,5 kHz, der in dieser Größenordnung aber auch bei anderen Geräten auftritt.
Beim Abstimmen per Drehknopf kann die Abstimmweite entsprechend angepaßt werden, 0.1 - 1- 5 - 9 bzw. 10 kHz sind einstellbar. Nur wenig fällt das Knacken als Folge der Abstimmschritte auf. Dieses Phänomen ist allerdings auch bei deutlich teureren Kommunikationsempfängern noch immer nicht ganz beseitigt. Der Drehknopf könnte etwas grösser sein, die Vertiefung, zum Drehen mit einem Finger, ist hier wohl nur für zarte Finger gedacht. Die Tastatur zur digitalen Frequenzeingabe ist zwar im Griff angenehm, es wird jedoch eine Markierung vermisst, die eine Orientierung bei schlechten Lichtverhältnissen bzw. als Sehbehinderter erleichtern könnte. Einen Synchrondetektor sucht man bei diesem Gerät vergebens, bei diesem Preis ist das auch nicht zu kalkulieren, aber eine funktionierende Noise-Blanker Funktion ist vorhanden. Das S Meter ist etwas optimistisch eingestellt: Zum Vollausschlag genügt bereits ein mittelprächtiges Signal. Die AGC ist leider nicht veränderbar, sie arbeitet aber mit einer relativ geringen Zeitkonstante.
Fazit
Der Radio Shack DX-394 hinterlässt trotz einiger Anmerkungen einen positiven Eindruck bezüglich der Empfangsleistungen. Das Preis-Leistungsverhältnis ist als gut zu bezeichnen. Der Betrieb erscheint nur mit einer angepaßten Außenantenne sinnvoll, der verfügbare Teleskopstab verhilft nur zu mässigen Empfangsergebnissen. Hierbei ist auf die Anmerkungen im Handbuch zu achten. Eine Filtermodifikation in AM ist zu empfehlen, ggf. auch der SSB-Filter, wenn der Betrieb in SSB oder CW bevorzugt wird. Wenn Details in der Handhabung nicht ganz optimal sind, so ist der Gerätepreis als offensichtlicher Grund zu nennen. Die Speicherfunktion ist nicht nur umständlich sondern auch wertlos, wenn man das Gerät öfters transportieren muß. Hier ist eine Änderung, wie auch anderer Details, zur nächsten Serie sehr zu empfehlen. Das Gerät ist eine sehr interessante Alternative z.B. zum Sony ICF-SW 77 und zum Grundig S700 (zwischenzeitlich werkseitig nicht mehr lieferbar), auch wenn der Leistungsumfang nicht in jedem Falle identisch bzw. 1:1 vergleichbar ist und der DX-394 z.B. keinen UKW-Empfang ermöglicht. Empfangsleistungen eines wahren Kommunikationsempfängers kann man aber zu diesem Preis wirklich nicht erwarten, da muß man noch einige Scheine mehr anlegen.

Den Testempfänger stellte uns die Firma Lange Electronic, Meschede, zur Verfügung. Eine Filtermodifikation kann dort auch auf Anfrage vorgenommen werden.

Technische Daten:
Frequenzbereiche: LW 150 - 509,9 kHz, MW 510-1729,9 kHz, KW 1730 - 29999,9 kHz
Speicherplätze: 160, je 10 pro Rundfunkband 120 - 11 m sowie LW,MW und KW
Empfindlichkeit in AM (10 dB S+N/N bei 30 % Modulationsgrad)
LW 10 uV, MW 7 uV, KW 1 uV
Empfindlichkeit in SSB (10 dB S+N/N)
KW 0,3 uV
Bandbreite: 14 kHz bei ca. - 50 dB
Spiegelfrequenzsicherheit: 80 dB am Antennenschluss Lo-Z
Nebenwellen: - 80 db am Antennenanschluss Lo-Z
Zwischenfrequenzen 45 MHz und 455 kHz
Impedanz der Antennenanschl.: Anschluss Lo-Z ca 50 Ohm, Anschluss Hi-Z ca 2 kOhm
NF-Ausgangsleistung (Klirrfaktor max. 10 %): 800 mW
Stromversorgung: 230 V / 50 Hz, ca. 13 W oder 13,8 V =, 8 W
Abmessungen: ca. B 233 x H 96 x T 230 mm
Gewicht: ca. 2,1 kg
Preis Grundversion: ca. 750 DM
Preis-Leistungs-Verhältnis: ****

weitere Lektüre:
d: Praxistest: Radio Shack DX-394 - Empfänger für Einsteiger, SWLs und BCLs, Harald Kuhl - DL1ABJ
d: Bittet zu Tisch: Radio Shack DX-394, Nils Schiffhauer, Radio hören 10/96
d: Radio Shack DX-394, Christoph Ratzer, wwh 1 / 97
e: Radio Shack DX-394, Jonathan Marks, Tom Sundström
d: Schönling mit (zu) weitem Herzen: "Radio Shack DX 394", Rolf Dieter Wiedenmann, kurier 15/98

© tte/we, wwh 12 / 1996